Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1900
- Issue
- Heft 2 (11.1.1900)
- Date
- 1900-01-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 2. Die Wahrheit. Seite 7. werde. Außerdem müsse mau auch bedenken, welche Eingriffe in die FamilienverhLltnisse dadurch veranlasst würden und dass man dann auch die Uebertritte zum Judenthume öffentlich werde behandeln müssen. All dies erfordere reifliche Erwägungen. Dr. Steiner, der sich mit dieser Frage eifrig beschäftigt hat, constatirt gegenüber der Bemerkung des Präsidenten, dass zumindest 90°/o der Austretenden Wiener seien. Die Erscheinungen zeigten sich so vielseitig, dass es ihm unmöglich war, eine bestimmte Regel zu finden. Redner würde nur davon eine heilsame Wirkung erwarten, wenn jeder sich entschließen könnte, das persönliche Verhältnis zu den Abgesallenen anders zu gestalten. Schließlich beantragt er, die Angelegenheit nochmals an die fünfte Seclion znrückzuleiten. Sch ckdirector Simon erklärt, dass das Judenthnm nie Proselyten gemacht, aber auch nicht ans die Proselyten Rücksicht zn nehmen habe. Jedoch sei es seine Pflicht, die Glieder zu erhalten, und darum müsse angesichts der zunehmenden Austritte etwas geschehen. Er stellt folgenden Antrag : Die fünfte Section wird beauftragt, die künftig vorkommenden Austritte einer Besprechung zu unterziehen und zu bestimmen, in welchen Fällen Recherchen über die Motive des Austrittes anzustellen siitd. Ritter v. G o l d s ch m i d t ist als überzeugungstreuer Jude empört über die vielen Austritte, will aber trotzdem die Angelegenheit nicht dilatorisch behandelt, sondern die Pnblication endgiltig begraben wissen. Seiner Anschauung würde sie ebenso wenig itützen, als das Exempel einer Hinrichtung vor weiteren Mordlhaten behütet. Abgesehen davon glaube er, dass der Vorstand weder Hofmeister noch Polizei zu spielen habe. Er sei das Amt, an welches dem Gesetze nach die Anzeige zn gelangen habe, und solle auch nur Behörde bleiben. Kais. Rath P o l l a k würde den Amtsschimmel des Vorredners wol sympathisch finden, aber man müsse sich die Frage vorlegen, ob auch der Wiener Magistrat so unparteiisch seine Haltung als Amt bewahrt und nicht die Interessen der gegenwärtig herrschenden Partei zu fördern sucht. (Zwischenruf des Vicepräsidenteit Dr. Stern: „Nein, er ist nicht unparteiisch!") Warum soll übrigens nur der Vorstand die Abtrünnigen kennen? Schließlich befürwortet Redner den Antrag Simon. Bei der Abstimmnng wird der Antrag Dr. Berger abgelehnt, und der Antrag ans Rückleitung an die fünfte Section, ebenso der Antrag Simon angenommen. Die weiteren Punkte der Tagesordnung können wegen mittlerweile eingetretener Beschlussunfähigkeit nicht verhandelt werden, und wird die Sitzung um 1 Uhr Nachmittags vom Vorsitzenden geschlossen. Wien. (Israelitischer T e nt p e l v e r e i n für beii X. G e m e i n d eb e z i r k Favoriten i n Wie n). Donnerstag den 28. December 1899 fand in K r a u t st o f f e l's Favoritensaal X., Himbergerstraße 55, die 24. ordentliche Generalversammlung des israelitischen Tempelvereines für den X. Gemeindebezirk, Favoriten statt. Der löbliche Cnltusvorstand war durch Herrn Cultusvorsteher kaiserlicher Rath F. V o g l vertreten. Der vom Obmanne Herrn Carl S e l i g m a n n mitgetheilte Jahresbericht wurde mit allgemeinem Beifall zur Kenntnis genommen. Den Rechnungsabschluss wie auch die Bilanz erstattete Herr Cassa-Verwalter Moritz Bruckner, ttnd wurde nachher dem Vorstände einhellig das Absolutorium ertheilt. Die aus dem Vorstände scheidettden Herren : M. B r u cktt e r, Ad. Engl, Emannel F r i e d m a n tt wurden wieder gewählt, dergleichen eiltstimmig die Herren Ausschussmitglieder: Max Berger, Johann Lampl, Ezechiel Neu mann, Em. Polacek, Sal. P o l a c e k und Em. S ch i d r o w i tz, die Herren: M. Weiß und Sandor S a l p e t er neugewählt, ebenso wurden die Herren Heinrich Lichtenstern, Pisk per Acclamation einhellig wieder zu Revisoren gewählt. — Die Generalversammlung nahm den denklichst würdigsten Verlauf und wurde dem Herrn Cultusvorsteher kaiserlichen Rath F. Vogl für seine Theilnahme an derselbeit der wärmste > Dank votirt. — Am 3. Jänner constituirte sich der Vorstand, und wurde Herr Carl Selig mann zum Obmanne, Herr S. Ros ent hat zum Obmann-Stellvertreter, Herr Emanuel Fried m a tt tt zum Schriftführer, Herr Moritz B r tt tf tt e r zum Cassa-Vetwalter und die Herren S. Eibltfchitz, David K o h n, I. Klein, S. S t r a ß b e r g zu Bcthausverwaltern, die Herren Ad. Engl tt. Dr. B. Tritfch zu Anfsichtsrätheu gewählt. H^rag. (Jüdische P r o t e st v e r s a m in l u tt g). Im Saale der Productenbörse fand am 7. d. M. eine massenhaft besuchte Volksversammlung statt, in der gegen die ungerechten und gehässigen Angriffe, die im Landtage gegen die Juden gerichtet wurden, Stellung genommen wurde. Den Hetzern ^wurde die tiefste Mißbilligung ausgesprochen. Dieser Protest wird in vielen Exemplaren hier und in den Provinzstädten zur Unterschrift anfliegen und dann dem Laitdtage übergeben werden. Aeuhaus. Bei den am 17. December stattgefuudenen Wahlen in die Vertretung der ifr. Cultnsgemeinde wurden folgende Herren gewählt: In den Cuitusgemeindevorstand: die Herren Leopold Fleischer, Heinrich Fantl, Bernard Peschek, Sigmund Singer; als Ersatzmänner die Herren: Markus Ornstein, David Schwarz, Jakob Gröger, Eduard Herrmann; als Mitglieder der Umlagskommisfion die Herren: Sal. Kohn, Adolf Stampf, Leopold Winternitz, Adolf Pokorny; als Cassa- Revisoren die Herren: Moritz Weil, Ignatz Feigl. Bei der hierauf am 25. December erfolgten engeren Wahl wurden einstimmig gewählt die Herren: Leopold Fleischer als Cultus- und Tempelvorsteher. Heinrich Fantl Präses-Stellvertreter, Bernard Peschek Cassier, Sigmund Singer Schriftführer. Weseritz. In den Cultusgemeinde-Ausschuß wurden gewählt die Herren: Siegfried Kohn (Weseritz), Jacob Fuchs (Giersch), Jacob Kürschner (Skntsch), - Jacob Wunsch (Kschelloe witz), Jacob Kohn (Scheubenradisch), Joseph Dreksler (Weseritz), Nathan Kraus (Leskatt), Wolf Braun (Giersch), Alfrd- Beinel (Scheudenradisch). Königswart. In ben Vorstand der hiesigen isr. Cttltusgemeinde wurden gewählt die Herren: Herm. Horowitz (Vorstand), Wilhelm Lölvy (Stellvertreter). Med. Dr. Adolph Kohn und Moriz Schwarz. Als Ersatz die Herren: Alois Finger, Bernard Oestreicher. In ben verstärkten Cultusvorstand die Herren: Joses Rosenberger, Daniel Glaser, Adolph Löw und Carl Zimmer. Als Umlags-Commissionsmitglieder die Herren: Herm. Ziinmer, Carl Low, Bernard Rosenberger uitd als Rechnungsrevisoren die Herren: Salomon Spatz, Emanuel Pfefferkorn. Iroppau. Am 25. December 1899 wurden es 50 Jahre, dass in Troppau ein Cttltus-Verein gegründet wurde. Aus diesem Anlasse veranstaltete die Cttltnsgemeinde an diesem Tage im Tempel einen „Fest Gottesdienst", zn welchem sämmtliche Behörden eingeladen wurden. Herr Obercantor Siugermann sang mit seinem trefflich geschulten Damen- und Herren-Chor unter Orgelbegleitung einige Psalmen, worauf Herr Rabbiner Dr. Blüh eine Ansprache an die Gemeinde hielt, die er zu einem Rückblick auf die Thätigkeit unserer Gemeinde seit ihrem Bestände gestaltete. Mit dem Gebete für den Kaiser und Absingnng der Volkshymne schloß die schone und würdige Feier. — Am 28 December hielt der hiesige „jüdische literarische Verein" seine Generalversammlung ab. Nachdem der Vorstand Dr. E i b u s ch i tz den Rechenschaftsbericht erstattet hatte, wurde zur Neuwahl des Ausschusses geschritten und in den Vorstand gewählt die Herren: Dr. Singer zum Obmann, Dr. O p p e >t h ei m er, W. Kulka zu dessen Stellvertretern, Obercantor S i i, g e r m a n n zum Schristführer. Wubapest. (Trauerfeier;tt Ehren David Kaufmanns). Der theologische Verein der oberen Abtheilung des Landesrabbinet seminars veranstaltete am 31. December um 4 Uhr j Nachmittags im großen Lehrsaale dieses Institutes eine Trauerj feiet zu Ehren des am 10. Juli 1899 in Karlsbad dahiuj geschiedenen Prof. David Kaufmann. Der Präsident des ge-! nanitten Vereines, Herr N. Blttmengrttnd, eröffnete die Feier mit einem schwtutgvollett Nachruf auf den allzufrüh heimge-