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Die Wahrheit · 1899-06-21 · Heft 21 (21.6.1899) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 21 (21.6.1899)
Date
1899-06-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Die Wahrheit. Nr. 21. Rabbiner-Seminars und dankte dem Schöpfer des schönen Werkes für seinen unermüdlichen Eifer und die hingebende Treue. Dann sprach rührende Worte des Abschiedes Herr Rabbinats-Assessor 1)r. Biberfeld und dankte dem Entschlafenen für das Vertrauen, welches er in ihn setzte, indem er ihn zum Leiter der Gemeinde bK“it£>* mp berief. Dann öffnete Dr. Biberfeld das trnpn fHK und sprach unter Thränen erstickender Stimme das Ctem tfbto bi* Damit schloss die erhebende, auf alle Anwesende tief einwirkende Trauerfeier. Hernach wurde das aus der Synagoge in den Leichenwagen gehoben. Ein unabsehbarer Zug setzte sich nun in Bewegung nach dem Dblp.fV^ der brnE?" mp- Gemeinde. Trotz des herabströmenden Regens war es Herzensbedürfnis gerade bei diesem großen Todten die NlLv «512N 5i'lb.N" 21,22 zu sein. Nach zweistündiger Fahrt langte man auf dem Friedhof an. Hier war ein Zelt aufgcschlagen und die Kinder des Verblichenen trugen das plK in dasselbe. Nun recitirte der erste Cantor der Adas sisroel-Gemeinde, Herr S. Dubowski, mit wohlklingender Stinnne und tiefer seelischer Empfindung das O'an TBffi. Als er die Worte npb "Ti TD T sang, brachen die Versammelten in lautes Weiuen ans. Nach diesem Gebet sprach der Sohn des Verblichenen, Herr Prediger Dr. M. Hildesheimer, rührende Worte des Abschiedes. Er knüpfte an die Worte an, welche der seelig Entschlafene beim Hinscheideu seiner Gattin sprach, nämlich „lb2Knn bxi 12251 bi*" weinet nicht und klaget nicht, sondern „1VNN schweiget" und „2'QVb K22. {Ti*b i*22" über den Kampf des Menschen mit dem Himmel und der Erde und schloss unter Thränen seine Rede, welche von religiöser und kindlicher Empfindung durchdrungen war, mit den Worten „"pvnb ^£'122 bl2K “b“ gehe hin und genieße den Lohn für Deine Verdienste, die Du Dir hier erworben hast. Dann stattete der Vorsteher Herr Rosenblüht in: Namen der Gemeinde dem theuren entschlafenen Rabbi den Dank für seine weisen Lehren ab. Nun sprach der Rabbiner aus Eisenstadt in Ungarn, dessen Vorgänger im Amte der Verewigte daselbst war. Dieser Rede folgten noch mehrere, wie die der Herren Rabbiner Feilchenscld - Posen, Biberfeld - Berlin, Horowitz - Frankfurt a. M., Kahn-Fulda, Wohlgcmuth-Berlin und die eines Semiuarztzglings. Hernach wurde der große Lehrer und Meister zu Grabe getragen. Nach einem von Herrn Cantor Dubowski in vollendeter Meisterschaft gesungenen D'filti i*btt bi* wurde das fl28 in die Gruft gesenkt und die Erdschollen fielen in dumpfen Tönen hinunter. Nachdem in der Hallenniö gebetet wurde, verließen die Leidtragenden das obiP JT-. - A. Friedmann, Berlin. Vom Curatorium der Israelitisch - Theologische« Lehranstalt in Wie«. Das Curatorium der Israelitisch-theologischen Lehranstalt in Wien, eröffnet im Einvernehmen mit dem löblichen Vorstande der israelitischen Cultusgemeinde in Wien, einen auf die Dauer von vier Jahren berechneten Lehrercurs zur Heranbildung von israelitischen Religionslehrern. Zur Theilnahme werden in erster Linie Lehrer, welche bereits das Reifezeugnis besitzen, ferner Besucher einer Mittelschule und Schüler, welche vier Classen eines Gymnasiums oder einer Realschule mit gutem Erfolge absolvirt haben, zugelassen. Der Unterricht für Erstere findet nur an den Abendstunden und an Sonntag-Vormittagen statt. Beide Körperschaften haben Stipendien in größerer Anzahl und andere Beneficien für die Theilnehmer dieses Curses in Aussicht genommen. Genaue Auskünfte werden auf Wimsch vom Secretariate der Israelitisch- Theologischen Lehranstalt, II, Tempelgaffe, 3 ertheilt. Schriftliche Anmeldungen nimmt das Rectorat bis 30. Juni d. I. entgegen. Das Guratoriunr der Israelitisch-Theologischen Lehranstalt in Wien. Literatur. Pflichte« israelitischer Schulmänner nebst Erziehungs- und -Unterrichtslehre«. Von Israel Singer. Der verdienstvolle Verfaffer hat durch eine fleißige Zusammenstellung der einschlägigen Stellen aus Bibel und Talmud ein höchst werthvolles Werkchen geschaffen, nicht nur für Lehrer und Schulleiter, sondern auch für alle Freunde der jüdischen Literatur, denen hier gezeigt wird, dass die moderne Pädagogik nur den modernen Völkern etwas Neues bietet, während sie bei den Rabbinern schon vor Jahrtausenden modern war. Wir wünschen dem bescheiden sich gebenden Werkchen eine recht wette Verbreitung, welche es vollauf verdient. Lekach tauw, ein Handbuch für praktische Schächter, von Heinrich S. Gelbart. Mit Hilfe mehrerer Fachmänner hat der Verfaffer alle Kennzeichen senchenkranker Thiere gemeinfasslich dargestellt, und jeder gewissenhafte Schochet wird das Büchlein mit großem Bortheil benutzen. Dr. K. Das Synagogenwerk „Hanrnazeach" von M. Wodak, Wien, II., Traunfelsgasse 6, enthält 814 Nuinniern, in welchen die traditionellen Weisen des ganzen Jahres enthalten sind. Für Anfänger ganz besonders empfehlenswerth. Vakanzen. Tisza-Füred iHeves-Com.) orth. G., tüchtiger Vorbeier, erster Schochet, Gehalt 500 fl., Wohnung, halbe Schechita. Bewerber nng. Staatsbürger. — Buda (Congress-G.) Kontorstelle, Schochet, eventuell Religiouslehrer, 15. August zu besetzen. Gehalt 600 fl., Wohnungspauschale 200 fl. Gesuche bis 9. Juli einzusenden — Bekes-Csüba (orth. G.) Vorbetcr, Schochet, Mohel, KabolcS und Hatores von orth. Rab., Gehalt 500 fl., Wohnung, ganze Schechita und Nebeneinkommeu. Spesenvergütnng 25 fl., nur dem Acceptirten. Erzählung von Eduard Kulte. (7. Fortsetzung.) Das sieht so ruhig aus, das schwebt so ruhig hinauf, und auf der Kugel sollte so viel Unruhe, so viel Qual und Jammer sein, als hier untend Wie sie das brennend rothe Feuer verliert und wie sie immer bleicher und bleicher wird, wie sie sich hebt, so mild, so sanft: dort kann es keine Schmerzen geben! Könnt' ich da mit hinauf und oben von der Höhe heruntersehen auf sie, die ein Engel auf der Erde ist! Er schritt weiter und weiter. Die Schritte hallten unter seinen Füßen. Weit und breit auf dem Felde kein lebendes Wesen zu sehen, es ist einsam schauerlich; sein Weg führt ihn an einem kleinen Gehölze vorüber, in dessen Schatten er mit Marien gar manchmal sich ergangen. Ihm scheint's von Weitem, als ob er eine Gestalt erblickt hätte, die bei seinem Vorwärtsschreiten sich in das Dunkel des Wäldchens zurückzog. Fast schien es ihm, als hätte er die Gestalt erkennen sollen: Honza, der Fleischhauergeselle; oder sollte er sich getäuscht habend Aber was sollte Honza jetzt hier d jetzt in später Abendstunde I was hatte er hier vor und warum versteckte er sich, der unheimliche Mensch, in dem dunklen Gehölze? Kalt lief es unserem einsamen Wanderer über den Rücken hinunter, bei den Gedanken, die mit Blitzesschnelle seinen Geist durchflogen! Dass Honza sein Freund nicht sei, das wusste er deutlich genug, Honza war nicht der Mensch, seinen Groll über den zudringlichen Juden zu verbergen. Sollte er es auf den Eindringling abgesehen habend sollte er ihm hier an günstiger Stelle auflauernd Wie konnte er gerade jetzt darauf verfallen, eine solche Absicht in's Werk zu setzend konnte er denn wissen, dass Joffes gerade heute Abend des Weges daher kommen werde? Nein — sagte er sich, nachdem er eine Weile stehen geblieben . war — der Verdacht ist kindisch! — und er setzte seinen Weg weiter fort. Er ging und kam unbehelligt an dem Wäldchen vorüber. Er athmete leichter und freier, wie er es im Rücken hatte; obwohl der Verdacht ihm kindisch geschienen, war er doch. nicht ohne Furcht an der gefährlichen Stelle, wo er einen Feind seiner harrend vermuthete, vorübergegangen. Jetzt erst, nachdem sich seine Furcht als eine unbegründete erwiesen hatte, fing er an zu überlegen, wie es jetzt sein möchte, wenn Honza ihm hier wirklich aufgelauert hätte. Einer von uns wäre gewiss nicht mehr am Leben — dachte er — und wahrscheinlich wäre der Eine ich! Denn ohne Waffen, wie ich da bin, hätte ich gegen ihn, der sicher nicht unbewaffnet gelauert hätte, nicht aufkommen können. Und was wäre es gewesen, wenn ich jetzt nicht wäre? Aller Schmerz wäre zu Ende, alle Qual und alle Pein wäre ans; mein Herz hätte Ruhe und ich wäre jetzt schon drüben in jener Welt, wo die Macht der Menschen nicht hinreicht! Und fast that es ihm jetzt leid, dass er sich in seiner entsetzlichen Vermuthung getäuscht hatte, dass er noch am Leben, noch gezwungen war, diese unermesslichen Qualen mit sich herumzuschleppen. (Fortsetzung folgt.)

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