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Die Wahrheit · 1899-07-11 · Heft 23 (11.7.1899) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 23 (11.7.1899)
Date
1899-07-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 23. Die Wahrheit. Seite 5. sein Elaborat mit den frommen Worten: „Die Judenfrage gehört mit zu den Mitteln und Matzregeln, durch welche die hohe Hand, die weltregierende, die Menschheit erzieht und erst, wenn diese erzogen ist, wird sie ihr Werk gethan haben; inzwischen muss das Schwere ausgehalten werden." Diese beiden letzten Sätze, die wir im Kern für eine sehr bösartige Blasphemie halten, könnte zu allerhand Folgerungen verführen, etwa so: Die Juden sind auf Gottes Gebot die Erzieher der Christen, — oder anders geformt: Haben die Christen nicht den Juden dankbar zu sein, weil diese durch jene auf immer höhere Culturstufe geführt werden? — oder: könnte die Mission der Juden nicht dadurch beschleunigt werden, dass man ihnen fix sämmtliche Lehrstellen bis zum Cultusministerium gibt? Diese Fragen nach Belieben fortzusetzen, überlassen wir unserem Leser, wir aber bedauern keineswegs, dass Herr Karl Plath das „Schwere" so lange ertragen muss, denn auch wir haben die Ungeheuerlichkeiten seiner Studie mit Geduld ertragen. _ Uuet Uritl) und der Zionismus in Bulgarien. Ehe wir über die Wirksamkeit beider Corporationen sprechen, möchte ich einige Worte über die Bnei Brith im Allgemeinen und die Bulgariens vorausschicken. Das Logenwesen hat in der Assimilationsperiode das Judenthum nur in dem allergeringsten Theile gestreift. Die Freimaurerei mit ihrer Geheimthuerei und Exclusivität übte wenig Anziehungskraft auf unsere Kreise, da man hinter ihr Abfall vom Judenthum witterte, indes hat die Assimilation auch da Wandel geschaffen und nach und nach ein ansehnliches Contingent in die verschiedenen Landeslogen gebracht. Wir müssen darauf verzichten, ein Urtheil über die Ersprießlichkeit dieser Institution für Israel zu fällen, zumal alle freimaurerische Thätigkeit in einen undurchdringlichen Schleier gehüllt ist und wir keine statistischen Daten zur Hand haben, die uns darüber belehren, ob das arische Freimaurerthum, oder aber seine jüdischen „Brüder" sich dabei im Vortheile befanden. Allein wie immer auch das Urtheil ausfallen würde, und wie sehr wir uns davor verwahren, unseren Stammesgenossen in den verschiedenen Logen nichtjüdischer Provenienz das Ausscheiden aus denselben auf die Seele zu binden, so erachten wir die vom amerikanischen Judenthum ausgegangene Bewegung zur Etablirung jüdischer Freimaurer-Logen, mit echtjüdischen Zielen, als eine glückliche Bereicherung unseres Vereinswesens. Wir verdanken diesem Bnei Brith-Bunde nicht blos seine specifische Arbeit für die jüdischen Brüder und seine materiellen und moralischen Erfolge, sondern auch die Weckung und Förderung der nationalen Zusammengehörigkeit und des Bewusstseins der Pflicht der Hilfeleistung gegenüber den Stammesgenossen. Die amerikanischen Bnei Brith nahmen ihre Ziele ernst, und ihre Thätigkeit spielte über die Fluthen des Atlantischen Oceans. Es gelang ihnen, das deutsche Judenthum für die jüdische Freimaurerei zu gewinnen, von da verbreiteten sie sich über Oesterreich-Ungarn, und im abgelaufenen Jahre kam ein Sendbote aus Jerusalem nach Sofia, um auch hier eine Bnei Brith-Loge zu installiren. Man gab vor, es handle sich um Gründung einer Colonie aus Jerusalemer Juden, die man mittelst Colonisationsvereine fertig zu bringen hoffte, was sich dann als falsch herausstellte. Der Logenmeister, ein spauiolischer Jude, fand das richtige Milieu. Gerade in dem Momente als die Zionisten die hiesigen Assimilatoren zu bekämpfen begannen, kam dieser Logenmacher wie ein Heilsbote, der die oberen Zwanzig zu einer Loge zusammenschweißte und ihnen die Möglichkeit gab, neben ihren geheimen Zielen auch den Kampf gegen den Zionismus aufzunehmeir. Das mystische Dunkel, welches die Bnei Brith deckt, reizte und trieb die Wohlhabenden in den Geheimbund, der den Namen man erhielt. Bezeichnend jedoch für die spaniolifchen Bundesbrüder ist der Umstand, dass deren Verfassung feststellt, ihre Loge müsse juden-aschkanasim-rein sein. (Also besitzt das Judenthum auch seine eigenen Judophoben, wie die so hochentwickelten Spaniolen in Sofia und noch andernorts.) Was geschah? Die Weisen der Loge hx'iv' man nahmen ein Blatt vor dem Munde, unter dem Titel „La Verdas", „Die Wahrheit", um gegen die Zionisten loszuschimpfen, und die Zionisten ihrerseits gaben in ihrem Organ „Al Dia“ die erhaltene Beleidigung zurück. Die Verbitterung nahm an Schärfe zu und drohte das Nebeneinandersein von Juden, selbst der „Nosmastri" („Der Eigenen"), unmöglich zu machen. Da geschah das Wunderbare, dass die Einsicht mit der zttnehmenden Gefahr des Bruderzwistes zunahm, und man begann einen Weg zu suchen, auf dem der Segen des Friedens ruht. Das Zustandekommen eines Compromiffes zwischen den Bnei Brith und den Bnei Zion wurde durch das Dazwischentreten des zionistischen Landescentral-Comitö's aus Philippopel und des hiesigen Zionvereines durch eine gemeinsame Conferenz realisirt. Beide Parteien behalten ihre Organe nach wie vor, fallen aber einander nicht mehr an. Beide Parteien sollen nunmehr mit vereinten Kräften für das Wohl des Judenthums arbeiten, jede auf ihre Weise Wie feindlich die Antizionisten den Zionisten gegenüberstanden, illustrirt der Fall der Denunciation des spaniolifchen Blattes „Al Dia“ seitens der Ersteren. Der Sachverhalt ist folgender. In Bulgarien wurde ein Negierungsantrag zum Gesetze erhoben, wonach der Redacteur eines Blattes das Reifezeugnis eines Gymnasiums aufweisen muss. Der Redacteur der „Al Dia“ redigirte sein Blättchen längere Zeit, ohne von der Regierung behelligt zu werden. Die Gegner des Zionismus nahmen nun die ersten Gelegenheit wahr, um das Blatt am Erscheinen zu verhindern und klagten den Redacteur wegen Gesetzesübertretung. Das wirkte. Der Redacteur wurde zu eineinhalbmonatlicher Dunkelhaft verurtheilt. Dank der Bestrebung der zionistischen Advocaten wurde diese Strafe in eine Geldstrafe von 300 Francs umgewandelt. Auch vor anderen unqualificirbaren Handlungen schreckten die Assimilatoren nicht zurück, die wir aber lieber verschweigen wollen. Es erfüllt daher die eingeleitete Friedensaction der Zionisten und Chemdatisten alle Patrioten mit Freude. Wir wollen abwarten, ob die wichtigen Fragen, welche an die Juden Bulgariens herantreten, wie die Wahl eines Grandrabbin, die Reorganisation der jüdischen Schulen u. s. w. auf jüdischer Basis rascher dem Ziele zuschreiten werden. Es wird viel von dem Baseler Congresse abhüngen, die nunmehr platonischen Antizionisten in begeisterte Zionisten umzubilden. Auch davon, dass die „Alliance Jsraelite Universelle" ihren berühmten Licht- und Culturträger, den Director der jüdischen Schule, durch eine andere Persönlichkeit mit mehr jüdischer Gesinnung und Bildung ersetzen wird. Der Zionismus der spaniolifchen Juden in Bulgarien gleicht einer Knospe, welche durch die ersten Frühlingsstrnhlen sich zur herrlichen Blüthe entfaltet. Schon jetzt hat fast jede Gemeinde

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