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Die Wahrheit · 1899-11-03 · Heft 34 (3.11.1899) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 34 (3.11.1899)
Date
1899-11-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Hesterr.-ungcrr. Gantoren-Zeitung. Nr. 3^. Beilage zur Zeitschrift „Die Wahrheit". (9. gahrg. Wir ersuchen wiederholt um Einsendung der restlichen Abonnementsbeträge. Die Administration. Cingeseudet. Löbliche Redaciion! Bezugnehmend auf den in letzter Nummer der „Wahrheit" geschilderten Misserfolg des Herrn vr. Nosenfeld aus Czernowitz in der Rombach-Schul in Budapest, gestattet sich der Gefertigte im Nachfolgenden darauf hinzuweisen, dass die Verhältnisse in Czernowitz nicht besser sind als anderswo: Der Unterzeichnete hat heuer im August pnnsi *a zu einem Probevortrage in Czernowitz geweilt, und der allseitige Beifall, den er gefunden, sowie die Anerkennung, die ihm seitens des Vorstandes und des größten Theiles der Gemeinde entschieden zu Theil wurde, ließen laut Ausspruch der Vorstands-Mitglieder kaiserlicher Rath Tittinger und k. u. k. Hauptmann Baltinester seine Aufnahme als beschlossene Sache betrachten und es wurden bereits die näheren Vereinbarungen besprochen. Nichtsdestoweniger hat eine gewisse Clique, die höchst selten ihren Fuß in das Gotteshaus setzt, die auch dem Probevortrag nicht beiwohnte, aber dem Unterfertigten ein Protectionskind vorziehen wollte, trotzdem das letztere laut Aussage maßgebender Persönlichkeiten vollkommen unfähig ist, es durchgesetzt, dass ein negatives Resultat erfolgte. Auf diese Weise wurde die Ernennung des Gefertigten zum Cantor gewaltsam vereitelt. Ich lege als Wahrheitsbeweis den letzten Brief des Cultusrathes bei, aus welchem die geehrte Redaciion ersehen kann, welch' nichtige Ausrede benutzt wurde, da man eben keinen Grund zur Präterirung des Unterzeichneten hatte. Nicht dieser Misserfolg ist es, welcher den Gefertigten veranlasst, die Angelegenheit vor die Oeffentlichkeit zu bringen, es soll vielmehr das Protectionswesen gezeichnet werden, das überall sich breit macht. Dagegen sollen nicht nur die Vorstände, sondern auch die Gemeindemitglieder Stellung nehmen, insbesondere jedoch die jüdischen Journale, deren Aufgabe es ist, gegen Ungerechtigkeiten, Unregelmäßigkeiten offen und scharf aufzutreten und dieses Vorgehen an den Pranger zu stellen. Vielleicht wird endlich einmal dieser Wirthschaft ein Ende gemacht, dass Nullen in den Vordergrund sich drängen und leistungsfähige Kräfte in Winkeln ihre Talente vergeuden. Dies gilt aber nicht blos für Czernowitz, dies gilt leider für die meisten Gemeinden. Sowohl in Prag. Wien, Linz u. s. w. liegen diese Verhältnisse ähnlich. Spcciell in Prag, wie zum Beispiel in der Klans-Synagoge, macht sich nebendem auch eine — unbezahlbare Schameswirthschaft geltend, die eben nicht zu schildern ist. Wollen Sie, geehrte Redaction, diese Zeilen gütigst veröffentlichen, möglich, dass durch die „Wahrheit" Mancher zur besseren Einsicht kommt und es für die Folge vermieden werden dürfte, Existenzen zu vernichten. Mit gewohnter Hochachtung E. H. S. Verschiedene Vachrichten. Wien. Seine Majestät der Kaiser hat gestattet, dass das in der Gemälde-Galerie des Kunsthistorischen Museums befindliche Gemälde „Der Besuch des Rabbi" von dem bekannten Meister Isidor Kaufmann in Wien, den in Petersburg und Moskau stattfindenden Kunstausstellungen zur Verfügung gestellt werde. Wien. Herr Cultusvorsteher Ober-Ingenieur Arthur Edler v. Mises hat einen schweren Verlust erlitten. Am 16. v. M. ist in Lemberg dessen Mutter, Marie Edle v. Mises, geborene Nirenst ein, Tochter des berühmten Rabbi Mendel N irenstein ans Brody und Schwester des hiesigen BanquierS und Vorstandsmitgliedes der israelitischen Allianz Heinrich Nirenstein, im Alter von 77 Jahren verschieden. Die Verblichene war eine seltene Erscheinung in jeder Hinsicht, voll Bildung Weisheit und Tugend. Jeder, der sie gekannt — wer ist in Lemberg und Umgebung, der sie nicht gekannt — hat sie verehrt und hochgeschätzt An ihrer Bahre trauern die Söhne vr. Felix Edler von Mises, Emil Edler von Mises, Arthur Edler von Mises, die Alle eine hohe Stellung einnehmen, Schwiegertöchter und zahlreiche Enkel. Wien. Freitag, den 27. October, wurde die als Wohlthäterin der Armen in weiten Kreisen bestens bekannte Frau Flora Reich, geb. Landesmann, Gattin des Großindustriellen Commerzialrathes Alois Reich bei zahlreiches Betheiligung der Elite der Gesellschaft und fast sämmlicher Familienangehörigen, die aus Wien, Baden, Krasna in Mähren rc. herbeieilten, beerdigt. Wir bemerkten die Vorstandsmitglieder Laudesschulrath l)r. Gustav Kohn, Baurath Stiassny, Emil Horner, Docent vr. Emil Reich. Die liturgisch-gesangliche Function versah Cantor Blatt mit einem gemischten Chor aus beiden Temveln, und Rabbiner vr. Sch mied l betonte in seinem tiefempfundenen Nachrufe die Herzensgute der edlen Verblichenen, die in ihrer Jugend die Begeisterung für den Lehrstand, wie überhaupt für die poetische Seite des Lebens sich anzueignen Gelegenheit hatte, einer duftenden Blume gleich, Wohlwollen und Wohlgefallen verbreitend, nun in jüngster Zeit von ihrer gemeinnützigen Thätigkeit für den deutschen Schulverein sich zurückziehend und einen guten Ruf hinterlassend, in's Reich des Friedens und der Seligkeit, vom Segen der guten Werke geleitet, einzieht und sicherlich ein ehrenvolles Andenken in die Ewigkeit mitnimmt. — Möge die allgemeine Theilnahme dem schier gebrochenen Gatten und dem gebeugten Sohne zum Tröste gereichen! Wie». Zu Ehren des vor Kurzem Heimgegangenen Präses der Talmud Thora, des seligen Herrn Heinrich Berger "P"3, versammelten sich Sonntag Abends im Betlocale dieses Vereines zahlreiche Freunde und Verehrer dieses seltenen Philanthropen, die Vorsteher Landesschulrath vr. Gust. Kohn, Docent vr. Grünfeld, vr. Maxim. Steiner, vr. Marc. Spitzer, Director Simon, Arthur Edler v. Mises, Simon Buchwald, akadem. Maler David Kohn, Wilh. Pappenheim. Ferner erschienen Herr Alb. Horowitz, Notar vr. Schiffmann, emeritirter Director Löw, Inspektor Kanitz, Rabb. vr.Bach, Rabb. Buxbaum und Kramer, Herr I. Kendler und selbstredend die hier weilenden Familienmitglieder des edlen Verblichenen, au deren Spitze Cultusvertreter vr. Alfred Berger, der gesammte Lehrkörper mit den oberen Classen. Nach dem Mincha-Gebete bestieg Oberrabbiner vr. Güdemann die Kanzel und charakterisirte im Anschluffe an den letzten Wochenabschnitt die gemeinnützige und humanitäre Thätigkeit des mit Recht Betrauerten, den er als '“i »'W3 schilderte vermöge seiner ungeheuchelten Frömmigkeit, des patriarchalischen Familienlebens, das er führte, und besonders für seine vielfachen Verdienste als Vorsteher und Förderer der jüdischen Schule — 0*72 "722 ITT) — der sich ein unvergängliches, unzerstörbares Monument errichtete in dem Herzen und in der Mitte seiner Glaubensgenoffen, b'Xh ist somit der richtigste Nachruf und Segen, Cantor Dukes trug darauf das "VöK der erhebenden Feier entsprechend vor, uiiö das anj7ö"@e6et beschloss die Trauer-Andacht. Wien. Im Bethause, I., Schönlaterngaffe 6, fand Mittwoch, den 1. November, 4 Uhr Nachmittags, zur Erinnerung an Se. Ehrwürden Herrn Rabbiner vr. Israel Hildesheimer »>27 und den verewigten Mitbegründer des Bethauses, Herrn Heinrich Berger, eine Gedächtnisfeier statt. Unter den Anwesenden bemerkten wir die Herren: Cultusvorsteher vr. Berger und Rosner, die Vereinsvorsteher Hofbauer, Marcus Bondi und Straßberger, Director Langbank, Prof. Büchler, Secretär vr. Adler, Amtsleiter Horovitz, die Rabbiner Löwy, Weiß und Fink, Obercantor Bauer. Nach dem Minchagebet, das Cantor Weinstein verrichtete, entwarf Rabbiner vr. Bach, ein Schüler des Heimgegangenen Rabbiner vr. Hildesheimer, ein umfassendes Bild

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