Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1899
- Issue
- Heft 27 (21.8.1899)
- Date
- 1899-08-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 27. Die Wahrheit. Seite 5. Mittel zu beschaffen — aber beides wird umso leichter und rascher möglich sein, wenn erst die dritte Aufgabe erfüllt, das ganze jüdische Volk zum Zionismus gelangt ist.Herr- Marmor ek berichtete über die innere und äußere Propaganda und gelangte hierauf zur Gründung der jüdischen Colonialbank, deren Erfolge er trotz der Anfeindungen von jüdischer und nichtjüdischer Seite als ausgezeichnete hinstellte. Nach Erstattung des Finanzberichtes durch Dr. Koke sch (Wien) referirte Dr. Niemirower (Jassy) über die Thätigfeit der Zionisten in Rumänien, Professor G o t t h e i l (New-Iork) über den Stand der Bewegung in den Vereinigten Staaten, dessen Gattin Frau Professor Gott heil über die zionistische Frauenbewegung in Amerika und Frau Bernstein über den Zionismus in Russland. Hierauf wurde die Sitzung geschlossen. Mt Geschichte der Mischen Traditio». Von Lector I. H. Weist. Frei aus dem Hebräischen bearbeitet von Dr. I. Kahan. LY. Abschnitt. Stand der Thoraforschung bei der Rückkehr aus dem babylonischen Exil. (Fortsetzung.) Mit dem Falle des mächtigen Babel und dessen Eroberung durch die Perser belebte sich die Hoffnung der gefangenen Israeliten, welche sich nach dem Lande der Väter sehnten. — „Wenn die Verkündigungen unserer Propheten bei Babel eingetroffen sind, warum sollten ihre Verheißungen für uns nicht in Erfüllung gehen?" — Und ihre Hoffnung hat sie nicht getäuscht. Denn kaum war Cyrus zur Negierung gelangt, als er den Israeliten die Erlaubnis ertheilte, in ihre Heimat zu ziehen und in Jerusalem den Tempel wieder aufzubanen. Von dieser Erlaubnis haben sogleich 42.360 Männer mit ihren Frauen und Kindern, Sclaven und Mägden Gebrauch gemacht und unter Anführung Serubbabels, eines Nachkommens Davids, und Josuas, des Hohenpriesters, zogen sie hinauf, um ihrer heiligen Religion einen festen Bestand zu sichern. In Palästina angekommen, war ihre erste Sorge, einen Altar in Jerusalem zu bauen, wo sie die vorgeschriebenen Opfer darbringen konnten. Aber der Tempel konnte so rasch nicht erbaut werden, da die Feinde durch Jntriguen und Verleumdungen es zu verhindern verstanden. Erst im sechsten Regierungsjahre Darius' II. wurde der Tempel vollendet und eingeweiht. Bei der Darbringung der Weihe-Opfer haben sie sich weder in der Art, noch in der Zahl nach der Vorschrift der Thora gerichtet (Esra 6, 17), wie überhaupt die Thoraforschung in dieser Zeit sehr im Argen lag. Erst dem Priester und Schriftgelehrten Esra war es Vorbehalten, die Thora und ihre Erforschung im Volke heimisch zu machen, weswegen er auch von den Alten dem Gesetzgeber Moses gleichgestellt wurde, da er die vergessene Thora wieder begründet hätte. Wohl in Anbetracht dessen, dass die Priester, denen bis jetzt die Obhut der Thora anvertraut war, den Verfall derselben gerade am meisten verschuldet hatten, verzichtete jetzt Esra auf das Amt des Hohenpriesters und begnügte sich, allein durch seine Gottesgelehrsamkeit zu wirken. So hat er durch seine Geschicklichkeit, Thorarollen anzufertigen, für die Verbreitung derselben gesorgt, und durch Einführung regelmäßiger Thoravorlesungen an Sabbath- und Festtagen legte er den Grund zu deren Erforschung und allgemeinen Kenntnis. Dem Volke, welches das Hebräische nicht verstand, wurde das Verlesene in seine Sprache übersetzt, außerdem wurden erklärende Bemerkungen beigefügt, entweder um scheinbare Widersprüche zu lösen, oder dunkle Stellen zu erläutern und die Gesetze zu begründen. Ein ganz hervorragender Fall in der Auffassung eines Thora-Verbotes liegt uns in der Klage über die eingegangenen Mischehen vor (Esra 9). Die Thora verbietet nur die Ehe mit den sieben Völkerschaften des alten Kanaan, sowie mit den Ammoniten, Moabiten und anderen Völkerschaften mit gewissen Beschränkungen. Hier aber wird die Klage allgemein gehalten: der heilige Samen habe sich vermischt mit den Völkern der Länder! Man hat also das Verbot der Thora allgemein verstanden, trotz seiner ausdrücklichen Beschränkung auf gewisse Völkerschaften. Aber mit vollem Recht, da die Thora für ihr Verbot den Grund anführt, dass durch die Mischehe der Abfall von Gott und die Aneignung von Schlechtigkeiten gefördert werde. So folgerten sie richtig, dass dies Verbot auch bei anderen Völkern gilt, und die Thora hat nur bestimmte Völker als Beispiel genannt. Mehrere Gesetze, zu deren Beobachtung sie sich auf Veranlassung Nehemias' durch einen förmlichen Bund verpflichteten, zeigen uns den Geist, mit dem die Thora damals aufgefasst wurde. Ganz besonders haben sie sich durch Einschwur verpflichtet, die Waaren, welche die Bauern am Sabbath in die Stadt brachten, nicht zu kaufen. Auch zankte Nehemia die vornehmen Judäer tüchtig aus, dass sie den Sabbath entweihten und ihre Einkäufe an ihm besorgten. Der Sabbath soll eben dadurch geheiligt werden, dass an ihm nicht nur die Arbeit, sondern auch alle gewöhnlichen Beschäftigungen ruhen. So hat man damals die Thora verstanden, nicht wie die Späteren, welche den Kauf und Verkauf als von der Thora nicht verboten erklären, nur sei zu befürchten, man könnte dabei schreiben, weswegen es erst später verboten worden fei. Zum Zwecke der Erforschung und Auslegung der Thora haben sich damals mehrere Männer zusammengefunden, unter dem Namen der Großen Versammlung. Anfang und Dauer dieser Körperschaft ist in Dunkel gehüllt. Die Weisen des i jerusalemischen und babylonischen Talmud verlegen den Anfang in die Zeit Esras; die Mitgliederzahl schwankt zwischen 120 nach dem babylonischen und 85 nach dem jerusalemischen. Man muss aber die Männer der Großen Versammlung nicht mit den Schriftgelehrten verwechseln. Diese erforschten und erklärten die Thora theoretisch, während jene die oberste gesetzgebende Behörde bildeten, welche die Erforschung der Schriftgelehrten praktisch verwertheten. So sehen wir denn gleich die herrlichen Früchte reifen, deren Keim Esra gelegt hat. Mit der allgemeinen Kenntnis der Thora zog ein neuer, erfrischender Geist in das Volk, welches; - nunmehr zu neuem Leben erwachte. Allerdings wurden die jl \ Bahnen, die Esra in der Thoraforschung vorgezeichnet, mit der Zeit verlaffen, wie wir in den nächsten Abschnitten sehen werden.;;; (Fortsetzung folgt.) i Jonathan Eibenlchih. Bon Dr. M. 8. Stern, Ung.-Brod. (Fortsetzung.) Das ist mit Hilfe der Buchstaben-Combinationen und Per- : Mutationen nicht überaus schwer, wie uns schon ein Capitel der j; Combinationslehre in einer gewöhnlichen Algebra genügenden Einblick in diese Kunst gewährt. Aber auch diese Kunst der Buch-