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Die Wahrheit · 1899-10-01 · Heft 31 (1.10.1899) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 31 (1.10.1899)
Date
1899-10-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. „Wahrheit." Nr. 31. Gemem-emW Veremsbote. Wien. „Der Verein zur Hebung der Gewerbe in Wien" hat den IX. Jahresbericht des Vereines in 24 Exemplaren an das Präsidium der Wiener israelitischen Cultusgemeinde entsendet, um die Vorstehung über die Fortschritte des jüdischen Gewerbestandes im Laufenden zu halten. Wien. „Der Verein zur Unterstützung israelitischer Handwerker und Kleingewerbetreibender" versendet soeben den Bericht über seine zehnjährige Thätigkeit. Der Verein war unermüdlich bestrebt, den israelitischen Handwerkerstand aufrecht zu erhalten und vor Verarmung zu schützen. Mit kleinen Mitteln wurden große Ziele gefördert und Jedem, der diesen Bericht liest, drängt sich die Ueberzeugung auf, dass der Fortbestand und die weitere Ausgestaltung des Vereines einem unabweislichen Bedürfnisse entsprechen. Der Bericht schließt mit einem beherzigenswerten Appell an unsere Glaubensgenosien, diese gewiss segensreiche Institution durch den Beitritt zu unterstützen. Wien. Binnen Kurzem wird die Musikvereinigung „Harfe" in's Leben treten und an die Verwirklichung ihrer idealen Ziele schreiten. Diese Vereinigung will nämlich jüdische Musik schaffen und pflegen, sowie ein jüdisches Orchester gründen. Die Unterzeichneten bitten daher jüdische Compositeure, ihnen ihre Werke behufs Aufführung zukommen zu lassen, und das jüdische Publicum um materielle Unterstützung der Vereinigung. Mittheilungen sind an den Unterzeichneten Vice-Präses zu richten. Präses: Vice-Präses: Max Herzl stuä. insä. Hugo Alt Musiker. Wien, I., Lazzenhos 1. Klosterneuburg, 25. September. Der Anregung und dem Beispiele der Großgemeinde Wien folgend, hat auch der Vorstand und das Rabbinat der Cultusgemeinde in Klosterneuburg gegen die von gehässiger antisemitischer Seite neuerdings vorgebrachte Beschuldigung des Gebrauches von Christenblut zu rituellen Zwecken gelegentlich des Polnaer Mordprocesses, bei der Regierung feierlichst Protest eingelegt. Iglu«. Sehr huldvoll war der Empfang der Deputation unserer Cultusgemeinde, als Se. Majestät vor Kurzem von den Manövern kommend, in Jglau, der Stadt, die ihr elfhundertjähriges Gründungsjubiläum Heuer feierte, Aufenthalt nahm. Unser ehrwürdiger Rabbiner, Herr vr. I. I. Unger, seit 39 Jahren hier in Amt und Würden, begrüßte den Monarchen, den er vor 33 Jahren im hiesigen alten Rathhause begrüßen durfte. Der Kaiser nahm die Worte des hochgelehrten Redners gütig und besonders huldvoll entgegen und erwiderte: „Mein Lieber, inzwischen sind wir Beide alt geworden!" Herr Präses Adolf Liebreich wurde ebenfalls in sehr leutseliger Weise angesprochen; der Monarch brachte den Institutionen unserer Cultusgemeinde besonderes Interesse entgegen und machten die Worte des Kaisers auf alle Anwesenden großen Eindruck. Budapest. Das „Jüdische Tagblatt" bringt folgende Glosse über den jüdischen Religionsunterricht an den Communalschulen: An den hauptstädtischen Communalschulen wird bekanntlich der Religionsunterricht von Angestellten der Neologen-Gemeinde ertheilt. In der in Regensburg erscheinenden „Laubhütte" wird nun darüber Beschwerde geführt, dass die jüdischen Kinder, ja sogar Kinder orthodoxer jüdischer Eltern, beim israelitischen Religionsunterricht in den erwähnten Schulen blosköpfig sitzen müssen. Leider ist dies nur zu sehr wahr, selbst während des Citirens der wichtigsten hebräischen Gebete ist dies der Fall. Die Pester orthodoxe Gemeinde sollte doch von dem ihr zustehenden Rechte zur Anstellung orthodoxer Religionslehrer für die orthodoxen Kinder Gebrauch machen, damit letztere nicht gezwungen seien, . dem Religionsunterrichte der neologen Lehrer beizuwohnen. Berlin. Die letzte Vorstandssitzung der Berliner Cultusgemeinde bot einige interessante Momente. Tiefe Bewegung ging durch die Versammlung, als bei Behandlung des Capitels „Privatschulen" Syndicus Dr. Minden das nachfolgende Schreiben einer Vorsteherin einer höheren Töchterschule an eine jüdische Dame verlas: „Sehr geehrte Frau! Fräulein D. erinnert sich Ihrer als sehr liebenswürdigen Schülerin und ist gerne bereit, Ihre Kleine in ihre Anstalt aufzunehmen. Nur möchte Fräulein D. noch einmal darauf aufmerksam Machen, dass sie Kinder anderen Glaubens nur dann aufnehmen kann, wenn der Geist, der in der Anstalt herrscht, und die christliche Beeinflussung der Kinder, die nicht ausbleiben kann, den Grundsätzen der Eltern nicht entgegenarbeitet. Um einen Zwiespalt zwischen den Kindern und unliebsame Erörterungen zu vermeiden, nimmt Fräulein D. seit einiger Zeit nur Kinder auf, welche von der 9. bis zur 1. Classe auch am christlichen Religionsunterricht theilnehmen sollen. Würde das mit Ihren Wünschen für die Zukunft Ihres kleinen Mädchens übereinstimmen. so werden wir Ihre Kleine als angemeldet eintragen und bitten nur noch um kurzen Bescheid." Redner wolle nun die erste Gelegenheit ergreifen, um vor Gott und der Gemeinde, vor der ganzen deutschen Nation öffentlich Verwahrung einzulegen gegen die ungeheuerliche Bedrückung der Gewissen, die in und zwischen diesen Zeilen zu lesen ist. Eine weitere Hinzufügung von Gründen für seine Anschauung glaube er sich ersparen zu dürfen. Weder das Allgemeine Landrecht (11) noch das Judengesetz von 1847 (62) verpflichten die jüdischen Kinder zur Theilnahme am christlichen Religionsunterricht. Vor der Hand wolle er keine Anträge stellen. Er gehöre nicht zu den Fanatikern, die jüdische Kinder ängstlich vor der Berührung mit den Kindern ihrer christlichen Mitbürger bewahren wollen. Aber die Art des Gewissenszwanges, wie sie hier ausgeübt würde, sei unerträglich. Wenn aus dem Munde unserer erhabenen Herrscher es verlautet hätte, dass die Religion dem Volke erhalten bleiben solle, so hätten gewiss alle Juden dem freudig zugestimmt. Die Juden selber seien ja ein lebendiges Zeugnis für die Wahrheit und die Richtigkeit dieses Grundsatzes. Aber hier werde der Grundsatz geradezu in sein Gegentheil verkehrt. Unter dem Vorwand, die Religion zu erhalten, werde hier Zwiespalt in die Familien hineingetragen und den Kindern das kostbare Gut, die Religion, geraubt. In den diesbezüglichen Berathungen möchte er empfehlen, auf diese Mittheilung Rücksicht zu nehmen. Verschiedene Nachrichten. Wien. Der Sohn unseres geschätzten Mitarbeiters Oberlehrer Riesenfeld in Ung.-Brod, Herr J. U. Dr. Emil Riesenfeld, Secretär der Kaiser Ferdinands-Nordbahn, vermählt sich Sonntag, den 8. October mit Fräulein Regine Konrad. Die Trauung findet um halb 1 Uhr Nachmittags im Tempel in der Seitenstettengasse statt. Wien. Sonntag, den 8. October findet im Tempel in der Seitenstettengasse die Trauung des Fräulein Regine Werter, Tochter des Obmannes des Tempelvereines VI., Stumpergasse, Herrn Leopold Werter, mit Herrn Nathan Klausner statt. Schüttenhofeu. Dienstag, den 10. October findet im hiesigen Tempel die Trauung des Fräulein Sidonie Samek, Tochter unseres geschätzten Ober-Cantors, mit Herrn Siegfried Grünberger aus Prerau statt. Der Bräutigam ist ein Sohn des vor einigen Jahren dahingeschiedenen Ober- Cantors Grünberger in Prerau. Stanislau. Montag, den 4. September fand die Einweihung der neuen hiesigen Chorsynagoge unter großer Betheilignng der Gemeinde und Vertreter der Behörde statt. Ober-Cantor Löwensohn, welcher innerhalb kurzer Zeit einen Chor tüchtig geschult hatte, brachte den gesanglichen Theil der Feier zu schöner Geltung, und auch die Festrede des Herrn Rabbiners fand allgemeine Anerkennung. Das Ner-Tomid wurde vom Präses der Gemeinde, Herrn Sigmund Regenstreif, angezündet. Die erhebende Feier schloss mit der Absingung der Volkshymne. - Drohobyez. Dem Redacteur der hiesigen „Drohobyczer Ztg." ist vom k. k. Bezirkshauptmann Lobschinski nachfolgendes Schreiben zugesandt worden: „Seine kais. und kön. apostolische Majestät geruhten allergnädigst anzuordnen, dass dem Redacteur.der jüdischen Zeitung „Drohobyczer Zeitung" für den in diesem Blatte anlässlich des allerhöchsten Geburtstages erschienenen loyalen Artikel der allerhöchste Dank ausgesprochen werde. Hievon

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