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Die Wahrheit · 1900-01-11 · Heft 2 (11.1.1900) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 2 (11.1.1900)
Date
1900-01-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 2. Die Mahrheit. Seite 5. und zlnn Wucher, die viele Juden nie besessen, die meisten längst überwunden haben krast einer höheren Bildung? Die Christenheit thäte besser in sich zu gehen, der Schuld bei sich nachzuspüren, und die Gelegenheit und Ursache zur Betätigung solcher Eigenschaften zu vertilgen, indem sie den Judeil in Wahrheit, nicht nur dem Gesetze nach, sociale und politische Freiheit gewährt. Dies ist ein Ziel, das die Antisemiten allerdings in ihrer Beschränktheit zu ihrem eigenen Schaden zn Hintertreiben suchen." Der Vorwurs der Servilität und anderer Mängel und Schwächen erhält eine schlagende Antwort in den Worten: „Erinnern wir uns nur der entehrenden Servilität des deutschen Volkes unter dem Joche Napoleons. Kein vorurteilsloser Mensch wird eine Thatsache verallgemeinern. Dass wir hohen Seelenadel, innere Vornehmheit bei Juden der verschiedensten Gesellschastsclassen antreffen, zeigt uns sowohl das tägliche Leben, als die große Anzahl jüdischer hochsinniger Denker und Künstler. . . . Allen erwähnten Mängeln und Schwächen setzen jedoch die Juden Eigenschaften entgegen, die sich jeder Christ zum M u st e r nehmen kann, und in denen ihre nationale Stärke ihre Wurzel hat. Ihr F a m i l i e n s i n n und ihre F a m i l i e u r e i n h e i t stellen im allgemeinen die der Christen in den Schatten. Ausnahmen bestätigen die Regel. Es mag sein, dass diese Sittenstrenge ihren Grund in der ausgezwungenen! oder freiwilligen Absonderung der Juden von anderen Völkern, j in den Ehen unter einander hat. Dann wäre es ein doppeltrühmenswertes und für die Antisemiten beschämendes Zeugnis von dem tieffittlichen Kern des jüdischen Charakters, der alle Drangsal sieghaft überdauert hat." „Einen ganz besonderen Trumpf zur Rechtfertigung der antisemitischen Propaganda meinen die Antisemiten damit auszuspielen, wenn sie behaupten, dass die Juden eine ganz und gar anders geartete Rasse als sie, die reinen Arier seien, eine niedere Rasse, die ihrem Wesen und ihren Aenßerungen nach ein solches Gegenstück zu den arischen Völkerschaften bilve, dass eine Verschmelzung für ew'ge Zeiten undenkbar sei und dass man die Juden bekämpfen müsse, um dem verderblichen Rafseeinfluß, den sie c.usüben, ein Ende zu machen. Aber gerade so, wie sie mit der nachdrücklichen Betonung, dass ihre Verfolguugssucht keinen religiösen Untergrund habe, kläglich Schiffbruch leiden, weil d'e Thatsachen sie selbst widerlegen, ebenso hält ihr Raffenargument im Lichte der modernen Wissenschaft nicht Stand." Es wird hierauf der Nachweis versucht, dass die Inden ein stark von arischen Elementen durchsetztes Volk sind und dass sie schon bei ihrem Eintritte in Europa nicht mehr eine ganz reine Rasse waren. Im Alterthum wurde den Jueen durch die Griechen, im Mittelalter durch die germanischen Kreuzfahrer den Juden in Syrien viel arisches Blut zngesührt, und außerdem die vielen Mischungen in unserem Jahrhundert. „Die Juden paffen sich so wunderbar der jeweiligen übrigen Bevölkerung an, dass sie nicht nur deren Sitten, Trachten und Lebensgewohnheiten sich zu eigen machen und treu bewahren, sondern auch äußerlich deren Typus annehmeu. Ein deutscher Jude sieht anders aus als ein italienischer, ein ungarischer anders als ein englischer. Jeder trägt mehr oder minder die characteristischen äußern und inne n Merkmale des Volkes, unter dessen Einfluß er lebt, an sich, was in beträchtlichem Maße auch auf die Einwirkung des Klimas zurückznführen ist. Nur so kann es sich auch erklären, dass auf geistigen Gebieten hervorragende deutsche Juden deutsches Wesen, deutsche Denkart, deutsches Empfinden znm Ausdruck bringen. Als glänzende Beispiele hiefür werden Marx, Lasalle, Heine u. A. angeführt. Vergleichen wir die Compositionen Mendelssohns mit Saint-Saens, die Halewis mit Max Bruchs, und der Unterschied zwischen Franzosen- und Deutschthum kann sich nicht eclatanter zeigen. Ebenso war Beaconsfield, wenngleich er auf seine jüdische Abstammung stolz war, der Typus eines englischen Staatsmannes. „Diese semitisch-arische Raffenvermischung' hat der Welt nur Nutzen und Vortheile gebracht. Die Existenz einer antijüdischen Bewegung wäre berechtigt, wenn die Judeil ein Hemmnis der Cultur wären, dass sie es aber nicht sind, sondern im Gegentheil im Verhältnis zu ihrer kleinen Zahl eine die Jndogermaneu überflügelnde Reihe von bedeutenden Männern auf allen Gebieten des Geistes hervorgebracht haben, sie also im hohen Grade Cultur befruchtend sind, lässt die antisemitische Propaganda als eine geradezu unglaubliche.Thorheit erscheinen, r>. h. mit dem Stabe der Vernunft, Einsicht und Vornrtheilslosigkeit gemessen. Aber gerade die geistigen Erfolge der Juden sind es, die die Judenhetzer in civilisirten Ländern antreiben. Ein grelles Licht wirst es ans den Ernst ihrer Cnlturbestrebungen, auf ihren eigenen ''ultnrznstand. dass sie lieber keinen Fortschritt wünschen, als einen mit Hilfe der Juden erreichten. Hinter einer solchen Verfolgungssucht steckt nichts als mißgünstige Selbstsucht, hässlicher Neid und heimliche Wuth über die beispiellos rasche, geistige Entwickelung der Juden. In einem halben Jahrhundert haben sie unsere durch viele Jahrhunderte mühsam errungene Cultur eingeholt und sogar iveiter gefördert. „Diese Erkenntnis sollte doch die Antisemiten von dem fördernden geistigen Einfluß der Juden so überzeugen, dass sie deren Heranziehung zu gemeinsamer Culturarbeit als eine Nothwendigkeit betrachten müßten. Die Antisemiten sind ja überall, wie in Oesterreich so auch iit Deutschland und Frankreich, laute „Hurrqh-Schreier" und „Patrioten". Da sollte man doch denken, dass sie stärkende Elemente in der Nation freudig begrüßen und pflegen würden. Jedoch unter der Flagge eines „edlen Patriotismus" (blicken wir nur nach Frankreich) wüthet ein widerlicher Chauvinismus, ein Chauvinismus, der immer einen gewaltigen nationalen Cnlturrückschritt und nationale Schwäche bedeutet und dessen Wurzeln tiefer liegen, als es Den Anschein hat. Wahre Vaterlandsliebe und wirkliches Staatsiuteresse thäte am besten, die antisemitischen Schreihälse zu verweisen. Durch die von den Antisemiten geforderten Ausuahms- und Reformgesetze würden sich die heutigen socialen und politischen Kämpfe zwischen Juden und Christen nur vergrößern und verbittern, welche bisher aller socialen Wohlfahrt hemmend im Wege stehen. Wien bietet ja heute schon ein ansehnliches Bild dieser unausbleiblichen socialen Gehässigkeit und Zerrissenheit. „Viel vernünftiger würden die Antisemiten handeln, wenn sie den Bildungs- und Wissensdrang der Inden nachahmten; aber es sind gerade sie. die einer verbesserten Erziehung und einen gründlicheren gediegenen Unterricht keine Bedeutung beilegen und Lehr- und Schulsreiheit offenkundig ein.zudämmen bestrebt sind. Es soll sogar Leute unter ihnen geben, die Bücher und Zeitungen als einen Luxus betrachten. Sie stehen anscheinend noch mit beiden Füßen im Mittelalter, wo auch der Clerus alle Wissenschaft und allen Unterricht für sich in Anspruch nahm, alle übrigen'Menschen in dickster Unwissenheit und Dummheit aufwachsen ließ und danach trachtete, diese Eigenschaften in den Laien groß zu ziehen. Bei den Juden waren zu allen Zeiten Schulen und Lehranstalten nothwendige und wichtige Institute. Ein Jude darbt sich lieber das Brod vom Munde ab, als dass er seine Kinder nichts lernen lässt, während gar in Wien eine antisemitische Schulverwaltung den so karg bemessenen Unterricht noch kürzen will und die Lehrer vielfach Taglöhnern gleichgestellt und hungern lässt. Zu einer Zeit, wo der Lebenskampf ein immer schwererer wird, wollen die Antisemiten den zukünftigen Trägern deutscher Cultur, die sie durch Ausmerzung des jüdischen Einflusses rein und stark zu erhalten beabsichtigen, noch die einzigen Waffen nehmen, nämlich die des Geistes, die ihrer Propaganda die einzige Aussicht auf Erfolg böten. Ihr ganzes Treiben besteht aus Widersprüchen." Gemeinde- und Pereinsbote. Wim. In der am 2. Januar 1900 ftattgehabten öffentsichen Sitzung des Cultns Vorstandes wurde Herr kaiserl. Rath Heinrich Klinger zum Präsidenten für eine dreijährige Functionsdauer wiedergewählt. In derselben Sitzung wurden für eine

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