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Die Wahrheit · 1899-10-01 · Heft 31 (1.10.1899) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 31 (1.10.1899)
Date
1899-10-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Hesterr.-ung(rr. Eclntorerr-Ieitung. Nr. 3^ Beilage zur Zeitschrift „Die Wahrheit". \% Zahrg, Wir ersuchen die geehrten Herren Cantoren und Cultusbeamten den Abonnementsbetrag uns gefälligst zuzusenden und das der vorigen Nummer beigefügte Cireular berücksichtigen zu wollen. Probeblätter werden auf Wnnfch zugesendet. Verlangen Sie in öffentlichen Loealen „Die Wahrheit". Die Administration. Der Vorsängerdienst der Israeliten nach seiner geschichtlichen Entwicklung. III. Wie nun immmer die Neigungen der Könige maßgebend sind für die Bestrebungen vieler Hofleute und anderer Unterthanen, wie durch Eingehen in die Lieblingsbeschäftigungen der Großen Gunst, Brod, Amt und Ehre leicht zu erwerben,ist, so konnte es nicht fehlen, dass David's vorzügliche edle Leidenschaft für Ton- und Dichtkunst Andere ermunterte, sich in diesen Künsten zu üben. Am besten mussten sie aber gefallen, wenn sie sich seinem Vorbilde näherten und sich bestrebten, wie er zu singen. Alles dichtete daher für den Gottesdienst; die Lieder des Königs selbst waren natürlich die ersten in dieser Art, und nach diesem Muster regelten alle Tempel- und Religionsdichter ihre Gesänge, und so wie sie zu einerlei Zwecken dichteten und componirten, so sangen sie auch wie er. David ließ diese Lieder fleißig vom Volke auswendig lernen, wovon die Elegie auf Jonathan ein schönes Beispiel ist. Zu seinen Lebzeiten waren viele seiner Psalmen schon als allgemeine Volkslieder in eines Jeden Gedächtnis; denn er hoffte in vielen seiner Lieder, im Gesang seines Volkes ewig Gott zu preisen. So verbreitete sich die Liebe zur Gattung der Cultus-Gebete und Gesänge David's sehr schnell und nach ihr bildete sich Jeder. Natürlich behielten nun auch nach ihm die Religions-Gesänge immer einen Davidischen Gang; sogar die Dichter späterer Zeit wussten ihren Liedern keinen schöner» Schmuck zu geben, als sie dem Namen David's ordentlich zu weihen. So wurden denn die alten Lieder aus Vorliebe zu den neuen, die in großer Zahl im Umlauf waren, allmälig aus dem Gedächtnis des Volkes verdrängt und vielleicht sehr früh, weil sie nicht ausgeschrieben waren, verloren; und wir haben deshalb in den Psaltern nichts von früher» Liedern, als höchstens eines von Moses. Dagegen mögen bald nach David Liedersammlungcn mit seinem Namen vorhanden gewesen sein. An diese hängte man vielleicht zuweilen Lieder anderer Dichter und sah die letzten endlich auch für Davidische an, weil er die Grundlage der Sammlung war, oder man weihte auch wohl seinen Namen, als dem des ersten Liederdichters, spätere Lieder, um sie dadurch zu zieren. Dem Namen David's ist's in dieser Hinsicht gegangen, wie dem Salomo's, mit dem man gerne alle Weisheitssprüche und Sittenlehren stempelte. Salomon, der selbst Dichtertalent besaß, der Liebling David's und von Propheten groß erzogen, konnte sicher die gottesdienstliche Musik nicht in Verfall gerathen lassen, und es leidet keinen Zweifel, dass sie unter ihm noch zu größerer Blüthe gekommen war. Bei der außerordentlich glänzenden und feierlichen Tempeleinweihung wirkten zahlreiche Sänger und Musiker mit. Wenn Josephus erzählt, dass bei dieser Gelegenheit 40.000 Davidharfen gespielt, 200.000 silberne Posaunen geblasen und der Singstimmen wenigstens ebenfalls 200.000 gewesen wären, so riecht das allerdings zu stark nach Orientalismus, ist jedenfalls eine Uebertreibung des Geschichtsschreibers, wie man dergleichen bei alten Schriftstellern mehr findet. Ein solches Orchester möchte ich einmal, versteht sich in einer bescheidenen Entfernung, hören. Es ist schwer zu begreifen, wie ein solches Heer Tonspieler Platz fand, wenn man nicht etwa annehmen will, dass sie nicht nur im Innern des Tempels, sondern auch auf seinem Dache und auf den Dächern der Häuser mit ihren Harfen und Posaunen saßen; denn eine ganz mäßige Stadt, wie Jerusalem, konnte nicht so viele Menschen fassen. Der König Salomo würde mit seinem ganzen Hofe und allen Zuhörern bei einem solchen Concerte das Gehör verloren haben. Jedenfalls folgt aber soviel daraus, dass ein zahlreiches Musikchor bei der Einweihung die Zuhörer in Staunen setzte. Salomo war es auch, der für die Vorsänger eine besondere kostbare Kleidung während der Ausübung ihrer Functionen anordnete und die musikalischen Instrumente ausbeffern, durch Schiffe aus weiter Ferne herbeigeführtes Holz verfertigen ließ. Als dessen Sohn Rehabeam den Thron bestieg, musste natürlich Musik und Gesang in dem Tempel verstummen; denn der Gottesdienst wurde überhaupt bei Seite gesetzt, und alle schlechten Könige nach ihm wandelten in feinen Fußstapfen. So oft aber ein guter Regent zur Regierung gelangte, ward auch mit dem Gottesdienste der alte Gesang restaurirt. So erzählt die Bibel von Josaphat: tiöjh aymKpm •rb nn-ntpa und als er siegreich von einem Feldzuge zurückkehrte, „kam er mit Psalter, Harfen und Trompeten in das Haus Gottes". Von Hesekias heißt es: et, bsanTUVE nv,i‘?rrnx *nasn K’asrr fnji “f?an nnn Ebenso von Jesaias. Indessen mussten die häufigen Unterbrechungen des Gottesdienstes, die kriegerischen Unruhen in beiden Reichen den Verfall der Musik nothwendig zur Folge haben, wie solches denn auch mehrere Propheten beklagten. Indessen wurde sie nicht gänzlich vernachlässigt; denn selbst in der babylonischen Gefangenschaft, wo sie ihre Harfen an die Wände hingen und wehklagend ausriefen: 122 nana *n ns -vm -ps, war die Liebe für den religiösen Gesang nicht ganz unterdrückt worden, da nicht weniger als 250 Sänger und Sängerinnen aus Babel nach Jerusalem pilgerten, obgleich wir aus einer Vergleichung die Zahl der Eingewanderten und ihrer Sänger mit der Zahl der Gemeinde Israels zu David's Zeiten und dessen Sänger finden, dass sich jene zu diesen wie 1 : 2 verhalten, da nach 2. B. S, 19, 37 ans 13.000 Personen 4000 Sänger, während hier aus 40.360 nur 245 kommen. Was nun die Musik und den Gesang dieses Zeitraumes selbst betrifft, so sind hierüber nur Hypothesen aufzustellen. Und solche sind denn zahlreich aufgestellt worden; allein ungeachtet der vielen Werke, die seit dem Anfänge des sechzehnten Jahrhunderts hierüber geschrieben wurden, ist noch keine der hieraus bezüglichen Fragen genügend gelöst worden. Der Pater Le Lang in seiner Bibliothek sacra (1723) zählt 1213 Schriftsteller auf, welche über die Psalmen und die Musik der Hebräer geschrieben. k Im Thesaurus antiquitatum sacrarum de Ugolino findet man \ vierzig Abhandlungen über die Musik und die Instrumente der \ Hebräer. Der älteste Schriftsteller ist der jüdische Arzt von ) Mantua, Abraham ben David de Porto Leonis, welcher diesen * Gegenstand in seinem Werke: ..8obilte Haggiborim“ vom vierten bis elften Capitel behandelt. Forkel in seiner „Geschichte der Musik" zählt S. 177 ff. eine große Zahl anderer Werke aus, die dieselbe Materie abhandeln, der auch er einen bedeutenden Theil seines Werkes widmete. Lesenswerth sind auch: Pfeifer, „Ueber die . Musik der alten Hebräer" 1779; Martini, „Horia della Musica“; \ Roussier, „Memoires surla musique des anciens“; Saalschütz, „Ueber l die Musik der Hebräer", Berlin 1829, und Schneider dasselbe, ( Bonn 1834. (Fortsetzung folgt.)

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