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Die Wahrheit · 1899-08-01 · Heft 25 (1.8.1899) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 25 (1.8.1899)
Date
1899-08-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 25. Die Wahrheit. Seile 5. Was David Kaufmann als Mensch gewesen, das erfuhr Jeder, der ihm näherzutreten Gelegenheit hatte. Vornehm, entgegenkommend, zartfühlend, wohlwollend, nachsichtig — so war er im Verkehre mit aller Welt. Profesioren- Hochmuth war ihm fremd. Was er seinen Kollegen und Hörern gewesen, das trat unverkennbar hervor, als sie die Schreckensbotschaft von seinem Ableben traf. Jammerrufe und Wehklagen erfüllten ihre Sphären. Er ruhe sanft! _ Gottmituns. Berichtigung. In den meinem unvergesslichen Freunde, Professor Dr. David Kaufmann, gewidmeten Artikel haben sich mehrere Druckfehler eingeschlichen, deren meritorische Belanglosigkeit mich der Nothwendigkeit überhebt, sie zu berichtigen; der freundliche Leser wird es selber thun. Dagegen sehe ich mich, um der literarischen Ehrlichkeit und — der Welterlösung *) willen bemüssigt, einen daselbst vorhandenen laxsus calami zu corrigiren. Nicht Rabbi Jochanan ben Sakkai, sondern Rabbi Eleasar ben Asarja that die Aeußerung: „Sieh' da, ich bin wie ein Siebzigjähriger." Reichenau, 21. Juli 1899. Emanuel Baumgarten. Zur Geschichte der jüdischen Tradition. Von Lector I. H. Weih. Frei aus dem Hebräischen bearbeitet von Dr. I. Kahan. (Fortsetzung.) Einer der merkwürdigen Widersprüche zur Thora, auf den schon die Alten aufmerksam machten, ist folgender: Ezechiel sagt Cap. 44, 31: „Alles Gefallene und Zerrissene vom Geflügel und vom Vieh sollen die Priester nicht essen", während die Thora es ganz Israel verbietet. Denn es heißt: Und Fleisch eines auf dem Felde Zerrissenen esset nicht (2. M. 22,30), und ferner : Ihr sollt kein Aas essen (5. M. 14, 21). Das Verbot ist hier allgemein gehalten, wie kann also der Prophet es nur auf die Priester beschränkend Aber wir haben ja schon gesehen, dass unser Prophet es mit dem Wortlaut der Thora nicht so genau nimmt. Es ist auch möglich, dass er viele Verbote der Thora nur als Wunsch aufgefasst hat. Und in der That ist bei vielen Gesetzen nur der Wunsch des göttlichen Gesetzgebers zum Ausdruck gekommen, gewissermaßen ein guter Rath dem Volke Israel gegeben, so namentlich beiden Opfern. Wie könnte sonst Jeremia das Gebot der Opfer überhaupt in Abrede stellen (7, 22)? Oftmals sagt die Thora: „Thue nicht dies und jenes" und meint nur: Du brauchst es nicht zu thun, nicht aber: Du darfst es nicht thun. Bei manchen Verboten wiederum ist die Absicht eines unbedingten Verbotes deutlich ausgesprochen, und das auch in verschiedenen Graden. Manche Verbote sind durch Androhungen von Strafen verschärft und mit den Worten: „Hüte Dich" und dergleichen eingeleitet. Meistentheils ist der Charakter des Befehls oder des bloßen Wunsches deutlich zu erkennen. So sind natürlich alle Verordnungen, welche die Beziehungen der Menschen untereinander betreffen, gewiss als strenge Befehle zu betrachten. Dagegen beim Genuss eines gefallenen Thieres finden *) ♦öbiyb rfcflu irab na« öbö "ian TöiKn **) .nj» jaa m mtp p -urbs* n iök wir, außer den beiden angeführten Stellen, kein unbedingtes Verbot. Es heißt vielmehr: Wer von dem Aase iffet, wäscht seine Kleider und ist unrein bis zum Abend (3. M. 11, 40). Ferner: Jeder, der Gefallenes und Zerrissenes -is-M rfezu isst, Eingeborener oder Fremdling, der wasche seine Kleider und bade im Wasser und sei unrein bis zum Abend, dann erst sei er rein (ib. 17, 15). Da ist also kein unbedingtes Verbot, sondern ihr Genuss verursacht Unreinheit für einen Tag. Man kann also die Worte der Thora: „Ihr sollt Fleisch von einem auf dem Felde Zerrissenen nana nicht essen" und „Ihr sollt kein Aas nbaj essen" ganz gut als bloßen Wunsch verstehen, dass Israel als ein heiliges Volk von Priestern sich von Allem, was Unreinheit verursacht, fernhalten soll — wie wirkliche Priester, denen Gefallenes und Zerrissenes ausdrücklich wegen der Verunreinigung verboten wurde (ib. 22, 8). Und in der That sind die Verbote von .-TsntDt nba: von den Worten begleitet: „Heilige Männer sollt Ihr mir sein" und „Ein heiliges Volk bist Du dem Ewigen Deinem Gotte", wodurch der Wunsch nach priesterlicher Heiligkeit deutlich ausgesprochen ist. Ezechiel wird also in diesem Sinne das strenge Verbot auf die Priester beschränkt haben, ohne jedoch den Israeliten na-itai r6a3 zu erlauben. Für die Priester trifft Ezechiel Bestimmungen, die von der Thora merklich abweichen. Während nämlich die Thora nur dem Hohepriester vorschreibt, weder eine Witwe, noch eine Geschiedene, sondern eine Jungfrau zu heiraten, hingegen dem gemeinen Priester nur die Geschiedene verbietet, schreibt Ezechiel auch den gemeinen Priestern vor, eine Jungfrau zu heiraten oder eine Priesterswitwe! Möglich, dass Ezechiel die Thora so ausgelegt hat, dass kein Widerspruch mit seinen Bestimmungen vorlag, jedenfalls haben die talmudischen Weisen die Thora nicht in Uebereinstimmung mit Ezechiel erklärt. Andere Widersprüche zwischen diesem Propheten und der Thora lassen sich überhaupt nicht ausgleichen, und wir kennen auch die Gründe nicht, welche den Propheten bewogen haben, von der Thora abzuweichen. Jedenfalls werden sie sich ans alte Traditionen gestützt haben, welche im Laufe der Zeit in Vergessenheit geriethen. Ein hervorragendes Beispiel einer Tradition, welche zur Zeit der Propheten lebendig war und dann vergessen wurde, bietet der Neumondtag. Die Thora führt wohl diesen Tag zwischen Sabbath und den anderen Festen an, bestimmt für ihn besondere Opfer, sagt aber nicht, ob ihm eine besondere Heiligkeit zukommt, ob man sich an ihm der Arbeit enthalten soll, kurz, ob es ein Festtag ist oder nicht. Aus den prophetischen Schriften sehen wir, dass der Neumondtag wie ein Fest gehalten wurde. Schon zu Elisa's Zeit suchte man an ihm wie am Sabbath den Propheten auf (2 Kön. 4, 23), er war also ein Ruhetag. Jesaia nennt ihn zusammen mit den Festen, und Ezechiel stellt ihn auf eine Stufe mit dem Sabbath (46, 1). Aus Amos 8, 5 sehen wir, dass selbst die götzendienenden Israeliten am Neumondstag keine Geschäfte machten, und er wird auch sonst in Gegensatz zu den anderen Werktagen gebracht — ein Beweis, dass man ihn wie ein Fest feierte. Ohne Zweifel hat man die Bestimmung der Thora, an ihm besondere Opfer darzubringen, so verstanden, dass er dadurch den anderen Festtagen gleichgestellt werde. Aber mit der Zeit fing man an, den Neumondtag nur wie einen Mittelfeiertag zu behandeln, und verrichtete an ihm die nöthigen Arbeiten, bis er dann den festlichen Charakter ganz einbüßte und nur für die trauen ein Feiertag blieb. Aus alledem nun geht klar hervor,

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