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Die Wahrheit · 1900-01-11 · Heft 2 (11.1.1900) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 2 (11.1.1900)
Date
1900-01-11
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 2. Die iDahrbeit eite 11. Adolf Rosenseld, Josef Hainsfurth, Adolf Hirsch, Josef Goldman», Robert Epstein und Samson Neubauer. Herr Josef Hainsfurth gedachte; der Verdienste, die sich Herr Rabbiner Dr. Ziegler um die Gemeinde; erworben hat, worauf Herr S. Neubauer das Wort ergriff, um der Stadt Karlsbad und des hochverdienten Bürgermeisters Herrn Ludwig > Schäffler zu gedenken. Herr Med. Tr. Ruff toastirte auf die Gattin des i Jubilars Frau Moser, sowie auf die Frauen im Allgemeinen. Herr Dr. j Samel beglückwünschte namens des Geselligkeitsvereines „Eintracht" den j Jubilar, Herr Dr. Winternitz brachte sein Glas auf eine glückliche Zuj kunft aus, worauf Herr Dr. Moser der Gattin und treuen Gefährtin des i Seelsorgers, Frau Dr. Ziegler, gedachte. Hierauf hob Herr Beit Benedikt - die Verdienste des Jubilars als Künstler des Graveurfaches hervor und j brachte sein Glas dem Künstler aus, der noch recht lange in der Lage! fein möge, den von ihm geleiteten Unternehmungen vorznstehen. Das! Fest schloß in sehr animirter Stimmung. Drag. Im Centralverein für jüdische Angelegenheiten hielt der Herausgeber der „Oesterr. Wochenschrift", Herr Dr. Bloch, Samstag den 6. Jänner einen Bortrag über „Die Stellung des Judenthums in der Völkerfamilie."! Drag. (Auszeichnung.) Der Kaiser hat mit Allerhöchster Ent-! schließung vom 11. Dcccmber 1899 die von Herrn Bernhard Ohs, Lehrer und Schriftsteller in Prag, als Huldigungsgabe zum Jubiläum unterbreitete Ansichtskartcnsammlung der Allerhöchsten Annahiite gewürdigt und diese Sammlung sammt dem von Herrn Ohs verfassten Catalog durch Aufnahme in die k. u. k. Familien-Fideieommisbibliothek ausgezeichnet. Drag: (Abg. Dr. Baxa v o r g e f ü b r t.) Da Abg. Dr. Baxa, der sich," wre bekannt, wegen der Polnaer Affaire in Strafuntersuchung befindet, trotz viermaliger Vorladung nicht beim Untersuchungsrichter erschien, wurde er vor Kurzem von einem Gefangenenaufseher in seiner Wohnung abgeholt und dem Untersuchungsrichter vorgesührt. Herr Dr. Baxa verweigerte jede Auskunft, selbst über seine Generalien, mit der Motivirung. er sehe nicht ein, wie ein Mensch, weil er das einstimmige Votum eines Schwurgerichtes vertheidige, in Strafuntersuchung gezogen werden könne. Daraufhin wurde Abg. Tr Bara vom Untersuchungsrichter entlassen. Die Untersuchung stützt sich aut Artikel VI[I der Strafgeietznovelle (Vorgreifen dem Spruche der letzten Instanz); dieses Vergehen soll Dr. Baxa durch die Veröffentlichung seiner Antwort auf die Massaryk'sche Brochure begangen haben. Königgrätz Der gewesene Catechet in Polna, Herr P. Ferdinand Bleek, gab hier unter der Ueberschrift: „Antwort auf Masaryk's Polnaer Mord" eine Brochure heraus, die der Beschlagnahme verfiel, jedoch dadurch, dass sie Äbg. Breznovsky im Reichsrathe in eine Interpellation kleidete, immun wurde. Tie Polnaer „Literatur" zählt bisher folgende Druckschriften: Das stenographische Proiocoll (ezechisch und deutsch), die Vrba'sche Broschüre (ezechisch), die Massaryk'sche Brochure (ezechisch und deutsch), die Baxa'iche Antwort (ezechisch), die Antwort der Polnaer Gerichtsärzte (ezechisch und deutsch), die Replik Massarvk's «ezechisch und deutsch), die Kasal'sche Brochure «ezechisch), die Blcek'sche Brochure (ezechisch) und die Bondy'sche Verwahrung gegen die Annahme des Ritualmordes (ezechisch». Szenic;. Der hiesige Cantor A R e i f wurde von der großen Schaß-Chewra in Budarest als Ehasen gewählt und tritt sein Amt am 1. Februar an. Dacanzenlilke Zn in (Deutsch!.) Cantor und Schächter. Einkommen 1500 Alk. und Wohnung. — Thorn geprüft. Rel. L. Cantor und Chorleiter Gehalt 2400 Mk., alle 2 Jahre um 100 Mk mehr bis zum Höchstgehalte von 2700 M. - Karlsruhe. Lezirrsrabbiner in Bruchsal. Gehalt 24(0 —44oOMk und Wohnung, Bezüge aus Stiftungen für Ertheilung des Religionsuntrlrichtes an öffentlichen Anstalten. Pensionsberechtigung ist durch Verordnung geregelt. Gesuche binnen 3 Wochen an Oberrarh der Israeliten. ); Der ililjiiift. E i n Zeitroman aus de in r u s s i s ch - j ü d i s ch e n Lebe n. Von Moritz Scherbe! (Nachdruck verbot^».) (28. go ci.tzung ) Schmuckgegenstände in antiken und modernen Formen, welche auf Etageren und Tischchen umhersteben, bekunden den Kunstsinn, der sich in der Auswahl der Sachen geltend macht. Draußen vor und hinter dem Hause die reichste und ausgesuchteste Flora, wie sie der eingezogene Lenz lebendig gemacht hat. Auf der vom frischen Grün umrankten Veranda sitzt der Eigenthümer des Landgutes Nikolaus Winirew, in die Lectüre eines Zeitungsblattes vertieft. Er ist ein hübscher Mann von vornehmem, stattlichem und intelligentem Aussehen im Alter von 50 Jahren. Seine Züge sind etwas streng, aber sie werden gemildert durch die Zutraulichkeit, die sich aus seinen Blicken spiegelt, wenn nichts geschehen, was gegen seinen Willen ist. Neben ihm fitzt seine Gattin, eine geistig sehr rege Frau, und blättert gelangweilt in einem Buche. Die Winizew'schen Gatten haben nur zwei Kinder: einen Sohn, der in Petersburg als Offizier garnisonirt, und eine Tochter, welche aus purer Neigung dort das Studium der Medizin treibt. Diese Tochter befindet sich indeß gegenwärtig bei ihren Elter». Sie bat eine in der Residenz erworbene Freundin, ebenfalls eine Studentin, mit heimgebracht, mit der sie eben einen Spaziergang vom Parke aus gegen die Landstraße macht. Es ist Clara Glanzberg, die dem Wunsche ihrer Freundin Paulowna nachgegeben und sich überreden ließ, ihren Eltern einen Besuch abzustatten und mit ihr bei diesen die schöne Maienzeit zuzubringen. Clara fand bei dem Gutsbesitzer die liebevollste Aufnahme und die Leure umgaben sie mit einer Fürsorge, die gegen die für die eigene Tochter nur wenig absta-ch. Clara war dabei auch im Stande, den Pflichten ihres jüdischen Bekenntnisses gerecht zu werden. Sie empfing täglich aus dem in der Nähe liegenden Minsk rituell zubereitete Speisen, oder sie nahm die nöthigen Mahlzeiten dort selbst, da sie einige Mal in der Woche dahin fuhr. j Tie beiden Freundinnen machten fast täglich den Spaziergang, j auf welchem wir sie jetzt sehen. Fast immer aber trafen sie an dem j Orte, wo der Parkweg an der Landstraße endete, einen jungen Mann j mit tiefbleichem Gesichte, der einsam dahin schrilt und seinen Weg nach i dem unfern gelegenen Walde nahm; er schien Reconvaleszent zu sein. Einmal nun traf es sich, dass sie einander auszuweichen hatten, 1 bei welcher Gelegenheit 'ich die Blicke Claras und die des Fremden in nächster Nähe begegneten. Clara wurde bei diesem Zusammentreffen von einer eigenthümlichen Empfindung berührt, es dämmerte in ihr eine Ahnung auf, von welcher sie sich selbst keine Rechenschaft zu geben vermochte. Niemals hatte sie früher den jungen Mann gesehen, niemals soweit ihr Gedächtnis reichte. Woher nun das Interesse für den Fremden? Unsere Damen näherten sich heute dem Ende der Promenade und bemerkten wiederum den einsamen Spaziergänger, aber nicht in der Weise wie sonst, dass er seines Weges weiter ging, sondern er war stehen geblieben und befand sich gerade an der Stelle, wo sie vorüber mussten; es schien, als ob er sie erwartete. Clara und ihre Freundin dies bemerkend hielten im Gehen inne, sie wussten nicht, welche Veranlassung jener haben könne, mit ihnen zu sprechen, und wollten einer Begegnung mit ihm aus dem Wege gehen. Der junge Manu schien zu erratheu, was in ihnen vorging, und da es ihm in jede!» Falle wohl darum zu thun sein musste, mit ihnen zu sprechen, so schlug er mit raschem Schritt die Richtung zu de^ Beiden ein. Er hatte sie bald erreicht und ehrerbietig grüßend, wandte er sich an Paulowna: ^Verzeihen Sie, meine Damen, dass ich mir erlaube, dcks Wort an Sie zu richten, um Sie zu fragen, ob dieses Buch vielleicht Ihr Eigenthum istBei diesen Worten hielt er den Angeredeten ein Notizbuch entgegen. Sowohl Paulowna als Clara richteten ihre Blicke aus den dargereichten (Gegenstand und erstere nahm ihn ihm zögernd aus der Hand. „Ich habe," sagte der junge Mann, „dieses Buch gestern auf; meinem Rückwege unweit von hier liegen sehen und glaubte nichts Un- ' rechtes zu thun, wenn ich es an mich nahm um es Ihnen, die Sie es; verloren haben können, zurückzustarten." * Er hatte den letzten Satz noch nicht beendet, als Paulowna in; den Ruf ausbrach: „O. das ist ja, Clara, Tein Buch, das Du bereits gestern und beule in allen Ecken und Enden gesucht hast!" „In der That, so ist es" — erwiderte diese freudig überrascht, und an den jungen Mann sich wendend, sprach sie: „Ich habe alle : Ursache Ihnen, mein Herr, für die Rückerstattung dieses Buches recht | dankbar zu sein, da es einen unsagbaren Werth für mich hat." (Fortsetzung folgt.) Äriefkaken der Nedaclion.! TL. in ). Tanke» bestens für die Freundlichkett und werden die i Bläeter an die genannten Herren in Ihrer Gemeinde abgesendet werden.; Rev. A. Pertzweig London). Parkett Sr. Com - Rev. E. Herbst amtirt! in Jaszbereny. — 2$. in Ct Wollen Sie sich an die Hos-Orgelfabrik j Gebrüder Rieger, Jägerndorf wenden. — Ji in Mr Wir haben an I die Cafvs laut Adresse inner Blatt geiendet.! _L i

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