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Die Wahrheit · 1899-08-01 · Heft 25 (1.8.1899) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 25 (1.8.1899)
Date
1899-08-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 25. Die Wahrheit. Seite 11. Der Nihilist. Ein Zeitroman aus dem russisch-jüdischen Leben. Von Moritz Scherbe!. (Nachdruck verboten.) (17. Fortsetzung.) Jetzt ist es Kunowski, wie er mir heute sagte, darum zu thun, den Menschen an die Luft zu setzen und sich seine weiteren Besuche zu verbitten. Der Mann ist einsichtsvoll genug, es aus eine für den Narren weniger empfindliche Weise zu thun. Er ersuchte mich, denselben auf das Unerwünschte seiner Visiten bei ihm aufmerksam zu machen und sein Fernbleiben zu veranlassen. Als ich ihn heute zufällig traf, versuchte ich, mich des mir gewordenen Auftrages zu entledigen, stieß dabei aber auf einen heftigen Zornausbruch seinerseits, wobei noch dieses Rhinozeros von einem Menschen die Aeußerung that, dass jedenfalls nur sein jüdischklingender Namen Anstoß bei Kunowski's errege. Sicherlich geht er damit um, denselben russificiren zu lassen." „Vergisst denn aber der Mensch dabei, dass er Jude ist und eine Verbindung mit jener Familie aus diesem Grunde schon unmöglich ist?" fragte Frau Glanzberg. „Pah, es ist vom Judenthum nicht mehr viel — oder vielleicht gar nichts — an ihm. Er glaubt, mit dem Vermögen, das der in ihn vernarrte Vater ihm zu Gebote stellt, nach erlangter Taufe eine Stellung in der Gesellschaft zu gewinnen, die ihn — wie er sich ausdrückte — für all' die Zurücksetzungen und Kränkungen entschädigen wird, die er als Jude zu erfahren hatte." „Der Mensch" — meinte Clara — hat schon als Schuljunge Manieren gehabt, die den spütern Narren in ihm voraussagten. Er hat bereits in der Religionsschule, die ich mit ihm zugleich besuchte, den Clown gespielt, und der Herr Rabbiner nannte ihn nicht anders als Schaute." „Das mag sein", sagte Max. „Allein, glaubst Du denn, dass er mit dieser lächerlichen Manie, das ihm angeborene Judenthum abstreifen und perhorresciren zu wollen, allein und vereinzelt dasteht, dass es nicht außer ihm Schwärme jüdischer junger Leute gibt, denen ihre jüdische Angehörigkeit ein Brandmal ist, dessen sie sich mit allen Kräften und auf allen Wegen zu entledigen strebend" „Wir brauchen uns hierüber nicht zu wundern", sagte der alte Glanzberg, „der jüdische Stamm hat zu allen Zeiten neben den gesunden Früchten, die er zur Reife gebracht, auch wurmstichige auf sich getragen." „Das ist wahr", klagte Clara, „und es hat dies vielleicht besonders in unserem lieben Russland, wo die wissenschaftliche Erkenntnis noch nicht so allgemein ist, viel zur Verirrung der Geister beigetragen." „Das kann wohl theilweise der Fall sein", nahm Fremma das Wort", und fuhr dann fort: „Wie man indes hört, ist auch in anderen Ländern eine Entfremdung der jüdischen Jugend von der Religion ein Uebel, mit dem man zu rechnen hat. Ich glaube daher, dass es überhaupt in unserer Zeit liegt, sich von den Anschauungen der Vergangenheit, besonders von den religiösen zu emancipiren, wobei auch Russland mit einem gewissen Procentsatz betheiligt ist." „Aber mit keinem verhältnismäßigen und in keiner Weise, dass der Uebergang zu dem neuen Bekenntnisse ein allmäliger wäre", sagte der Referendar. „Man nimmt an, dass einem glaubenslosen Sohn ein skeptischer Vater vorangegangen sein muss; was in der That in anderen Ländern nur mit einzelnen Ausnahmen der Fall ist. Dass aber ein noch dem Obscurantismus huldigender, oder sagen wir alt- und strenggläubiger Vater einen Sohn haben kann, der sich über sein Judenthum ganz und gar hinwegsetzt, dass ein dem Kabbalismus zugethaner Vater zu seiner Hellen Verzweiflung in seinem Sohn einen Jünger Schopenhauers und Feuerbach's sehen muss, das kann nur in Russland Vorkommen." „Du. findest das unnatürlich, Maxd" sprach der Vater — „ich nicht, im Gegentheile ganz logisch und erklärlich. Gerade darum, weil der Sohn nicht den wahren Ausdruck der Religion bei dem Vater geschaut, weil er bei ihm nur das missrathene Wesen des Judenthums kennen gelernt, muss er selbst später in das Verkehrte gerathen. Wie überhaupt die geschichtliche Entwicklung der Völker sich derart vollzieht, dass das Neue aus dem Alten sich allmälig herausschält, ohne dass die Gegenwart die Fühlung mit der Vergangenheit verlieren darf, muss auch das religiöse Moment, wenn es in neue Bahnen einlenkt, einen gewissen, theilweisen Zusammenhang mit dem Alten bewahren. Von ihm Manches dem Zeitgeist zu opfern, ist richtig, aber gänzlich, mit ihm brechen, wird zum Vergehen. Unser Judenthum ist echt genug, um vor dem Prüfstein der modernen Bildung zu bestehen, es. kann dem Fortschritte der Zeit folgen, ohne an seinem inneren Werthe Schaden zu nehmen, und nur da, wo seine Forderungen von Vornherein verkannt oder durch Unverstand eine fälschliche Auslegung erfahren, nur da kann es später Vorkommen, dass diese Forderungen bedeutungslos oder als etwas noch Schlimmeres erscheinen. Dann treten Erscheinungen zu Tage, die der Natürlichkeit entbehren, dann kann ein glaubensloser Sohn dem strenggläubigen Vater Schmerz und tiefes Herzweh bereiten, dann klafft er uns entgegen, dieser Zwiespalt der Natur." (Fortsetzung folgt.) Verkehr. K. k. Südbcrbn-GefettftHcrA. Speisewagen: Wien-Triest (einmal wöchentlich) bei denOstende- Expreßzügen (Wien ab 11—, Wien an 6ir’). Schlafwagen (l. Claffe): Wien-Triest und Abbazia, Fiume (einmal wöchentlich) bei den Ostende-Expreßzügen (Wien ab IE, Wien an 6^). (I. und II. Claffe): Wien-Triest und Venedig (Wien ab 825, Wien an 1915), Wien-Marburg- Franzensfeste-Ala (Wien ab 915, Wien an 8-°). Direkte Wagen (1., II. Claffe): Wien-Leoben-Venedig-Mailand und Klagenfurt (ab 1. Juni) auch Villach- und Wien- Pontafel (auch III. Classt). (Wien ab 74-5, Wien an 945), Wien-Marburg-Franzensfeste-Äla (Wien ab 915, Wien an 820), Wien-Abbazia, Fiume und Pola (Wien ab 815, 8!5, Wien an 852, 915), Wien-Görz-Cormons (Wien ab 815, Wien an 852), Wien-Cormons-Venedig (Wien ab 825, Wien an 915), Wien-Sopron-Essegg-P^cs (Wien ab 6''", 712, Wien an 8"-, 925), Wien-Sopron-Zakany-Agram (Wien ab 105ü, Wien an 5:i5j. _ Fahrpläne sämmtlicher Linien im Taschenformat sind bei den Bahnhof-Cassen, jene für die Wiener Localstrecken auch in den Tabak-Trafiken käuflich zu haben. Erste k. k. priv. Donau-TampNchistsahrts Gesellschaft. Vom 28. Mai angefangen finden jeden Sonn- und Feiertag bei günstiger Witterung ab Station Stephaniebrücke Donau-Rundfahrten canalaufwürts durch die neuen Schleuseubanten bei Nussdorf, dann stromabwärts im Donau-Hauptstrome bis Kaiser-Ebersdorf und canalaufwürts bis zur Stephaniebrücke unter Berührung der Landungsplätze Sophienbrücke und Weißgärber statt. Abfahrt von der Station Stephaniebrücke 9 Uhr Vormittags, Ankunft in der Station Stephaniebrücke gegen 12 Uhr Mittags. IcrNrpreile: Per Person und Rundtour.. . 80 Heller Kinder unter 10 Jahren.40 „ K. k. Militärpersonen (in Civil mit Legitimation). . 40 Die Karten sind nur zu einer ununterbrochenen Rundtour und nur für den Tag giltig, an welchem sie gelöst wurden.

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