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Die Wahrheit · 1899-09-11 · Heft 29 (11.9.1899) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 29 (11.9.1899)
Date
1899-09-11
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 29. Die Wahrheit. Seite 11. Ehrenfeld hielt dem Verstorbenen einen warmempfundenen Nachruf. Am Grabe sprach im Namen der College» HerrObercantor Wallerstein (Meiselsynagoge) einige tiefgefühlte Abschiedsworte. Pilsen, 7. September. Unser hier allgemein beliebte Obercantor Herr Armin Freisinger und dessen sehr geschätzte geachtete Gattin haben einen herben Verlust erlitten. Donnerstag, den 31. August verschied nach kurzem Krankenlager deren einzige Tochter Fräulein Irma Frei sing er im 17. Lebensjahre zum großen Schmerze der Ihrigen, zum allgemeinen Bedauern ihrer zahlreichen Bekannten und Freunde. Die Dahingeschiedene war ein schönes, blühendes Mädchen von gewinnender Liebenswürdigkeit und Herzensbildung. Das Leichenbegängnis, das am Freitag, den 1. September, Nachmittags, stattfand, gab Zeugnis von der aufrichtigen Theilnahme für die bettübten Eltern. Bei demselben waren anwesend: die Gesammtvorstände der israelitischen Cultusgemeinde und der Chewra-Kadischa, der Frauen-Wohlthätigkeitsverein, der Vorstand des Kreuzervereines, man kann sagen — die ganze Gemeinde. Die große Menge von Beileidskundgebungen bewies die allgemeine Beliebtheit, deren sich die Verblichene erfreute. An ihrer Bahre hielt unser allverehrter Rabbiner Se. Ehrw. Herr Dr. Posnansky eine herzergreifende, die ganze Trauerversammlung zu Thränen rührende Rede. Nachdem noch der Tempelchor ein Trauerlied gesungen hatte, wurden die sterblichen Ueberreste der Erde übergeben. J. B. Essegg, am 28. August 1899. In diesen Blättern war des Oesteren schon die Rede von dem Ansehen und der hohen Achtung, welcher sich die Judenschaft Croatiens-Slavoniens auch in den Kreisen der Andersgläubigen erfreut. Als neuerliche uud treffendste Illustration zu dieser Behauptung muss die Thatsache betrachtet werden, wonach der Präsident des croatisch-slavonischen Landtages, derAdvocat und königl. öffentliche Notar, Herr Baso Sjugjevic, sich mit dem angesehenen und renommirten Advocaten Herrn Br. Hugo Spitzer, Vorsteher der israelitischen Cultusgemeinde, associirt hat. Die Verbindung der beiden hochgeachteten Persönlichkeiten hat nicht verfehlt, in den hiesigen Kreisen lebhaften Beifall zu finden. Z.-Egerszeg. Zur Anerkennung seiner vorzüglichen Leistungen erhielt unser Obercantor, Herr I. Glück, am verflossenen Rosch-haschonoh-Feste, als er seinen Vortrag beendigt hatte, vom Vorstande einen prachtvollen Ring zum Geschenke. Berlin. Zum Director des Hildesheimer'schen Seminars wurde Rabbiner Br. David Hoffmann in Berlin gewählt. Außerdem wurde beschlossen, das Seminar durch eine dritte Talmudclaffe zu vergrößern. Berlin. Die Prämiirungen auf der großen Berliner Kunstausstellung sind nunmehr nach Genehmigung seitens des Kaisers veröffentlicht worden. Unter den Prämiirten befindet sich der bekannte Wiener Meister Isidor Kaufmann, der mit der goldenen Medaille ausgezeichnet wurde. Der Nihilist. Ein Zeitroman aus dem russisch-jüdischen Leben. Von Moritz Scherbe!. (Nachdruck verboten.) (19. Fortsetzung.) Sie hatte geendet, und Clara, deren Züge sich immer mehr verdüstert hatten, begann: „Es ist ein verhängnisvoller Weg, den Du, Fremma, betreten und der sich auch vor meinem Blick so trübe und wetterschwer ausbreitet, dass ich nicht weiß, wohin er führen soll." Eines jedoch steht fest: Du hast mit Anknüpfung dieses Verhältnisses schwere Zeilen über unser Haus und über unsere Familie heraufbeschworen, wenn Du die Grundsätze unseres Vaters in Erwägung ziehst und wenn Du die Pläne in Betracht nimmst, welche unsere gute Mutter mit Dir in Betreff Deiner Verheiratung im Auge gehabt hat. Du solltest nach den Wünschen der Eltern einst die Gattin von Gabriel Lindenberg werden, der ein Verwandter von uns ist. Er ist in der vollsten Bedeutung des Wortes Deiner werth. Er ist ein Mann, dessen religiöse Gesinnung so sehr derjenigen unserer Eltern entspricht und auch in seiner weltlichen Bildung kommt er der Tradition entgegen, welche in dieser Beziehung stets in unserer Familie herrschte. Er liebt Dich, das weißt Du, das wissen wir Alle — und er wird es nie verwinden können, Dich an der Seite eines Anderen zu sehen. Und dieser Andere — wer ist er? Ein junger Mann, der mit Allem gebrochen-hat, was Unterthanenpflicht und Religion heischte; er ist ein Flüchtling, ohne Aussicht auf eine sichere Lebensstellung. Bist Du, Fremma, blind dafür, dass der Leichtsinn, der ihn jetzt zum Staatsverbrecher gemacht hat, nicht auch später ich kundgeben wird, wenn Du mit ihm vereinigt, für immer an ihn gebunden sein wirst?" Fremma, die, während ihre Schwester gesprochen, den Blick gesenkt hatte, schlug jetzt das große braune Auge ganz und voll auf. Eine Fülle des herbsten Schmerzes leuchtete aus demselben hervor. „Clara" — sprach das in den Fesseln der Liebe unglückliche Mädchen — „Clara, was Du mir vorführst — glaubst Du, dass es mir fremd' geblieben in seiner tiefen, hochernsten Bedeutung; dass ich nicht ermessen hätte die Kluft, die sich zwischen meinem Wunsche und dem der guten Eltern ausdehnt; dass mein Gewissen geschwiegen, als mein Herz sich einem Ziele zuwandte, das von dem ihrigen so himmelweit entfernt liegt? Nein, nein! ich habe mich nicht sorglos, bequem und leichtsinnig der Leidenschaft hingegeben, die ich für Alexander gefasst; ich habe erwogen und ermessen, gekämpft und gerungen, aber ich erlag dem Kampfe der Liebe gegen die Pflicht; immer und immer wieder wandte mein Herz dem Manne sich zu, den sein Eintreten für eine edle, heilige Sache in meinen Augen so hoch stellte." „Edle, heilige Sache! Unglückliche, begreifst Du, was Du sprichst? — Was weißt Du, was kannst Du wissen, unerfahrenes Mädchen, von dem Riesenkampfe, der auf politischem Boden sich zu entwickeln beginnt, was weißt Du von den Ursachen, die solch' gewaltige Wirkungen hervorgehen lassen? Lasse den Männern das Ringen nach politischen Idealen und schwärme nicht für Dinge, die am allerwenigsten in dem Herzen des jüdischen Weibes eine Pflegestätte finden dürfen. Schon der Umstand, dass Wandelowicz Nihilist ist, sollte Dich ihn fliehen lassen. Halte Dir Gabriel vor Augen, er besitzt alle die Vorzüge, die ein Weib glücklich machen können." „Gabriel ist ein guter Mensch, seine Vorzüge stelle ich nicht in Abrede — aber die Seine werden, nach dem, was mit mir geschehen? Nein! — Willst Du Clara Unmögliches von mir verlangen?" „Doch, Du bist ja sonst stark und entschlossen. Versuche das Verhältnis zu lösen, und die Zeit wird das Ihrige thun, die Wunde zu heilen, an welcher Du doch schließlich verbluten musst." Fremma schüttelte das Haupt. „Mein Verhängnis sei welches immer, es wird und vermag mich nicht von Alexander zu trennen. Ich habe ihm die Treue versprochen, ich habe sie ihm in meinen Briefen beschworen, denn ich weiß, es gibt kein edleres Herz, als das, welches in seiner Brust schlägt. Clara, hilf Du mir indem schweren Kampfe, den ich zu bestehen habe, und vermagst Du es nicht — o so lass' mich ruhig den Weg weiter gehen, den ich nun einmal — ob zu meinem Glück oder Unglück — betreten habe, und gehe ich dabei unter, so versage mir Deine Thräne nicht." Sie fiel der Schwester um den Hals, umfasste sie, immer fester und fester sie an's Herz drückend. Clara fühlte, wie die Thränen des unglücklichen Mädchens auf ihre Wangen herniederrieselten. Nun war es auch mit ihrer Stärke dahin. Sie, die früher alle die Hindernisse, die sich vor dem Ziele der Schwester aufthürmten, so klar auseinanderzusetzen wusste, suchte jetzt bereits im Gedanken den Weg. auf welchem ihr Wunsch befriedigt und ihr Glück herbeigeführt werden könnte, und gab schließlich Fremma das Versprechen, für sie einzutreten und mit den Eltern über die Angelegenheit zu verhandeln. (Fortsetzung folgt.) Men geehrten Collegen und Freunden, welche mich mit Neujahrswünschen beehrten, statte ich herzlichen Dank ab nnb wünsche ihnen N212 TD'NN “1E3. Obercantor Z. Lauer Herausgeber der Zeitschrift „Die Wahrheit".

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