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Die Wahrheit · 1899-10-11 · Heft 32 (11.10.1899) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 32 (11.10.1899)
Date
1899-10-11
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. „Wahrheit." Nr. 32. eine Ansprache an den Verein, in der cs für die erhaltenen Wohlthaten dankte. Ein zweites Mädchen, Sophie Grünberg, trug ein hübsches Gedichtchen vor. Nach dem Schlussworte der Präsidenün wurde die Feier geschlossen und die Kinder an einer im Saale aufgestellten Tafel bewirthet Wien. Sonntag, am 1. d. M. fand die feierliche Eröffnung der jüdischen Schule im X. Bezirk, Hasengaffe 7, statt. Zur selben fanden sich ein der Vorstand des Tempels mit dem Obmanne Carl Seligmann, der Vorstand der Schule mit dem Obmanne I. S. Straßberg, Rabbiner Dr. Bach, Schulinspector Dr. Langfelder, der Vorsteher des Humanitätsvereines D. Weiß und viele hervorragende Mitglieder des Bezirkes. Nach einer Begrüßungsrede des Obmannes Straßberg, welcher sich um die Gründung dieser Anstalt große Verdienste erworben, hielt Dr. Jos. Steiner die Fest- und Oberlehrer Dr. Landau die Programmrede, welche vielen Beifall fanden. Mit der Absingung der Kaiserhymne durch den Tempelchor unter Leitung des Obercantors Josef Schlesinger schloss die schöne Feier. Wie«. Samstag, den 14. October 1899, 8 Uhr Abends, findet im Restaurant Rosner (ehemals Hatschek), II., Praterstraße Nr. 11, die ordentliche General-Versammlung des Humanitären Geselligkeits-Vereines „Die Szeniczer in Wien" mit folgender Tagesordnung statt: 1. Rechenschafts-Bericht. 2. Cassa- Bericht. 3. Ertheilung des Absolutoriums. 4. Festsetzung des Jahresbeitrages pro 1900. 5. Neuwahl des Vorstandes. 6. Anträge und Interpellationen. Wie«. (Vorlesungen im Wiener Bet Ha-Midrasch im Mntersemester 1898—1899.) Sonntag von 6—7 Uhr Abends. Herr Lector Fried mann: Die Könige und die zeitgenössischen Propheten. Montag von 6—7 Uhr Abends. Herr Lector Friedmann: Talmud-Berachoth. Dienstag von 6—7 Uhr Abends. Herr Lector Friedmann: Midrasch (Schmoth Raba). Mittwoch und Donnerstag von 6—7 Uhr Abends). Herr Rabbiner Dr. Gelbhaus: Die Psalmen für Lehramtscandidaten für Volks¬ und Mittelschulen. Samstag von 11—12 Uhr Vormittag. Herr Lector Friedmann: Die laufende Parascha. 8—9 Uhr. Bibelvortrag für Damen. Die Vorlesungen beginnen Sonntag, am 15. October 1899. Vorträge des Herrn Lector Friedma.nn für Gymnastalschüler, Bibel, Mischna, Talmud je zweimal wöchentlich, erste und zweite Abtheilung in zu bestimmenden Stunden. Außerdem täglich — Freitag und Samstag ausgenommen — Abends nach dem Gottesdienst eine Lectton Mischnah vorgetragen. Wie«. Für den Verein jüdischer Mädchen „Hadassa“ hält Herr Lector Friedmann biblische Geschichts-Vorträge. Diese Vorträge begannen mit Samstag, den 7. October, und finden allwöchentlich um 8 Uhr Abends im Tempelgebäude, II., Tempelgaffe, statt. Gäste höflichst geladen und herzlichst willkommen. Floridsdorf. Ausschuss und Rabbinat der israelitischen Bezirks-Cultusgemeinde in Floridsdorf beschlossen in der am 28. September l. I. abgehaltenen Sitzung, energisch Protest zu erheben gegen den Versuch judenfeindlicher Blätter, den Mädchenmord in Polna als sogenannten „Ritualmord" auszugeben und sprachen gleichzeitig die Erwartung aus, dass sowohl die hohe Regierung, als auch die k. k. Behörden es nicht unterlassen werden, die israelitische Religion, die Mutter aller monotheistischen Bekenntnisse, vor dem Vorwurfe des Kannibalismus zu beschützen. Austerlitz. Am Simchas-Thora-Tage wurde ein neues Sepher, zu dessen Anschaffung die Brüder Dr. Sigmund, Adolf, Moriz und Jacob Strach den größten Betrag spendeten, eingeweiht. Dasselbe wurde von den Vorständen mit vier Thorarollen vom Gemeindehause abgeholt und dort von Herrn Adolf Strach aus Brünn dem Rabbiner Dr. Weiß zum Gebrauche und in das Eigenthum der Cultusgemeinde Austerlitz übergeben. Nachdem der Rabbiner Namens der Gemeinde den Spendern den Dank ausgedrückt hatte, setzte sich der Festzug in Bewegung. Voran schritt die Schuljugend, welcher sich der Ehor anschloss. Letzterer sang während des Zuges nach dem Tempel das „Leeho Adonoi“ und Psalm 19; im Tempel angelangt, recitirte Obercantor Schön Psalm 24, worauf das Chor 8'eu 86h6orim anstimmte, wobei die Thorarollen in die Lade gehoben wurden. In der Festpredigt betonte Rabbiner Dr. Weiß, dass er für die Zukunft des Judenthums nicht fürchte, trotzdem der Ausblick trüb und düster sei. Das heutige Fest, welches durch große Spenden hochherziger Glaubensgenossen ermöglicht wurde, liefert den neuerlichen Beweis, dass die Juden noch fest, treu und unentwegt zur Thora halten; so lange diese unser Panier sein wird, so lange wir unter diesem Zeichen stehen werden, ist unser Sieg gewiss. Mit einem speciell zu diesem Zwecke einstudirten Festchoral schloss die würdige Feier. Lemberg. Der Lemberger Rabbiner, Dr. Jecheskiel Caro, veröffentlicht in den polnischen Blättern einen Protest gegen das Blutmärchen, worin er daran erinnert, dass schon der polnische König Stefan Butory eine Bulle gegen diese Verleumdung erlassen hat, und dann sagt: „Seit dreißig Jahren versehe ich das Amt des Rabbiners, ich kenne genau die verborgensten Geheimnisse der talmudistischen Wissenschaft, alle rituellen Vorschriften, Gebräuche und Traditionen der Juden und aller jüdischen Secten und gleichwohl schwöre ich feierlich vor dem allmächtigen und allwissenen Gott, beim Heil meiner Seele und bei Ehre und Gewissen und unter der Strafe ewiger Verdammnis, dass die Beschuldigung der Juden im Allgemeinen oder irgend einer jüdischen Secte, als ob sie je zu rituellen Zwecken Christenblut oder Menschenblut überhaupt benöthigt oder gebraucht haben, eine durchaus irrige, falsche und jeder Grundlage entbehrende Verleumdung und nichts als eine Verleumdung ist." Gleichzeitig berichtet man uns aus Krakau, dass der dortige Rabbiner Dr. Thon vor dem offenen Altäre mit der Thorarolle in der Hand den feierlichen Schwur ablegte, dass die Juden kein Christenblut zu rituellen Zwecken benöthigen und dass keine jüdische Sekte existirt, bei welcher ein derartiger Brauch je vorgekommen wäre. Budapest. (Neue orthodoxe Synagogen.) In einer von der Repräsentanz der Pester orthodoxen Gemeinde abgehaltenen Sitzung wurde einstimmig beschlossen, eine neue Synagoge zu erbauen. Ebenso hat die orthodoxe Gemeinde in Kaschau beschlossen, da sich der bisherige Tempel während der hohen Feiertage als zu klein erwies, eine große Synagoge zu bauen, während der alte Tempel in ein „Beth Hamidrasch" umgewandelt wird. Z.-Cgerszeg. Sonntag, den 24. September wurde unser bisheriger Vice-Präses Dr. Bozsün Gyula mit 78 Stimmen Majorität zum Präses der israelitischen Cultusgemeinde gewählt. Candidirt waren: Dr. Bozsan Gyula, Advocat, Dr. Grüner Adolf, Mediziner, Dr. Obersohn Mor, Advocat, Grüner Geza und Büchler Jakab. Zum Vice-Präses wurde Herr Büchler Jakab, Lederhändler, einstimmig gewählt. Sonntag, den 1. October, fand im „Hotel zur Krone" die Generalversammlung der Gemeinde statt. Der große Saal war zum Erdrücken voll. Herr Dr. Bozsün wurde bei seinem Eintritte in den Saal mit stürmischen Eljen- Rufen begrüßt. Nach einer kurzen Ansprache des Herrn Dr. Grünj wald hielt der neugewählte Präses seine Programmrede, in welcher j er versicherte, mit aller Kraft dahin zu arbeiten, dass endlich der Tempel gebaut werde. Der sachlich gediegenene und rhetorisch vollendete Vortrag wurde mit vielen Eljen-Rufen ausgenommen. Dienstag, den 3. d. M., war eine größere Gesellschaft christlicher Bürger im Kaffeehause des Hotel „Arany Bürüny" noch in später Abendstunde beisammen und lauschte den Vorträgen der hiesigen Zigeuner-Capelle, welche unter Anderem auch ein antisemitisches Spottlied spielte. Einige jüdische Advocaten, die Karten spielten, kümmerten sich nicht darum, nur ein junger Mann, Herr Preisach Willi, der auch bei einem Tische saß, rief den Zigeunern zu, dass sie dieses Lied nicht spielen sollen. Als aber die Zigeuner, von der Gesellschaft ermuntert, trotzdem weiterspielten, griff der junge Mann nach einem Krügelglas, schleuderte es in die Gesellschaft hinein und verletzte einen Zigeuner. In demselben Augenblick erhielt er mit einem Sessel einen Streich von rückwärts, so dass er wie leblos zusammenstürzte. Mehr als

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