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Die Wahrheit · 1899-07-11 · Heft 23 (11.7.1899) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 23 (11.7.1899)
Date
1899-07-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 23. Die Wahrheit. der CultuSgemeinde ergriffene Beschwerde an den Verwaltungs- Gerichtshof, betreffend die Bemessung der Uebertragungsgebühren, im Sinne der Beschwerde entschieden wurde. — Wird zur Kenntnis genommen und Herrn Dr. Stein für die neuerliche, erfolgreiche Vertretung der wärmste Dank ausgesprochen. In den Vorstand des „Vereines zur Errichtung und Erhaltung von Krankenanstalten für Kinder, ohne Unterschied der Konfession", welchem laut der Vereinsstatnten der jeweilige Präsident, ferner der Obmann der Wohlthätigkeits-Section des Vorstandes der Cultusgemeinde, sowie ein von demselben aus seiner Mitte zu delegirendes Mitglied anzugehören haben, wird in dieser Eigenschaft Herr Docent Dr. Josef Grünfeld entsendet. In Fortsetzung der Berathung über einen in Stellvertretung des Herrn Rabbiners Jacob Fleißig in das Rabbinats-Collegium zu berufenden Rabbinats-Affeffor, beschließt der Vorstand, Herrn Mayer Meyersohn, derzeit Ober-Rabbiner in Toksani, mit diesem Amte unter der Voraussetzung zu betrauen, dass derselbe vorher von dem Vereine „Beth Israel" zum Vereinsrabbiner bestellt werde. — In den Wirkungskreis des Herrn Rabbiners wird insbesondere gehören: die Belehrung über rituelle Anfragen (Schaaloth), die Mitaussicht über die dem Rabbinate unterstehenden rituellen Institutionen (Mikmah, Koscherfleisch), ferner die Vertretung des Ober-Rabbiners über Weisung desselben in amtlichen Angelegenheiten. Namens der I. Section und des Vertreter-Collegiums beantragte Herr Dr. Maximilian Steiner die endgiltige Activirung der vom Vorstande vor geraumer Zeit beschlossenen Decentralisirung im Trauungswesen. Im Sinne der Ausführungen des Referenten wird beschlossen, dass, vorbehaltlich der diesfalls zu erwirkenden staatsbehördlichen Genehmigung, Trauungs-Anmeldungen, Aufgebote und Eintragungen in die Trauungsmatrike, beziehungsweise von jenem Gemeinderabbiner vorzunehmen sind, welchem der Vollzug der Trauung im gegebenen Falle obliegt. Herr Dr. Steiner referirt über den Antrag des Bethaus- Vorstandes Fünfhaus, den seligen Baron Max von Springer in die dortige Maskir-Liste aufzunehmen. — Im Sinne des Ausführungen des Referenten, welcher auf die Verdienste des Verstorbenen um die seinerzeitige Gemeinde Fünfhaus hinweist, wird dem Anträge zugestimmt. Nach Berathung über verschiedene Personalien wird die Sitzung um l/2ß Uhr Abends geschlossen. Wie«. Vom Vorstande der israelitischen Cultusgemeinde Wien, wurden folgende Stiftungen ausgeschrieben: die „Ettel Goldschmidt'sche Stiftung" für einen mit Auszeichnung absolvirten Bautechniker (Reisestipendium), 1 Platz fl. 400; die „Ettel Goldschmidt'sche Stiftung" für einen Techniker, 1 Platz fl. 100; die „Ettel Goldschmidt'sche Stiftung" für einen Lehramtscandidaten, 1 Platz fl. 100; die „Ignaz Klepetasch'sche Ausstattungsstiftung" für verwaiste Bräute, 1 Platz fl. 100; die „Therese Wertheim'sche Ausstattungsstiftung" für mutterlose Bräute, 1 Platz fl. 164; die „Moritz Goldberger'sche Stiftung" für einen Rabbinats-Candidaten, 1 Platz fl. 300. Sämmtliche mit dem Einreichungstermin bis 31. Juli 1899. Näheres bei der israelitischen Cultusgemeinde Wien (I. Seitenstettengasse 4). Wien, 8. Juli. „In Ausführung des in der Plenarversammlung vom 12. Juni l. I. einhellig gefassten Beschlusses begab sich gestern Vormittags Namens des Donauclubs eine Deputation, unter Führung des Obmannes Baurath Stiaßny, zum Ministerpräsidenten Grafen Thun, um demselben eine Denkschrift über die vom niederösterreichischen Landtage beschlossene Aenderung des Wiener Gemeindestatuts und der Wahlordnung zu überreichen. Baurath Stiaßny machte in längerer Rede auf das offenkundige Unrecht, zu dessen Mitwirkung die Negierung herangezogen werde, aufmerksam und schilderte die dermaligen unerträglichen Verhältnisse in Wien, wobei er die Ueberzeugung aussprach, dass keine österreichische Regierung dem geplanten Gesetzentwürfe ihre Zustimmung ertheilen könne. Weiters verwies der Führer der Deputation in eindringlichen Worten daraus, in welcher Weise die Haupt- und Residenzstadt Wien durch die gegenwärtig Seite 7. herrschende Partei nicht nur moralisch, sondern auch in materieller Hinsicht geschädigt wird. Herr Stiaßny streifte auch die Vorkommnisse der letzten Tage, indem er seiner Ueberzeugung Ausdruck gab, dass in jeder anderen Stadt die Führer einer Partei für immer vom politischen Schauplatze zurücktreten müssten, wenn sie, wie dies jetzt seitens der antisemitischen Partei der Fall war, gegen eine so große Claffe der Bevölkerung, wie die Arbeiter, so unerhörte und häßliche Beschimpfungen gebrauchten. Der Ministerpräsident erwiderte, dass er diese Angelegenheit, deren Wichtigkeit er nicht verkenne, eingehend studiren werde, und dass er, unbeschadet von Parteibestrebungen von der einen oder der anderen Seite, in vollkommen objectiver Weise und im Bewusstsein seiner anvertrauten Stellung die Vorlage entweder zur a. h. Sanction unterbreiten oder dies unterlassen werde. Er sei sich klar, dass er in jedem Falle den Wünschen der einen oder der anderen Partei nicht entsprechen könne. Der Ministerpräsident, welcher sich mit den einzelnen Mitgliedern der Deputation in ein eifriges Gespräch eingelassen hatte, nahm hierauf die Denkschrift des Vereines entgegen. Wie». Am 1. d. M. erhielt die „Oesterreichisch-Jsraelitische Union" von der Cultusgemeinde Jglau die Mittheilung, dass sich im Walde Brezina bei Polna an jener Stelle, wo die ermordete Agnes Hruza aufgefunden wurde, an einem Baume ein Bild befindet, welches drei Juden mit langen Bärten in langem Talar und Talles darstellt, die mit einem Chalif ein Mädchen abschlachten, während daneben eine Frau in einem Metallbecken das Blut ausfängt. Zu diesem Bilde wallfahrteten am 29. Juni (Feiertag) Tausende von Menschen und für Sonntag, den 2. Juli war wieder eine Wallfahrt angesagt. Die „Oesterreichisch-Jsraelitische Union" richtete sofort eine dringende Beschwerde an den Ministerpräsidenten, mit der Bitte, telegraphisch die sofortige Entfernung des Bildes und die Ausforschung, sowie Bestrafung der Urheber dieses Frevels zu verfügen. Der Ministerpräsident hat dieser Bitte entsprochen und das Bild wurde Sonntag Früh vor Tagesgrauen von der Gendarmerie entfernt. Gleichzeitig hat der Verein Schritte Unternommen, um die Eruirung der Thäter zu bewerkstelligen und weitere derartige Agitationen hintanzuhalten. In Polna und Umgebung wird von antisemitischer Seite eine intensive Agitation betrieben, um die Bevölkerung gegen die Juden aüfzuhetzen und an einen Ritualmord glauben zu machen. Es werden massenhaft Flugschriften verbreitet, sowie Ansichtskarten mit den Bildern des ermordeten Mädchens und seiner Mutter, des Schauplatzes der That, des Geburtsortes der Ermordeten rc. Auf die ländliche Bevölkerung machen diese Dinge begreiflicherweise großen Eindruck und die durch so abscheuliche Mittel erzeugte Aufregung gibt zu lebhaften Besorgnissen Anlass? Wien. Dass der russische Kaiser mit der antisemitischen Bewegung durchaus nicht sympathisirt, sondern gerade die Bestrebungen anerkennt, welche der Abwehr derselben gelten, beweist folgende Mittheilnng. Der Czar hat nämlich den vom Vereine zur Abwehr des Antisemitismus, beziehungsweise von dem Präsidenten Baron Suttner herausgegebenen Kalender für Stadt und Land pro 1899 eutgegengenommen und durch ein Dankschreiben den Empfang des Buches seitens der russischen Botschaft bestätigen lassen. Im Anschlüsse hieran wird mitgetheilt, dass auch Kaiser Franz Josef vor Jahren huldreichst gestattete, dass dieser gemeinnützige und trefflich geschriebene Kalender der Familienfond-Bibliothek einverleibt werde. Eger. Bei der vor Kurzem stattgefundeneu Wahl sämmtlicher Vertretungskörper der israelitischen Cultusgemeinde wurden in den engeren Vorstand die Herren Moritz Beck, Heinrich Lang, Edmund Kohn, S. A. Oesterreicher, Richard Schnabel, Heinrich Spitz, Landesgerichtsrath Dr. I. Taussig, Herrmann Weßl; als Ersatzmänner die Herren Wilhelm Bußmann, Leopold Heller und Daniel Schneider; in den verstärkten Vorstand die Herren Moritz Fleischer, Wilhelm Herrmann, M. Dr. Simon Hönig, Max Hübsch, Leopold Lipa, Eduard Löwy, Eduard Reicht, Leopold Schlesinger; in die Umlag-Commission die Herren Leopold Gottlieb, Siegmund

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