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Die Wahrheit · 1899-09-11 · Heft 29 (11.9.1899) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 29 (11.9.1899)
Date
1899-09-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit. Nr. 29. Wien. (Verein zur Errichtung und Erhaltung von Krankenanstalten für Kinder ohne Unterschied der Confession.) Herr Sigmund M a n d l, Gesellschafter der Firma M. & I. M tut b I in Wien, hat diesem humanitären Vereine, welcher sich zur Aufgabe gemacht hat, in Wien Krankenanstalten für arme Kinder ohne Unterschied der Confession, und zwar in erster Linie ein Ambulatorium, späterhin, wenn die Vcreinsmittel cs ermöglichen sollten, ein Kindcrspital zu errichten, 500 fl. gespendet. Spenden und Beitrittserklärungen — der Mitgliedsbeitrag beträgt jährlich 3 fl. — werden an den Vereinsschriftführer Herrn Dr. Moriz Singe r, Hofltitb Gerichrsadvocaten in Wien, I., Koylmarkt Nr. 18, erbeten. Baden, 10. September. Anlässlich des Todestages weiland Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin Elisabeth veranstaltete der Vorstand der Badener israelitischen Cultusgemeinde, Samstag, den 9. d. M., um 7 Uhr Abends, im Tempel einen feierlichen und würdigen Trauergottesdienst. Se. Ehrwürden Rabbiner Wilhelm Reich brachte in seiner Ansprache in beredten Worten die patriotischen Gefühle, welche an diesem Gedenktage allen Israeliten Oesterreichs das Herz bewegen, auf's Wärmste zum Ausdrucke, worauf der Präses der Chewra-Kadischa Herr Moriz Lettner das Seelenlicht anzündete. Mit Recitirung des 27. Psalms und des Kadischgebetes durch den Cantor Herrn Jakob Schäfer schloss die Trauerfeier. Waidhofen an der Thaya. Unser Rabbiner Herr 1)r. I. K a h a n hat uns am letzten August verlassen, um seiner Berufung nach Znaim zu folgen. Welcher Beliebtheit sich derselbe hier bei Juden und Christen erfreute, zeigte der überaus herzliche Abschied, zu welchem sich die Herren Vorsteher Josef Pollak und Marcus Singer, sowie andere Herren und Damen mit ihren Kindern eingefunden haben. Wir haben nnsern Rabbiner mit schwerem Herzen scheiden sehen, aber unsere besten Wünsche begleiteten ihn in seinen neuen Wirkungskreis. Znaim, 3. September. Se. Majestät der Kaiser passtrte heute auf der Reise von den Manövern nach Wien unsere Stadt, und alle Honoratioren waren zum Empfange auf dem Bahnhof erschienen. Unsere Cultusgemeinde war durch den Vorsteher Herrn Hermann Steiner, der beiden Beiräthe Dr. Rosenfeld und Much, sowie Rabbiner Dr. Kah an vertreten. Letzterem wurde die hohe Auszeichnung zu Thcil, von Sr. Majestät in huldvoller Weise angesprochen zu werden. Der Kaiser erkundigte sich nach dem Stande der Cultusgemeinde und fragte auch, wie lange unser Rabbiner im Amte sei. Die Antwort desselben, dass er erst seit drei Tagen hier sei, versetzte Se. Majestät in die heiterste Laune und unter Lachen sagte er: „So kurze Zeit sind Sie erst hier? Nun, es hat mich sehr gefreut, die Herren zu sehen." Czaslau, 4. September. In festlicher Weise und unter Theilnahme der ganzen städtischen Bevölkerung erfolgte gestern die Einweihung der neu erbauten Synagoge in Czaslau. Vor dem Hauptportal des festlich geschmückten Tempels hatten sich die Vertreter der staatlichen und autonomen Behörden eingefunden. Es waren erschienen: Statthaltereirath Kreiczy in Vertretung des Statthalters Grafen C o u d e n h o v e, Landesgerichtsrath Koller, Oberfinanzrath B e d n a r z, Oberbezirksarzt Dr. Benuzzi, Oberingenieur Hetzer, Postverwalter Prohaska, Bezirkscommissär Springet und zahlreiche Staatsbeamte; ferner Major Grimm mit sämmtlichen dienstfreien Officieren, Bürgermeister F i a l l a mit den Stadträthen und Gemeindeausschüssen, der gesammte Bezirksausschuss unter Führung seines Obmannes Dr. Zimmer, endlich Deputationen der sämmtlichen benachbarten Cultusgemeinden und die nach vielen Hunderten zählende städtische Bürgerschaft sammt ihren Damen. Nach Absingung eines Chores überreichte Rabbiner Hoch die Schlüssel des Hauses den um die Gemeinde und das Zustandekommen des Baues sehr verdienten Cultusvorsteher Weiner, worauf die Gäste in das festlich beleuchtete und geschmückte Haus einzogen. Nach Verlesung der Schlusssteinurkunde durch den Baumeister Skrivanek nahm der Architekt des Baues, Baurath Stiaßny aus Wien, die Schlusssteinlegung vor, bei welcher sämmtliche Honoratioren die üblichen Hammerschläge abgaben. Mit der Abhaltung einer Festpredigt durch den Rabbiner Dr. Hoch jr. und der Absingung der Volkshymne endete die Feier. Der Tempel, im maurischen Styl, aber nach originellen, vom Herkömmlichen abweichenden Motiven erbaut, fand allseitige Anerkennung. Papa. Erzherzog Josef ist mit großem Gefolge zu den Manövern hier eingetroffeu und wurde von der Bevölkerung mit jubelnder Begeisterung empfangen. Er bleibt bis zum 14. d. M. Gast des Obergespans Fenivessy. Die Vorbereitungen zum Empfange des am l3. d. M. hier eintreffenden Monarchen sind nahezu beendet. Die ll/a Kilometer lange Einzugsstrecke ist mit hohen Fahnenstangen versehen. An vier Stellen sind Triumphpforten errichtet. Zum Empfange des Königs haben auch der Vorstand und der Rabbiner der jüdischen Gemeinde Einladungen erhalten. Brieg, Reg.-Bez. Breslau. Am Sonntag, den 20. v. M., feierte die hiesige israelitische Gemeinde in außerordentlich festlicher Weise das 100jährige Bestehen der Synagoge, welche aus diesem Anlasse vollständig renovirt wurde. Die gesanglichen Functionen wurden vom Vorstande nebst dem hiesigen Functionär Herrn Rosenthal, zum größeren Theile Herrn Obercantor Cerini aus Breslau übertragen, der mit seinem Chore hieher kam. Die Gesangsaufführungen fanden mitOrgel- und Instrumentalbegleitung statt. Den größten Erfolg errang Cerinis herrliche Stimme im Psalm 115 von Lewandovski: „Wer darf Gott nahen in seinem Heiligthum?" und im Beethoven'schen Psalm: „DieHimmel rühmen des Ewigen Ehre." Auch die Festpredigt war von großer Wirkung. Der Centennarfeier wohnten viele Honoratioren bei. Eingesmdet. Geehrte Redation! Sonntag, den ersten Tag Selichoth, war der Gefertigte Zeuge eines interessanten Trauungsactes im Stadttempel. Zwei jungfräuliche Schwestern, Töchter des Herrn Ignaz Krön, wurden vom Herrn Ober-Rabbiner Dr. Güdemann unter Assistenz des Obercantors Singer gemeinsam getraut. Beide Brautpaare traten gleichzeitig unter die Chupoh und wurden mit: D’sro und mann rrorc empfangen und das „Mi-Adir1’ wurde mit D^nnh mbsm geschlossen. Nach der Ansprache an beide Paare zugleich recitirte Dr. Güdemann die pvinu ro'-o zuerst dem ersten Paare gegenüber, worauf der Bräutigam sich seine Braut antraute. Hierauf wiederholte er für das zweite Paar die gedachten B'rochauth, dem die „Eidusvlün" des betreffenden snn folgten. Nachdem der „Nesador" die beiden rrrnrö vorgelesen, recitirte Obercantor Singer die sieben B'rochauth pKitw beiden Paaren gemeinsam, indem er die sechste und siebente ,-d-q im Plural nten qj? dw, resp. mboi D’onn schloss. Den Fachmann verweisen wir auf Tur Eben-Hoeser 62 und die beiden Commentare rpv n-n und rraä-'a-n wie auf die bezüglichen -Stellen. Diese Trauung gestaltete sich aber noch interessanter dadurch, dass nämlich unmittelbar darauf eine Cousine der beiden bräutlichen Schwestern, Fräulein Stern, getraut wurde, deren Mutter ebenso wie Frau Krön, eine Tochter der gewesenen Eigenthümerin der Schiffschule, Frau Pollak, ist. Nun drängt sich die Frage auf, ob es nicht schöner und richtiger gewesen wäre, wenn die drei so nahe verwandten Paare gleichzeitig in einem Aufzug in den Tempel eingetreten wären und zuerst die ältere Krön, dann die Stern und zuletzt die jüngere Krön getraut worden wäre, dann hätte jedes Paar seine eigenen gehabt. Die Antwort liegt aber auf der Hand. Der Ansprache halber konnte dies nicht geschehen. Wieder ein eclatantes Beispiel, wie die moderne, unberechtigte Trauungspredigt den überkommenen, uralten llsus zu verdrängen vermag. Jedenfalls ist aber mit dieser gemeinsamen Trauung ein Präcedenzfall geschaffen. Zwei Brautpaare T und N können nun eine gemeinsame Trauung verlangen, um gemeinsam nur eine Taxe bezahlen zu müssen. Der Einwand, dass es sich in diesem Falle um Schwestern handelte, wäre nicht stichhältig, da das Bedenken gegen die Gemeinsamkeit des Trauungsactes bei fremden Paaren viel weniger in Betracht kommt, als bei Schwestern. L. Buxbaum _^_ emer. Rabbiner.

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