Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1899
- Issue
- Heft 32 (11.10.1899)
- Date
- 1899-10-11
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Hesterr.-ungcrr. Kcrntoren-Ieitung. Nr. 32. Beilage zur Zeitschrift „Die Wahrheit". l9- Jahrg. Wir ersuchen die geehrten Herren Cantoren und Cultusbearrrten, den Abonnementsbetrag uns gefälligst zuzusenden und das der vorigen Nummer beigefügte Cireular berücksichtigen zu wollen. Probeblätter werden auf Wunsch zugefendet. Verlangen Sie in öffentlichen Localen „Die Wahrheit". Die Administration. Unser ges chätztes Vereinsmilglied, Herr Cantor Ignaz N e u m a n n in St. Pölten, der seit Bestand des Oesterr.-ungar. Cantoren-Vereines demselben angehörte und sich jederzeit als treuer und wackerer College, wie auch als eifriger Vertreter der Standesinteressen bewiesen hat, ist nach langem Leiden gestorben. Die materielle Lage der ztlrückgebliebenen Witwe ttnd Kinder ist, wie gewöhnlich in jüdischen Beamtenfamilien, nach dem Absterben des Ernährers eine trostlose, und wir erachten es als einen nothwendigen Act der Pietät für den Verstorbenen, dieselbe nach Möglichkeit freundlicher zu gestalten. Indem wir nun die geschätzten Vereinsmitglieder ersuchen, den statutarisch vorgeschriebenen Beitrag per 1 fl. an den Vereins- Cassier baldigst einzusenden, appelliren wir gleichzeitig an ihren collegialen Sinn, sowie auch an das Mitgefühl der außerhalb unseres Vereines stehenden Kollegen und bitten dieselben, durch außerordentliche Beiträge und durch Veranstaltung von Sammlungen im Kreise ihrer Gemeindemitglieder unsere Bestrebungen, der armen Familie eine neue Existenz zu schaffen, kräftigst zu unterstützen. * Der Vorstand. des Oesterr.-ung. Cantoren-Vereines. Indem wir den vorstehenden Aufruf allen geschätzten Lesern unseres Blattes wärmstens empfehlen, ersuchen wir Kollegen und Nichtcollegen Angesichts des geschilderten Elends der armen Familie ihr gutes jüdisches Herz zu bekunden. Die an unser Blatt einlangenden Spenden werden in der nächstfolgenden Nummer öffentlich °»Sg-wi°s°n._Di- R-dactim,. Gemeinde- und Vereinsbote. Wie». Vom Vorstande der israelitischen Cultusgemeinde Wien werden nachstehend verzeichnete Stiftungen ausgeschrieben: Die Rosalia Mi ntz's ch e Witw en stiftun g", 4 Plätze a fl. 94-—; die „Charlotte Kuffner - Familienstiftung" für mit der Stifterin verwandte arme Witwen, zusammen fl. 350'—; die „Samuel S ü s s e r m ann'sch e Stiftung" für Schüler einer hiesigen Mittelschule, welche „sich beim Unterrichte in der Bibel und im Talmud durch Fleiß und besondere Erfolge hervorthun", 2 Plätze ä fl. 120'—; die „Dr. Max Friedländ er's ch e Stiftung" zur Ausstattung verwaister Bräute, 1 Platz fl. 60'—; die „Dr. Ignaz L e m b e r g e r's ch e Stiftung" Zur Ausstattung verwaister Bränte (Verwandte und nach Wien zuständige Bewerberinnen bevorzugt), 1 Platz fl. 139-—; die „Heinrich Stern'sche Stiftung" zur Ausstattung armer Bräute (Verwandte bevorzugt), 1 Platz fl. 128.—; die „Dr. Carl Bau er's che Widmung" für Hörer der Rechtswissenschaften, 2 Plätze a fl. 250-—; die „Ett e l G o ld sch midt-S tiftu ng", Reisestipendium für einen mit Auszeichnung absolvirten Bautechniker, 1 Platz fl. 400; die „Dr. Jacob Goldenthal'sche Stiftung" für Studirende der k. k. philosophischen Facultüt, die sich dem Rabbinate oder Lehrfache widmen, 2 Plätze a fl. 47-—; die „Widm u n g des Comitas der aufgelösten Abend börse", für Lehramts-Candidaten, 1 Platz a fl. 46‘—; die „Jonas von Königswarter'sche Stiftung" für Hörer jüdischer Theologie, welche gleichzeitig philosophischen Studien an der Wiener Universität obliegen, 2 Plätze ü fl. 465-—; die „Ignaz und Rosalia Wolf'sche Krankenstiftung", 3—4 Plätze nicht unter fl. 25-—; die „M. L. B i ed erm ann'sch e Stiftung" für Waisen aus der Descendenz der Stifter, zusammen fl. 3100-—. Sämmtliche mit dem Einreichungs-Termine bis 31. October 1899. Ferner: Die „Ignaz Blumenfeld'sche Künstler-Widmung" für israelitische Jünglinge, welche sich der Bildhauerei widmen, 1 Platz fl. 980-—, mit dem Einreichungs-Termine bis 31. December 1899. Näheres bei der israelitischen Cultusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 4. Wien, 5. October. Anlässlich des Namensfestes des Kaisers ist gestern ein neues Wohlthätigkeits-Jnstitut in's Leben getreten, das berufen ist, sowohl in pädagogischer als in socialpolitischer Beziehung eine segensreiche Wirksamkeit zu entfalten. Seit vier Jahren besteht hier der Frauen-Wohlthütigkeitsverein „Mädchenhort", welcher armen kleinen Mädchen ohne Unterschied : der Confession und Nationalität während der Schulzeit Unteri kunst, Verköstigung und Aufsicht bietet. Nun hat dieser unter dem Präsidium der Frau Dr. Charlotte Frischauer und der Gräfin Myrbach stehende Verein eine weitere Ausdehnung erfahren, indem er zu dem bereits bestehenden „Mädchenhort" einen „Knabenhort" in's Leben rief. Zwanzig arme Knaben haben bereits in dem Hort Aufnahme gefunden und weitere zwanzig sollen später ausgenommen werden. Gestern Mittags fand im Turnsaale der städtischen Knabenschule, Kleine Sperlgasse Nr. 2, die feierliche Eröffnung des „Knabenhort" statt. In dem mit der Büste des Kaisers geschmückten Saale hatten sich als Ehrengäste eingefunden: k. k. Schulrath Hinterwaldner, der Obmann des Ortsschulrathes Herr Klebinder, Ortsschulrath Jahn, Commerzialrath Gerhardus, Archimandrit Spiliotopulos, Dr. Adler als Vertreter der Cultusgemeinde, ferner die Warnen Edle v. Szivos, Präsidentin der Gesellschaft vom „blauen Kreuz", und die Vicepräsidentin Frau Doppler, Frau Jenny v. Glaser, Präsidentin des Asyls für verkrüppelte Kinder, Frau Sophie Grünfeld, Präsidentin des „Ferienheim", rc. Bürgermeister Dr. Lueger und Baurath Stiaßny sendeten Entschuldigungsschreiben. Die Vorstandsmitglieder des Vereines, die Präsidentin Frau Charlotte Frischnuer, die Vicepräsidentin Frau Gräfin Myrbach, welche die Honneurs machte, die Schriftführerin Frau Rosa t. Goldhammer und die Cassierin Frau Jenny Goldstein waren ) gleichfalls erschienen und begrüßten die zahlreich versammelten :■ Festtheilnehmer. In ihrer Ansprache wies die Präsidentin auf \ die Schwierigkeiten hin, mit denen der Verein zu kämpfen hatte, um zu dem angestrebten Ziele zu gelangen. Die Rednerin dankte zum Schluffe allen Wohlthätern, welche an dem Gelingen des Werkes mitgewirkt hatten. Ortsschulrath Klebinder hob sowohl die socialpolitische wie die erziehliche Bedeutung von Kinderhorten hervor, und sprach die Hoffnung aus, dass es dem - Vereine weiterhin gelingen möge, sein Streben, armen Kindern [ das Elternhaus zu ersetzen, und sie vom körperlichen und geistigen? Verfalle zu retten, erfüllen zu können. Ein Mädchen aus dem i bereits bestehenden Asyl, Namens Josephine Hirschel, hielt sodann