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Die Wahrheit · 1899-09-11 · Heft 29 (11.9.1899) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 29 (11.9.1899)
Date
1899-09-11
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. „Wahrheit." Nr. 29. das innerste Seelenleben. Er besänftigt die Leidenschaften, legt sich wie eine heilende Binde um das kranke Herz und träufelt Balsam in jede Wunde; er schmeichelt sich sanft in jede Brust und bringt Ruhe, Friede, Freude, Muth und Thatkraft; er haucht uns an mit dem belebenden Odem der Liebe und verschönert jegliches Verhältnis, die Einsamkeit und die Gesellschaft, das Haus, die Stadt, das Land. Der Gesang bildet, verfeinert, reinigt und adelt den ganzen Menschen und trägt uns ans den Flügeln der Andacht selbst über die Wolken." Stamm sagt (s. der Schullehrer in seiner Vollkommenheit. Mainz 1837. Th. I., S. 201): „Der Einfluss des Gesanges erstreckt sich auf das innerste Heiligthum des Gemüths, er befördert die wahre Herzensbildung, er beschwichtigt die Stürme der aufgeregten Begierden, weckt die Gefühle der Andacht, Liebe rc." Schon in der ersten Zeit der Einrichtung des jüdischen Cultus nimmt derselbe eine sehr wichtige Bedeutung ein. Fragen wir aber, ob dem Gesänge immer die oben erwähnte Würdigung zu Theil wurde, ob man ihm jederzeit bei den Israeliten die rechte gottesdienstliche Anerkennung erwiesen, so müssen wir freilich eingestehen, dass durch einwirkende Zeitverhältnisse viele Jahrhunderte lang der Eifer für Synagogengesang erkaltet und dadurch letzterer mehr und mehr dem Untergang entgegen ging, ja derselbe sogar von den entstellendsten Auswüchsen des Profanismus erfüllt worden war, wie viele, ja fast die meisten Gesänge es noch in unseren heutigen Gotteshäusern beweisen. Aber auch das ist Jedem bekannt, dass man in neuerer und neuester Zeit, wo das Gefühl für wahre Religiosität immer lebendiger wird — wo Bewegung ist, da ist auch Leben — und die Macht des Judenthums in den herrlichsten Strahlen erglänzt, auch für den S y n a g o g e n g e s a n g ein neues Morgenroth erscheint, und Wunsch und That sich beeifern, ihm seine alte Geltung und den daraus entspringenden einflussreichen Erfolg wieder zu verschaffen. Hieraus erhellet, dass der Vorsängerdienst der Israeliten drei Hauptperioden durchlebte: Erstens sein Entstehen und erstes Entfalten, seine Blüthezeit bis zur Zerstörung des Tempels; Zweitens sein Uebertreten zu bloßer Recitation und einfachem Gesang und dessen Profanismus bis zu Mendelssohns Zeiten; und Drittens seine Reorganisation und Veredelung in der Gegenwart. Wir werden es versuchen, die einzelnen Epochen des Vorsängerdienstes speciell zu schildern. Wenige Notizen müssen uns dabei befriedigen. Ueber Melodie und Einrichtung des früheren Gesanges sind keine schriftlichen Urkunden mehr vorhanden, waren vielleicht nie vorhanden, oder konnten, da sie durch den Druck nicht fixirt und verallgemeinert werden konnten, nicht zur Kenntnis der gesammten Judenheit gelangen, hätten wenigstens nicht ohne bedeutende Schwierigkeiten und erst durch Vereinigung vieler günstiger Umstände dazu gelangen können. Auch was sonst in Bezug auf den Vorsängerdienst zu wissen nöthig ist, darüber sind nur dürftige Notizen vorhanden atr “iyn av ipr, daher auf hundert Fragen, die in dieser Hinsicht zu stellen wären, nie eine sichere Antwort ertheilt werden kann. Keinem Schriftsteller, auch solchen nicht, denen eine bessere Bibliothek wie mir zu Gebote steht, und die der Herr mit einem besseren Talente begabte, wird es je gelingen, das undurchdringliche Dunkel zu erhellen, ein vollständiges und zugleich wahrheitsgetreues Bild über den Vorsängerdienst, wie er sich zu allen Zeiten entfaltet, zu liefern. Doch erwarten wir, dass auch die spärlichen Mittheilungen, die wir zu machen haben, unseren Lesern nicht unwillkommen sein werden, in welcher Hoffnung wir nun an die Sache gehen. (Fortsetzung folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wien. (Personalnachrichten.) Herr 2leä. vr. Sigmund Stiaßny, ein Sohn des Cultusvorstehers und Baurathes Herrn Wilhelm Stiaßny, hat sich in Ischl mit Fräulein Laura Kohnberger, Tochter des Großindustriellen Herrn Sigmund Kohnberger, verlobt. — Sonntag, den 17. September, findet im türk.-israelitischen Tempel die Trauung des Fräulein Irene A d u t t mit Herrn Jacques Hassan statt. Wien. Herr Oscar Schiller, der Sohn des ersten Cantors am Stadttempel Herrn I. Schiller, ist als erster Gesangskomiker am Pilsener Theater engagirt worden. Dem jungen Manne, welcher über ein hübsches Organ und ein starkes komisches Talent verfügt, steht eine schöne Carriere in Aussicht. Wien. Sonntag, den 3. August, Vormittags, fand die Beerdigung des Solocorrepetitors der Hosoper Sigmund Grünseld statt. Trotz des regnerischen, windigen Wetters hatten sich auf dem Friedhofe ungezählte Berufsgenossen und Freunde eingefnnden, um Grünseld die letzte Ehre zu erweisen. Man sah den Direktor der Hofoper, Gustav Mahler, die Hofopernsängerinnen Ellen Brandt, Förster, P o h l n e r und E l i z z a, die Hofopernsänger G r e n g g, Ritter, N a v a l, S ch i t t e n h e l m, Professor Ud e l, Brüder Rose u v. A. Zu Häupten des Sarges standen während der Trauerceremonien tiefbewegt die Brüder des Verblichenen, die Kammervirtuosen Alfred und Heinrich, und der Impresario Ludwig G r ü nf e l d. Obercantor Singer unter Assistenz des ersten Cantors Schiller und unter Begleitung des Synagogenchores sang dem langjährigen Freunde die Trauerpsalmen selbst tief ergriffen auch in ergreifender Weise, worauf Prediger Dr. Bach in trefflich abgerundeter Sprache zuvörderst auf den eigentlichen Beruf des Verblichenen, den Dienst der Harmonie der Töne, hinwies und in weiterer Ausführung darlegte, dass Sigmund G r ü n f e l d es auch verstand, seinem ganzen Leben das Relief des Harmonischen zu verleihen; diese harmonische Gesinnung bethätigte er auch in seiner Treue zur angestammten Religion. — Hierauf wurde die Leiche unter Chorgesängen zur letzten Ruhestätte geleitet. Die außergewöhnliche Betheiligung bot den Nachweis, welch' große Sympathien der Verewigte sich als Künstler und Mensch zu erringen verstand; eine Sympathie, welche ihm noch bis über das Grab hinaus erhalten bleiben wird. 1. Wien. Eine fromme tugendhafte Glaubensgenossin, Frau Rudolfine Bramme r, Gattin des Herrn Moriz B r a m m e r, trug man am Vortage des Neujahrsfestes unter ungemein großer Betheiligung von Leidtragenden zur letzten Ruhe. Unter den Erschienenen sah man eine Abordnung des Tempelvorstandes im IX. Bezirk, dessen Mitglied Frau B r a m m e r war. Als Vertretung des „Frauenhorts" kamen die Frau Präsidentin Z ifferer und Frau Bettelheim. Herr Gemeinde-Rabbiner vr. Gelbhaus, welcher die Trauerrede hielt, rühmte die echtjüdische Frömmigkeit und Wohlthätigkeit der Verblichenen. Die Rede machte auf alle Anwesenden, durch ihre Gediegenheit in Inhalt und Form, eine ergreifende Wirkung. Prag. Unter sehr zahlreicher Betheiligung fand hier am 30. August das Begräbnis des Herrn Theodor R a d n i tz, Functionärs und Beamten der Prager israel. Beerdigungsbrüderschaft, statt. Herr Oberrabbiner Dr.N. Ehrenfeld würdigte die seltenen Herzenseigenschaften des Verblichenen, welcher allen Kranken und Sterbenden ohne Unterschted des Standes Trost und Hilfe augedeihen ließ, in einer ergreifenden Ansprache. Die Beerdigung fand auf dem neuen israelitischen Friedhofe in Ztzfott) statt, wo der Obmann der Beerdigungsbrüderschaft, Herr David Lieben, dem Verstorbenen einen warmempfundenen Nachruf hielt. Prag, 8. Septeinber. Gestern am 7. d. M. fand hier die Beerdigung des am Vorabend des Neujahrsfestes im 76. Lebensjahre verstorbenen Obercantors der großen Hofsynagoge Herrn Philipp B a ch r a ch statt. Dem Sarge folgten unter Anderen Herr Oberrabbiner vr. N. Ehrenfeld und mehrere. Rabbiner, ferner sämmtliche Cantoren Prags und der Vororte. Herr Dr.

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