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Die Wahrheit · 1899-07-21 · Heft 24 (21.7.1899) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 24 (21.7.1899)
Date
1899-07-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit. Nr. 24. 11. d. M. nach dem Kerepescher Friedhofe drängte, zur Hälfte aus den ausländischen Verehrern des Unsterblichen, und daher kam es auch, was in Budapest beim Leichenbegängnisse eines Juden bisher niemals der Fall war, dass an dem Sarge David Kaufmannes, welcher blos von der Friedhofshalle bis zum Grabe getragen wurde, also auf dem Wege von einigen Schritten, nicht weniger als elf Trauerreden gehalten wurden. Aus Budapest sprachen drei hervorragende jüdische Gelehrte: der Orientalist Dr. Ignatz Goldzieher, Rabbiner Dr. Samuel Kohn und Seminarprofessor Dr. Wilhelm Bacher. Aus Wien: der Vertreter der Wiener Cultusgemeinde, Cultusvorsteher Banrath Wilhelm Stiaßny, und der Professor des Rabbinerseminars Dr. Heinrich Müller. Aus Breslau: Rabbiner Dr. Ferdinand Rosenthal und Professor Di'. Brann. Aus der ungarischen Provinz: die Rabbiner Di-. Klein, Groß-Becskerek, und Dr. Alexander Büchler, Keszthely. Aus dem Geburtsorte des Verstorbenen: Rabbiner Dr. Steinhardt und als Delegirter der Brünner Cultusgemeinde Secretär Dr. Oppenheim, ein Schwager des Verstorbenen. Und doch war diese Leichenfeier die dritte, welche dem armen Kaufmann zu Theil ward. Ehe man den theueren Todten aus Karlsbad in seine Heimat führte, pilgerten viele Hunderte vorigen Sonntag Vormittags nach der Todtenhalle des Karlsbader jüdischen Friedhofes, wo die irdische Hülle Kaufmanns provisorisch aufgebahrt wurde, um dem großen jüdischen Gelehrten die letzte Ehrung zu erweisen. Außer seinen Familienmitgliedern, die aus Budapest und Mähren nach Karlsbad eilten, waren daselbst bei der Trauerfeier zugegen: der Präsident der Budapester israelitischen Religionsgemeinde Sigmund Rosner, Rabbiner Dr. M. Kayserling, A. v. Sternthal, Professor Jonas Baron, Dr. S. Glück, Hoflieferant Josef Bernstein, Eduard Fleischmann, dann die Herren Moriz Heller, D. Kallmann, Adolf Weiner, Jakob Messinger, Leopold Velvart, Bernhard Eckstein und noch viele andere Budapester Herren, Dr. Gustav Karpeles (Berlin), Dr. Maybaum (Berlin) und unzählige ungarische und nichtungarische Curgäste. Ferner die Vertreter der Karlsbader Cultusgemeinde unter Führung ihres Präsidenten Herrn Moser und des Rabbiners Dr. Julius Ziegler, ein Schüler des Verewigten, welcher in einer ergreifenden Rede von seinem Lehrer und Meister Abschied nahm. Sodann würdigte Dr. M. Kayserling in einer groß angelegten Trauerrede die Fackel der jüdischen Wissenschaft, die Leuchte Israels, die so früh und so plötzlich ausgelöscht wurde. Nachdem der in Schwarz gehüllte, jeder Verzierung entbehrende Sarg auf den Leichenwagen gehoben wurde, setzte sich der Zug nach dem Bahnhofe in Bewegung. Montag Abends traf die Leiche am Budapester Ostbahnhof ein und wurde von den Vertretern der Chewra Kadischa in Gegenwart der zahlreichen Schüler und Verehrer des Verblichenen mit großer Trauer empfangen. Sodann wurde der Sarg auf den Todtenwagen der Chewra Kadischa gelegt und, von einer theilnahmsvollen Menge begleitet, in das Todtenhaus des Kerepeser Friedhofes befördert. Dies war das zweite Leichenbegängnis. Am 11. d. M., 4 Uhr Nachmittags, fand das endgiltige Leichenbegängnis statt, welches die Pester Chewra Kadischa, von der Cultusgemeinde und der trauernden Familie gemeinsam unterstützt, so trefflich arrangirte. Alles, was sich an hervorragenden Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in der vorgeschrittenen Sommersaison in Budapest aufhält, war bei der Trauerfeier in der Friedhofshalle zugegen. Die Professoren des Rabbinerseminars unterbrachen nach Eintreffen der Trauernachricht ihre Sommerferien und eilten aus verschiedenen Theilen des Landes nach Budapest, um das Leichenbegängnis ihres geliebten Collegen so imposant als möglich zu gestalten. Die hervorragendsten jüdischen Gelehrten Ungarns und zahlreiche ausländische Koryphäen der Wissenschaft des Judenthums waren gekommen, um dem Dahingeschiedenen die letzte Ehre zu zollen. Zahlreich sind auch die Seminaristen und ehemaligen Schüler Kaufmann's erschienen, so dass die ganze Todtenhalle von einer theilnahmsvollen Trauerversammlung überfüllt war. Bei der Trauerfeier waren zugegen: In Vertretung der Religionsgemeinde und der Chewra Kadischa ihre sämmtlichen in Budapest weilenden Vorsteher, Ausschussmitglieder und Repräsentanten; vertreten waren ferner das Rabbinerseminar, dieLehrerpräparandie, der Frauenverein, der Lehrerverein, sämmtliche Schulen und Wohlthätigkeits-Jnstitute; die jüdischen Gemeinden Ofen, Altofen und Neupest entsandten ebenfalls ihre Delegirten. Ferner waren zugegen die Vertreter der Wiener Cultusgemeinde, der Wiener jüdischen Hochschule, des Wiener jüdischen Museums und des Wiener Rabbinates und der jüdischen Gemeinden zu Breslau, Halle und Kojetein. — An dem Sarge stand, ein Bild unsäglichen Jammers, der greise Vater des Verblichenen, der nicht mehr zu weinen vermochte. Ganz erstarrt sah er auf den Sarg, welcher seinen großen Sohn, die Krone seines Alters, seinen Blicken verschloß. Es war ein erschütternder Anblick, welcher dem Abgestumpftesten Thränen in die Augen lockte. Neben demselben stand ganz gebrochen Frau Dr. David Kaufmann, geborene Gomperz und deren Mutter Frau Witwe Sigmund Gomperz, welche ihren berühmten Schwiegersohn förmlich anbetete. Denselben folgten sein Bruder Ignatz Kaufmann und seine verheirateten drei Schwestern, Frau Ludwig König, Frau Dr. Rosenthal aus Breslau und Frau Dr. Oppenheim aus Brünn mit ihrem Gatten, neben ihnen die Herren Carl und Max Gomperz sammt ihren Frauen. Den gesanglichen Theil besorgte Obercantor Adolf Lazarus in Begleitung eines verstärkten Männerchores. Nach Absingung der vorgeschriebenen Psalmen wurde der Sarg in den Friedhof getragen. -Sodann hielt Dr. Samuel Kohn von dem Raume aus, welcher die Halle von den Gräbern absondert und deshalb von den Kohaniten betreten werden darf, eine ergreifende Leichenrede, in welcher er mit wahrer Eloquenz die Verdienste des Verblichenen würdigte. Es folgten sodann noch, wie wir bereits einleitend erwähnten, zehn rührende Abschiedsreden, die alle Zeugnis ablegten, welch' großer Liebe und Verehrung sich David Kaufmann als Mensch erfreute und wie weit sein Ruf als Gelehrter gedrungen ist. n'S'X'M-u Z- Egerszeg. Unser allverehrter Präses, Herr Fischer Laszlo, der seit 18 Jahren an der Spitze der hiesigen Cultusgemeinde steht, hat vor Kurzem sein Amt niedergelegt.. In der letzten, am 29. Juni stattgehabten Repräsentanten-Sitzung wurde nun einstimmig beschlossen, eine Deputation an den abgetretenen Präses zu entsenden und ihn zu bitten, dass er das Ehrenamt, welches er so ausgezeichnet verwaltet hat, wieder annehme. Die Deputation bestand aus den Herren Vicepräses Dr. Bozsan Gyula, Dr. Grünwald Samu, Rosenberg Zsigo, Grünbaum Ferencz, Buchler Jacob und Fenyvessi Miksa. Auf die Ansprache des Herrn Dr. Grünwald erwiderte Herr Fischer, dass er sein Amt niedergelegt habe, weil er sich krank fühle, sobald seine Gesundheit hergestellt sein werde, werde er mit Vergnügen bereit sein, das Ehrenamt wieder anzunehmen. Diese Erklärung wurde in der Gemeinde freudigst ausgenommen. Großwardein, 16. Juni. Der Präsident der hiesigen orthodoxen Gemeinde, Herr Isidor Ullmann, ist gestern plötzlich gestorben. Koloman Tißa sandte an die Familie ein Condolenzschreiben. Concurs. In der israelitischen Cultusgemeinde zu Lomnitz in -Mähren ist sofort die Stelle eines Vorbeters, der wie auch imp sein muss, zu besetzen. Mit dieser Stelle ist ein Fixum von 1000 Kronen, Naturalwohnung und üblichen Emolumenten verbunden und wollen Bewerber ihre Gesuche an den Gefertigten einsenden. Nur dem Acceptirten werden die Reisekosten vergütet. Der Cultusvorsteher: Elias Zeisel.

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