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Die Wahrheit · 1899-09-01 · Heft 28 (1.9.1899) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 28 (1.9.1899)
Date
1899-09-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. „Wahrheit." Nr. 28. sollten. Sämmtliche der Synode angehörenden Gemeinden zahlten Beiträge, die Hauptgemeinden sandten Deputirte, gelehrte bewährte Männer, die Sitz und Stimme in der Synode hatten. Sie wählten einen Vorsitzenden, der die Verhandlungen der zur Sprache gebrachten Verhandlungen leitete und ein Sitzungsprotokoll führte. Streitigkeiten in den Gemeinden, Steuerverhältnisse, religiöse und sittliche Anordnungen, Abwendung von drohenden Gefahren, gemeinsame Unterstützung leidender Glaubensbrüder, das waren die Punkte, die von den Synoden verhandelt und bindend verabredet wurden. Abschriften der Beschlüsse wurden überallhin verbreitet. Auch eine Büchercensur übte die Synodalversammlung, indem sie für gewisse Bücher die Erlaubnis ertheilte, gedruckt und verkauft zu werden, für Andere, die ihr schädlich schienen, Druck und Verbreitung untersagten. Ihre innere Organisation und Geschäftsordnung ist weiter nicht bekannt geworden, weil die Protokolle später ein Raub der Flammen wurden. Sie — die Synoden — entstanden um etwa 1586 und wurden von König Stanislaus August Poniatowski in der Constitution von 1764 aufgehoben. Sie wirkten sehr wohlthäüg, verhüteten tiefgreifende Zwistigkeiten, wehrten Ungerechtigkeiten ab, hielten den Gemeinstnn wach, lenkten ihn auf die Gesammtheit und arbeiteten solchergestalt der Engherzigkeit und Selbstsucht örtlicher Interessen entgegen, die die Zersplitterung und Vereinzelung der Gemeinden so sehr nährte. Aus diesem Grunde war die polnisch-jüdische Synode auch auswärts angesehen; selbst entfernte deutsche Gemeinden und Private, die sich über Unbilden zu beklagen hatten, wandten sich an diese höchste Behörde in der Gewissheit, von ihr Abhilfe ihrer Beschwerden zu erlangen?) Feldmarschall Graf Moltke in seiner interessanten Studie (1832) über Polen und Litthauen, spricht sogar von einem eigenen jüdischen Reichstag, womit diese Synode natürlich gemeint ist. Erwähnt sei noch, dass die Synode auch zwei deutsche Bibelübersetzungen von Blitz und Witzeuhausen (in der damaligen jüdischdeutschen Mundart) privilegirte. Diese Thatsache, dass ein so großartiges Unternehmen von zwei Seiten begonnen und officiell approbirt werden konnte, wirft ein Streiflicht auf die Ausbreitung der deutschen Sprache bei den Juden?) Außer der General-Synode (Sejm) tagten noch öfters kleine Bezirks-Synoden (Sejmiki), die mit der General-Synode der vier Länder in Fühlung standen. Die Juden Litthauens aber besaßen noch die hohe Kraft, neben ihrer Betheiligung an der General-Synode, eine eigene Landes-Synode zu unterhalten, in derselben Art und Weise, wie die große. Unter Führung der Gemeinde Brest hielten sie chre regelmäßigen Versammlungen an den litthauischen Jahrmärkten und leiteten die gesummten Angelegenheiten nach allen Hinsichten der litthauisch jüdischen Interessen. Es existiren von dieser Synode die Protokollbücher von 1623 bis 1761, während 138 Jahren, sämmtliche Beschlüsse dieser Landessynode. In letzter Zeit sind mehrere Auszüge aus diesen Beschlüssen veröffentlicht worden?) Dem Erscheinen des gesammten reichen Materials stehen anscheinend Zensurbedenken vorläufig im Wege. Etwaige Differenzen zwischen der Landes-Synode Litthauen und der Vier-Länder-Synode wurden auf den Jahrmärkten in 0 Grätz, Bd. IX, p. 464 ff. und Note 9. Ferner Bd. X, p. 55 und mehrere hebräische Quelle«. 2) M. Friedeberg, Bilder von der Ostgrenze, p. 43. s) Durch Dr. Harkavi und Feinstem, in den hebräischen Jahrbüchern „Haosfis" und „Kneffeth-Jsrael". Lublin, Jaroslau und in Lenczno untereinander bestmöglich geordnet. So sind unsere Alten in friedlicher Erbauung aus allen Kämpfen, aus Leid und Drangsal siegreich hervorgegangen. Sie die Besten ihrer Zeiten, die im Gegensatz zu den dunklen Verhältnissen, in denen sie lebten, verstanden haben, nur Gutes zu stiften, das reine Familienleben zu fördern, Friede, Einigkeit, weise Erkenntnis und edle Geistesthätigkeit zu mehren und das Judenthum so durch all' die Jahrhunderte zu erhallen, diese edlen Ordner und Bildner unseres zerstreuten Volkes im Wechsel aller Tage aller Zonen, die haben gelebt für alle Zeiten. Verschiedene Vachrichten. Persoualnachrichteu. Fräulein Etty Friedmann, Tochter des Herrn Lector M. Fried mann in Wien, hat sich mit Herrn Gustav B o r i s e w i tz, Juwelier in Wien, verlobt. Wien. Donnerstag, den 23. August, wurde der zur Erinnerung an das Regierungsjubiläum des Kaisers neuerbaute Tempel in Simmering, Braunhubergasse Nr. 7, eingeweiht. Unter den Festgästen bemerkte man Regierungsrath Frankl in Vertretung der Polizeidirection, den Polizei- Bezirksleiter-Stellvertreter von Simmering, Commissär Dusik mit dem Polzeicommissär Dr. Klecka und dem Polizei-Bezirksarzt Dr. Wengras, den Oberlandesgerichtsrath Schober, den Architekten G a r t n e r, nach dessen Plänen der Bau ausgeführt wurde, Baumeister Melcher, der den Bau geleitet, den Cultusvorsteher Baurath Ritter von G o l d - schmidt, die kaiserlichen Räche Wilhelm Pollak, Friedrich Vogel und Dr. Theodor Lieben, den Präses des Tempelvereines Alexander Vogel mit den Vorstandsmitgliedern. Um halb 4 Uhr Nachmittags nahm die Feier mit einem Orgelpräludium ihren Anfang. Nach demselben wurde der große Haleluja von Sulz er vom Chor des Stadttempels unter Leitung des Professors Jos. Sulz er executirt, wobei die Soli des Herrn Cantor Schäfer besonders zur Geltung kamen. Der Obmann des Tempelvereines erwähnte in seiner Festrede, dass der Grundstein zu diesem Gotteshause zu Ehren des fünfzigjährigen Regierungsjubiläums des Kaisers am 2. December 1898 gelegt wurde, und dass das Gotteshaus ein Werk der Kaisertreue und des Patriotismus sei, und schloss mit einem Hochrufe aus den Kaiser, in welchen die Anwesenden begeistert einstimmten. Das ewige Licht zündete Herr Rabbiner D. L 8 w y an, worauf Rabbiner Dr. Schmied! die Festrede hielt. Mit der Kaiserhymne schloss die erhebende Feier. Die Rabbinen und der Cantor erhielten allseitige Anerkennung. Baden, 27. August (Bar-Mizwah-Feier.) Am Samstag, 20. Elul, feierte der älteste Sohn des Herrn Baron Alexander Popper, Ritter von Podragh, in unserem Tempel sein Bar-Mizwah-Fest. Die von unserem Herrn Rabbiner Wilhelm Reich an den Confirmanden gerichtete Ansprache machte durch ihren pointirten Inhalt aus alle Anwesenden, insbesondere jedoch auf den Confiriuauden und dessen edlen Vater den ergreifendsten und wohlthuendsten Eindruck. Die Elogien vor der Thora wie die „Hastora" selbst, executirte der Confirmand mit überraschender Bravour. Der mildthätig gesinnte Vater wie der Confirmand bedachten bei diesem Anlasse unsere Wohlthätigkeits-Anstalten in der munificentesten Weise. Sie spendeten für den Tempel fl. 250, der „Chewra Kadischah" fl. 250, der „Talmud-Thora fl. 600, dem Israelitischen Frauen-Wohlthätigkeitsverein fl. 600, an die Armencasse fl. 250 und den „Meworchim" fl. 250, zusammen fl. 2a00. Wie tief ergriffen Herr Baron Popper von dem feierlichen Acte war, zeigte er, indem er unseren Herrn Rabbiner, als dieser ihm gratulirte, im Tempel vor der ganzen Gemeinde wiederholt küsste, womit er zugleich ein glänzendes Zeugnis für sein tief jüdisches Fühlen und Empfinden ablegte. Von unserem Herrn Cultusvorsteher Herrn Anton Schneider beglückwünscht, äußerte Baron Popper, dessen Neffe I. Fränkl am Sabbath' zuvor ebenfalls in unserem Tempel das Bar-Mizwah-Fest feierte, dass beide stattgehabten Weiheacte, sowie das Ensemble in unserem Tempel auf ihn den angenehmsten und erfreulichsten Eindruck gemacht haben. Znaim. Herr Rabbiner Dr. Isidor K ah a n aus Waidhosen a. d. Thaya wurde einstimmig als Rabbiner der hiesigen Cultusgemeinde gewählt. Austerlitz. Freitag, den 18. August fand anlässlich des Geburtsfestes Seiner Majestät des Kaisers, wie alljährlich, ein Festgottesdienst in unserem

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