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Die Wahrheit · 1899-10-21 · Heft 33 (21.10.1899) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 33 (21.10.1899)
Date
1899-10-21
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. „Wahrheit." Nr. 33. Gottes Angesicht" von Jugend auf erzogen werden sollte, einen Lehrer der Propheten und Priester — Samuel — wie früher Moses — auch jetzt an der Schwelle der Königsperiode. Er führt sich im schlichten Linnenefod ein, unter welchem aber ein tief religiös-ethisches Priesterherz schlägt, voll Treue zur Lehre seines prophetischen Meister und Bildners Moses. Verschiedene Nachrichten. Wien. Sonntag, den 15. Oct., fand im Tempel in der Seitenstettengasse die Trauung des Herrn Hanns Singer, Sohn des Obcrcantors der Wiener Cultusgemeinde, Josef Singer, statt. Der Vorstand hatte die um die Mittagsstunde stattgefundene vertrauliche Sitzung vorzeitig abgebrochen, um corporativ der Trauung beizuwohnen. Es waren anwesend: I. VicepräsidentDr. Stern, II. Vicepräsident Dr. Kohn, die CultuSvorstcher Baurath Stiaßny, Salo Cohn, Dr. Spitzer, kaiserl. Rath Hirsch, kaiserl. Rath Vogel, Edler v. Mises, Commercialrath Reutlinger, Horner, die Bethausvorsteher Jul. Wolf und Wasservogel, I. Secretär kaiserl. Rath Lieben und viele Beamte der Cultusgemeinde, Herr Emanuel Baum garten, Director Heller, Dr. Bloch, Schulinspector Dr. Kanitz, der Vorsteher der Armenanstalt Herr Jellinek, Rabbiner Löwy, die Cantoren Bauer, I. Schlesinger, Silbermann, Pekarnik, Smotritzki, Religionslehrer Frän el, die Damen: Frau Dr. Kuranda, Frau kaiserl. Rath Hirsch, Frau Jul. Reutlinger, Frau Jul.Wolf und viele Andere. Als Beistände fungrrten: Director Sienkiewicz für die durch ihre auffallende Schönheit fesselnde Braut, Director Langbank für den jugendlichen Bräutigam. Den Trauungsact vollzogen Obercantor Singer und Oberrabbiner Dr. Güdemann. Obercantor Singer war während der Ceremonie tief bewegt und mit inniger Weihe sang er seinem Sohne den Hochzeitsgesang. Bei der Ansprache an den Bräuttgam wies Oberrabbiner Dr. Güdemann aus die allgemeine Hochachtung hin, deren sich sein Vater durch treue Pflichterfüllung im Amte bei der ganzen Gemeinde erfreut, und er legte dem Brautpaare an's Herz, bei der Gründung ihres neuen Heims der edlen, im Elternhause gepflegten Traditionen eingedenk zu sein. Nach der Trauung begaben sich alle Hochzeitsgäste in den Ceremoniensaal, und fast eine Stunde währte es, bis die große Zahl der Gratulanten dem Brautpaare und den Eltern ihre Glückwünsche dargebracht hatten. Ungemein zahlreich waren auch die schriftlichen Gratulationen, von denen ein besonders herzlich gehaltenes Schreiben des in ReconvaleScenz befindlichen Präsidenten der Wiener Cultusgemeinde, kaiserl. Rath Kling er, dann Gratulationen von Frau Baronin Königswarter auS Frankfurt am Main, von Frau Baronin Oppenheimer, von Frau Cäcilie Adler und Obercantor Heymann erwähnt sein mögen. Aus allen spricht die große Hochachtung, deren sich Obercantor Singer in und außerhalb seiner Wirkungssphäre ersteut. Wie«. (Verein zur Hebung der Gewerbe.) Freitag, den 27. October l. I., halb 2 Uhr Nachmittags, veranstaltet der Verein eine Excursion nach dem Etablissement der „Neuen Freien Presse", I., Fichtegasse 11. Sämmtliche Maschinen, sowie technische Apparate werden in Thätigkeit vorgestellt werden. Damen und Gäste sind willkommen. Die p t. Mitglieder haben mit Vereinsabzeichen zu erscheinen. Für die Vereinsleitung: Der Präsident: S. Brod; der Schriftführer: A. Kisch. Wie«. Der humanitäre Geselligkeitsverein „Die Szenitzer" in Wien, hielt Samstag, den 14. d. M., im Restaurant Rosner, II., Praterstraße, seine zweite ordentliche Generalversammlung ab, zu welcher sich viele Mitglieder und Gäste einfanden. Obmann Herr Dr. Sinnreich begrüßte die Versammlung und wies auf das humane Wirken des jungen Vereines hin, worauf der Schriftführer Herr Josef Sonnenfeld den Rechenschaftsbericht zur Verlesung brachte. Der Cassebericht des verdienstvollen Cassiers, Herrn Josef Birnbaum, fand allgemeine Zustimmung. In die Vereinsleitung wurden hierauf folgende Herren gewählt: Dr. Sinnreich, Obmann; Josef Back, Obmann-Stellvertreter; Josef Birnbaum, Cassier; Josef Sonnenfeld, Schriftführer; Jacob Fröhlich, Schriftführer-Stellvertreter. In den Ausschuss: Max Bellak, Josef Fröhlich, S. Mayer, Ignatz Mandler Max Rosenfeld und Josef Schönmann. Wie«. Mittwoch, den 18. d. M., fand in dem mit Baldachin und Blumen decorirten Tempelhof der Schiff-Synagoge die Trauung des Fräulein Julie Bondi, Tochter des hier bekannten Fabrikanten Marcus Bon di, mit Herrn Salomon Levisson aus Haag statt. Zu dieser Feier fand sich ein zahlreiches distinguirtes Publicum ein. Wir bemerkten die Herren Cultusvorsteher Dr. Marcus Spitzer, Dr. Alfr. Berger, Director Simon, Bethausvorsteher Wasservogel, Rabbiner Dr. Bach, Dr. Lazarus aus Göding und verschiedene Deputationen der Vereine, sowie eine große Anzahl der Familienmitglieder des Hauses Bondi. Den Trauungsact vollzog der Bruder der Braut, Dr. Jona Bondi aus Mainz, die liturgische Function versah Obercantor Witmann. Purgstall. Der Ausschuss der israelitischen Cultusgemeinde Amstetten hat in seiner am 29. September 1899 abgehaltenen außerordentlichen Sitzung einstimmig beschlossen, dem Ministerpräsidenten, dem Justizminister, dem Cultusminister und dem Statthalter in Niederösterreich, sowie den löblichen Bezirksbehörden nachstehenden Protest ergebenst zur Kenntnis zu bringen: „Von judenseindlicher Seite wurde der ebenso empörende als gewissenlose Versuch gemacht, die bei Polna verübte grässliche Mordthat als einen jüdischen Ritualmord hinzustellen, in der unverkennbaren Absicht, durch diese bereits tausendfältig widerlegte, nicht ein einzigesmal aber erwiesene ungeheuerliche Verleumdung unsere heilige Religion zu verunglimpfen und die leichtgläubige Menge zu Hass und Verachtung, wo nicht zu Thätlichkeiten gegen die Bekenner des mosaischen Glaubens aufzureizen. Im Interesse des durch diese systematische erlogene Agitation arg gefährdeten Bürgerfriedens protestiren wir auf das Feierlichste und Entschiedeuste gegen die böswillige Beschuldigung, dass das Judenthum oder irgend eine jüdische Secte den Ritualmord oder den rituellen Gebrauch von Menschenblut lehre oder übe oder jemals gelehrt oder geübt habe. Wir verwahren uns auf das Nachdrücklichste gegen eine derartige Herabsetzung und Verdächtigung des Judenthums und seines Glaubens, welcher den Gebrauch jedweden Blutes kategorisch verbietet. Zugleich sprechen wir unser tiefgefühltes Bedauern darüber aus, dass es gerade an der dem Hasse und der parteiischen Feindseligkeit entrückten Stätte öffentlicher Rechtssprechung gewesen ist, an welchen die Erneuerung der schmachvollen Blutlüge von privatbetheiligter Seite unternommen werden durfte. Wir hegen das volle Vertrauen, dass die österreichische Regierung die uns als staatlich anerkannte Confession zustehenden Rechte auch gegeitüber dieser frevelhaften Verleumdung wahren und die Altgriffe aus die Ehre und Reinheit unseres Glaubens, aus dem das Christenthum als Tochterreligion hervorgegangen ist, nicht länger dulden werde. Der Ausschuss und das Rabbinat der israelitischen Cultusgemeinde Amstetten." Znaim. Sonntag, den 22. October, findet im hiesigen Tempel die Trauung des Fräulein Charlotte Holz er, Tochter unseres vor Kurzem verstorbenen Rabbiners, mit Herrn Moritz Fuchs, Cautor und Religionslehrer in Bruck a. d. Leitha, statt. Prag. (Josefstädter Kleinkinder-Bewahranstalt.) Gestern, am 63. Jahrestage des Bestandes der Anstalt, fand eine interne Feier statt, wobei 86 Kinder mit Kleidern und 95 mit Speisen betheilt wurden. Alle Zöglinge erhalten bis 13. April unentgeltliches Mittagessen. Bei der Feier war der Obmann des Vorstandes, Herr Josef von Pvrtheim, Herr kais. Rath Beer und andere Spender anwesend. Klattau. Die Klattauer israelitische Cultusgemeinde kaufte über Anttag des Vorstehers Herrn Josef Treichlinger die in unmittelbarer Nähe der Synagoge befindlichen Häuser Nr. 40 und 41 um den Betrag von fl. 10.000 zu Cultuszwecken an. Patzau. Am 8. d. M. wurde hier der Kaufmann Herr Bernard Ascher zu Grabe getragen. Welcher Beliebtheit und Hochachtung sich der .Verblichene erfreute, bewies die ungewöhnlich zahlreiche Betheiligung an dem Leichenbegängnisse. An demselben nahmen unter Anderen Theil: der Bürgermeister mit dem Stadtrath, der gesummte Cultusvorstand, die Feuerwehr nebst dem Veteranenvereine, deren Ehrenmitglied der Verblichene war, viele Deputationen hiesiger und auswärtiger Vereine. Im Trauerhause und auf dem Friedhofe executirte Herr Cantor Heinrich Kühner die Trauerpsalmen in ergreifender Weise; ebenso ergreifend war die Rede des Herrn Bezirksrabbiner Dr. Nathan Weißlowitsch. Drohobycz. Mittwoch, den 18. d. M., hat im Gartenberg'schen Tempel unter Anwesenheit zahlreicher Hochzeitsgäste die Trauung des Fräulein Clara Zuynik, Tochter des bekannten Herausgebers der „Drohobyczer Zeitung", A. H. Zuynik, mit Herrn Dr. Kapellner aus Jaslo stattgefunden. Gr.-Becskerek. (Ein Jubiläumsfest.) In eclatant schöner Weise ehren oft israelitische Gemeinden ihre, theils um die Pflege der Wissenschaft, theils um die Cultivirnng des rituellen Gesanges und der Musikkunst hochverdienten Beamten, und die Verehrung und Hochachtung für dieselben erhält dann bei passenden Gelegenheiten beredten Ausdruck. Solche Gemeinden vergessen auch nie, dass oft auch der Cantor sich als Seelenarzt bewährt,

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