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Die Wahrheit · 1899-08-11 · Heft 26 (11.8.1899) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 26 (11.8.1899)
Date
1899-08-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 26. Die Wahrheit, Seite 7. diese Schule, bleiben dort fünf Jahre und erhalten während dieser Zeit einen außerordentlich praktischen Unterricht nicht nur im Lesen, Schreiben, Rechnen und Sprachen, sondern auch in der Agricultur. Sie sind vom Morgen bis zum Mittag als Landarbeiter auf dem Felde beschäftigt und den Nachmittag widmen sie dem Schulunterricht. Während der letzten beiden Jahre ihres Aufenthaltes wird mehr Zeit auf den Ackerbau, als auf die Schule verwendet. An Sprachen wird gelehrt hebräisch, Arabisch, Französisch und etwas Türkisch, dabei ist zu bemerken, dass die Leiter der Kolonisation dahin übereingekommen sind, dass das Hebräische die Sprache der Colonisten werden soll. Dasselbe wird daher in allen Schulen unterrichtet, und schon hört man die Kinder sich miteinander bei ihren Spielen in hebräischer Sprache unterhalten. Die nächste Colonie. die ich besuchte, war eine des Baron Rothschild, Ri schon le-Zion. Vor vielen Jahren war ich über den Boden geritten, auf dem jetzt dieses Dorf liegt, aber damals war es nichts, als ein Strich anscheinend werthlosen wüsten Landes. Ich zweifle nicht daran, dass die Verkäufer es als ein ganz werthloses Areal den ersten Colonisten anzuschmieren dachten. Während der ersten Jahre hatten die Colonisten hart zu kämpfen, aber Baron Edmund Rothschild kam ihnen zu Hilfe und jetzt ist Rischon le-Zion einer der Glanzpunkte Palästinas. Das ganze Terrain ist mit Weinbergen, Obstgärten und Orangenpflanzungen bedeckt und daneben wird eine Menge Gerste gebaut. Aber der charakteristischste Zug in dem Bilde dieser Colonie ist die mächtige Weinfabrik mit enormen Kellereien und die Kelterung ist höchst interessant. Von Wichtigkeit erscheint, dass die Herstellung der Weine sehr sorgfältig überwacht wird und dass letztere nur aus reinem Traubensaft bestehen. Cognac wird ebenfalls erzeugt und, obwohl erst drei Jahre alt, verspricht er den besten französischen Qualitäten gleich zu worden. Auch Essenzen werden dort fabrizirt; ein großes Terrain ist für die Anpflanzung von Geranium reservirt und man zeigte mir den Process, durch den die Wohlgerüche destillirt werden. Die Colonie, welche mich am meisten interessirte, war Ekron. Der Gartenbau wird hier von einem gebildeten rumänischen Juden geleitet, der einer der tüchtigsten Männer ist, die ich in Palästina traf. Der Boden von Ekron ist etwas besser, als der von Rischon, aber seine Bearbeitung ist staunenswerth. Ueberallhin wird durch Dampfmaschinen und Pumpen, stellenweise auch durch altmodische Räderwerke das Wasser hingeleitet und das ganze Grundstück ist ein großer Garten. Nie in meinem Leben sah ich einen schöneren Platz, und diese Colonie zeigt, was die Gegend einst war, was sie ist und was sie werden kann. Alles in Ekron wächst in leichter Ueppigkeit: Orangen, Citronen, Mandeln, Aprikosen, Granatäpfel, Ethrogim und Oliven. In Bezug auf die Olivencultur möchte ich ein interessantes hier gemachtes Experiment ertheilen. In Palästina kommt der einheimische Olivenbaum erst nach zwanzig Jahren zur Reise, allein man hat ausprobirt, dass der mit französischen oder spanischen Oliven gepropfte schon in acht bis zwölf Jahren Frucht bringt. Eine andere interessante Colonie, die ich leider nicht besuchen konnte, ist K astin eh. Man hatte dort vor zwei Jahren ernste Schwierigkeiten, welche aber jetzt völlig überwunden sind, und die Colonie scheint auf dem Wege zum Erfolg zu sein. In einer anderen der von mir besuchten Colonien haben mehrere Ansiedler die Bienenzucht mit großem Erfolg unternommen. Später besuchte ich Pethach Tikwah, eine Colonie, die zuerst verhältnismäßig misslungen war, weil auf dem Terrain derselben Malaria herrschte; aber die Colonisten pflanzten große Mengen von Encalyptus- Bäumen rund um das Dorf, und diese Waldungen scheinen den Einfluss der Fieber-Dünste, die von den benachbarten Sümpfen ausströmen, aufgehoben zu haben, so dass der Gesundheitszustand der beste ist. Als ein Beispiel, welche Schwierigkeiten die Colonisten zu überwinden hatten, will ich erwähnen, dass das Land der Colonie viel fruchtbarer hätte gemacht werden können, würde man Wasser von dem Flusse, der in der Nähe fließt, zu Berieselungszwecken genommen haben. Aber das ganze Nordufer des Flusses gehörte einem alten muhammedanischen Derwisch, welcher einflussreicher ist, als mancher Provinz-Gouverneur, und dieser Mann erlaubt nicht, dass dem Flusse Wasser entzogen wird, selbst nicht zu Canalisations - Zwecken. Nördlich von Pethach Tikwah liegt eine andere Colonie, die ein auffallendes Beispiel von der Zähigkeit der jüdischen Colonisten liefert, welche sich in Palästina niederlassen wollen. Das Terrain ist vielleicht das fruchtbarste im heiligen Lande, aber unglücklicherweise sind die alten Drainagewerke verfallen, und die türkische Regierung wollte nicht erlauben, dass sie wieder hergestellt würden, so dass in Folge der so entstehenden Sümpfe die Colonie ungesund wurde und fast ein Drittel der daselbst Ansässigen starben. Man bot den Ueberlebenden an, sie auf einen anderen Platz zu versetzen, aber sie weigerten sich den Ort zu verlassen, wo sie sich einmal niedergelassen hätten. Baron Rothschild hat dann eine Menge Eucalyptus pflanzen lassen und so schon eine merkliche Verbesserung in dem Gesundheitszustand der Colonie erzielt. An einer Seite derselben dehnen sich große Sümpfe aus, die der Regierung gehören; da diese die Gefahr durch ihre Ausdünstungen vergrößerten, hat der Baron jetzt der Regierung angeboten, diese Sümpfe anzukaufen, um sie mit Eucalyptus zu bepflanzen. Die nächste von mir besuchte Colonie, Sichron Jaacob, gedeiht vorzüglich, aber leider haben die Weinberge vor einigen Jahren durch die Reblaus gelitten und mussten neu angepflanzt werden, so dass sie erst jetzt tragen. Dieses Dorf hat die besten Straßen in Palästina, die ganz und gar von den Colonisten gebaut sind, denn die türkische Regierung verweigert jede Hilfe. Sobald man die Colonien verlässt, ist man wieder auf den schlechten Wegen, die in ganz Palästina üblich sind. Sichron Jaacob ist von kleinen Colonien umgeben, denen es gut geht. Ich besuchte dann eine andere Colonie im Norden des Sees von Galiläa, Rosch Pinah. 1882 ritt ich durch diese Gegend und damals war im Jordanthal noch nichts von Cultur zu sehen; jetzt haben die Colonisten zwei Drittel des Thales in einen schönen Garten verwandelt. Als ich zuerst nach Rosch Pina kam, fielen mir die weiten Gerstenfelder auf. dann kamen die Häuser und die prachtvollen Mandel-, Aprikosen- und Maulbeerbäume, welche das ganze Bild des Jordanthales verändert haben. Diese Colonie besitzt eine Seidenspinnerei, in der eine große Anzahl Mädchen beschäftigt sind, die von Safed die Berge Herabkommen, um in dieser Fabrik zu arbeiten. Als ich dort war, richtete ein Heuschreckenschwarm großen Schaden an. Für den in London Lebenden ist es schwer zu begreifen, welche Zerstörung solche Insekten anrichten können. Bei dieser Gelegenheit griffen sie die Mandelbäume an, und, obwohl die Früchte außer der harten Schale noch eine zweite dicke grüne haben, fraßen die Heuschrecken beide Schalen bis auf den Kern durch. Die Insekten griffen auch die Eucalyptus an und fraßen sie vollständig kahl, endlich richteten sie auch bei dem Korn Schaden an. Auch die Colonie Machnaim besuchte ich. Das Land dieses Dorfes ist außerordentlich gut und fruchtbar, aber mein Besuch bestätigte mir, was ich schon vorher gehört hatte, dass die Colonisten infolge des Widerstandes seitens der türkischen Regierung mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen Hütten. Ohne Erlaubnis der Negierung darf Niemand Häuser bauen; diese Erlaubnis zu erhalten ist aber gegenwärtig sehr schwierig, denn es sind neuerdings Ordres aus Constantinopel gekommen, wonach den Juden untersagt ist, Häuser zu bauen, dagegen ist es gestattet, Ställe für das Vieh zu errichten; daher sieht man viele Hütten aus Holz, welche anscheinend Ställe für Pferde und Ochsen sind, aber jetzt leben nothgedrungen viele Familien darin. In Machnaim steht ebenfalls die Erlaubnis zum Häuserbau noch aus; die Colonisten versuchen daher große hölzerne Baracken zu errichten, ähnlich denen, wie sie die Hinterwäldler in Amerika erbauen, wenn sie anfangen, eine Colonie zu bilden. Die Einrichtung und Ordnung in dieser Baracke in Machnaim ist so vorzüglich, wie nur möglich; dieselbe ist außerordentlich sauber gehalten, und man kann sie mit den beftgehaltenen Militär-Baracken in England getrost vergleichen. Gerade ehe ich in die Colonie kam, war dort ein Schwarm Heuschrecken eingebrochen, der die Kartoffelpflanzungen angegriffen hatte, und ich fand die Colonisten

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