Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1899
- Issue
- Heft 37 (1.12.1899)
- Date
- 1899-12-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 37. Die Wahrheit. Seite 7. israelitischen Eultusgemeinde Wien zum Zwecke des Tempelbaues bewilligten Beträge, und zwar eine Subvention von 7500 fl. und ein unverzinsliches Darlehen von 7500 fl., die von zwei Vereinsmitgliedern für diesen Zweck zugesagten Beträge von je 500 fl. und das von der außerordentlichen Generalversammlung bewilligte und voraussichtlich zu erlangende Darlehen von 30.000 fl., so erscheint die Bausumme von 54.000 fl. gesichert. Das einzige Hindernis einer sofortigen Inangriffnahme des Baues ist in dem vorläufigen Mangel einer rechtskräftigen Baubewilligung gelegen. Hoffentlich wird auch dieses Hindernis fallen, worauf sofort mit dem Baue begonnen werden wird". In der am 29. November stattgehabten Generalversammlung dieses Vereines wurden nach Berichterstattung seitens des Obmannes, Herrn Hermann Eltbogen, die Ergänzungswahlen für die ausscheidenden Vorstandsmitglieder vorgenommen. Wien. (Verein zur Hebung der Gewerbe in Wien.) In dem dichtgefüllten großen Festsaale des Niederösterreichischen Gewerbevereines hielt der Präsident des Vereines, Herr S. Brod, am 15. v. M., 7 Uhr Abends, vor einer ans den besten Bürgerkreisen bestehenden Vollversammlung eine Kundgebung für den Wiener Volksbildungs-Verein. Dieselbe hier zum Abdrucke zu bringen, ist wegen Raummangels unzulässig. Die Wirkung dieser Kundgebung war bei allen Zuhörern eine tiefgehende und die materiellen Folgen für den Volksbildungs-Verein werden hoffentlich günstige sein. Rauschender Beifall lohnte die glänzenden und überzeugenden Ausführungen des Redners. Sodann hielt der bekannte Schriftsteller und Herausgeber des „WienerAlmanach", HerrJacques I a e g e r,"einen hochinteressanten und instructiven Vortrag über seine letzte Reise durch Russland, den Kaukasus und Klein-Asien, der ihm die Glückwünsche des Präsidenten und der Zuhörerschaft im gebührenden Maße eintrug. Unter den Anwesenden bemerkte man die Vertreter der Oesterreichisch-ungarischen Colonial-Gesellschaft, ferner die Herren: kaiserl. Rath Vogl, Universitäts-Docent Di'. Grünfeld, Jnstituts-Director Simon, Religionsprofeffor Kanitz, Commercienrath Stiassny, Bezirksausschuss Waldstein; die Vertreterinnen der Frauenvereine: Di-. Sofie Grünfeld, Dr. Frischauer, Amalie Beck, Charlotte Kisch, Antonie Graf 2c. 2C. Entschuldigt haben ihr Fernbleiben die Herren: Fürst Alfred Wrede, Professor Richard Singer, Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Hermann Fialla 2c. 2c. Wien. Bei der vom „Politischen Volksvereine" anlässlich des Doppeljubiläums des Geheimrathes Professors Dr. Lazarus, des fünfundsiebzigsten Geburtstages und der fünfzigsten Wiederkehr des absolvirten Doctorats, im Festsaale des Kaufmännischen Vereines veranstalteten Feier begrüßte Obmann Dr. H. Fialla die zahlreich Erschienenen, und nachdem er auf die Bedeutung des Gefeierten und seiner epochemachenden Werke hinwies, ertheilte er dem Festredner Dr. Bernhard Münz das Wort. Dr. Münz schilderte in gewählter Sprache die Verdienste des Jubilars um die Philosophie im Allgemeinen in seinen hochbedentsamen Werken: „Das Leben der Seele" und „Die Ethik des Judenthums", ferner sein Verhältnis zu seinem Collegen in der Redaction der '„Völker-psychologischen Zeitschrift", Dr. Steinthal, welche gemeinsam neue Gebiete der philosophischen Forschung entdeckten. Nach den Worten der heiligen Schrift: „Auch am Abend lass' Deine Hand nicht ruhen", schafft Lazarus noch immer rüstig an der Vollendung seines Hauptwerkes in Meran, nachdem er seine Berliner Professur niederlegte und wird hoffentlich der zweite Theil der „Ethik" manche Missverständnisse aufklüren. Wir wünschen dem hochgeschätzten Jubilar einen ungetrübten Lebensabend, dass es ihm gegönnt sein möge, zur Ehre des Judenthums und der Wissenschaft erfolgreich zu wirken — ad meoh schonoh bessewoh tauwoh! Wien. Der Allgemeine Kranken- und Unterstützungs-Verein „Montefiore" hat in dankbarer Würdigung der besonderen Verdienste, welche sich das am 21. November 1898 verstorbene Vorstandsmitglied, Herr Bernhard Kohn, um den Verein erworben hat, Montag, den 20. November, als am Vorabende des Sterbetages, in den Vereinslocalitäten, ll>, Rotheusterngaffe 10. eine solenne Trauerandacht veranstaltet, an welcher die Witwe, der Gesammtvorstand und zahlreiche Vercinsmitglieder theilnahmen. Nachdem Herr Caator I. Schiller vom Stadtlempel mehrere Psalmen mit Ehorbegleitung in erhebender Weise vorgetragen haite, hielt der Obmann des Witwen- und Waisensond-Vereines „Montefiore", Herr Edmund H offmann, eine die Bedeutung der Trauerfeier kennzeichnende Ansprache, worauf dann als bleibendes Zeichen der Dankbarkeit das wohlgetroffene Bild des Verstorbenen enthüllt lvurde. Am Sterbetage begab sich eine Deputation des Vorstandes zum Grabe des fei. Herrn Bernhard Kohn am Central-Friedhofe, womit die Trauerknndgebnng einen würdigen Abschluss fand. Wien. Der israelitische Frauen-Wohlthätigkeits-Verein im achten Bezirke veranstaltet Mittwoch, den 29. November, vier Uhr Nachmittags, im Eursalone die diesjährige Kinderbekleidung, bei welcher 130 Kinder aus allen Bezirken Wiens vollständige Winter - kleidnng erhielten. Nach der Festrede des Herrn Rabbiners Hahn wurden von den Schulkindern einige hübsche Deelamationen vorgetragen und hierauf die Volkshymne gesungen. Ein Festchoral, vorget agen vom Ober-Eantor Jacob B au e r, beschloss die schöne Feier, welche ein glänzendes Zeugnis ablegte für das humanitäre Wirken des Vereines und die Rührigkeit des Vorstandes, an dessen Spitze die Präsidentin, Frau Amalie Beck, steht. Wien. Der „Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis", Wien, II., Taborstraße 59, versendet nachstehenden Aufruf: Mitbürger! Glaubensgenossen! Je mehr die Einsicht in das wirthschaftliche Elend der Massen wächst, desto stärker wird die Erkenntnis, dass durch Almosen in den allermeisten Fällen blos eine momentane Linderung der Nothlage erzielt wird; ersprießliche, dauernde Hilfe erwächst dem Bedürftigen nur durch die Möglichkeit, ihre Arbeitsfähigkeit zu bethätigen. Dieser Erkenntnis haben wir es zu verdanken, dass Corporationen und Vereine sich die Aufgabe gestellt haben, den Arbeitswilligen zur Erlangung lohnender Beschäftigung behilflich zu sein, und auch in Wien ist, neben einer Anzahl genossenschaftlicher Anstalten, das große communale Arbeitsvermittlungsamt in Thütigkeit, welches von dem ganzen Gemeinwesen unterhalten, auch der gesammten Bevölkerung zu statten kommen sollte. Leider ist dies nicht der Fall! Jener Geist der Unduldsamkeit, welcher gegenwärtig im Rathhause herrscht und selbst vor unschuldigen Waisenkindern nicht Halt gemacht hat, macht sich auch in der Leitung dieser communalen Institution geltend. Gerade jene Partei, welche den Juden in feindseliger Weise Arbeitsscheu zum Vorwurf macht, ist bemüht, ihnen die Möglichkeit der Arbeit zu benehmen! Wer die unsagbar traurigen Verhältnisse kennt, unter welchen der jüdische Handwerker sich in seiner Lehrzeit und als Gehilfe bis zur selbstständigen Arbeitsfähigkeit durchringen muss; wer sich vor Augen hält, unter welch' harten Kümpfen und Ueberwindung unseliger Vorurtheile der jüdische Gewerbsmann seine Existenz aufrecht erhält, wer die Entsagungen und Opfer ermisst, die der jüdische geistige Arbeiter zu bringen genöthigt ist, der wird nicht nur die Größe des Unrechts, die Ungeheuerlichkeit und Gewaltthätigkeit begreifen, die darin zum Ausdrucke gelangen, dass man die Inden von der Erwerbsmöglichkeit ausschließen will, sondern er wird sich auch gedrängt fühlen, diese Unbill abzuwehren. Unter solchen Umstanden ist, so beklagenswerth auch confessionelle Differenzirungen sein mögen, die Errichtung einer Arbeitsvermittlungsstelle für Juden eine dringende, unabweisliche Nothwendigkeit. Eine unentgeltliche Arbeitsvermittlung für unsere arbeitsfähigen Glaubensgenossen wird dieselben nicht blos als nützliche und würdige Staatsbürger erhalten, sie wird auch verhüten, dass viele derselben aus Mangel entsprechender Arbeit auf unsere Wohlthätigkeit angewiesen werden und sicherlich auch unsere confessionellen Wohlthütigkeits-Anst a l t e n e n t l a st e n, welche bei Fortdauer der gegenwärtigen Zustände stets wachsenden und kaum zu befriedigenden Ansprüchen gegenüberstehen. Dieser Gedankenganq war es, welcher den