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Die Wahrheit · 1899-08-01 · Heft 25 (1.8.1899) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 25 (1.8.1899)
Date
1899-08-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Redaction n. Administration: Wien, H/l, Novaragasse 27. Unabhängige Zeitschrift fttt jnöische Bezugspreis: Ganzjährig.fl. 6.— Halbjährig.fl. 3.— K. k. öfterr. Postsparcassa Check-Conto Nr. 846.251. Inserate Interessen. Für Lultusbeamte: Ganzjährig.fl. 5.— 10 Kreuzer per Nonpareille-Zeile. Erscheint jeden achten Tag. Für Ausland: Abonnements- und Jnsertionsbeträge sind in Wien zahlbar. Motto: „Das Tiegel Gottes ist Wahrheit!" Ganzjährig.12 Mark 6 Rubel oder 16 Frcs. Nr. 25. Wirn> 1. August 1899. Inhalt: Der Jugend-Gottesdienst. — David Kaufmann. (Ein Nachruf.) — Berichtigung. — Zur Geschichte der jüdischen Tradition. — Eine Reise im heiligen Laude. — Gemeindebote. — Literatur. — Feuilleton: Heimweh. — Zum jüdischen Synagogen- und Gemeindeleben im Mittelalter. — Verschiedene Nachrichten. — Publicationen des österr.-ung. Cantoren-Bereines. — Feuilleton: Der Nihilist. — Verkehr. Diejenigen geehrten Herren Abonnenten, welche den Abonnementsbetrag bisher noch nicht eingesendet haben, werden ersucht, denselben umgehend an uns gelangen zu Die Administration. Der Ingend-Gottesdienst. Das hohe Ministerium für Cultus und Unterricht hat den Religionslehrern nun wieder ein wichtiges Recht eingeräumt: sie sind Mitglieder der Maturitäts-Prüfungscommissionen geworden und haben als solche schon an den letzten Prüfungen mit Sitz und Stimme theilgenommen. Wir anerkennen es dankbar, es ist dies wieder ein Schritt weiter, um der Religion und ihren Vertretern an unseren Mittelschulen den Platz einznräumen, welcher ihnen vermöge der Heiligkeit und Wichtigkeit des Gegenstandes gebührt. Wenn man auch nur sonst daran dächte, den jüdischen Religionslehrern die ihnen lange vorenthaltenen Rechte zu geben, ihren Pflihten würden diese Männer gewiss gerne Nachkommen. Ein Schmerzenskind im Religionsunterrichte ist und bleibt aber noch immer der Jugend-Gottesdienst. Wie die Verhältnisse liegen, muss man sagen, wir haben einen Gottesdienst gleich den Schülern anderer Bekenntnisse, lvas uns aber fehlt, das ist die Beaufsichtigung der Jugend während des Gottesdienstes, eine Beaufsichtigung von Seite der Lehrer, welche unserer Confession angehören. Diese wird den andersgläubigen Schülern in ausgedehntem Maße zu Theil. Die Jugend, sich selbst überlassen, wird schon durch den Mangel einer Aufsicht, sehr leicht verführt, während der Andacht ein oft sehr andachtsloses Wesen zur Schau zu tragen, und so wird der löbliche Zweck gänzlich verfehlt, den man mit dem Gottesdienste beabsichtigt. Während der Thora-Vorlesung, während die wichtigsten Gebete recitirt werden, auch während der Exhorte, insbesondere, wenn sie etwas in die Breite geht, herrscht in den heiligen Räumen ein Gebrause, auf welches ich nicht anwenden will das Wort des Propheten, das da lautet: „Und die Frevler sind gleich einem aufgeregten Meere, das nicht ruhig sein kann." Der erste und bedeutendste Mangel unseres Jugend-Gottesdienstes wird so die absolute Weihelosigkeit. Da mag dann die Orgel ihre feierlichen Klänge ertönen lassen, der Gesang mächtig emporrauschen, der Prediger zum Herzen und znm Gemüthe sprechen, was nützt dies Alles, wenn Unruhe die Andacht stört, die Seele fehlt, welche dem Leibe das Leben gibt. Freilich wird Mancher mit dem Sprüchlein schnell fertig sein: „Wie die Alten sangen, so zwitschern die Jungen." Es soll nicht geleugnet werden, dass die Kinder, wenn sie ihre Aufmerksamkeit den Vätern zuwenden, von diesen im Gotteshause nicht viel Schönes lernen können. Es ist eine Klage, die schon im 14. Jahrhundert in der „Iggeret Mussar“ des Salomo Alami ihren Ausdruck findet, dass der Jude in seiner Synagoge leider nicht ruhig sein kann. Nun denn, beruht diese Klage auf Wahrheit, so machen wir es umgekehrt, „wende sich das Herz der Väter den Kindern zu", vielleicht werden die Alten von den Jungen etwas lernen, was ja auch ein Erfolg, „des Schweißes der Edlen" werth, wäre. Zwei Mittel wollen wir angeben, durch welche Weihe nnd Andacht dem Jugend-Gottesdienste gegeben werden könnte, es find dies: 1. Das Streben, den Gottesdienst verständlich zu machen, und 2. eine wahrhaft angemessene, geist- und gemüthvolle, nicht allzulange, aber für die Jugend dem Inhalte und der Form nach passende Exhorte. Was den ersten Punkt anlangt, so missverstehe man mich nicht. Wir wollen nicht die Einführung deutscher Gebete. Im Gottesdienste muss der heiligen hebräischen Sprache ihr ganzes Recht gewahrt bleiben. Aber die Jugend muss wissen, was sie sagt und singt. Ein unverstandenes Schaustück darf diese heilige Handlung nicht sein. Wie aber soll dieses Verständnis herbeigesührt werden? Da muss die Schule nachhelfen. Was nützt die Lectüre der Thora, wenn die Schüler die wichtigsten

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