Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1900
- Issue
- Heft 2 (11.1.1900)
- Date
- 1900-01-11
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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«Leite 10. Die Wahrheit. Nr. 2. geistige Judenthum von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart verbindet. Eine nicht minder bedeutsame auch in musikalischer Beziehung hervorragende Persönlichkeit war der Cantor Joel Brühl; nebst seiner allgemein bewunderten Tüchtigkeit als Cantor veröffentlichte derselbe 1791 ein sehr geschätztes Synagogengesangswerk: Beier semiroth Jisroel, welches u. A. auch uralte jüdische Gesänge enthält. Ein Zeitgenosse dieser beiden Vorgenannten von enimentem musikalischem Wissen war Nathan Isaak, 1792; nach Beendigung seiner Studien auf der Cambridge-Universität versuchte er sich als Cantor und Sänger, musste jedoch, durch die Schwäche seiner Stimme veranlasst, das Singen anfgebeu und galt als einer der vorzüglichsten Gesangslehrer Londons. Als die besten seiner vielen Composilionen, u. zw. Opern, Melodramen und Pantomimen, werden die im Jahre 1822 von ihm veröffentlichten „Hebräischen Melodien" bezeichnet. Der Vollständigkeit wegen können wir es uns nicht versagen, auch der beiden am Ende des 18. Jahrhunderts geborenen und nachmals gefeierten glaubensgenössischen Componisten Giacomo Meyerbeer (geb. 1791) und Jaqnes Elie Fromenthal Halevy (geb. 1799) Erwähnung zu thun. Sie waren beide weder ausübende Canloren noch ausschliesilick synagogale Compouisten, doch ihre Beiträge zum Naumburg'schen Synagogengeiangswerke sind solch' geschätzter Qualität, dass die Weglassung dieser in der Musikgeschichte zu hohen Ehren gelangten und auch im Synagogengesange oft genannten Namen im Rahmen dieser Skizze gewissermassen eine Lücke bedeuten würde. (Schluss folgt.) verschiedene ttachrichte». Wie». Freitag den 12. d. M. Abends und Samstag den 13. d. M. Vormittags wird der I. Cantor vom Gemeindetempel Fünshaus, Turnergasse, Herr Salomon Iurberger, im Leopoldstädter Tempel Probevorträge halten. Beginn des Gottesdienstes: Freitag Abends um 4 Uhr 45 Min., Samstag Früh um 8 Uhr. Wien. (Gesellschaft für Sammlung und C o n s e rv i r u n g von Kunst- und historischen D e n k m ä l e r n d e's I u d e n t h u m s). Zu dem angekündigten Vortrage des Herrn Cultusvorstehers Docenten Dr. Josef G r ü n f e l d erschien Dienstag den 9. Jänner 7 V2 Uhr abends im Festsaale des Nied.-Oesterr. Gewerbe-Vereines ein überaus zahlreiches und distinguirtes Publicum. Wir bemerkten unter den Anwesenden: den Präsidenten der Cultusgemeinde kais. Rath Klinger, I. Vicepräses Dr. Stern, die Cultusvorsteher Ritter v. Goldschmidt, kais. Rath Hirsch, Salo Cohn, Dr. Stein, Dr. Spitzer, Direktor Simon. Dr. Berger, Oberrabbiner Dr. Güdemann. Reverend Hechler, die Rabbiner Löwy. Sor. Dr. Gelbhaus, Obercantor Singer, Obercantor Bauer, I. Cantor Blatt, die Professoren Dr. Pollitzer und Dr. Oser, Oberbaurath Taustig, Seminardirector Dr. Schwarz, Lektor Friedmann, kais. Rath Dr. Lieben, Dr. Adler, Sekretär Fuchs vom Rabbinerseminar, Inspektor Kanitz, Ortsfchulrath Antscherl, Scriptor Dr. Frankfurter, zahlreiche Aerzte etc. Nachdem der Präsident der Gesellschaft mit gewohnter Liebenswürdigkeit die Anwesenden begrüßt hatte, begann Dr. Grünfeld seinen Vortrag über „die Geschichte des jüdischen Spitals in Wien und dessen Wandlungen seit dem Mittelalter", in 'welchem er durch seine eingehenden chronologischen und topographischen Darstellungen das zahlreiche Auditorium bis zum Schlüsse seffelte. Samstag den 20. Jänner d. I., halb 8 Uhr abends präcise, findet im kleinen Musikvereins-Saale eine Gedenkfeier zur Erinnerung an die zehnte Wiederkehr des Sterbetages von Salomon Sulzer statt. Herr Adolf Ritter von Sonnenthal hat den Vortrag der Biographie Sulzer's gütigst übernommen; die Wiedergabe musikalischer Compositionen des verstorbenen Meisters wird dessen Sohn, Herr Professor Joseph Sulzer, leiten, und werden bei derselben die Herren Eduard Gärtner, Dr. Heinrich Schenker, S. Storch und Max Ulanowskh freundlichst Mitwirken. Programm : I. Requiem (Psalm 49 und Psalm 46) für Baryton- Solo. Chor und Orgel. Herr Max Ulanowskh. die vereinigten Chöre der beiden Wiener Hauptsynagogen, Herr S. Storch. Zwischen diesen beiden Psalmen: Salomon Sulzer. Biographische Skizze, vorgetragen von Herrn Adolf Ritter von Sonnenthal, k. u. k. Hofschauspieler und Oberregisseur. II. Gottesdienstliche Gesänge. III. a) „Wenn Dir, 0 Herr, mein Sang ertönt." d) „Von der Menschheit Urbeginn." c) „O Gott, gepriesen." Lieder mit Benützung traditioneller Melodien. Herr Eduard Gärtner. IV. Improvisation über Melodien-Lus dem „Schir Zion," componirt und vorgetragen von Pros. Joseph Sulzer, Solospieler der k. k. Hofoper. V. Gottesdienstliche Gesänge. VI. 3 Orgelpräludien über traditionelle Melodien. Herr S. Storch. VII. Gottesdienstliche Gesänge. AosKorvitz. Die hierortige Chewra Kadischa hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Ruhestätten hiesiger hervorragender Personen mit Mauern zu umgeben, ferner eine Ceremonienhalle zu errichten. Nachdem jedoch diesem Vereine zur Ausführung dieses Werkes die nöthigen Mittel fehlen, so wurde behufs Beitrag an die Wohlthäter appellirt und gingen bereits auch namhafte Spenden ein, so dass das Project bald zur Ausführung kommen dürfte. M.Schönverg. Donnerstag den 28. December ist hier Frau Fani Proßnitz, geb. Lunzer, die Mutter des Herrn Rabbiners Dr. Moritz Emil Proßnitz, im 74. Lebensjahre gestorben. Die Leiche wurde Samstag den 31. December nach M.-Aussee überführt und daselbst zur ewigen . Ruhe bestattet, rvaxan. Sgkau Am 25. December fand im hiesigen Tempel die Trauung des Fräulein O l g a H e i m, der einzigen Tochter des Cassiers unserer Cultusgemeinde, mit Herrn Schnabel statt. Bei der Trauung waren der Gesammtvorstand und viele Gemeindemitglieder anwesend, und das überfüllte Gotteshaus gab Zeugnis von der auß.'rordentlichen Beliebtheit und Achtung, der sich die Familie Heim erfreut. Fräul. Heim war durch mehrere Jahre ein tüchtiges und fleißiges Mitglied unseres Gesangvereines „Schir Zion". Die Trauungsfunctionen versahen die Herren Dr. I. I. Unger und Obercantor D. Weiss, unterstützt von dem- Gesangsverein „Schir Zion", der unter der ausgezeichneten Leitung seines zur allgemeinen Freude wiedergewählten Obmannes Herrn G. Hellmann stand. Bihari. Kartsvad. (25jähriges Jubiläum des Cultusvorstehers Ludwig Moser.) Die Israeliten der Cultusgemeinde Karlsbad feierten Samstag den 30. v. M. ein seltenes und schönes Fest. 25 Jahre sind es, seitdem ihr Vorsteher, Herr Fabrikant Ludwig Moser, zu diesem Ehrenamte gewählt wurde, und während eines ganzen Vierteljahrhundert hat er dieses Amt ununterbrochen und zur vollsten Befriedigung seiner Gemeindemitglieder ausgeübt. Unter diesen Umständen ist es nicht zu verwundern, dass die Anregung des Vorstandes, den 30 December als Jubiläumstag zu feiern, bei den gesammten israelitischen Gemeindemitgliedern zustimmend begrüßt wurde, und der verflossene Samstag wurde zu einer Ovation benützt, die für den Jubilar sowohl, als für den Frieden, der unter den hiesigen Israeliten herrscht, ein beredtes Zeugnis lieferte. Die Jubiläumsfeier begann mit einem Festgottesdienste in der hiesigen Synagoge, welcher um 10 Uhr Vormittag seinen Anfang nahm. Demselben wohnten namens der k. k. Staatsbehörde der Herr k. k. Bezirkscommissär Müller von Müllersheim, namens der Stadtgemeinde Herr Bürgermeister Ludwig Schäffler, ferner eine Deputation der Moser'schen Glasfabrik in Maierhöfen, sowie eine bedeutende Anzahl der hiesigen Israeliten und deren Frauen in Festkleidern bei. Vom Rabbiner Dr. Ziegler im geistlichen Ornate und der gesammten Repräsentanz aus seiner Wohnung in. das Gotteshaus i geleitet, wurde der Jubilar vom Chore mit einer Begrüßungshymne empfangen, worauf der Festgottesdienst seinen Anfang nahm. Während , desselben überraschte der ehemalige Obercantor der israelitischen Cultus-! gemeinde Karlsbad, Herr Tennebaum, derzeit in gleicher Stellung in Stuttgart, welcher eigens zur Feier nach Karlsbad gereist war, die 3ln- > wesenden mit einem ergreifenden Solovortrage und ein weiteres Soloi duett des Herrn Obercantors Tiger und der Frau Woczilka trugen zur Feier bei. Einen tiefen Eindruck brachte hierauf die von Herrn Rabbiner; Dr. Ziegler gehaltene Festpredigt bei allen Anwesenden .hervor. Von i dem segensreichen Wirken des Jubilars, Herrn Ludwig Moser, hob er! insbesondere zwei Momeute hervor, welche ihn für alle Zeiten in der! israelitischen Gemeinde unvergesslich machen werden, u. zw. erstens die ' Schaffung der herrlichen Karlsbader Synagoge, welche nicht nur den Israeliten Karlsbads, sondern der gesammten Stadt zur Zierde gereicht, und zweitens die Erhaltung des Friedens in der israelitischen Gemeinde ' während seiner 25jährigen Amtsperiode. Nachdem der Gottesdienst , beendet war, stattete Herr Rabbiner Dr. Ziegler dem Vertreter der k. k. > Staatsbehörde, sowie dem Herrn Bürgermeister den Dank für die der i Gemeinde durch ihr Erscheinen erwiesene Ehre ab, und die genannten Functionäre beglückwünschten hierauf den Jubilar, welcher sich sodann, von der gesammten Gemeinde geleitet, in seine Wohnung begab. Hier waren mittlerweile mehr als 400 Telegramme und Zuschriften eingelausen, und die Beamtenschaft, Mitglieder der Gemeinde und zahlreiche Freunde fanden sich zur Gratulation ein. Am Abende fand im Curhause ein Festbanket mit 182 Gedecken statt, so dass der große Curhaussaal bis aus den letzten Platz gefüllt war. Die Curcapelle begrüßte den Jubilar bei seinem Eintritte mit einem Tusch und die Versammelten brachen bei seinem Erscheinen in lebhafte Hochrufe aus. Zwischen dem zweiten und dritten Gange erhob sich der Vorsteher-Stellvertreter, Herr Adolf Rosenfeld, schilderte die Verdienste des Jubilars, der einen Ehrenplatz in der Geschichte der Gemeinde einnehmen werde, und indem er hieraus der segensreichen Regierung Sr. Majestät des Kaisers gedachte, unter dessen glorreicher Regierung die israel. Gemeinde Karlsbad, sowie das prächtige Gotteshans entstanden sind, forderte er die 'Anwesenden auf, mit ihn: ein dreifaches Hoch auf Sr. Majestät den Kaiser auszubringen, welcher Aufforderung in begeisterter Weise entsprachen. Sodann wurde ein Huldigungstelegramm an den Kaiser abgesendet. Herr L. Moser drückte den Gemeindemitgliedern in warmen Worten seinen tiefempfundenen Dank für ihre Mitwirkung bei der Erfüllung seines Amtes aus und toastirte auf das Wohl dev Gemeinde. Hierauf gedachte Herr Dr. Ziegler jener Männer, welche dem Jubilar während seiner 25jährraen Amtsthätigkeit treu zur Seite standen, u. zw. der Herren