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Die Wahrheit · 1899-08-01 · Heft 25 (1.8.1899) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 25 (1.8.1899)
Date
1899-08-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 25. Die Wahrheit Seite 7. nacht zum Ausbruche und konnte trotz der energisch eingeleiteten Löschaction nicht bewältigt werden. Der Tempel ist bis ans den Grund niedergebrannt. Die Entstehung des Brandes konnte man sich Anfangs nicht erklären, und es war sogar das Gerücht verbreitet, dass das Feuer von verbrecherischer Hand gelegt worden sei. Dieses Gerücht erwies sich aber als irrig, und man erinnerte sich später daran, dass gelegentlich des letzten Gewitters, welches über Malaczka niederging, der Blitz in den Tempel einschlug und zündete. Das Feuer glomm wahrscheinlich längere Zeit unbemerkt fort, bis es dann gehörig Nahrung und Luft fand und intensiv zu Ausbrüche kam. Der große Wassermangel erschwerte auch die Löschaction. Profinitz. Der seit fast 40 Jahren bestandene Israelitische Lehrer-Verein hat sich aufgelöst und an seine Stelle ist der Mährisch-Schlesische Israelitische Kaiser Franz Josephs-Jubiläums- Stiftungs-Verein getreten. Abgesehen davon, dass früher nur solche Witwen und Waisen Anspruch hatten, deren Gatten und Väter Vereinsmitglieder waren, macht die Schülerstiftung keinen Unterschied und haben alle Lehrerkinder Anspruch auf Unterstützung. Herr Dr. Eisler, der langjährige Vereinspräsident, hat abgedankt. Air der Spitze des Vereines erscheinen heute: Herr Dr. Eisler, Herr Director Bondi und Herr Oberlehrer Storch, dann ein Ausschuss aus dem Proßnitzer Gemeindevorstand, welche alljährlich zusammentreten und die Vereinsgeschäfte besorgen. Möge der Verein wie bisher nur Gutes stiften und trauernde Herzen erfreuen. Böhm.-Leipa. (Jüdisches Studentenheim.) Um einem vielfach gehegten Bedürfnisse abzuhelfen, hat Herr Rabbiner Dr. Wiesen, der auch als Religionslehrer an den hiesigen k. k. Staats-Mittelschulen wirkt, ein allen zeitgemäßen Anforderungen entsprechendes „Studentenheim" für jüdische Gymnasiasten und Realschüler gegründet. Das Institut, welches in einem großen, comfortable eingerichteten Gebäude mit ausgedehnten Gartenanlagen untergebracht ist, entspricht mit den erforderlichen Räumlichkeiten (Speisesaal, Musikzimmer, Studiersaal, Schlafrüume u. s. w.) selbst den höchsten Anforderungen, die man an ein Pensionat stellen kann. Nicht auf Gewinn berechnet, sondern lediglich der guten Sache zu dienen, ist es das Bestreben Dr. Wiesen's, dem allgemein fühlbaren Mangel an wirklich geeigneten Pensionen für jene Zöglinge, die auswärts zu studiren genöthigt sind, nach Möglichkeit abzuhelfen, denselben in jeder Beziehung das Elternhaus zu ersetzen, sie in körperlicher und geistiger Hinsicht zu fördern und zu wohlgesitteten und tüchtigen Schülern heranzubilden. Böhm.-Leipa hat neben anderen Lehranstalten ein k. k. Staats-Gymnasium und eine k. k. Staats-Realschule und genießt, in gesunder, gebirgsreicher Gegend gelegen, den Ruf einerberühmten Schulstadt. Außer dem Leiter sind noch fachmännisch gebildete Präfecten an dem Institute thätig. Der Pensionspreis beträgt einschließlich des Nachhilfeunterrichtes in allen obigen Lehrfächern fl. 30 monatlich. Nähere Auskünfte ertheilen Herr- Rabbiner Dr. Wiesen, sowie die Herren k. k. Gymnasialdirector E. Tomanek und k. k. Realschuldirector R. Walda. Leitmeritz. Die Neuwahlen der Vertretungs- und Verwaltungsorgane der Cultusgemeinde ergaben folgendes Resultat: Es wurden gewählt: In den Cultusvorstand: Siegmund Engl, Ignatz Epstein, Sigmund Gutfreund, Joseph Schick, Emanuel Frankl, Philipp Kirschner in Leitmeritz, und David Taußig, Theresienstadt. Als Ersatzmänner Dr. Siegmund Weil, Rudolph Taußig, Ignatz Löwy in Leitmeritz. Als Vertrauensmänner in den verstärkten Vorstand: Gustav Selikowsky, Dr. Heinrich Töpfer, Bernard Heller, Emanuel Deimel, Emil Kaufmann, Heinrich Pollak in Leitmeritz und Julius Propper in Bauschowitz. Als Cassarevisoren: Julius Teweles und Sigmund Kohn in Leitmeritz. Umlagecommission: Friedrich Kusfy, Bincenz Pollak, Bernard Epstein, Moritz Ox, Salomon Hauptmann in Leitmeritz und Richard Steindler in Theresienstadt. Przemysl, 24. Juli. Eine Deputation der hiesigen Cultusgemeinde-Repräsentanz, bestehend aus dem Cultuspräses, Herrn Eh. Wolf, und der Repräsentanzmitglieder, Herren M. Ganz, M. Scheinbach, S. Münz und L. Langbank, begab sich heute zu dem bisher gewesenen Statthaltereirathe und Leiter der hiesigen Bezirkshauptmannschaft, Herrn Josef Laniekicwicz, um denselben zu der vor einigen Tagen erfolgten Allerhöchsten Ernennung zum Hofrathe zu beglückwünschen. Der Herr Hofrath empfing die Deputation sehr freundlich, nahm ihre Wünsche dankend entgegen, und trotzdem die jüdischen Bürger von dessen Liberalität und guten Gesinnungen überzeugt sind, muss doch die Aeußerung hervorgehoben werden, die derselbe der Deputation unter Anderem offen erklärte, nämlich, „dass er nie zu den Antisemiten gehörte und gehören wird, und so wie bisher auch fernerhin bestrebt sein wird, das Interesse der israelitischen Cultusgemeinde zu wahren und für deren Wohl stets einzutreten." Möge solche Gesinnung in den hohen Beamtenkreisen Nachahmung finden. Leutschau. Die hiesige israelitische Gemeinde beging am 24. v. M. das Doppelfest der Einweihung ihres prachtvollen neuen Tempels und der Installation ihres neu erwählten Ober- Rabbiners Dr. Gustav Löwy. Die Feier fand in Anwesenheit der Comitatsbehörden mit dem Obergespan Graf Zeno Czaky an der Spitze, des Officierscorps, sämmtlicher Beamten der Staatsämter, sowie der Stadtvertretung statt. Am Abend wurde von der Gemeinde ein Bankett mit hundert Gedecken gegeben. Das Zustandekommen des Baues des neuen Tempels ist das Verdienst des Cultus-Vorstehers Herrn Dr. Berthold Rosenzweig. Literatur. Zur Schechitah-Literatur. Stillstand herrscht heutzutage auf keinem Gebiete. In jedem Wissens, zweige werden beständig neue Fortschritte gemacht. Neue Anschauungen und Erkenntnisse treten hervor, die als erprobte und gesicherte Forschungs- Resultate, im Gewände populärer Darstellung dem allgemeinen Verständnis nahe gebracht, zur öffentlichen Geltung und nützlichen Anwendung gelangen. Und sollte dies etwa auf deni jetzt gerade so viel umstrittenen Gebiete unseres Schächtfaches nicht auch der Fall sein? Schon längst haben Schächter, die ihrem religiöswissenschaftlichen Vertrauensberufe nicht gedankenlos nachgehen, sich nach einer zeitgeniäßen Ergänzung ihrer altgeheiligten np'N2-Borschriften in einer die Kluft unserer überlieferungsmäßigen Erfahrungswissenschaft mit dem heutigen Standpunkte der Beterin ärkunde überbrückenden Form gesehnt. Fragen nach einem sicheren und genaueren Verständnis von Krankheitsformen der Schlachtthiere, welche durch die immer mehr zur Einführung gelangenden Fleischbeschau-Instructionen ganz allgemein im Schwünge sind, in unseren weitverzweigten jedoch nur selten zur Andeutung gelangen und wenig Anknüpfungspunkte finden, wie z. B. “W2 '-""t mit den so häufig erscheinenden Krankheitsformen der Tuberculose, sind wohl längst schon jedem denkenden 2rtP im Sinne gelegen. Ganz willkommen und gewiss einem längst gefühlten Bedürfnis entsprechend, kommt uns jetzt eine Handbietung von einem würdigen, strebsamen Collegen, dem im Schüchtfache rühyilichst wirkenden und bewährten Prediger Gelbart in Labes (Pomm.), welche vorzüglich geeignet ist, jene vielempfundene Lücke zwischen Alt und Neu genügend auszufüllen und jedem Schächter ein ausreichendes Verständnis für moderne, bezw. modern benannte Krankheitsformen der Thiere zu vermitteln. Es ist ein kleines, in rein deutscher Sprache klar, übersichtlich und leicht verständlich abgefasstes, aus wissenschaftlichen Quellen geschöpftes Handbüchlein, das unter dem Titel 212 npb im Selbstverläge des Verfassers erschienen und von demselben für den mäßigen Preis von l Mark zu beziehen ist. Schon die vorangedruckte Subscriptionsliste, die in dieser ersten Ausgabe nur theilweise beigegeben ist, weist die lebhafte Nachftage nach einem solchen „Handbuche für prattische Schächter" nach, dessen Nutzen, ja Nothwendigkeit um so größer sein wird, als es noch dem zeitgemäßen Zwecke dienen kann, ein fteundwilliges und übereinstimmendes Zusammenwirken unserer Fachgenvssen mit dem officiell wirkenden Thierarzte oder Fleischbeschauer bei der Untersuchung, bzw. Brauchbarkeitserktärung der Schlachtthiere zu ermöglichen. Somit möge Herrn Gelbart's neuerschienenes Handbuch: „Lekach tow" allen Fachgenossen und sonstigen Interessenten auf's Wärmste empfohlen sein. inr.

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