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Die Wahrheit · 1899-08-21 · Heft 27 (21.8.1899) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 27 (21.8.1899)
Date
1899-08-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit. hinzugefügt, dass sie Koscherfleisch im Sinne des Herrn Rabbiners, d. h. von dem Gemeindeschächter geschachtetes und unter dessen Aufsicht ausgeschrotetes Fleisch nur beim Fleischhauer Bogner in Kierling kaufen können. Kurz darauf erhielt der CultusVorsteher von einem Wiener Advocaten die Aufforderung, die Kundmachung zurückzuziehen, allsonst er klagbar auftreten werde. Hierauf erwiderte der Vorstand, dass er zur Rücknahme der Kundmachung keinen Anlass und keine Berechtigung hätte, und Herr K. möge nur die Gemeinde klagen, was er aber unterließ, weil er seinen Jrrthum sich selbst gestehen musste. Erst nach dieser nutzlosen Androhung mit der Klage, glaubte Herr K. mit der Veröffentlichung eines unwahren Sachverhaltes der Gemeinde beizukommen. Da jedoch auch dies erfolglos blieb, kam Herr K. jüngst zum Vorstande und bat um Rücknahme der Kundmachung, wogegen er erklärte, er wolle sich den Anforderungen der Gemeinde, resp. des Rabbinats fügen. Wenn er vom Anfang an correct vorgegangen wäre, so wäre es der Gemeinde nie in den Sinn gekommen, ihm irgendwie entgegenzutreten; denn in den heutigen schweren Zeiten ist es Jedermanns Pflicht, vor Allem aber die Pflicht einer Cultusgemeinde, die Glaubensgenossen zu unterstützen, allein Herr K. hat sich in Folge seines Vorgehens die Unannehmlichkeiten selbst bereitet. Budapest. In einem hiesigen jüdischen Blatte wurde vor einigen Tagen die Nachricht verzeichnet, dass die Miskolczer orthodoxe Gemeinde einen Dajan gemaßregelt hätte, weil derselbe von den Predigten und Vorträgen des vr. Spiro demonstrativ fernblieb. Bei dieser Gelegenheit wurde auch ein Protokoll veröffentlicht, laut welchem die Maßregelung des Dajan damit begründet wird, dass der betreffende Kanzelredner in seiner Stelle auch durch die orthodoxe Landeskanzlei „sanctionirt" wurde. Mt Rücksicht darauf, dass gerade das Gegentheil davon wahr ist, da die Kanzleileitung gegen die Jnstallirung des Dr. Spiro ankämpfte, forderte die orthodoxe Kanzlei die Miskolczer Gemeinde auf, die erwähnte Motivirung der Maßregelung des Dajan als auf Unwahrheit beruhend zu dementiren. Als dieses Schreiben unbeantwortet blieb, ging an den Vorstand der Miskolczer Gemeinde ein Telegramm, in dem neuerdings die Richtigstellung gefordert wurde. Hierauf langte seitens des Vorstandes in Miskolcz nachfolgende telegraphische Antwort ein: „War abwesend, entschuldigt verspätete Antwort. Hinsichtlich bewusster Angelegenheit melde, dass der Gemeindenotür krankheitshalber seit drei Monaten auf Urlaub, dessen Stellvertreter jedoch in Unkenntnis der Vorgänge und Verhältnisse die bewusste Stelle thatsächlich in das Protokoll hineingeschrieben hat. Nachdem es jedoch nicht wahr ist, dass die orthodoxe Dienstführungs-Commission die Wahl des Or. Spiro gutgeheißen habe, habe ich kraft meines Rechtes als Präses verfügt, dass diese Stelle im Protokolle gestrichen werde, vr. Gencsi, Präses der orthod. israel. Gemeinde zu Miskolcz." Heimweh. Erzählung von Eduard Kulke. (13. Fortsetzung.) Einen den Du sehr gern hast — war die Antwort. Und was will ich von ihm? Dass er zu Dir zurückkommt. Will ich ihn heiraten? — fragte das Mädchen listig und heftete ihre Augen noch strenger auf das Zigeunerweib; diese aber antwortete: Armes Kind! Du wärst ja schon froh, wenn er nur nicht einer Andern nachläuft! Und was ist es mit der Andern? Hat die ihn einmal gefangen, so wird sie Dir ihn nicht zurückgeben. Und hat er mich auch gern? Die Andere hat er lieber. Lieber als mich? Lieber als Dich, lieber als wie seine Schwester, lieber als wie sein' Vater, als wie seine Mutter. Nr. 27- Du lügst! — rief das Mädchen. Armes Kind! — sprach die Zigeunerin — lass' ihn laufen, er wird es einmal bereuen! zu spät! Nein! nein! — rief Finkel — es ist noch nicht zu spät; ich muss ihn heim bringen; ich muss, ich muss! ich hab's meinen Eltern versprochen! — und so ließ sie die Zigeunerin stehen und eilte weiter. Kaum war sie einige Schritte gegangen, da hörte sie ihren Namen rufen und als sie sich umwendete, rief Machel Dorfgeher, der eben des Weges hinter ihr herkam: Finkel, was läufst Du so? man kann Dir ja gar nicht Nachkommen! Was hast Du da mit der Zigeunerin vorgehabt? Der Dorfgeher war während dieser Fragen an das Mädchen, das auf ihn wartete, herangekommen, und sie setzten nun den Weg gemeinsam fort. Bündige Auskunft konnte ihm Finkel auf seine Frage nicht ertheilen. Warum sie so sehr eile, konnte sie nicht sagen, denn sie schämte sich zu gestehen, dass sie den Bruder suche, sie schämte sich zu gestehen, dass er die Nacht nicht nach Hause gekommen sei. Deshalb suchte sie mit allerlei Zwischenfragen und Zwischenreden, die sie an dies und jenes anknüpfte, seinem forschenden Auge auszuweichen. Indem sie dieses that, ward es ihr aber klar, dass sie ja im Dorfe auf ähnliche Fragen zu antworten haben werde, und namentlich dem Niederhuber, dem Fleischhauer, sollte ihr Bruder nicht bei ihm sein, ihm werde sie ja doch sagen müssen, weshalb sie eigentlich zu ihm herauskomme. So dachte sie denn auf etwas Anderes, als an das, wovon sie mit dem Dorfgeher eben sprach und zeigte hiedurch ein auffällig zerstreutes Wesen. Sie kamen an dem Walde vorbei, der ihrem Bruder gestern Abend Veranlassung zu so düstern Gedanken gegeben; an dem Teich vorüber, aus dem ihm gestern das Quaken der Frösche entgegenscholl, an dem Kirchhof vorbei, der ihn die große, gewaltige Unruhe seines Herzens nur um so tiefer empfinden ließ. Der Wald hatte jetzt nichts Düsteres, nichts Unheimliches; er lud vielmehr ein, sich in seinen Schatten zu begeben und vor der höher aufsteigenden Sonne Schutz zu suchen. Im Teich war es jetzt stille, denn die Nachtmusikanten lassen sich am Tage nicht hören, und der Kirchhof, dessen Kreuze und Steine im Glanze des Mondenscheins ein magisches Aussehen haben, erweckt ganz andere Gedanken und Empfindungen, wenn diese statt vom Monde, von der Sonne beglänzt werden und wenn das geschäftige Tagestreiben der Landleute die Ruhe, die endlich jedes Menschenherz da findet, vergessen lässt. So ging die Schwester denn allerdings in ganz anderer Stimmung an diesem Orte vorbei, als der Bruder am Abend vorher; aber frei war ihr Gemüth darum doch nicht, beklommen und beängstigt fühlte sie sich nicht minder, als er, und um so beklommener und beängstigter, je näher sie dem Ziele ihrer Wanderung kam, je näher der Augenblick heranrückte, wo ein Wort, ein Blick es ihr sagen konnte, ob sie den Bruder findet oder nicht. Indem sie nun so weiter ging, traf sie einen Trieb Ochsen, der ihrem Vater gehörte; sie erkannte zwar nicht die Ochsen als ihres Vaters Eigenthum, wohl aber erkannte sie den Ochsentreiber, der bei ihrem Vater in Diensten stand. Und wie das Bewusstsein des Besitzes immer den Muth stärkt und belebt, so fühlte auch sie beim Anblick der ihrem Vater gehörigen Thiere, die da ruhig auf's Dorf hinaus gingen, ihren Muth wachsen, sie fühlte, dass sie um Antworten auf etwaige Fragen nicht verlegen sein werde, sie kam — in Geschäftsangelegenheiten, sie kam zu dem Fleischhauer mit den Ochsen ihres Vaters; der Vater hatte diesmal sie anstatt des Bruders gesendet. Warum? Das geht Niemand an; weil er es just so gewollt. Wer hat ihm denn etwas vorzuschreiben? Konnte Wolf als Ochscnhändler mit seinen eigenen Ochsen nicht schicken, wen er eben wollte? — Und mit diesen Betrachtungen, die sie im Stillen bei sich anstellte, nahm sie dem Ochsentreiber, um sich in ihre Sendung 'ja ganz hineinzuleben, sogar den Stecken aus der Hand und ging rufend und antreibend mit diesem hinter den Thieren her. (Fortsetzung folgt.)

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