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Die Wahrheit · 1899-11-11 · Heft 35 (11.11.1899) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 35 (11.11.1899)
Date
1899-11-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 35. Die Wahrheit. Seite 5. Auch eine Zweite Bewegung im ungarischen Judenthume hat wenig Aussicht auf Erfolg. Da sollen die gerissenen Glieder der 8tntus ^no-Gemeinden unter einen gemeinsamen Hut gebracht werden. Auf der aufgehissten Fahne soll der Schulchan-Aruch die Grundfarbe herleihen, und wer sich ihm vollkommen unterwirft, der kann diesem Panier folgen. Damit soll vor Allem bewiesen werden, dass die ausgeschiedenen 8tatns guo-Gemeinden treu und fest an demselben auch bisher hielten und demnach die Orthodoxie nichts einzuwenden hätte, wenn sie mit ihnen gemeinsame Sache machte. Ganz anders ist es mit den Congresslern, die haben dem 86llnl6llnn-Arn6ll längst den Rücken gekehrt und sind aus dem Judenthume auszuscheiden. Aber auch in dieser Bewegung haben die Strebemünner sich ganz verrechnet. Auch mit diesem Sprunge kann man nicht recht an's gewünschte Ziel gelangen, denn viele 8tntn8 guo-Gemeinden haben Rabbiner aus dem verpönten Seminar zu Budapest angestellt, und diese stehen nach ihrer Voraussetzung nicht auf dem Standpunkte des Schulchan-Aruch, können mithin zur Fusion nicht zugezählt werden. Wie man auch klügeln mag, es bliebe nur Flickwerk,' das wahrlich zur Einheit des ungarischen Judenthums nicht führen wird, gesetzt, dass sie dies anstreben, was wir sehr bezweifeln. So wird hier die äußere Ruhe durch innere Reibungen zerstört. Die alte Klage, dass die Zerstörer des Jndenthums stets aus der eigenen Mitte hervorgehen, tönt mit Grausen aus all diesen Bewegungen hervor. Statt seinen Glauben zu festigen, statt die baufälligen Wälle auszubessern, statt seiner Religion inmitten der großen Lässigkeit, die in den jüdischen Häusern so erschreckend überhand nimmt, auszuweiten und zu kräftigen, sucht man durch derlei Unruhe und Aufregung stiftende Dinge auch nach denjenigen, den Glauben zu entfremden, die Herz und Gemüth für Israels Geschick an den Tag legen, die mit Gut und Blut einstehen für seine Ehre und Lehre. Oder gibt es etwa nicht genug zu arbeiten auf dem jüdischen Feldes Die Heranwachsende Jugend ist vor lauter Ungarthum nicht mehr im Stande, den Satzungen seiner Religion zu folgen. Da werden immense Opfer gebracht, um den Religionsunterricht in den Schulen zu heben und doch können nur die wenigsten Schüler in dem B'tbnche sich zurechtfinden. Die Bibel wird ungarisch vorgetragen, ist also dem Kinde verständlich, und doch kann keines ans derselben correct einen Vers übersetzen. Und wenn ein solches Kind der Schule entwachsen und zur Thora aufgerufen wird, vorausgesetzt, dass es den Tempel besucht, muss der Cantor die Benedictionen statt seiner hersagen. Ist es demnach nicht tief beschämend und traurig zugleich, über den Schnlehan- Aruch zu streiten, wenn eine ganze Generation heranwächst, die keinen Dunst von ihrer angestammten Religion hat? Wer soll ihr Muth zusprechen, wenn ihr Fuß strauchelt, wer sie erheben, wenn sind zu sinken beginnt? Wie war es früher doch ganz anders, da hatte man weniger gesprochen und mehr gethan für's Judenthum und seinen Glauben. Das Hans war ein Sammelpunkt, wo das Kind frühzeitig für seine Religion vorbereitet worden; wenn es in die Schule kam, so hatte der Lehrer bereits einen bearbeiteten Acker vorgefunden, doch jetzt soll die Schule Alles herhalten, und wie spärlich fließt dort die Quelle! Das Gotteshaus hier, trotz gediegener Cantvren und Orgelklang gähnt nur zu oft vor lauter Leere; im Hause ist der Sinn für den jüdischen Glauben schon längst abhanden gekommen, in der Schule kann derselbe nicht gefunden werden, wie sollte er im Tempel zur Geltung kommen? Wahrlich, ein schwerer Standpunkt in diesen Zeiten für Rabbiner und Cantoreu! Wem soll die Lehre Gottes gepredigt werden? Wen soll das Gebet des Cantors zur Andächtigkeit stimmen? Sticht Zionismus nicht Status guo-Hascherei bedarf das Judenthum, sondern eine kraftvolle Erweckung aus der Erstarrung, zu frischem, neuem Leben. Zu einer derartigen Bewegung rafft Euch auf! Duna-Földvar (Ungarn). Rabbiner Dr. Samuel P arto s. Die Erceffe in Mähren. Mittwoch hat im österreichischen Abgeordnetenhause die Debatte über die Interpellations-Beantwortung des Ministeriums des Innern, betreffend die Judenexcesse in Mähren, begonnen. Mit kurzen Acten und mehrfachen Pausen wird diese neueste Comödie auf der parlamentarischen Schaubühne zur Ausführung gebracht, und es ist auch beabsichtigt, sie baldigst zu beenden. Man könnte sagen, zum Glücke für den österreichischen Parlamentarismus, denn was man bis jetzt zu hören bekam, ist gerade nicht geeignet, die Achtung vor den politischen Parteien in Oesterreich und deren Vertreter im Parlamente besonders zu heben. Den Prolog sprach Dr. Zacek vom Czechenclub, zu dessen Wahlbezirk Holleschau und Wsetin gehören. Er erklärte die Excesse als eine natürliche Reaction des czechischen Volkes gegen die politische Stellung der Juden in Mähren, die sich immer als die einzige Stütze des Dentschthums in Mähren erwiesen haben. Die Excesse haben keinen gewöhnlichen antisemitischen Charakter gehabt, sondern sich vor Allem gegen die politischen Gegner gerichtet. Die Juden mögen sich für die Zukunft die ihnen ertheilte Lehre zu Herzen nehmen und sich nicht mehr von den Deutschen als Fußschemmel gebrauchen lassen, um dann, wenn sie nicht gebraucht werden, von ihnen zur Thüre hinansgeworfen zu werden. Diese Lehre des Abgeordneten Zacek sollten die Juden sich wirklich merken und ihre Beherzigung bei den Wahlen dadurch zum Ausdruck bringen, dass sie dort, wo sie politisch einen nennenswerthen Factor bilden, nur jüdische Vertreter wählen, die gewillt sind, ihre Interessen voll und ganz zu vertreten; ist dies aber nicht möglich, dann mögen sie nur ruhig zuschauen, wie sich die einzelnen nationalen Parteien untereinander die Köpfe blutig schlagen und nicht für die eine oder andere ihre Haut zu Markte tragen. Eine ganz eigenthümliche Rechtsanschanung seitens eines politischen Führers gab der Abgeordnete Dr. Zacek damit zum Besten, dass er die eisernen Rouleaux am Hause des Kaufmannes beanständete und es nicht in Ordnung fand, wenn ein Gensdarm einen Mann, der eines dieser Rouleaux aufstoßen wollte, verhaftete. Wozu braucht der Jude Glesinger die Rouleaux herabzulassen, er hätte dem Pöbel alle Thüren und Fenster öffnen und ihn bereitwilligst zum Plündern einladen sollen, dann wäre für die Gensdarmen kein Anlass gewesen, van der Waffe Gebrauch zu machen. Auch der Socialdemokrat Berner kann das Schießen nicht vertragen. Was ist denn an ein Paar Fensterscheiben und geraubter Habe gelegen, warum denn immer dem armen Mob sein Vergnügen stören? Dass dann von der raubgierigen Menge vielleicht auch ein Paar Juden tadtgeschlagen werden konnten, das würde den Vertreter der Partei, die so viel von allgemeinen Menschenrechten flunkert, nicht allzusehr irritiren. Beim Juden hören sich eben alle Menschenrechte auf. Ueberhanpt ein komischer Kauz, dieser Herr Berner. „Er neigt sich nach rechts, er neigt sich nach links." Bald hat er den Beifall der einen, bald den der anderen Seite gefunden, aber von jüdischen Ausbeutern musste in jedem Falle auch bei diesem Anlasse gesprochen werden. Die Schönererpartei sandte den Abgeordneten T ü r k in's Treffen. Die Thatsache, dass die Juden allein es sind, welche das Deutschthum in Mähren halten, konnte allerdings

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