Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1899
- Issue
- Heft 39 (21.12.1899)
- Date
- 1899-12-21
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3062972-3062973-3063012--00561-3067078- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Hesterr.-ungcrr. Aclntorerr-Ieitung. Nr. 39. Beilage zur Zeitschrift „Die Wahrheit". >9. )ahrg. „S'n sch'onm." Für Chor- und Solostimmen mit Orgel- und Harfenbegleitung ad libitum conrponirt von Birnbaum. Erschienen in Königsberg in Preußen bei Bruno Meyer & Comp. Mit dieser wirkungsvollen Composition hat die Literatur des Synagogengesanges eine werthvolle Bereicherung erfahren. In der Behandlung der Singstimmen und der Instrumente erkennen wir sofort den talentvollen, erfahrenen Musiker, der es trefflich versteht, trotz reichen Wechsels harmonischer Folgen, Klangfülle und Klangschönheit Zu verbinden, bei welchem selbst frappante Modulationen den natürlich melodischen Fluß nicht zu beeinträchtigen vermögen. Der in D-dur, vier Vierteltakt, geschriebene Psalm beginnt mit einem kräftig gehaltenen zehntaktigen Orgel-Vorspiel, welches das Thema des gleich darauf energisch einsctzenden Chores enthält. Dieses illustrirt ganz prächtig die Textesworte, findet jedoch im Verlauf der Composition nicht jene entsprechende polyphone Behandlung, zu welcher dasselbe nach Erfindung und Ausgestaliung geradezu herausfordert. Aber auch bei seiner mehr zur Homophonie neigenden Schreibweise erzielt der Autor durch geschickte Gegenüberstellung der Stimmen große Wirkungen. So zum Beispiel bei der dritten Wiederholung der ersten Textesworte durch Sopran l, II und Alt, wo im vierten Takt der Tenor mit einem kernigen „w'jowo meleeh hakkowod“ einsetzt, dessen Vertonung von den drei genannten Stimmen imitirt wird und durch die folgende Versetzung von F nach Fis eine wesentliche Steigerung erführt. Mit der Wiederholung dieser Worte durch den ganzen Chor erreicht die Sreigeruug ihren Gipfelpunkt, deren Wirkung jedoch etwas abgeschwächt wird durch das folgende plötzlich einsetzende piano 0 lento des Chores auf denselben Textesworten. Der Componist ist vielleicht bei Anwendung dieses Rückschlages von logischen oder ästhetischen Gründen geleitet gewesen, allein ich gestehe offen, dass ich diese nicht zu erkennen vermag. Der Autor selbst scheint bei der Wiederholung der ähnlichen Stelle im zweit.en Theile anderer Meinung geworden zu sein, denn hier folgt unmittelbar auf die Steigerung die von düsteren Harmonien begleitete, äußerst charakteristisch und schüchtern gehaltene Frage „ml hu seh melecli hakkowod?14 Im ersten Theile ivird diese Frage durch ein kurzes Cantorsolo zum Ausdruck gebracht, während die, harmonisch zwar grundverschiedene, aber melodisch und rhythmisch ähnliche Antwort der Sopran in der Tonika übernimmt. Diese Antwort wird in reizvoller Weise vom Alt und Bass in einem Terzengesaug eontrapunktirt, der dem Achtelmotiv des Hauptthemas entnommen ist und kurz aber energisch zum zweiten Theile überleitet. Gleich dem Psalmisten, welcher nunmehr den Gedankengang des ersten Theiles variirend wiederholt, lässt auch unser Componist unter Beibehaltung des musikalischen Grundsatzes das Hanptthema mit geringen Veränderungen wieder auftreten. Die Antwort auf die bereits oben gestreifte Frage, welche in diesem Theile dem Mannerchor zugewiesen ist. ertheilt hier ein Soloquartett, bestehend aus Sopran I und II, Alt und Tenor, mit dem zweimal wiederkehrenden, sich kräftig aufschwingenden Ausruf: „Adonoj z’wooss hu nielech hakkowod!u Diese Worte werden nochmals von einem Soloterzett durch ein innig empfundenes alla drevtz-Sätzchen von einem anderen, milderen Gesichtspunkt aus illustrirt, welcher zugleich einen überaus wirkungsvollen Gegensatz liefert zu dem nun folgenden glänzend und mächtig wirkenden Schluss des ganzen wohlgelungenen Tonstückes. Nach seiner ganzen ziemlich weit ansholenden Anlage ist es besonders zu empfehlen für außerordentliche Feierlichkeiten in der Synagoge. X. Gemeinde- und Vereinsbote. Wien. Dienstag, den 19. d. Al. fand im türkisch-israelitischen Tempel anläislich des Geburtstages Sr. Majestät des Sultans Abdul Hamid ein Festgottesdienst statt, an welchem der türkische Botschafter, Se. Ercellenz Mahmud Nedim Bey. mit sämmtlichen Herren der Botschaft, Polizei-Bezirksleiter Kende, Cultusvorsteher Bairrath Ritter v. Goldschmidt, kaiserlicher Rath Di-. Lieben, die Tempelvorsteher Wolf, Teltscher und Gleich, sowie zahlreiche andere Festgäste tbeilnahmen. Die Herren von der Botschaft wurden im Vestibüle von dem Präsidenten Marcus M. Rnsso und dem Vorsteher Mazliach empfangen und unter Orgel- und Harfenklang in die Synagoge geleitet. Die cantorale Function versah Obcrcantor Bauer, die Festrede hielt Rabbiner Papo. Der Chor, der ilnter der trefflichen Leitung des Dirigenten Löwit stand, bot ebenso wie der Cantor eine künstlerisch vollendete Leistung. Beim Verlassen des Gotteshauses sprach der Botschafter den beiden Funct'onären seine Anerkennung über den glänzenden Verlauf der Festgottesdienstes ans. Wien. In der am 29. November d. I. stattgehabten General-Versammlung wurden bei den Ergänzungswahlen von den ausscheidenden Vorstandsmitgliedern Herr Hermann Eltbogen und Herr David Spitz wieder- und die Herren Dr. Herm. Deutsch, Adolf Schreiber und Josef Wünsch neugewählt. — Der Vorstand conftituirte sich in der am 6. December l. I. erfolgten Vorstands-Sitzung folgendermaßen: Obmann: Hermann E l t b 0 g e 11; Stellvertreter: Dr. Ernst R 0 seuthal; Cassier: Heinrich Weiner: Schriftführer: Di'. Max Weißenstei n; Schrisrführer--Stellvertretcr: David P 0 l l a t s ch e k; Controlore: Dr. Herm. Deutsch und Josef W ü n s ch; Bethaus-Commisfüre: Adolf Feuer und Jakob K 0 h n, Glaser; Bethaus-Verwalter: Jakob G 0 ldne r, Adolf Schreiber und David Spitz. Wien. Am 10. d. M. fand in der israelitischen Kinderbewahranstalt, II. Bezirk, Schiffamtsgaffe 1ö, die Gründungsfeier statt, welcher außer dem Vorstande, von dem die Damen Sara v. Stern, Baronin Charlotte v. K ö n i g s w a r t e r, Hofräthin Elise G o m p e r z, Sophie v. Bauer und Pauline K a u d e r, dann Herr Baurath Ritter v. G 0 l d s ch m i d t erschienen waren, zahlreiche Gäste beiwohnten, unter denen wir die Frauen Cäcilie Ad l e r, Charlotte Fr i sch a n er, Präsidentin des Vereines „Kinderhort" und Marie Stiepöck, die älteste Kinderbewahrerin in Wien, sowie die Herren k. k Schulrath und Bezirksschulinspector Professor H i n te r w a l d n e r, Gemeinderath Hel big, Bezirksausschuss Elt bogen, Ortsschulrath K anders, Armenrath Dr. Herzfeld, die Rabbiner D. Löwy und Dr. B a ch, Obercantor Singer, Jnspector K a n i tz, Commercialrnth Stiaßny, Dr. Baum u. A. bemerkten. Die Feier wurde mit eurem von einem Knaben vorgesprochenen Gebete eröffnet und hierauf folgten in bunter Abwechslung Lieder und Gedichte, an deren Vortrag sich auch die Kleinsten in der eifrigsten Weise betheiligten. Nach Absingung der Volkshymne führte die größere Abtheilung Marschir- und Kreisspiele aus. Der schöne Vortrag der Gedichte und Lieder, sowie die exacte Ausführung der Spiele erntete allgemeinen Beifall. Die Gäste hatten überdies Gelegenheit, die zur Ausstellung gelangten Arbeiten der Kinder zu prüfen und die reichen Gaben zu besichtigen, welche den Kindern zutheil wurden, von denen der größte Theil vollständig bekleidet wurde. Die Kinder erhielten Anzüge und