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Die Wahrheit · 1899-10-11 · Heft 32 (11.10.1899) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 32 (11.10.1899)
Date
1899-10-11
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 32. Die Wahrheit. Seite 11. eine halbe Stuunde bemühte sich ein zufällig anwesender Arzt, um den jungen Mann, den man schon verloren glaubte, wieder zu Bewusstsein zu bringen, worauf er nach Hause transportirt wurde. Viel besprochen wird in der Stadt, dass der Gendarmerie- Hauptmann auch in dieser Gesellschaft saß und sich um die Sache gar nicht kümmerte. Köln. In hiesiger Stadt hat heuer am Jom Kipur ein Pferdemarkt stattgefunden. Derselbe ist vollständig misslungen — es hat sich auf demselben gar kein Lebenszeichen von Geschäftsabwicklung gezeigt. Die christlichen Pferdehändler beriechen, welchen Schadenersatz sie vom Bürgermeister beanspruchen sollen, weil er den Markt am höchsten jüdischen Feiertag anberaumt und sie dadurch empfindlich geschädigt hat. Verschiedene Nachrichten. Wien. Sonntag, den 15. October, Mittags 1 Uhr, findet im Seitenstetten-Tempel die Trauung des Sohnes des Obercantors I. Singer, Herrn Hans Singer, Abtheilungschef der„Universala" in Bukarest, mit Fräulein Dora Orchodnsch, Mündel des Herrn Directors Denis Sienkiewicz statt. Wie». Obercantor Bauer ertheilt weiter Unterricht in allen Gegenständen des Cantorates. Die Zahl seiner Schüler, welche bereits in den Gemeinden fungiren, beträgt 82. Anmeldungen: II., Novaragasse 27 in den Sprechstunden der Redaction Vormittags 9—11 und Nachmittags 3—4 Uhr. Floridsdorf. Für die hiesige Cultusgemeinde wurde Herr Jacob Schleifer vom X. Gemeindebezirk Wien zum Obercantor gewählt und hat derselbe bereits vor den Feiertagen seine Stelle angetteten. Baden. Am verflossenen Sch'mini Azereth ward den Tempel - besuchern in unserer Cultusgemeinde eine angenehme Ueberraschung: der noch jugendliche Sohn unseres ehrwürdigen Rabbiners, Herr candidat philosophiae Nathaniel Reich, hielt am bezeichneten Tage vor „Haskoroth Neschomoth" in Gegenwart eines zahlreichen Publicums eine regelrechte und formvollendete Predigt. Der junge Redner zeigte, dass er ein würdiger Sprössling seiner in Israel hervorragenden Familie, insbesondere seines ehrwürdigen Vaters sei. Beseelt vom eigenen Geiste stand er, obwohl zum ersten Mal in der Oeffentlichkeit austretend, muthvoll und unerschrocken auf der Kanzel wie ein alter bewährter Prediger und zeigte in seinem ganzen Gebahren, in seiner Sprechweise und im Tonfall, dass in ihm alle Fähigkeiten, die einen Seelsorger auszeichnen, schon in schönster Entwickelung vorhanden sind. Was aber diesen strebsamen jungen Mann besonders auszeichnet und fördernd für seine künftige Laufbahn zu sein beschaffen sei, ist seine ungekünstelte und aufrichtige Frömmigkeit. Eingeweiht in die Ergebnisse der alten und neuen Forschungen auf dem Gebiete der Bibel und Religionsphilosophie, wandelt er doch unentwegt auf den Bahnen seiner frommen Ahnen, und ist die beste Aussicht vorhanden, dass aus diesem jungen Reis ein fruchtbarer und schattenreicher Baum werden wird, deffen Früchte zum Heile und zum Nutzen Vieler heranreisen werden. Klattau. Für unsere Cultusgemeinde wurde der bisherige Chordirector und Cantor Herr Leo Kornitzer aus Jglau als Obercantor gewählt und wirkt derselbe zur größten Zufriedenheit der ganzen Gemeinde. Zur gleichen Zeit wurde Herr Jacob Benesch als II. Cantor acceptirt. Leobschütz. Die in diesem Blatte bereits angekündigte Feier des 25 jährigen Dienstjubiläums des Herrn Cantor Liebel gestaltete sich zu einer eindrucksvollen und erhebenden Kundgebung der allgemeinen Achtung und Liebe, deren sich der Jubilar sowohl bei seiner Gemeinde als auch bei seinen andersgläubigen Mitbürgern erfreut. Der Vorabend des Jubiläumstages vereinigte eine recht stattliche Versammlung zu einem Festessen. Mehrere Ansprachen, theils ernsten, theils launigeren Inhalts feierten den Jubilar in seinen verschiedenen Beziehungen: als pflichtreuen, hervorragenden Beamten, als ttefflichen Menschen, als treuen Freund und zuverlässigen Collegen. Als Zeichen der Anerkennung und Antheilnahme wurde dem Jubilar iin Namen seiner Gemeinde ein prachtvoller silberner Pokal überreicht. In bewegten Worten dankte der also Gefeierte. Am Jubiläumstage selber war das Haus des Jubilars das Ziel ununterbrochen herbeiströmender Gratulanten, deren Neigen eine Abordnung des Vorstandes und der Repräsentanten eröffnete. Die vielen prächtigen Blnmenarrangements, die zahlreichen Geschenke, Aufmerksamkeiten, Briefe und Telegramme von Nah und Fern sind ein sprechendes Zeugnis für die Verehrung, die der Jubilar in weiten Kreisen genießt. Möge er sich deren noch recht lange in vollster Kraft und Gesundheit erfreuen! Paris. (Das 10 Millionenlegat der Baronin Hirsch — angefochten.l Die „Alliance Israelite Universelle* hat die Universalerben der Baronin Hirsch auf Auszahlung des Legats von 10 Millionen Francs geklagt, da die Erben die Auszahlung verweigern. Dieses Legat wurde eigentlich der „Jewish ColonisationAssociation“ vermacht,aber mit der Bestimmung, dass die Zinsen von dieser Gesellschaft an die „Alliance" zur Erhaltung der jüdischen Schulen im Orient abzuführen sind. Die Erben haben nun erklärt, dass dies eine Gesetzesumgehung sei, weshalb sie das Legat nicht auszahlen wollen. In den betheiligten Kreisen sieht man dem Ausgange des Processes mit großer Spannung entgegen. Petersburg. Das Ministerium für Bolksausklinung bestimmte, dass die im März 1899 von der Kiewer Universität ausgeschlossenen Studenten mosaischer Confession, welche später wegen des festgesetzten Maximalsatzes von 10 Percent nicht wieder ausgenommen werden konnten, jetzt unbeschadet dieser Festsetzung doch wieder ausgenommen werden sollen. Dies betrifft zweihundert Studenten mosaischer Religion. Nach Schluss des Blattes. Der Polnaer Process scheint vor einer sensationellen Wendung zu stehen. Wie uns knapp vor Schluss des Blattes telegraphirt wird, wurden Mutter und Bruder des ermordeten Mädchens verhaftet. K. k. Priv. Böhmische Union-Bank. Kundmachung betreffend die Ausübung des Bezugsrechtes auf Nominale zwei Millionen Gulden neue Actien. Die Generalversammlung vom 25. März d. I. ermächttgte den Vorstand, das Actien-Capital der k. k. priv. Böhmischen Union-Bank von acht auf zwölf Millionen Gulden zu erhöhen. Dieser Beschluss wurde von dem hohen k. k. Ministerium des Innern mit Erlass vom 29. Juli d. I. Zahl 25.084, genehmigt. In theilweiser Ausführung dieses Beschlusses schreitet nunmehr der Vorstand der k. k. priv. Böhmischen Union-Bank zur Emission von zwei Millionen Gulden ö. W., d. s. 20.000 Stück neuer Inh aber-Actien ä fl. 100.— ö. W. Dieselben werden hiemit jum Course von fl. 125.— ö. W. per Stück mit Dividenden-Anspruch vom 1. Jänner 1900 den Inhabern der derzeit im Umlaufe befindlichen 80.000 Actien unter nachstehenden Bedingungen angeboten: Auf je vier alte Actien entfällt eine neue Actie. Actieu-Bruchtheile oder Certificate auf Actien-Bruchtheile werden nicht ausgegeben. Die Anmeldung des Bezugsrechtes hat bei sonstigem Verluste desselben in der Zeit vom 2. October bis 9. October 1899 während der üblichen Geschäftsstunden bei der k. k. priv. Böhmischen Union-Bank in Prag, bei deren Filialen in Reichenberg, Gablonz, Saaz, Olmütz, Bielitz, Jägerndorf und Troppau: bei der k. k. priv. allgemeinen österreichischen Bodencredit-Anstalt in Wien zu erfolgen. Zur Geltendmachung dieses Bezugsrechtes sind die Actten ohne Talons in Begleitung von zwei gleichlautenden, von dem Einreicher unterfertigten Consignationen, deren Formulare bei den Anmeldungsstellen ausgefolgt werden, beizubringen, und werden die Actien, nach Vornahme eines, die erfolgte Ausübung des Bezugsrechtes ersichtlich machenden Stempel-Aufdruckes zugleich mit einem Consignations-Paare zurückgestellt. Bei der Anmeldung sind auf jede zu beziehende neue Actie fl. 25.— in Baarem einzuzahlen. Den Herren Actionären wird freigestellt, gleichzeitig mit der Anmeldung des Bezugsrechtes oder wann immer innerhalb der Zeit vom 2. October bis 31. December d. I. die Actien vollzuzahlen, wogegen die vom Tage der Einzahlung bis 31. December d. I. laufenden 5°/0 Zinsen vom Nominalbeträge vergütet werden. Eine weitere Frist zur Vollzahlung wird nicht bewilligt. Es gehen sodann sämmtliche aus der Anmeldung des Bezugsrechtes stammenden Rechte verloren und es verfällt die erlegte Anzahlung zu Gunsten des Reservefonds der Bank. Die Bollzahlung der Actien hat bei jenen Stellen, wo die Anzahlung geleistet wurde, zu erfolgen. Vom 2. October d. I. gelangen auch die neuen Couponsbogen zu den Actien 1—80.000 zur Ausgabe, und sind zum Bezüge derselben die Talons mit doppelter Consignation bei den vorgenannten Zeichenstellen einzureichen, wozu die Blanquette unentgeltlich verabfolgt werden. Der Vorstand der k. k. priv. Böhmischen Union -Bank.

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