Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1899
- Issue
- Heft 30 (22.9.1899)
- Date
- 1899-09-22
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Hesterr.-ungar. Gantoren-Deitung. Nr. so. Beilage zur Zeitschrift „Die Wahrheit". 19. Jahrg. Eine neue Synagoge in Hamburg. In der hiesigen Gemeinde macht sich, wie in den meisten. Großstädten, eine immer größere Bewegung von der Innenstadt nach dem Gebiete der früheren Vororte bemerkbar. Besonders sind es die eleganteren Stadttheile Rotherbaum und Harvestchude, die namentlich auf unsere begüterten Glaubensgenossen große Anziehungskraft ausüben. Mit diesem „Zug nach Westen" (oder richtiger Nordwesten) haben die Gemeinde-Institutionen, wie leicht erklärlich, nicht gleichen Schritt halten können. So recrutirt sich z. B. das Publicum der in der Innenstadt gelegenen Talmud- Thora-Realschule jetzt schon ungefähr zur Hälfte aus Bewohnern der vorerwähnten Vororte. Für die israelitische Höhere Töchterschule, die erst vor sieben Jahren gegründet wurde, ist in richtiger Würdigung der örtlichen Verhältnisse die Gegend „vor dem Dammthor" gewählt worden. Besonders fühlbar macht sich der Mangel einer großen Gemeindesynagoge in den an jüdischen Bewohnern so reichen Bezirken. Zwar ist diesem Mangel bereits seit geraumer Zeit durch Errichtung von Privatsynagogen einigermaßen abgeholfen worden, und namentlich haben sich in dieser Beziehung eine Anzahl Gemeindemitglieder verdient gemacht, die vor mehr als 20 Jahren in gemietheten Parterre-Räumen die kleine „Synagoge vor dem Dammthor" in's Leben gerufen und bis heute mit großen Opfern fortgeführt haben. Aber wenn auch der Gottesdienst in dieser Synagoge sich stets durch besondere Würdigkeit auszeichnete, so war doch der Raum zu beengt, um Alle, die dort Einlass begehrten, aufnehmen zu können, und die Besucher mussten auch die Erbauung und Belehrung durch regelmäßige Predigten vermissen. Wenn auch zuweilen jüngere Kandidaten oder Lehrer zu Festpredigten herangezogen wurden, so hatte man doch keinen festangestellten Redner, und namentlich wurde die Stimme des berufenen Verkünders des Gotteswortks in dieser Gemeinde, unseres allverehrten Herrn Ober-Rabbiners Hirsch, nur bei ganz seltenen Gelegenheiten in diesen Räumen gehört. In den letzten Jahren hat man sich nun — eine Zeit lang mit Grund — der Hoffnung hingegeben, dass die Gemeinde, resp. der Synagogen-Verband, der für die religiösen Bedürfnisse des conservativen Theiles der Bevölkerung zu sorgen hat, eventuell im Einvernehmen mit der Verwaltung der „Synagoge vor dem Dammthor" ein größeres Gemeinde-Gotteshaus in diesem Stadttheil errichten würde. Aber die dahin zielenden Verhandlungen scheiterten, und die genannte Synagogen-Verwaltung hat sich nun veranlasst gesehen, selbständig vorzugehen und eine beträchtlich erweiterte Andachtsstätte neben ihrer bisherigen in's Leben zu rufen. Das Parterre des Hauses der höheren Mädchenschule in der Bieberstraße wurde zu diesem Zwecke in den letzten Monaten auf würdige Weise umgestaltet und am Abend vor dem Beginn des Neujahrsfestes der neuen Bestimmung übergeben. Die Synagoge, die etwa 250 Plätze enthält und eine sehr gute Akustik, sowie vorzügliche elektrische Beleuchtung, auch elektrisch betriebene Ventilatoren besitzt, war schon zu diesen Festtagen von Stelleninhabern voll besetzt und fand großen Beifall. Am Abend vor dem Neujahrsfeste wurde die Einweihung in sehr feierlicher Weise von Herrn Ober-Rabbiner Hirsch in Anwesenheit von Deputationen des Gemeinde-Vorstandes, des Vorstandes des Synagogen Verbandes und sonstiger angesehener Gemeinde-Mitglieder vollzogen. Nach dem Anzünden des Nörtomid durch den Herrn Ober-Rabbiner wurden die Thorarollen im feierlichen Umzuge herumgetragen und in die heilige Lade gestellt. Darauf begrüßte der Vorsitzende der Verwaltung, Herr Emil May, 1>ie Erschienenen und hob hervor, dass das neue Gotteshaus, wenn auch nicht von den Gemeindebehörden in's Leben gerufen, doch dazu bestimmt sei, den Frieden und das Zusammenhalten innerhalb der Gemeinde zu fördern, und sich in seiner Gebetordnung und Einrichtung ganz an die alten Traditionen anschließen werde. In seiner Schlussrede sprach darauf der Herr Ober-Rabbiner in Anknüpfung an eine Stelle im dritten Kapitel des Buches Esra von den freudigen und zugleich wehmüthigen Gefühlen, die diese Einweihung, gleich der Einweihung des zweiten Tempels in Jerusalem, wachrufe. Wie damals, müsse auch hier neben der Freude eine ernste Einkehr Platz greifen, und man dürfe hoffen, dass aus der kleinen Zahl, die sich hier zu einem besonderen Gotteshaus vereinige, später eine größere Schaar und ein größeres Haus erwachsen werde. Die schöne Feier wurde durch Psalmengesänge, die von einem Männerchor vorgetragen wurden, eingeleitet; zum Schluss wurde von der versammelten Gemeinde das Maariv-Gebet gesprochen. A. F. Der DorsiillgerdienK der Israeliten nach seiner geschichtlichen Entwicklung. II. Wenn auch die Geschichte aller ulten und neuen Völker uns zeigt, dass der süße Trank der Töne ein integrirender Theil, ja oft das Ganze ihres Gottesdienstes blos Gesang und Opfer war, so müssen wir dennoch zugeben, dass so sichere Beweise von der Verwendung und Würdigung der Tonkunst zu Cultuszwecken nirgends in dem Grade, wie bei den Israeliten vorhanden sind; dass die religiöse Musik vorzugsweise von den Hebräern (die das Interesse dafür im uralten Egypten, wo schon die Kinder gesetzlich in Musik und Gesang unterrichtet werden mussten, leicht mitgetheilt bekommen konnten) mit Liebe groß gezogen, mit Eifer gepflegt und erhalten, durch sorgfältige, großartige Einrichtungen gehoben wurden, und durch die religiöse Weihe, womit umkleidet sie bei den alten Israeliten auftritt, die verdiente Werthschätzung und Verehrung fand. Schon der Umstand, dass der jüdische Gesetzgeber ihrer häufig erwähnt, es für nothwendig hielt, den frühen Ursprung der Instrumente anzuführen und des Erfinders — Jubal der Nachkomme Kains — zu gedenken, beweist uns, dass man den Werth der Musik wohl zu würdigen gewusst hatte. Wir übergehen die Nachweisung des schon frühen profanen Gebrauchs des Gesanges und der musikalischen Instrumente, als zum Zwecke unserer gegenwärtigen Erörterungen nicht gehörig, und beschränken uns lediglich auf deren Verwendung beim Vortrage religiöser Lieder, überhaupt zu religiösen Zwecken. — Zuerst wird uns von Miriam, der Schwester Moses, erzählt, dass sie im Vereine mit mehreren Frauen des Ewigen Lob besang. Dass noch heute Frauen das Toph, dessen Erklärung später erfolgt, vorzugsweise bei verschiedenen Gelegenheiten gebrauchen, ersehen wir aus: Niebuhrs „Reisebeschreibung von Arabien und andern umliegenden Ländern." Obgleich später, nämlich während der 40jährigen Wanderung in der Wüste, wenig Veranlassung zum Gesänge vorhanden war, so wurde dennoch der Gebrauch der Instrumente zu religiösen Absichten nicht vergessen. Moses sang mit den Israeliten Lob- und Danklieder, und verordnete, mit Trompetenschall die Fest- und Feiertage einzuleiten und sich vor Gott damit zu freuen. Religiöse Sieges- und Triumphlieder finden wir auch aus der Zeit der Richter angeführt. Zugleich entnehmen wir auch aus der Zeit der Richter, wie die Frauen und die Mädchen selbst bei öffentlichen religiösen Festen sich an Gesang und Tanz betheiligten; denn, abgesehen von der Stelle bei Richter 11, lesen wir noch daselbst 21, 19: '121 mbinan bin*? nb'w rm itcr dk '121 nb'ws *n :n n:n natri Jemehr indessen das Volk zur Selbstständigkeit und Ruhe gelangte, desto mehr entwickelte sich Gesang und Musik, wie wir aus den Prophetenschulen ersehen, die wir zu Gibia und Rama