Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1899
- Issue
- Heft 35 (11.11.1899)
- Date
- 1899-11-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3062972-3062973-3063008--00507-3067020- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 35. Die Wahrheit. Seite 7. Gemeinde- >md Vereinsbote. Wien. (Aus der Plenarsitzung des Cult usvorstandes vom 5. November 1899.) Unter dem Vorsitze des Präsidenten kais. Rath H. Kling er. Im Einlaufe befindet sich ein Dankschreiben der Pressburger orthodoxen Cultusgemeinde für die durch Herrn Baurath Stiaßny erfolgte Vertretung der Wiener israelitischen Cultusgemeinde bei der feierlichen Eröffnung einer neuen Schule, und einen Bericht des Herrn Baurathes Stiaßny über den besonders würdigen Verlauf dieser Feier. (Zur Kenntnis.) Im Präsidialberichte gedenkt der Vorsitzende der in der Vorwoche erfolgten definitiven Constituirung des „Allgemeinen Oesterreichischen Jsraeliten-Bundes" und der ausgezeichneten Leitung dieser Versammlung durch Herrn Dr. S tern, welche in weitesten Kreisen lebhafteste Befriedigung hervorgerufen hat. Der Präsident beglückwünscht den Bund zur Wahl seines Präsidiums. Unter Hinweis auf § 96 des Statutes, welcher die Festsetzung des Budgets spätestens einen Monat vor Ablauf des Jahres verlangt, ersucht der Präsident die Herren Obmänner der Sectionen, die Vorarbeiten in den Sectionen zu beschleunigen. Ueber Antrag des Vertreter-Collegiums wird in Uebereinstimmung mit dem Anträge der ersten Section dem Herrn Rabbinats- Assessor Fleißig die angesuchte Versetzung in den Ruhestand aus Rücksicht auf sein hohes Alter unter dem Ausdrucke der wärmsten Anerkennung für sein langjähriges hervorragendes Wirken im Wiener Rabbinats-Collegium gewährt. Dem Tempelverein im X. Bezirk wird pro 1899 außer der budgetirten Subvention per fl. 600 zur Deckung des Gebahrungsdeficites und mit Rücksicht auf die vorgebrachten Umstände, unter bestimmten Bedingungen ausnahmsweise eine außerordentliche Subvention von fl. 700 bewilligt. Behufs Besetzung der Obercantor-Stelle im Leopoldstädter Tempel wird beschlossen, einen Concurs mit kurzem Termin auszuschreiben, und zwar unter der Voraussetzung, dass der Vorstand an die Ergebnisse dieses Concurses nicht gebunden sei und sich eventuell auch im Berufungswege vorzugehen Vorbehalte. Die Festsetzung der Modalitäten wird dem Vertreter-Collegium im Einvernehmen mit der ersten Seetion überlassen. Nach Erledigung von Personalien wurde die Sitzung geschlossen. Wien. Vom Vorstande der israelitischen Cultusgemeinde Wien wurden ausgeschrieben: Die „Dr. Adolf Sack'sche Stiftung für Herz- und Aorta-Kranke", vierzehn Plätze ä fl. 300. Gegenwärtig im Bezüge stehende Bewerber werden bevorzugt. Die „Dr. Adolf Sacks'sche Stiftung für Techniker", neun Plätze ä fl. 300. Gegenwärtig im Bezüge stehende Bewerber werden bevorzugt. Die „Ober-Rabbinerin Dr. Fanny Güdemann-Stiftung für weibliche Kranke", ein oder zwei Plätze ä fl. 39. Näheres bei der israelitischen Cultusgemeinde in Wien, I., Seitenstettengasse Nr. 4. Wien. Die „Oesterreicknsch-israelitische Union" hält Dienstag, den 14. d. M., halb 8 Uhr Abends, im großen Saale des Hotel „Continental", II., Taborstraße 4, eine Plenarversammlung mit folgender Tagesordnung ab: 1. Mittheilungen des Vorstandes, 2. Thätigkeitsbericht, 3. Discussion über die Lage der österreichischen Judenschaft, 4. Anträge und Interpellationen. An jene geehrten Glaubensgenossen, welche den Kalender der „Oesterreichisch-israelitischen Union" pro 1899/1900 bezogen und den hiefür entfallenden Betrag noch nicht entrichtet haben, geht das höfliche Ersuchen, die Einzahlung mittelst Posterlagschein oder Postanweisung zu leisten, da sonst die .Enthebung mittelst Postauftrüges erfolgen müsste, was unnöthige Mehrausgaben verursacht. Wien. („Verein zur Hebung der Gewerbe in Wien.") Mittwoch, den 15. d. M., 7 Uhr Abends, findet im großen Festsaale des Niederösterreichischen Gewerbevereines, I., Eschenbachgasse 11, eine Plenarversammlung mit nachfolgender Tagesordnung statt: 1. Ein Wort über den Wiener Volksbildungsverein. 2. Vortrag des Schriftstellers Herrn Jacques Ja eg er, Herausgeber des „Wiener Almanachs", Vorstandsmitglied der Oesterreichisch-ungarischen Coloninl-Gesellschaft, über seine letzte Reise: „Wanderbilder aus Russland, dem Kaukasus, Central-Asien :c." Damen und Gäste willkommen. Für die Vereinsleituu g: Der Präsident: S. B r o d. Der Schriftführer: A. Kisch. Prag. Der „Centralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten" hielt Samstag, den 5. d. M., um 4 Uhr Nachmittags, im Saale der deutschen Handels-Akademie (Altstädter Fleischmarkt) seine Generalversammlung ab. Prag. Das Gesuch des Tempelvereines um Bewilligung einer Baulicenz zum Baue eines Tempels in der Jerusalemsgasse wurde seinerzeit vom Stadtrathe abschlägig beschieden. Nun wurde jüngst der Stadtrath neu gewühlt; derselbe beschloss in seiner ersten Sitzung, die Sache einer näheren Prüfung zu unterziehen. Es ist somit zu hoffen, dass der Verein die angesuchte Bewilligung erhalten werde. Prag. (Wohlthätigkeitsact.) Der israelitische Frauenverein in Weinberge beschloss, wie alljährlich, am 2. December l. I., als am Tage der Thronbesteigung des Kaisers, 55 arme Schulkinder mit vollständigen Winteranzügen zu betheiligen. Prag. (Zionistische Versammlung.) Der hiesie Zionistenverein, der stetig an Ausdehnung gewinnt, veranstaltete Samstag Abends, am 28. v. M., im Hotel Robitschek einen Debattenabend, der sehr gut besucht war, auch Damen waren anwesend. Die Debatte, in der die zionistische Bewegung von verschiedenen Standpunkten beleuchtet wurde, gestaltete sich sehr lebhaft. Marienbad. Samstag und Montag fanden die Wahlen in den Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde statt. In den engeren Vorstand wurden wiedergewählt die Herren: Dr. Lang, Duschenes, Eisenberger, Kohorn, Alois Kohn, Holub und Emil Baruch; neugewählt wurde Herr Dr. Löwenthal. In den verstärkten Vorstand wurden wiedergewühlt die Herren: Otto Wolfner, Moritz Löwy, Eduard Leitner, Knebl, Benisch, Kraus, Horowitz; neugewühlt erscheint Herr Ed. Kohn. Budapest. 7. November. Die Landescommission der Statusquo-Gemeinden hat dieser Tage im Hotel Royal die zweite Conferenz abgehalten. Es wurde das Bestreben, eine förmliche dritte Organisation zu schaffen, gänzlich fallen gelassen und der Beschluss gefasst, einen Gemeindeverband zu bilden, der mit moralischen Mitteln die Befugnisse einer gesetzlichen Organisation ausüben soll. Oberrabbiner Fürth legte der Versammlung die Grundprincipien eines Statutenentwurfes vor, die einhellig angenommen würden. Zur endgiltigen Ausarbeitung der Statuten wurde eine Commission eingesetzt, bestehend aus den Rabbinern: Kraus-Debreczin, Fürth-Nagy Karoly, Horowitz-Also Kubin und Stein-Tyrnau. Als unverrückbare Grundsätze des Verbandes haben zu gelten: die streng conservative Schulchan-Aruch-Basis in allen Gemeinde-Institutionen und die Kompetenz des rabbinischen Forums in religiösen Fragen. Alle nichtreligiösen Angelegenheiten gehören in den Wirkungskreis der Laienvorstünde. Dieses Statut wird seinerzeit in Begleitung eines Memorandums dem Kultusminister vorgelegt werden. Es soll da motivirt werden, warum die Statusquo-Gemeinden in ihrer isolirten Stellung verharren wollen, warum sie sich nicht einer der beiden gesetzlich anerkannten Organisationen anschließen. Es wurden auch diesbezügliche Schriftstücke der Herren Zimmer, S. A. Ujhely, Dr. Sonnenfeld, Vag-Ujhely und M e n d l, Karlsburg, verlesen. Da aber dieselben in einzelnen Theilen principielle Unterschiede aufweisen, wurde die obgenannte Rabbinercommission damit betraut, auf Grundlage sorgfältiger Erwägung den Text des Memorandums festzustellen. Allgemein wurde mit tiefem Bedauern die traurige Thatsache constatirt, dass an eine einheitliche Organisation des ganzen ungarischen Judenthums derzeit gar nicht zu denken ist. Reichstags-Deputirter S. V i s o n t a i, der auch an den Berathungen theilgenommen, hat sich auch in diesem Sinne ausgesprochen, und und es verdient hervorgehoben zu werden, dass er sich unumwunden als Freund und Verehrer des conservativeu Judenthums girirte. Indessen ist begründete Hoffnung vorhanden, dass diese