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Die Wahrheit · 1899-12-11 · Heft 38 (11.12.1899) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 38 (11.12.1899)
Date
1899-12-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 38. Oie Wahrheit. Seite 7. praktischen Befolgung dieses Verbotes resultirende, aller Welt bekannte jüdische Blutscheu sollte doch einen solchen Verdacht unmöglich machen. Und doch behauptet ein römisches Blatt, das sich der clericalen Patronage erfreut und unter clericalem Einflüsse steht, nicht bildlich, sondern buchstäblich, dass die Juden „christliches Blut vergießen und trinken!" Wo immer gegen die Juden gehetzt werden soll, erhebt sich die Blutanklage, die einem, wie es scheint, unsterblichen Aberglauben ihr Leben verdankt, und von einer, alle schlechten Sensationen ausbeutenden Presse lebhaft unterstützt wird. Die gegensätzliche Haltung deS „Tablet" und des „Weekly Register", die im Namen der Katholiken Englands für die Gerechtigkeit und gegen den Antisemitismus auftreten, ist daher mit Anerkennung zu begrüßen ..." Gemeinde- und Vereinsdote. Wien. Vom Vorstande der israelitischen Cultusgemeinde Wien werden folgende Stiftungen ausgeschrieben, und zwar: die „Dr. Adolf und Emanuel S t e rn'sche Stiftuirg" für Rigorosanten der Medicin, sechs Plätze ä fl. 109;.die „Josef Spitzer'sche Stiftung" für des Ernährers beraubte Familien, drei bis vier Plätze, zusammen fl. 126; die „Ignaz Baum'sche Armen- Stiftung", zehn Plätze äfl. 20; die „Jacob Fisch^el'sche Familien- Stiftung" für verarmte Verwandte, zusammen fl. 210; die „David Neumann'sche Verwandten-Stiftuug" für verarmte Verwandte fl. 203. Sämmtliche mit dem Einreichungstermine bis 31. December 1899. Näheres bei der israelitischen Cultusgemeinde, Wien, I., Seitenstettengasse 4. Wien. Das Curatorium des Blinden-Jnstitutes auf der Hohen Warte in Wien veranstaltet zum ehrenden Andenken der Wohlthäter dieser Humanitätsanstalt, Dienstag, den 12. December, 4 Uhr Nachmittags, als am Sterbetag des munificenten Erbauers des Blinden-Jnstitutes, des Herrn Jonas Freiherrn v. Königswar t e r sel. And., ein feierliches Requiem. Wien. Am 15. v. M. fand im neurestaurirten Tempelgebäude die Generalversammlung des Wieden-Margarethener Tempel-Vereines statt, zirder als Delegirter des Cultusvorstandes Herr Vicepräsident Dr. Gustav Kohn erschienen war. Die vom Vereins-Obmanne Herrn Adolf Ost er setz er abgegebene Erklärung, keine Vertrauensstelle im Vereine wegen vorgerückten Alters und Geschäftsüberbürdung annehmen zu können, wurde mit tiefem Bedauern zur Kenntnis genommen und wurde Herr Ostersetzer im Hinblick auf seine gemeinnützige, ersprießliche 25jährige Amtsthätigkeit als Obmann, von der Generalversammlung einstimmig zum Ehrenmitgliede ernannt. In den Vereinsvorstand wurden gewählt die Herren: Adolf Hoffmann, Redactmr Lichtblau, S. Wiesner, Dr. Stransky, Jacob Drexler, A. Frankl, S. Jellinek, Löwy, Wessely. Herr Vicepräsident Dr. Kohn, welcher vom Vorsitzenden ehrfurchtsvoll begrüßt worden war, nahm zum Schluffe die Gelegenheit wahr, um Namens des Cultusvorstandes zu erklären, dass derselbe wie bisher nach Thunlichkeit die Interessen des Vereines, der einer der ältesten ist, fördern und namentlich die Wünsche des Vereinsvorstandes bezüglich ihres allgemein beliebten Rabbiners, Herrn Di-. Reich, die bei der Generalverversammlung zum Ausdrucke kamen, berücksichtigen werde und dessen Bestallung als Gemeinderabbiner in nahe Aussicht stellte. Bei der constituirenden Sitzung wurde Herr Adolf Hoffmann zum Obmann, Herr Redacteur Lichtblau Zu dessen Stellvertreter gewählt. Wien. Der bekannte humanitäre Verein „Rudolfsbund" nimmt heuer, am 17. December, Nachmittags vier Uhr, im Hotel „Bayerischer Hof", II., Taborstraße 39, seine zehnte Kinderbekleidung vor, bei welcher 130 Kinder vollständig bekleidet und reichlich bewirthet werden. Um neun Uhr Abends findet im selben Saale eine Wohlthätigkeits-Akademie, verbunden mit der zehnjährigen Gründungsfeier statt, deren vollständiges Reinerträgnis dem Bekleidungsfonde zugeführt wird. Die artistische Leitung ruht in den Händen des Herr Richard Liebesny. Der Verein, dessen ausschließliche Tendenz dahin geht, arme Schulkinder zum Winter zu bekleiden und verschämte Arme zu unterstützen, verdient allseits warme Unterstützung; bisnun hat dieser Verein 750 Kinder mit einem Kostenaufwande von vielen tausend Gulden bekleidet. Zur Bekleidung und Akademie wird auch das aus Anlass des fünfzigjährigen Regierungs-JubiläumS Sr. Majestät des Kaisers gestiftete herrliche Vereinsbanner enthüllt. Zur Bekleidung am Nachmittag Entree frei, zur Akademie fl. —*80 per Person. Spenden werden beim Obmanne, Herrn Armenrath Josef Pollak, II., Große Mohrengasse 23, entgegengenommen und im Jahresberichte ausgewiesen. Wien. Der israelitische Humanitäts-Verein für die westlichen Bezirke „Nachlat Jeschurun", hielt Dienstag, den 5. December l. I., präcise halb 7 Uhr Abends, im Saale des Restaurants Löbl, VI., Schmalzhofgasse 10, die zweiunddreißigste ordentliche Generalversammlung ab. Tagesordnung: 1. Protokoll der einunddreißigsten ordentlichen Generalversammlung. 2. Bericht des Vorstandes. 3. Rechnungsabschluss pro 1899. 4. Bericht der Revisoren. 5. Wahl des Vorstandes nach 8 15 der Vereinsstatuten. 6. Wahl der Revisoren für das Jahr 1900. Wien. Der humanitäre Verein „Die Szenitzer in Wien" versendet den ersten Rechenschaftsbericht über das abgelaufene Vereinsjahr. Der Verein, welcher arme Landsleute reichlich unterstützt, ist im steten Wachsen begriffen. Prag. (Bon der israelitischen Cultusgemeinde in Weinberge.) Der an Stelle des abgegangenen J. U. Dr. Carl Weiß neuernannte Secretär, Herr Emanuel Fessler, wurde von der Statthalterei zum Matrikelführer dieser Gemeinde bestellt und hat den vorgeschriebenen Amtseid bei der Bezirkshauptmannschaft in Weinberge abgelegt. Prag. Der hiesige Wohlthätigkeitsverein „Chanuka", der jährlich würdige Schulkinder mit Winterkleidern beschenkt, feierte Heuer den dreißigsten Jahrestag seiner Gründung. Diesmal wurden 150 Kinder bekleidet. Der Verein, der anlässlich des Jubiläums des Kaisers auch Stiftungen für arme jüdische Handwerkslehrlinge und Staatsgewerbeschüler gründete, verfügt Über einen Fonds von fl. 15.000. Seinen Aufschwung aus bescheidenen Anfängen verdankt dieser Verein hauptsächlich seinem Gründer und langjährigen Präses. Herrn Buchhändler Jakob B. Brandeis. Strakonitz. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde hat sich wie folgt constituirt: Cultusvorsteher Herr Moriz Saxl, erster Stellvertreter Herr Eduard Fuchs, zweiter Stellvertreter Herr Heinrich Benisch, Cassier Herr Abraham Schwarz, Rechnungsführer Herr Jacob Kraus, Tempelvorsteher Herr Moriz Saxl, Vorstandsmitglieder die Herren: Adolf Fürth, Gottlieb Hoffmann, Edmund Zucker, Josef Ehrmann, Friedrich Kafka. Pressburg, 3. December. Der am vorigen Montag von Ehrwürden Dr. S. Funk abgehaltene zweite Vortragsabend erfreute sich eines noch regeren Besuches seitens der israelitischen Damenwelt, als der erste und erregte ebenso wie dieser die gespannteste Aufmerksamkeit des Auditoriums, zumal das Thema: „Die jüdische Frau in Geschichte, Litteratur und Kunst" in überaus fesselnder Weise vom Redner weiter entwickelt wurde. Nach der im Rahmen des ersten Vortrages gegebenen Definition des historischen Bewusstseins versuchte der Vortragende nachzuweisen, dass dieses Bewusstsein auch von socialer Bedeutung für die Gesammtheit ist, indem die Frauenfrage im Judenthum selbst auf den heiligen Blättern der Schrift in ihren socialen Motiven und Wirkungen ausgeprägt erscheint. Jedes im Frauenleben der Bibel sich ergebende Ereignis spiegelt diese social-ethische Wahrheit wieder und zeigt in Zucht und Sittlichkeit das Voll-Ideal der reinen Weiblichkeit. Nicht nur die einzelnen Personen der Schrift tragen diesen Charakter, sondern auch ein solches Buch, wo das „Hohe Lied" diesen Gedanken im Geiste der Tradition wiedergibt. — Montag, den 4. December hatte der Vortragende dieses Thema abgeschlossen. In den nächsten Vortragsabenden werden folgende Themen behandelt werden: „Rabbi Akiba und seine Zeit"; „Jehuda Halevi in der Weltlitteratur"; „Christof Columbus und der Antheil der Juden an den spanisch-portu-

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