Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1899
- Issue
- Heft 21 (21.6.1899)
- Date
- 1899-06-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 21. Die Wahrheit. Seite 7. die anwesenden Collegen das dringendste Ersuchen, bei diesen Sitzungen vollzählig zu erscheinen, um die Beschlussfähigkeit zu ermöglichen. (Schluss der Sitzung 1/20 Uhr Abends) Wien. In voriger Nummer haben wir über eine, am 4. d. M. im Stadttempcl der Cultusgemeinde stattgefundene Trauung berichtet, die erst nach dreistündigem Warten der Brautleute und Hochzeitsgäste vollzogen werden konnte. Die vom Vorstande in dieser Angelegenheit eingeleitete Untersuchung hat nun ergeben, dass die Schuld weder einen Beamten noch einen Functionär der Cultusgemeinde, sondern einzig und allein die Partei trifft, die es unterlassen hat, sich, wie es sonst Regel ist, über die Stunde, zu welcher die Trauung vollzogen werden sollte, im Amte zu informiren. Wien. (Humanitärer Geselligkeits-Verein „Rudolfsbnnd.) An jedem Dienstag und Samstag der Woche veranstaltet der Humanitäre Geselligkeits-Verein „Rudolfsbund" in Lachmayer's Tivoli, k. k. Prater, Kegelabende, deren vollständiger Ertrag dem Fonde zur Bekleidung armer Schulkinder zufließt. Damen und Gäste sind bei diesen Abenden höflichst eingeladen. Prag. (Vereinigung der Prager Synagogen.) In Folge der Assanirungsmaßnahmen sind fünf Bethäuser in ihrem Bestände bedroht; sie müssen entweder umgebnut, oder wie die Neu- Synagoge, ganz niedergerissen werden. Die schon seit dem Jahre 1892 bestehenden Bestrebungen zur Fusionirung aller Synagogen haben bisher zu keinem Ziele geführt. Darin ist nun eine Wandlung eingetreten. Am 31. Mai hat die Cultusrepräsentanz die Vorsteher jener fünf Synagogen, und zwar der Neusynagoge, der Zigeunersynagoge, Pinkassynagoge, Hochsynagoge und der großen Hofsynagoge zu einer gemeinsamen Besprechung geladen. Das Resultat war, dass sich die Vorsteher dahin einigten, einen eventuellen Neubau der Cultusrepräsentanz als solcher zu überlassen und das gesammte Vermögen der einzelnen Synagogen der Repräsentanz zum Baue neuer Bethäuser zu übergeben. Die Cultusrepräsentanz hat einstimmig beschlossen, diese Widmung anzunehmen, selbst zwei Bethäuser in Prag zu errichten, eines reformirter und eines orthodoxer Richtung und die alten Bethäuser dann, wenn sie zur Demolirung bestimmt würden, zu übernehmen. Zur Bedingung wurde gemacht, dass keine der fünf Synagogen nachträglich austritt. Die einzelnen genannten Synagogen werden daher demnächst Generalversammlungen abhalten, um den Vertrag mit der Cultusrepräsentanz zu ratificiren. Szeniez. Herr Dr. M. Natzler ersucht uns zu constatiren, dass gegen den jüngst im Tempel zu Szenicz vorgenommenen Confirmationsact seines Sohnes von keiner Seite Einspruch erhoben wurde. Der Thoraspruch erfolgte in normaler Reihenfolge und ohne jede Gegenrede, nur ein einziges Individuum lärmte hiebei. Beim Abgänge des Barmizwah von der Thora wurde sowohl diesem als auch dem Vater desselben vielerseits gratulirt, welcher Umstand ein öffentliches Aergernis in der Gemeinde über den Confirmationsact ausschließt. New Aork. Die Heuer incorporirte israelitische Gemeinde „Tempel Sinai" gedenkt, eine prächtige Synagoge in einer central gelegenen Gegend New-Aorks zu errichten. Bereits hat sie sich einen Bauplatz gesichert, der 125.000 Dollars kosten wird, nach Ansicht erfahrener Grundeigenthumshändler über 170.000 bis 200.000 Dollars Werth sein soll. Einer der angesehensten Rabbiner New-Aorks, Seine Ehrwürden Herr vr. Meyer-Koppstein, und mit ihm ein großer Stab wurde bereits engagirt. Die Gemeinde hat ein Circular erlassen, durch welches unsere Glaubensangehörigen zur Mitgliederschaft eingeladen werden. Die angesehensten Zeitungen New-Aorks haben diesen Appell ausgenommen. Vorläufig ist der halbjährige Beitrag auf 6 Dollars festgesetzt, wird aber beim Abschluss der Subscriptionsbögen auf- 12 bis 15 Dollars erhöht werden. Widmungen von 500 Dollars oder größeren Summen werden auf in der Tempelhalle angebrachten Marmortafeln eingravirt, so ein Beispiel von Generosität zur Ehre Gottes der Menschheit gebend. Die Errichtung einer Schule hat der Verein auch in sein Programm ausgenommen und hat zu diesem Behufe hervorragender Lehrkräfte sich bereits versichert. Der Name eines D. Weil als Präsident gibt uns Gewähr für eine gedeihliche Entfaltung der Thätigkeit dieser Congregation. Gezeichnet ist der uns vorliegende Prospectus von dem Schatzmeister des Vereines Herrn Leopold Löbl (einem gebürtigen Wiener), einen unter unseren Glaubensgenossen geachteten und beliebten Mitglied der New-Iorker Gesellschaft. Verschiedene Nachrichten. Wien. Herr Vr. Emil Riesenfeld, Secretär der Ferdinands-Nordbahn, ein Sohn unseres geschätzten Mitarbeiters Oberlehrers Riesenfeld in Ung.-Brod, hat sich mit Fräulein Clara Konrad verlobt. Wien. Sonntag, den 18. d. M. fand im Tempel, IX., Müllnergasse, die Trauung des Ober-Cantors Herrn David Weiß aus Jglau mit Fräulein Cäcilie Lauer ans Wien statt. Unter den Hochzeitsgästen befanden sich Vertreter der Gemeinde Floridsdorf, wo Ober-Cantor Weiß früher wirkte, ebenso Vertreter der Gemeinde Jglau. Den Trauungsact vollzogen Rabbiner vr. Gelbhaus und Ober-Cantor Kläger. Wien. Das seit vielen Jahren bestehende Cafe Werther, II., Circusgasse 14, bat der im II. Bezirke durch fein öffentliches Wirke» bekannte Herr H. Pöchhacker übernommen. Troppau. Dienstag, den2l.d. M. fand im Cultustempel zu Troppau die Trauung des Herrn Hermann Goldenberg, Cantor in Marienbad, mit Fräulein Therese Blatt, Tochter des hiesigen Oberlehrers Blatt, unter zahlreicher Theilnahme des Vorstandes und der Mitglieder der Gemeinde statt. Den Trauact vollzogen Rabbiner vr. Blüh und Ober-Cantor Singermann. Preßburg. Rach langer Krankheit verschied unser langjähriger, hochgeehrter Chasen, Herr Moses Bernfeld, bekannt unter den Namen Mosche Lautzke, im Alter von 67 Jahren. Bernfeld, der den Ruf eines tüchtigen Chasens besaß, fungirte vorher in den Gemeinden Jaroslau, Klausenburg, D.-Szerdahely und seit nahezu zwanzig Jahren in der hiesigen Gemeinde. In den letzten fünf Jahren versah er bloS die Functionen der Schechita. Das imposante Leichenbegängnis zeugte von der Beliebtheit des Verblichenen. An demselben haben der ganze Vorstand und sehr viele Gemeindeuiitglieder und sämmtliche Bocherim der hiesigen Jeschiwah, nahezu 300, theilgenommen. Im Hause hielt Rabbinats-Candidat Schächter eine Rede. In Vertretung des erkrankten Ober-Rabbiners Schreiber hielt besten Stellvertreter Rabbiner L. Friedmann einen Nachruf, in welchem er die seltene Frömmigkeit, Tüchtigkeit, und besonders den Wohlthätigkeitssinn des Verstorbenen schilderte, an besten Tische fast täglich arme Leute gespeist wurden. Bernfeld hinterlässt eine Witwe und fünf unversorgte Kinder. Der Gemeindevorstand wird gewiss in seiner bekannten Humanität sich der Verlassenen annehmen. <T2“3WT!. So6k»Szelöcze. Sonntag, den 18. d. M. fand hier die Trauung des Herrn Jofua Löwy aus Wien mit Fräulein Rosa Adler statt. Berlin. Der Tag der Beerdigung des Rabbiners vr. I. Hildesheimer gestaltete sich zu einer allgemeinen Trauer für die Berliner Judenheit. Nicht allein die Gemeinde mp, die der Heimgegangene ins Leben gerufen hat und über ein Bierteljahrhundert geleitet, hüllte sich in tiefe Trauer, auch die Hauptgemeinde bewies ihre Theilnahme an dem großen Tobten, indem ihre ersten Vertreter zur Trauerfeier in der Synagoge *7*02»'' mp, wo der Entschlafene vor dem ©Tip.“! p"tK aufgebettet lag, erschienen waren. Die Feier begann um 1 Uhr Nachmittags. Herr vr. Berliner eröffnete dieselbe mit dem Psalm 16 und gab dann seinem Schmerze in einer längeren Rede Ausdruck. Ein ->Lt, ein Fürst in Israel, sagte er, sei dahingegangen, gefallen ist die Krone von dem Haupte der Gemeinde, die er gebildet und geschaffen hat. Wie 2ipP',vondem es heißt na xb, so wird der Heimgegangene ewig in dem Herzen seiner Gemeinde fortleben. Dann legte vr. Berliner das Versprechen im Namen der Gemeinde ab, weiter in seinem Geiste zu leben und aus der von ihm ihr vorgezeigten Bahn weiter zu wandeln. Nach Herrn vr. Berliner sprach Herr vr. Hoffmann im Namen des Rabbiner-Seminars, welches der Verstorbene geschaffen und für dessen Erhaltung er auch sorgte. Herr vr. Hoffmann führte aus, dass der Dahingeschiedene zu den Lehrern auf dem Katheder und der Kanzel gehörte, deren Privatleben auch mit ihren Lehren übereinstimmte. Alsdann ergriff Herr vr. Auerbach aus Halberftadt das Wort im Namen des Curatoriums des