Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1899
- Issue
- Heft 37 (1.12.1899)
- Date
- 1899-12-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. Die Wahrheit. Nr. 37. einer Correctur der Vorgefundenen Schrift. Nun stelle man sich einen finderischen Kops wie den des R. Jonathan vor, was hätte der nicht leisten können, um selbst ein U für ein di Zu machen, wenn er wirklich der gewiegte Kabbalist gewesen wäre? Einst als Eibenschitz noch in Prag thronte, so wird uns berichtet, hatte sich der geächtete, von jeder jüdischen Gemeinde ausgestoßene Chajon, der bereits ein hinfälliger Greis geworden war, krank bis Prag in rauher Winterszeit geschleppt. Eibenschitz musste ihn auch von da abweisen, durfte dem Kranken, der nicht weiter konnte, keine Zuflucht in Prag gestatten. Das war der Ehajon, der sich zwar sehr undankbar gegen ihn erwiesen hatte, von dem er jedoch höchstwahrscheinlich in die Kabbalah eingeführt worden war. Ihm blutete das Herz und er schüttete es vor seinem hochherzigen Weibe aus: „Kann ich den geächteten, hinfälligen, kranken Greis, der in rauher Winterszeit nicht mehr weiter kann, draußen vor der Stadt verhungern lassen? Ist er auch schlecht, ich habe einst von ihm gelernt und er ist doch ein Mensch. Kann ich ihm Nahrung schicken? Du weißt, ich bin selbst mit ihm verdächtigt." Die edle Seele bietet sich nun dem Galten an, allnächtlich in eigener Person, so dass es Keiner zu erfahren braucht, dem Elenden Speise hinauszutragen. Da sieht man auch . allabendlich zur rauhen Winterszeit zwei verhüllte Frauengestalten zum Thore der Stadt hinauseilen. Es ist die Rabbinerin Eibenschitz in Begleitung ihrer hochbetagten, frommen Mutter. Sie bringen einem Kranken, einem Geächteten, einem Elenden Nahrung. _ (Fortsetzung folgt.) Gemeinde- und Vereinsbote. Wien. (Aus der Plenarsitzung des Cultusvorstandes vom 26. November 1899 unter dem Vorsitze des Präsidenten kais. Rath Klinger.) Beginn 10 Uhr Vormittags. An Spenden sind eingelaufen: Von Sigmund und Regina Kauders anlässlich der Verheiratung ihrer Tochter Fräulein Elsa Kauders für das Siechenhaus fl. 400, für den Armenfond des Vertreter-Collegiums fl. 400, für den israelitischen Bethaus- Verein, III., Untere Viaductgaffe 13, fl. 100, für den Verein zur Unterstützung mittelloser israelitischer Studierender fl. 25, für den Talmud-Thora-Verein fl. 25, für den Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten fl. 20, für den Handlungskrankenverein fl. 10, für den Waisenverein fl. 10, für die Armenanstalt fl. 10, für arme Bräute fl. 25, weiters zur Errichtung einer Sigmund und Regine Kauders'schen Heiratsausstattungs-Stiftung Nominale 6000 Kronen. Vom „Verein zur Errichtung und Erhaltung der Ersten Wiener Suppen- und Thee-Anstalt für Arme 400 Theemarken und 400 Brodmarken. Vom Herrn I. Kraus für den Siechenhausbau fl. 2. Den Spendern wird der Dank votirt. Im Einlaufe befinden sich Dankschreiben folgender Vereine für die aus dem Dr. Hayum Salomon Goldschmidt'schen Legate bewilligten Subventionen: Wiener Bet-ha-Midrasch-Verein, Verein zur unentgeltlichen Verpflegung Brustleidender ans dem Lande, Mädchen-Unterstützungs-Verein, Theresten-Kreuzerverein. Im Präsidialbericht macht der Präsident Mittheilung von dem in der vergangenen Woche durch den Verwaltungsgerichtshof gefällten Erkenntnis in Angelegenheit der Besetzung der Schulleiterstelle für die Mädchen-Volksschule am Czerninplatz im II. Bezirke, wonach festgestellt wurde, dass der Leiter dieser Schule gemäß den Bestimmungen des Schulgesetzes vom 2. Mai 1883 die Befähigung zur Ertheilung des israelitischen Religionsunterrichtes haben müsse. Diese Entscheidung, welche der Verwaltungsgerichtshof in Aufhebung der widersprechenden Anordnungen sämmtlicher schulbehördlicher Instanzen getroffen hat, sei von hoher principieller Bedeutung. Der Cultusvorstaud habe diesen Erfolg der sachkundigen und ausgezeichneten Vertretung durch Herrn Vice-Präsidenten Landesschulrath Dr. Gustav Kohw zu danken. (Lebhafter Beifall.) Der Präsident gibt ferner bekannt, dass er im Sinne der statutarischen Bestimmungen behufs rechtzeitiger Berathung des vom Vertreter-Collegium festzusetzenden Gemeinde-Budgets pro 1900 für die erste December-Hälfte eine öffentliche Plenar-Versammlung einberufen werde. Eine Fortsetzung der Conferenzen mit hoch- und höchstbesteuerten Mitgliedern der Cultusgemeinde werde Dienstag, am 28. d. M. stattfinden. Ueber Aufforderung des Präsidenten erstattet der Obmann der Finanzsection kais. Rath Hirsch den Bericht über die am 23. November durch das hiefür bestehende Comito vorgenommene Revision der Bücher und constatirt die ordnungsmäßige Führung dieser Agenden. Rücksichtlich der in der Plenarsitzung vom 28. Juni 1899 gefassten Beschlüsse in Eheaufgebots- und Trauungsmatrikel- Angelegenheiten werden über Referat und Antrag des Herrn Dr. Maximilian Steiner einige Modificationen vorgenommen und wird beschlossen, den Act behufs baldigster Durchführung der Statthalterei unverweilt zur Kenntnisnahme vorzulegen. Namens der III. Section werden Stiftungsreferate erstattet. Es werden verliehen: Ueber Referat und Antrag des Herrn Oberfinanzrath Dr. Rappaport aus der Therese Wertheim'schen Heiratsausstattungs-Stiftung ein Platz mit fl. 164 und aus der Ignaz Klepetasch'schen Heiratsausstattungs-Stiftung 2 Plätze mit je fl. 50, weiters über Referat und Antrag des Herrn k. k. Baurath Theodor Ritter v. Goldschmidt aus der Samuel Klinger'schen Stiftung für Wöchnerinnen conform dem stiftbriefgemäßen Präsentationsvorschlage des Präsidenten kais. Rath Klinger 4 Plätze mit je fl. 47-50; aus der Josef und Cäcilie Adler'schen Stiftung für Wohnungsmiethe-Beitrüge im Sinne der Präsentationsvorschläge der Stifterin Frau Cäcilie Adler 6 Plätze mit zusammen fl. 121; aus der Kaiser Franz Josef Jubiläums- Stiftung zur Unterstützung israelitischer Waisen, errichtet von einem ungenannt sein wollenden Wohlthäter, 14 Plätze mit je fl. 150 bis zum vollendeten 16. Lebensjahre der Stiftlinge; ans der Michael Cohen da Silva'schen Stiftung für israelitische Handwerker 1 Platz mit fl. 400, endlich über Referat und Antrag des Herrn Vice-Präsidenten Dr. Kühn aus der Max Marmarosch'schen Stiftung für Handelsakademiker gemäß dem Vorschläge des Stifters Herrn Jacob Marmarosch 2 Plätze mit je fl. 135. Nach Erledigung von Personalien wird die Sitzung um halb 2 Uhr Nachmittags geschloffen. Wien. In dem uns vorliegenden Jahresberichte des israelitischen Bethausvereines „Brigittenau" sind die Mittheilungen über den geplanten Tempelbau von besonderem Interesse. Daselbst heißt es: „Im Berichte des Vorjahres hat der Vorstand die berechtigte Hoffnung ausgesprochen, dass wir schon bald an die Grundsteinlegung des neuen Vereinstempels werden schreiten können. Leider hat sich das Unerwartete ereignet, dass die Baudeputation über die mittelst Recurses vorgebrachten Einwendungen eines Anrainers hinausgegangen ist und aus öffentlichen Rücksichten die von dem Wiener Magistrate ertheilte Baubewilligung aufgehoben hat. Hingegen wurde von dem Vereinsvorstande der Recurs an das hohe k. k. Ministerium des Innern eingebracht, und ist es den Bemühungen des Herrn Obmannes zu verdanken, dass Aussicht auf eine günstige Erledigung dieses Recurses vorhanden ist. Was den finanziellen Punkt der Tempelerbauung betrifft, so sei bemerkt, dass die complete Fertigstellung des Tempelgebäudes auf 54.000 fl. veranschlagt wurde. Das zu Tempelbauzwecken zur Verfügung stehende Baarvermögen hat sich nun seit dem Vorjahre von 1600—1700 fl. auf 9000 fl. erhöht. Rechnet man hinzu die von dem löblichen Vorstande der