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Die Wahrheit · 1900-01-19 · Heft 3 (19.1.1900) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 3 (19.1.1900)
Date
1900-01-19
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seile 8. Nr. 3. Oie Wahrheit. Wien. Montag, beu 15. Deeember ^8 Uhr Abend hielt die „O e st err. i s r a e l. Unio n" im Feftsaale des „Hotel Continental" eine Vereinsversammlung ab, an welcher die Abgeordneten Hofrath Kareis, Noske, Wrabetz, Dr. Krouawetter. Dr. Ofner, die Gemeinderäthe Lucian Brunner und Dr. Mittler, der Vicepräsident der Cultusgemeinde Landesichulralh Dr. Gustav Kohn, die Cultusvorsteher Dr. Grüufeld und Bezirksschnlrath Dr. Spitzer, Tempelvorsteher Ieiteles, der Obmann des Bethausvereines im IX. Bezirke, Herr G. Beuelheim, die Rabbiner Dr Gelbhaus, Löwy und Sor, Obercantor Bauer, Ortsschulrath S. Heit, B. Kanitz uub viele Nereinsmirglieder iheilnahmen. Nach Eröffnung der Versammlung durch den Präsidenten kaii. Rath Anninger übernahm Docent Dr. Ehrmann den Vorsitz, und hieraus erstattete Schriftleiter Fleischer einen umsassenden Bericht über die Thätigkeit der „Union" in der Asfaire Polna und gelegentlich der jüngsten Ereignisse in Na.hcd, iewie über die zu Gunsten der nothleidendeit Juden in Galizien eingeleitete Hilssaction. Eine überaus lebhafte Debatte entwickelte sich nach dem Referate des Gemeinderathes Lucian Brunner über „das Wiener Gemeindewahlrecht und die Personaleinkommensteuer". Der Referent unterwarf die Wiener Verhältnisse, besonders die Anstände im Gemeinderäthe und Stadlrathe einer scharfen Kritik, vernrtheilte auch die Haltnitg der Regierung, rejp. des Statthalters gegenüber der gegenwärtig herrschenden Partei und beantragte schließlich zwei Resolutionen. Die eine gieng dahin, bei der Regierung durch eine Masse'.'.drputation um Auslösung des Gemeinderathes anzusuchen, und die zweite forderte den Statthalter aus. von seinem im Gemeindestatute vorgesehenen Aussichtsrechte Gebrauch zu machen. Die erste Resolution wurde von den Abgeordneten Noske, Wrabetz und Dr. Ofner entschieden bekämpft, da jeder Erfolg von vorneherein ausgeschlossen sei, und abgelehnt, die zweite wurde von der Versammlung angenommen; ebenso fand auch die mehrfach betonte Notwendigkeit der Vereinigung aller fortschrittlichen Parteien gegen den gemeinsamen Feind allseitige Zustimmung. Wien. (V e r e i n z u r H e b u n g der G e w e r b e in Wie n). Der seit einem Jahrzehnt in gewerblichen Kreisen bestgekannle Verein veranstaltet am 11. Februar d. I. einen F e st - B a l l im Ronacher-Saale. Das Reinerträgnis dieses Festballes ist dem Fonde zur Errichtung eines „Gewerbeheims" gewidmet, welches dieser Verein, um das gewerbliche und gesellige Leben in Wieit zu fördern, zu gründen beschlossen Hai. Da sich bereits in den betheiligten Kreisen ein recht lebhaftes Interesse für dieses Fest kund giebt und eine große Anzahl von im öfsentlicheu Leben stehenden Persöitlichkeiten, sowie hervorragende Industrielle ihren Besuch bestimmtest zugesagt haben, so verspricht dieser Ball einen glänzenden Verlaus zu nehmen. Eintrittskarten zu demselben, soweit deren beschränkte Anzahl reicht, sind bei dem Präsidenten des Vereines Herrn S. B r o d, I. Wipplingerstraße 26, bei dem Vicepräsidenten und Festobmanne, Herrn Hermann Beck, k. u. k. Hoflieferant 1. Stock'im-Eisen, Palais Equitable, sowie bei dem Vorstands- Mitgliede, Herrn S. Steiner, I., Bellaria 6, erhältlich. Straßmtz. Bei der jüngst vorgenommenen Wahl für den Ausschuß der Cultusgemeinde wurden die Herren Dr. I. Deutsch, Dr. I. Robitschek, Salomon Morgenstern, Isidor Winter, Moriz Haberseld, Wilhelm Kohn-Glück, Jacob Rebenwurzel, Leopold Mandler und Adolf Müller zu Ausschuß- Mitgliedern gewählt. EMisek, 7. Jänner. Bei der am 5. d. M. hier stattgehabten Cultusgemeinde-Vorstandswahl wurden folgende Herren gewählt: Dr. S. Sachs, Dr. L. Bloch, M. Spitz, A. Stransky, Emil Boilh, I. Fantl, Wolsg. Bloch, Simon Ball, M. Platovsky, M. Kohn. Herr Dr. Sachs, der seit 27 Jahren in der hiesigen, sehr achtbaren und friedlichen Gemeinde das Ehrenamt eines Cnltnsvorstehers tact- und würdevoll bekleidet, wurde aufs neue per Acclamation zum Präses der Cultusgemeinde, und der wackere Herr M. Spitz zum Tempelvorsteher gewählt. Wir glauben daher mit Recht, der angenehmen Erwartung Raum geben zu dürfen, dass es diesen würdigen, verdienstvollen Herren im Vereine mit den anderen sehr geehrten Vorstandsmitgliedern auch fürder gelingen werde, das Heil und Wohl der Gemeinde nach jeder Richtung zu fördern und den Frieden zu erhalten. AerrtfHVrob. Bei der am 31. December vorgenommenen Wahl der Cultusgemeinde in Deutfchbrod wurden gewählt die Herren Josef Stastnh, Albert Sachsl, Moriz Bauer, I. U. Tr. Carl Weisner, Joses Pachner, Alois Kores, Wilhelm Mahler, Arthrr Mahler, Max Lieling. Herr I. U. D. Carl Weisner als Cultusvorsteher, Herr Max Lieling zum Cultusvorsteher-Stellvertreter, Herr Alois Kores zum Synagogenvorsteher, Herr Joses Pachner zum zweiten Synagogenvorsteher, Herr Arthur Mahler zum Cassier. Wrmk a/L. Dienstag den 9. d. M. fand die Neuwahl des hiesigen Bethausvereines statt. Bei derselben wurden die Herren: Moritz Beck zum Vorsteher, Moritz Schimmel als Obmann-Stellvertreter und Cassier, Nathan Rado als Controlor und die Herren Leo Diamant, Hermann Steckerl, Leop. Kästner, W. Braltdweiner als Beiräthe einstimmig gewählt. Die erste Sitzung des neugewählten Vorstandes fand Sonntag den 14. d. M. statt und wurde der neugewählte Vorsteher, welche hier allgemeine Achtung genießt, von sämmtlichen Mitgliedern des Vorstandes herzlichst begrüßt. HLerkin, 8. Januar. Der „Centralverein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" veranstaltete heute Abend im großen Saale des Hotel Imperial (Schlaraffia Berolina) seine erste diesjährige Versammlung, welche sehr zahlreich besucht war. Nach einem interessanten Vortrage des Geh. Kammergerichtsrath Ernst Wichert über „Biblische Dramenstoffe" gab wie üblich der Vorsitzende Rechtsanwalt Dr. Horwitz einen Rückblick aus die Vorgänge der letzten Zeit. Nach einem warm empfundenen Nachruf, den er den verstorbenen Vereinsmitgliedern, den Herrn Kommerzienrath Julius Jsaac, Albert Philipp Meyer und Adolf Rufs, gewidmet, theilte er die erfreuliche Nachricht mit, dass die Anzahl der Berliner Mitglieder um 300 gestiegen sei. Hoffentlich sei dies der Beginn eines kräftigen Wachsthums in unserer Stadt. Die Vermehrung der Vereinsarbeiten habe es erforderlich gemacht, den Vorstand zu vergrößern; die Wahl sei aus Herrn .Professor Dr. Leopold Landau gefallen. Ans die letzten Ereignisse der antisemitischen Bewegung übergehend, berichtete der Vorsitzende, dass die Freisprechung des Grafen Pückler und Redacteurs Wilberg seitens der antisemitischen Presse als Niederlage des Centralvereins ausgesasst würde. Das sei nicht der Fall, da die Anzeige inbeiden Fällen nicht vom Verein ausgegangen sei; ertreulicher Weise habe hier die Staatsanwaltschaft ans eigenem Antriebe eingegriffen. Der Berliner Antisemitismus scheine kein rechtes Vertrauen mehr zu seiner Zugkraft zu haben; er werde jetzt international und habe zur Anfachung der Agitation sich den „Ehren-Schneider", den Hauptakteur der Polnaer Mordafsaire, ans Wien verschrieben. Sofia. Trotzdem die Aufmerksamkeit der Regierung auf den immer drohender werdenden Character der antisemitischen Bewegung in Bulgarien gelenkt wurde, scheint es, als ob der Minister nicht geneigt sei, die Geister;tl beruhigen, jedenfalls ergreift er die nothwendigen Maßregeln nur sehr langsam. Ein Abwehrcomitö hat sich in Sofia gebildet, um den Antisemitismus überall und in jeglicher Form zu bekämpfen. Kiew. Das Gouvernement hat eine Untersnchungscommission über die Steuer für das Koscherfleisch und die Lichter ernannt, welche ein neues Project ausarbeiten sollte. Nach einer langen Untersuchung har die Commission beschlossen, diese beiden Stenern beizubehalten, aber in ihrer Vertheilung mehr Gerechtigkeit walten zu lassen. Es ist unbestreitbar, dass.die Steuer für das Koscherfleisch diese Nahrung für die armen Classen unerschwingbar macht. Aber ihre Abschaffung würde die jüdischen Gemeinden einer ihrer Haupteinnahmequellen für Erhaltung der Wohlthätigkeitsvereine berauben.

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