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Die Wahrheit · 1899-08-01 · Heft 25 (1.8.1899) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 25 (1.8.1899)
Date
1899-08-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. 0esterreichisch-nngarische Cantoren-Ieitung." Nr. 25. als geistiges Oberhaupt der Gemeinde waltete seines Amtes immer im Einverständnis mit der civilen Verwaltung seiner Gemeinde. Schon in den jüdischen Synoden der drei Städte Speyer, Worms, Mainz, der tonangebendsten des deutschen Judenthums von damals, lautet im 13. Jahrhundert eine Bestimmung: „Dass weder der Rabbiner ohne Zustimmung der Gemeinde, noch diese ohne jenen befugt sei, einen Bann über Jemanden auszusprechen. Selbst wenn mehrere auswärtige Rabbiner einem Stadtrabbiner zu einem Banne zustimmen sollten, habe dieser keine Giltigkeit, solange die Gemeinde nicht damit einverstanden ist." Welch' ein tiefer Abstand zwischen der Synagoge und Kirche! Im Kirchenstaat galt die Gemeinde gar nichts, sie war nur gehorsame Dienerin des Geistlichen, bei den Juden war die Gemeinde mit ihrem geistlichen Führer gleichberechtigt.*) (Fortsetzung folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wien. -Sonntag, den 30. Juli, 1IA Uhr Nachmittags, fand im Stadttempel, I., Seitenstettengaffe 4, die Trauung des Herrn Dr. Theodor- Heller mit Fräulein Ella Flaum statt. Der Bräutigam ist ein Sohn des Director Heller vom israelittschen Blinden-Jnstitute auf der Hohen Warte. Die Trauung, welcher zahlreiche Gäste beiwohnten, vollzogen Ober-Rabbiner Dr. Güdemann und Ober-Cantor Singer. Boskowitz. (40jähriges Dienstjubiläum.) Anlässlich des 40jährigen Dienstjubiläums des Herrn Adolf Hatschek als Obercantor und Lehrer fand hier am 22. v. M. ein solenner Fackelzug mit einer Serenade statt, welcher ein bis 3 Uhr Früh währendes Gartenfest folgte. Dem Jubilar wurden bei dieser Gelegenheit zahlreiche Ovattonen bereitet und kamen ihm auch von Nah und Fern Glückwunsch-Telegramme zu. Auch die am 23. v. M. stattgehabte Schulfeier erstellte sich eines maffenhasten Besuches, nur musste das für Abend projecttrte Bankett, in Folge des eingetretenen Gewitters, auf Samstag, den 29. v. M. verschoben werden. Tesche». Am 1. Angust begeht unser Ober-Cantor, Herr M. P oborsky, sein 25jähriges Dienstjubiläum in unserer Gemeinde. Der Jubilar erfreut sich in Folge seiner ausgezeichneten Amtsthättgkeit allgemeiner Sympathien, die an seinem Jubelfeste gewiss auch mannigfachen Ausdruck erhalten werden. Der vermeintliche heilige Leuchter. Aus Rom wird berichtet: Vor einigen Wochen brachten nicht nur jüdische, sondern auch politische Blätter die Nachricht, dass hier bei den von der Regierung veranstalteten Ausgrabungen der Leuchter aus dem heiligen Tempel zu Jerusalem, und zwar der, den Herodes hatte anfertigen lassen, gefunden worden sei. Diese Nachricht erweist sich jedoch als eine irrige, denn der Leuchter, der bei den Ausgrabungen am konbe Sixto (Sixtusbrücke) aufgefunden wurde, ist ein einfacher broncener Leuchter — der im Tempel von Jerusalem in Gebrauch gewesene war bekanntlich aus massivem Golde der von einem römischen Künstler etwa zweihundert Jahre vor der Zerstörung des Tentpels angefertigt wurde, und zwar für den einfachen Hausgebrauch. Der Leuchter hat auch gar keine Aehnlichkeit mit dem Leuchter, der auf dem Triumphbogen des TituS mit noch anderen Gefäßen aus dem heiligen Tempel eingemeißelt zu sehen ist. Zudem ist es ja auch dem römischen Chronisten bekannt, dass der Leuchter aus dem jerusalemittschen Tempel von den Vandalen, als sie Ron: unter ihrem Könige Geiserich Plünderten, in die Tiber geworfen wurde, wo er noch heute im Schlamme vergraben liegt. Er kann daher nicht anderwärts vergraben worden sein. Nach der Zerstörung des jerusalemittschen Tempels wurde dieser Leuchter sammt dem goldenen Tische, auf dem die Schaubrode lagen, in einem Tempel auf dem Capitole untergebracht, während die goldene Tafel, welche die Königin Helene von Codiabena nach ihrem Uebertritte zum Judenthume im heiligen Tempel aufstellen ließ, und auf der die MöD nEHS mit schwarzem Lacke geschrieben war, im Colosseum mit noch anderen jerusalemittschen Kostbarkeiten hinterlegt war. Bei einem Brande, der dann das Coloffeum eiuäscherte, wurden auch alle Kleinodien zerstört. Vom Tempel *) Grätz, Geschichte der Juden, Bd. VII, p. 122. ttt Jerusalem, der einst unser Stolz und unser Ruhm war, ist heute nichts mehr vorhanden, als nur eine Alabastersäule, die in Rom in einer Kirche zu sehen ist. So hat Israels Ruhm geendet. Hamburg. Fräulein Betty Leimdörfer, Tochter des Herr Rabbiners Dr. D. Leimdörfer, hat sich mit dem k. u. k. Reserve-Lieutenant, Herrn Samy Holzmann, verlobt. Posen. Sonntag, den 16. Juli wurde unter allgemeiner Theilnahme Rabbi Mose Gradenwitz zu Grabe getragen, der 35 Jahre hindurch in der hiesigen Gemeinde als Seelsorger wirkte. Der Verblichene, ein Sohn des berühmten Rabbi Raphael Gradenwitz in Rawisch, war einer der bedeutendsten Gelehrten Deutschlands und von seltener Frömmigkeit. rrs'rrn. Görlitz, 19. Juli. Aus Anlass seines 70jährigen Geburtstages wurden heute Herrn Rabbiner Dr. Freund, der seit 43 Jahren der Prediger der hiesigen Synagogengemeinde ist, zahlreiche Glückwünsche und mannigfache Ehrungen zutheil. Am frühen Morgen wurde das noch rüstige Geburtstagskind durch ein Ständchen der Stadtcapelle überrascht und erfreut. Die officielle Gratulation von Seiten der Synagogengemeinde und derjenigen Vereine, in denen Herr Dr. Freund seit langen Jahren thätig ist, erfolgte Mittags V21 Nhr in der Wohnung des Jubilars. Die Synagogengemeinde ließ durch Herrn Emanuel Alexander Katz eine prachtvoll ausgestattete Adresse überreichen, während die Glückwünsche des Volksbildungs-Vereines durch die Herren Director Röhrich und Kaufmann Wolf überbracht wurden. Im Namen der Victorialoge gratulirte Herr Fabriksbesitzer Heymann. Unter den Gratulanten befanden sich auch Herr Oberbürgermeister Büchtemann und Herr Stadtrath Wiesner. Die Wohlthätigkeits-Jnstitute der Synagogengemeinde gründeten eine „Dr. Freund-Stiftung". Möge es Herrn Dr. Freund der sich auch bei den anderen Glaubensgemeinschafteu großer Werthschätzung erfreut, vergönnt sein, noch lange Jahre in Rüstigkeit und Frische seines Amtes zu walten. Paris. Baronin Nathaniel Rothschild wurde Sonntag Vormittags um 9 Uhr in durchaus prunkloser und einfacher Weise zu Grabe getragen. Im Trauerhause im Faubourg Saint-Honore hatte sich ein sehr zahlreiches Publicum eingefunden, darunter Nolabilitäten des diplomatischen Corps, der politischen, literarischen und künstlerischen Welt und besonders zahlreich Diejenigen, welche an der Verstorbenen eine Wohlthäterin von unerschöpflicher Güte verloren haben. In einem Gemache des Erdgeschosses ruhte auf einfachem Katafalk der Sarg ohne Blumen, ohne Kränze, wie es die Verstorbene wünschte. Dort verrichtete der Großrabbiner von Paris, Dreyfus, umgeben von allen Mitgliedern des israelitischen Consistoriums, die Gebete. Dem Sarge, der hierauf in einen Leichenwagen zweiter Claffe gehoben wurde, folgten der Sohn, Baron Arthur Rothschild, die Enkel Baron Heinrich Rothschild und David Leonino, die Brüder Alphons, Gustav und Edmund, sowie andere Anverwandte. Diesen schlossen sich, dem Pariser „Figaro" zufolge, an: der italienische Botschafter Graf Tornielli, der niederländische Gesandte Chevaliers de Stuers, der schwedisch-norwegische Gesandte Akermann, der Seinepräfect de Selves, der Cabinetschef des Kriegsministers General Gallifet, Balfourier, der Director der Akademie der schönen Künste Heinrich Roujou, der Gouverneur der Bank von Frankreich Georges Pallain, Prinz von Arenberg, Herzog von Fitz-James, Prinz von Wagram, Herzog von Montmorency, Baron Hottinger, die Deputirten Georges Berger und Lenglü, die Grasen von Kergorlay, Delaunay, Beauregard, Delamarre, Chevignö, Berteux, Ponteves, Rochefort, Nicolaus Potocki, Dr. Brouardel, zahlreiche Schriftsteller, Maler und Musiker, eine Reihe von Deputationen wohlthätiger Anstalten :c. Publikationen des öfterr.-ung. Cantoren-Vereines. Eingezahlte Vereinsbeiträge. Schlesinger, Wien fl. 1-50; Hirsch, Wien fl. 4-—; Weiß, Tobitschau fl- 1-50; Brunner, Jglau fl. 1-50; Friedläuder, Silos Bolhas fl. 1-50; D. L. Rotter, Wien fl. 3- -; Kohn, Maschau fl. 1-50; Jellinek, Mähr.- Weißkirchen fl. 1'50; Bermann, Böhm.-Leipa fl. 2'—; Rosenfeld, Pisek fl. 1-50; Saller, Breitenbrunn fl. 1-50; Lemberger, Wien fl. 1-50; Blum, Schlan fl. 1-50; Weiß, Brandeis fl. 3'—; Freisinger, Pilsen fl. 3-—. Jahres- und Pflichtbeiträge sind an den Vereinscassier, Cantor M. Blatt, II., Tempelgaffe 3, zu richten und wird mit Rücksicht auf § 14, lila der Statuten um pünktliche Einsendung derselben ersucht. Der Vereinsvorstand.

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