Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1899
- Issue
- Heft 30 (22.9.1899)
- Date
- 1899-09-22
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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„Wahrheit." Seite 10. Nr. 30. (unter der Leitung Samuels), Bethel, Jericho und Gilgal (unter Elias und Elisäus) antreffen. In diesen Schulen wurden Ton- und Dichtkunst als Unterrichtsgegenstände für angehende Volkslehrer geübt. Sangen die Prophetenzöglinge somit ihren Meistern heilige Lieder, dann hieß es: „sie weissagen." Saul begegnete einem so singenden und musicirenden Chore von Prophetenjüngern, und wurde beim Hören dieser Gesänge so begeistert (n rm rbv nnbi'i), dass er zum Erstaunen der Anwesenden mit den Schülern sang und weissagte. — Unter den Zöglingen dieser Schule zeichnete sich frühzeitig David aus. Er kam noch jung an den Hof des Königs Saul, und suchte ihn, wenn ihn die Melancholie plagte, diese durch die Laute seiner Harfe zu verscheuchen. David, der auch, wie Eichhorn sagt, über die Empfindungen der Herzen seines Volkes — und setzen wir hinzu, über deren Andacht und Erbauung —» König werden sollte, übte sich in religiöser Musik und Dichtkunst in den Thälern bei der Herde seines Vaters, wie auf den freier» Höhen. Die Harfe war ihm Trösterin und Freundin, wenn er einsam und begleitet, als ein Vertriebener in den Wüsten Judas irren musste, und ward, als seine Freundin, mit ihm auf den Thron gehoben. Nun that er durch sie in kurzer Zeit weit mehr, als alle Prophetenschulen in weit längerer Zeit nicht hätten wirken können — er zog die ganze Nation zur sanften Gattung der Musik und des Gesanges hin, And gab den in den Psalmen ausgesprochenen eignen Gang und Geist des jüdischen Gottesdienstes an. Der König David widmete sich unter Mitwirkung der Propheten Gad und Nathan mit dem größten Eifer der Sache, der gottesdienstlichen Musik. Er selbst leitete Gesang und Musik beim Gottesdienste und dichtete selbst dazu die erforderlichen Hymnen und Psalmen. Schon als er die Lade Gottes aus dem Hause des Abinadabs fortführte und ebenso, als er nach drei Monaten sie aus dem Hause des Obad Edom trug, ertönte feierliche Musik, begleitet mit religiösem Tanze zum Lobe des Herrn, woran viele Tausende Israeliten und auch Frauen theilnahmen. Nachdem David in Jerusalem den Gottesdienst herstellte und die, zu diesem Dienste gewidmeten Männer von 20—50 Jahren hatte zählen lassen, theilte er das 38.000 zählende Personal in vier Sectioneu, 24.000 bestimmte er zum unmittelbaren Cultusdienste, 4000 zu Thorhütern oder bewaffneten Wächtern des Tempels, 6000 zu Schreibern der Musterrollen und Stammtafeln und 4000 bildete er zu Musikchören, deren Beruf es sein sollte, durch Sang und Klang die Seelen der Gläubigen himmelwärts zu richten, sie in feierlicher und andächtiger (Stimmung zu versetzen, welchen Zweck sie auch erfüllt zu haben scheinen, da von dieser Zeit an der Opferdienst allmälig zu sinken begann, wenigstens dem Lied eine gleichberechtigte Stelle einräumen mußte. Die den Musikchören zugetheilten Leviten wurden wieder in 24 Classen geschieden. Jede bestehend aus 134 Tonkünstlern, die abwechselnd wochenweise den Dienst verrichteten; au hohen Festtagen aber mussten sie in corpore fungiren. Jedes Chor und jedes Orchester hatte einen Virtuosen an der Spitze (einen Nenareacll), welcher Gesang und Musik leitete und die Solls sang. Sie, die Menazeach, selbst spielten kein Instrument, sondern hatten mit Hilfe kupferner Castagnetten den Gesang anzustimmen und im Takt zu halten. Dies ist die Bedeutung der Worte: vrnnK bip jrö®nb Ganze Familien widmeten sich, von David ermuntert, dem gottesdienstlichen Gesänge, so die Lrviten-Familien Asaph, Jaduthun und Jeman. Letzterem war auch die oberste Leitung der Musik beim Gottesdienste anvertraut, und bildeten deren 24 Söhne den Kern der 24 großen Classen. Dass übrigens zuweilen auch Nichtleviten und sogar Frauen theilgenommen hatten, wird auch mit vollem Grunde von unsern Alten behauptet. (Fortsetzung folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wien. Ce. Majestät der Kaiser hat die Herren Max Mauthner, Präsident der Wiener Handelskammer und Reichsraths-Abgeordneter, und Dr. Gustav Ritter v. Mauthner, Director der Credit-Anstalt, zu lebenslänglichen Mitgliedern des Herrenhauses ernannt. Wien. Eine stattliche Trauergemeiude wohnte am 15. d. M. dem Leichenbegängnisse Professor Stoerk's bei und gestaltete die Feierlichkeit zu einer imposanten Man'festation der wissenschaftlichen Bedeutung des Dahingegangeuen. Die medicinische Facultät hatte zahlreiche Vertreter entsendet; sowohl das Professoren-Collegium, als auch die zahlreichen Collegien, die ärztlichen Berufsgenossen, die ehemaligen und gegenwärtigen Schüler, die Vertretung der bildenden Kunst, der Professor Stoerk als Freund des Schönen nahegestanden, und die zahlreichen persönlichen Freunde gaben dem Verblichenen das letzte Geleite. Im Trauerhause Hietzing, Wattmanngasse Nr. 22, hatten sich unter Anderen eingefunden: Sectionschef Ritter v. Herz, Hofrath Professor Grünhut, der Director des Allgemeinen Krankenhauses, Ober-Sanitätsrath Dr. Mucha, Hofrath Professor Dr. Chrobak, Decan Professor Dr. Gruber, Hofrath Professor Kaposi, Professor Dr. Lang, Professor Dr. Adam Pollitzer, Professor Dr. Schnabel, Professor Dr. Chiari, Professor Dr. Lothar Frankl v. Hochwart, die praktischen Aerzte Dr. Breslauer, Dr. C. Fleischmann, Dr. Roth, Dr. James Eisenschitz, die Schriftsteller Wilhelm Frey, Max Kalbeck und Dr. G. Steinbach, die Abtheilungsvorstände des Kaiser Franz Josef-Ambulatoriums Dr. Carl Gaßner, Dr. Moriz Weil und Dr. Emil Schwarz. Seitens der Künstler-Genossenschaft, deren außerordentliches Mitglied der Verblichene war: Vorstand Professor Wehr, Secretär kais. Rath.Klobasser, Bildhauer^Benk, Maler Fux, Bildhauer Grünhut, dann die außerordentlichen Mitglieder Director Eduard Ritter v. Kanitz und Hofuud Gerichtsadvocat Dr. Kranz, ferner kais. Rath Hermann Robitschek, Vertreter vieler medicinischer Vereine rc. Nach einem kurzem Trauergebete wurde der Sarg um halb 11 Uhr. in den vierspännigen Leichenwagen gehoben, der sich bald darauf nach der israelitischen Abtheilung des Centralfriedhofes in Bewegung setzte. Zwei Blumenwagen brachten Pie zahlreichen Kranzspenden. Die Mehrzahl der Trauergäste folgte auf den Friedhof. In der Ceremonienhalle brachte Ober-Cantor Singer, begleitet vorn Chorpersonale, einen Trauerpsalm zum Vortrage. Dann hielt Ober-Rabbiner Dr. Güdemann eine Trauerrede, in der er betonte, welche Verdienste Professor Stoerk sich auf dem Gebiete der Wissenschaft erworben hat, dass er der ausgezeichnete Lehrer vieler tüchtiger Schüler geworden, welche, gleich ihm, die dankbare und beglückende Aufgabe, die dem Arzte zufällt, auf sich genommen haben. Am Grabe sprachen Professor Max Gruber Namens der medicinifchen Facultät, der den Verstorbenen einen bahnbrechenden Meister nannte, Professor Dr. R. Chrobak, dessen rühmender Nachruf mit den Worten schloss: „Du warst eine redliche, gute und treue Natur, und Dein Andenken wollen wir treu in unserer Seele bewahren," Professor Dr. Ottokar Chiari und der Assistent Dr. Ebstein Namens der Schule Professors Stoerk's. Wien. Der jüdische Schulverein im X. Bezirke, der sich die hohe Aufgabe stellt, für Kinder der Volks- und Bürgerschule, für Mittelschüler und Erwachsene ein modern-pädagogischeS Institut zur Pflege hebräischer Sprache, jüdischer Geschichte und Literatur zu errichten, hat seine mühevollen Aufgaben vollendet. Es findet demnach die Einschreibung von Schülern und Schülerinnen am 21., 22., und 24. Septem b er 1899 (njnttn bin), täglich von 2—6 Uhr Nachm, in der Kanzlei des Schullocales, X., Hasengaffe Nr. 7, statt. Die feierliche Eröffnung der Schule ist für Vormittags,, den 1. October l. I. festgesetzt. Wir richten nun abermals an unsere Glaubensgenossen die Bitte, dieses schöne Werk, dessen weitere Existenz nur durch die materielle und moralische Unterstützung Aller gesichert werden kann, zur Ehre Gottes und zur Ehre des jüdischen Volkes durch rege Betheiligung fördern zu helfen. Salzburg. Da der hiesigen jüdischen Cultusgemeinde die in einem Hause der Linzergaffe seit Jahren innegehabten Localitäten, welche als Bethaus dienten, von dem betreffenden Hausherrn gekündet wurden, ist nun selbe ernstlich entschlossen, eine eigene Synagoge zu bauen; hiezu soll bereits ein Baugrund in der Schallmooser Hauptstraße, wie man sich erzählt, der alte Eislaufplatz, käuflich erworben worden sein. Lmidenburg. Die Stadtgemeinde Lnndenburg beging heute das 25jährige Jubiläum des Bestandes der städtischen Sparcasse. Aus diesem Anlässe versammelte sich der Gemeindeausschuss als Sparcaffeausschuss zu einer Festsitzung, welche" sich zu einer Ovation für den im März dieses Jahres aus Altersrückstchten vom Bürgermeisteramte zurückgetretenen Groß-Industriellen Hermann Kuffner, den Gründer des Instituts, gestaltete. Bürger-