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Die Wahrheit · 1899-08-01 · Heft 25 (1.8.1899) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 25 (1.8.1899)
Date
1899-08-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Die Wahrheit. Nr. 25. dass alte Ueberlieferungen und Bräuche im Volke lebten, ohne ausgeschrieben zu sein, dass die geschriebenen Gesetze jederzeit nach Bedarf ausgelegt wurden, dass die Auslegungen sich im Laufe der Zeit verschieden gestalteten, dass aber auch manche von den ältesten Zeiten bis auf uns gekommen sind. Die Art der Thoraforschung haben wir in der Entwicklung gesehen von den ältesten Propheten an bis herab zum babylonischen Exil, mit welchem eine ganz neue Epoche im jüdischen Geistesleben begonnen hat. (Fortsetzung folgt.) Eine Reise im Heiligen Lande. (Reisebilder von Dr. Heinrich Sachse.) (Fortsetzung.) Dem Ohre klingt es wie ein halbvergessenes Märchen, wenn es von den Heldenthaten hört, die auf diesem Boden von Makkabäerarmen sind verrichtet worden. Schwebt doch um den Namen des winzigen Fleckens Mod!m ein Purpurglanz, der den Lichtglanz der größten Heldenthaten anderer Länder verdunkelt. Dort liegt Betharon, wo Jehudahs kleine Schaar vom Felsen stürzte und der Feinde Ueberzahl zersprengte, hier jenes Adarsa, wo der Syrer Nikanor unterlag, — dort jener Bach bei der jüdischen Kolonie Gederah erzählt von einem Dorf Elasa, wo endlich auch der größte Held dem Volke und seinem Gotte das Leben zum Opfer brachte und seine Seele auf dem Boden aushauchte, dessen Freiheit er erkämpft. Und dann erschaut des Geistes Auge mit demselben einen Blicke jenen Freiheilskampf des jüdischen Volkes, der seines Gleichen nimmer in der Weltgeschichte hat und der mit dem Untergange alles dessen hat geendet, was ihm je lieb und theuer ist gewesen. Das sind die Gefühle des Juden, der hier in Jaffa sein Vaterland betritt, und wenn er noch ein Fünkchen historischen Bewusstseins hat, so muss er hier zu lichter Begeisterung entflammt werden. Die Stadt Jaffa, deren unter dem Namen „Jopu" schon auf den Inschriften der tutmosischen Pharaonen Aegyptens Erwähnung geschieht, liegt auf einem 38 Meter aus dem Meere emporrragenden Tussteinfelsen.An ihm soll die sagenhafte Andromeda gefesselt gewesen sein, bis sie von Perseus befreit wurde, der den Leviathan tödtete, dem sie geopfert war. Es war also nicht dasselbe Unthier, das später den Jonah in seinem Innern aufnahm, als er sich hier von Jaffa aus nach Tarschlsch begeben wollte. Noch heute aber liegt die eigentliche Stadt Jaffa auf der Höhe des Felsens, von dem man weithin Meer und Ebene überschauen kann. Was sich weit nach Norden, Osten und Süden dehnt, sind Vorstädte und Stadtcolonien, die vorzugsweise der jüngsten Einwanderung ihre Entstehung verdanken. Besonders an den nördlichen Theil lehnen sich wichtige Vororte an. Sobald man den Bazar dort verlässt, wo zwischen der Militärkaserne und dem neuen Regierungsgebäude die Straße nach Nabulus hinausführt, so schließen sich rechts und links Häuserreihen mit besseren Handwerkerstätten und kleinen Kramladen an. Es sind dies die Straßen, deren Erbauer und Besitzer der Araber Howard und der Grieche Negib-Bustros ihnen ihre Namen verliehen haben. Charakteristisch für diese Straßen, in denen fast ausschließlich aschkenasische Juden wohnen, ist die Aufschrift des Howard'schen Hauptgebäudes, die arabisch saläm al- Ibrahim und hebräisch bin»* br mb» lautet. Diese schönsten Straßen von Jaffa, eigentlich Neu-Jaffa, sind seit 1886 entstanden und verdanken ihre Nothwendigkeit lediglich der mit dem Colonisationsgedanken in engem Zusammenhänge stehenden Einwanderung von Juden in Palästina. Aber neben der kleinen deutsch-amerikanischen Colonie, die um das deutsche Consulat gruppirt ist, ziehen sich den nördlichen Strand die beiden Stadttheile etwa zwanzig Minuten lang, deren hebräische Namen N’weh-Scbalöm und N’wek-Sedek allein schon beweisen, wer die große Mehrzahl der Bevölkerung hier bildet. Wenn man bedenkt, dass im Jahre 1882 das erste aschkenasische Minjan sich in Jaffa zum Gebete zusammenschloss, während heute zum Mindesten fünftausend Juden in der Stadt ihren ständigen Wohnsitz haben, so begreift man wohl die gewaltige Bedeutung und den großen Umfang, den die Einwanderung von Juden aller Länder im Heiligen Lande in den letzten beiden Jahrzehnten genommen hat. Ein ganzer Kranz von Colonien ist um Jaffa entstanden und das Land hat durch die jüdische Ackerbau-Colonisation ein wesentlich verändertes Aeußere angenommen. (Fortsetzung folgt.) Gemeindebote. Wien. Das Curatorium der freiherrlich v. Rothschild'schen Künstlerstiftung verlautbart, dass aus den Erträgnissen derselben mehrere Stipendien im Mindestbetrage per je 400 fl. für das Jahr 1899 zur Verleihung gelangen. Competenzberechtigt für diese Stiftung erscheinen mittellose jüdische, in Oesterreich wohnhafte Künstler oder Künstlerinnen österreichischer oder ungarischer Staatsbürgerschaft, die ihren Beruf auf dem Gebiete der Architektur, der Bildhauerei, der graphischen Künste, der Malerei oder der musikalischen Composition selbstständig auszuüben befähigt sind. Unter den den obigen Erfordernissen entsprechenden Competenten genießen jene den Vorzug, welche bereits Beweise ihres Talentes und ihres schöpferischen Wirkens gegeben haben. Von der Verleihung erscheinen diejenigen Bewerber ausgeschlossen, die sich auf anderen Kunstzweigen als den angeführten bethätigen, ferner Kunsteleven, sowie überhaupt im Stadium der Vorbereitung für einen künstlerischen Beruf befindliche Personen. Die an das Stiftungs-Curatorium gerichteten, mit Fachzeugnissen oder Kunstproben, sowie mit dem Geburts- und Heimatschein versehenen Gesuche sind bis längstens 31. A u g u st 18 9 9 in versiegeltem Umschläge im Einreichungs-Protokolle der israelitischen Cultusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasse Nr. 4, 1. Stock, zu überreichen. Nähere Auskünfte werden im Secretariate der israelitischen Cultusgemeinde ertheilt. Wien, am 20. Juli 1899. Das Curatorium. Wien. („Ferienheim". Verein für israelitische Ferien- Colonien.) Am 7. Juli fand der erste Serienwechsel in den Colonien dieses rührigen Vereines statt. 55 Mädchen kamen aus der Colonie Petrau nach vierwöchentlichem Ferienaufenthalte blühenden Aussehens mit bedeutender Gewichtszunahme. 70 Mädchen aus Schloß Rossitz mit ähnlichen zufriedenstellenden Resultaten. Den größten Erfolg hatte jedoch der Verein mit 13 scrophulösen Kindern aufzuweisen, welche aus den Jodbädern Hall und Darkau mit geradezu glänzenden Besserungen heimkehrten. Am 14. Juli erfolgte neuerdigs die Abreise von 56 Knaben nach Petrau, 85 Knaben nach Schloß Rossitz und weiteren 10 Kindern nach Bad Hall. Die Colonien in Hall und Rossitz werden vom Vereine in eigener Regie verpflegt. Wien. (Zionisten-Congress.) Auch heuer wird in Basel ein Zionisten-Congress stattfinden, und sollen die Verhandlungen, welche am 15. August beginnen, drei bis vier Tage währen. Mit Rücksicht auf die mannigfachen Differenzen in der zionistischen Partei sieht man dem heurigen Congresse mit umso größerer Spannung entgegen. Tulln. Montag, den 24. Juli fand hier die Wahl des Cultusvorstandes statt. Zum Cultusvorsteher wurde Herr Dominik Weinberger wiedergewählt, und in den Ausschuß die Herren: Emanuel L u f 1 s ch i tz, Sigmund Sachs und Karpfen. Malaezka. Unser schönes Gotteshaus, das vom Baurath Wilhelm Stiaßny in Wien erbaut wurde, ist ein Opfer der Flammen geworden. Das Feuer kam zwei Stunden nach Mitter-

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