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Die Wahrheit · 1899-12-11 · Heft 38 (11.12.1899) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 38 (11.12.1899)
Date
1899-12-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Die Wahrheit. Seite 5. Nr. 38. von den Inden einige Tausend Thaler durch das Versprechen zu erschleichen, sein Werk nicht zu publiciren und ihnen die Originalien zu übergeben, um sie zu versichern, dass binnen kurzer Frist nicht eine gleiche Brandschatzung (rieeato) versucht werden würde. Die Beschwerden der Juden sind mit den erforderlichen Documenten an den päpstlichen Stuhl gelangt und mir übergeben, um Seiner Heiligkeit zu berichten, welche nach Erwägung der Sache mir befohlen hat, Ihnen Folgendes zu schreiben: Seine Heiligkeit will, dass Sie den genannten Giacomo Giordano zu sich rufen lassen, ihm eröffnen, wie gefährlich sein Werk sei, durch das er riskire, Tumult wegen einer Sache zu erregen, die so oft geprüft sei und über welche man nicht mehr ernstlich discutiren kann; ihn deswegen zurechtzuweisen und im Namen Seiner Heiligkeit zu befehlen, nie wieder über eine solche oder ähnliche Frage etwas zu Papier zu bringen. Außerdem solle er alle Manuscripte und jedes Papier, das die beiden Werke betrifft. Ihnen übergeben, damit nichts mehr in seinem Besitze bleibt, unter Androhung, dass bei der geringsten Uebertretung Gefängnis und andere schwere Züchtigung nach Bestimmung Seiner Heiligkeit folgen würden und mit dem Ausdrucke des Unwillens des heiligen Vaters. Da man aber nicht darauf vertrauen kann, dass er Alles herausgibt, wird es sich empfehlen, dass Sie, während er sich mit Eurer Excellenz unterhält, in sein Haus schicken, und alle besagten Papiere suchen und wegnehmen lassen. Oder senden Sie Jemand, den Sie für geeignet halten, dass er ihm obige Befehle und Vorschriften wegnehme, so dass ihm nichts bleibt. Es empfiehlt sich endlich, mit der größten Vorsicht und Verschwiegenheit vorzugehen, damit kein Rumor entsteht. Wenn Sie, wie angegeben, verfahren sind, wollen Sie mir Bericht erstatten und mir die Papiere, welche dem Giordano abgenommen sind, nebst den Unterhandlungen zwischen ihm und den Juden von Ancona übersenden, damit ich dem heiligen. Vater vorstellen kann, mit welcher Genauigkeit Sie seine hohen Befehle ausgeführt haben. Indem ich mir Alles von Ihrer Weisheit verspreche u. s. w." Monsignore Bischof von Ascoli antwortete dem Monsignore Affeffore del S. O. in Rom, er habe den Giordano zu sich berufen. Nachdem er ihm eine scharfe Ermahnung ertheilt und ihm die betreffende Weisung gegeben, habe er seinen Secretär in dessen Haus gesandt und alle auf die betreffende Angelegenheit bezüglichen Papiere wegnehmen lassen, darunter auch den Brief an den Drucker Sartori in Ancona, in welchem es sich um den beabsichtigten Druck des Gedichtes handelte. Er werde Alles in einem Schreiben einsenden, habe es aber für seine Pflicht gehalten, zunächst über das zu berichten, was er gethan habe. (B. Monatsbl. III., 1.) Wahrlich, wenn man in unserer Zeit solch drastische Mittel gegen die Verbreiter der Blutlüge und sonstigen thörichten Verleumdungen anwenden möchte, so würde man mehr Nächstenliebe und weniger böse Triebe, mehr heiliges Leben und weniger thörichtes Streben bei der Generation der Jetztzeit finden. Pisek. Di-. M. H. Friedländer. Der Uationalgott und Universalgott der Äuden. Um den gesunkenen jüdischen Geist zu heben und den religiösen Sinn zu kräftigen, hat die ungarisch-israelitische Litteratur-Gesellschaft in der Haupt- und Residenzstadt für die heurigen Winterabende Vorlesungen zu veranstalten beschlossen, deren zweite am 21. November im großen Sitzungssaale der Budapester jüdischen Religionsgemeinde unter überaus großer Betheilignng der Literaturfreunde stattfand. Wie herzerfreuend es einerseits ist, wenn die großen Massen von Außen durch derartige Vortrüge für das Judenthum gewonnen werden, so müssen wir andererseits die Leitung des Vereines dafür verantwortlich machen, wenn sie bei der Wahl der zur Behandlung gelangenden Themen zu wenig Umsicht an den Tag legt. Wie käme es sonst, dass Herr Rabbiner Dr. Kecskemeti aus Großwardein eine Bibelkritik den Anwesenden auftischte, die allgemeinen Widerspruch Hervorrufen muss? Bibelkritik zu üben in diesen Tagen, da die Fäden der Religion ohnehin zn reißen beginnen, und zumal vor die Oeffentlichkeit mit derartiger Wühlarbeit hinzutreten, das ist ein Beginnen, das nicht genug gerügt werden kann. Bei einem Rabbiner aber, der die Grnndvesten der Religion erschüttern will und der mit ähnlichen Theorien eine ganze Gemeinde ihrem Gotte abwendig zu machen im Stande ist, ist dies ein strafbares Unterfangen. Wir wissen übrigens nicht, wer hiebei mehr zu rügen ist, der Vortragende selbst, der Derartiges zum Besten gibt, oder vielmehr die Vereinsleitung^ welche den Vortrag überhaupt zuließ? Schon vor Jahren hat die anrüchige Bibelkritik viel Staub aufgewirbelt, doch weil sie in allen Kreisen Aergernis erregte, musste sich Herr Dr. Kecskemoti damit bescheiden, einstweilen mehr als nöthig von sich reden gemacht zu haben, zur Herausgabe seines Opus vermochte er sich nicht anznschicken. In dieser Abendvorlesung, so scheint es, wollte er nun die schon einmal abgelehnte Waare einschmuggeln, sie hat jedoch keine Käufer gefunden. Wie die alten Völker ihre Götter wechselten, so glaubte Dr. K e c s k e m 61 i bewiesen zu haben, dass auch die jetzigen Juden einen anderen Gott besitzen, als ihre Vorfahren. Moses hatte den Israeliten einen Nationalgott angehüngt, der jedoch seinen Werth mit der Nation wechselt, er ist stark und mächtig, insolange die Nation nicht einer fremden Macht unterliegt, mit der Auflösung der Nation ist auch ihr Gott geschwunden; einen solchen Gott besaß Alt-Israel. Mit Amos beginnt eine neu«; Epoche in der Gottheit. Er, der Regenerator des jüdischen Glaubens, hatte die Schwäche des mosaischen Gottes eingesehen, der für die Zukunft nicht standhalten konnte, darum gab er dem Gotte eine andere Form; ein mächtiger, ewigdauernder Gott kann nur ein Universalgott sein, der die Nation überlebt, der an kein Volk gebunden ist, und der Vater dieses Universalgottes ist Amos. Selbst die bloße Verfolgung dieses Gedankens ist eine Blasphemie, geschweige denn, sich mit derartigem Bräu, das unsere Hasser schon längst ausgeheckt, vor die Oeffentlichkeit wagen. Ich denke mir, wie die Zuhörer ganz verblüfft dastanden, hatten sie doch eine Vorlesung über den Propheten Amos erwartet, statt dessen bekamen sie diese abscheuliche 'Bibelkritik zu hören. Täuscht sich etwa Herr Dr. Kecskemeti und meint er, dass

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