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Die Wahrheit · 1899-06-21 · Heft 21 (21.6.1899) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 21 (21.6.1899)
Date
1899-06-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DieWatzrHsit Redaction u. Administration: Wien, Il/j, Novaragasse 27. HimMirgige Keilschrift für Mische Bezugspreis: Ganzjährig.fl. 6.— — Halbjährig.st. 3.— K. f. österr. Postsparcassa Check-Conto Nr. 846.251. ^irlere^en. Für Lultusbeamte: Ganzjährig.st. 5.— Inserate 10 Krenzer per Nonpareille-Zeile. Erscheint jeden achten Tag. Für Ausland: Abonnements- und Jnsertions- Ganzjährig.12 Mark betrage sind in Wien zahlbar. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!" 6 Rubel oder 16 Frcs. Nr. 21. Wien> 21. Juni 1899. Inhalt: Die Institutionen der Wiener Cultusgemeinde. — Dr. Israel Hildesheimer. Ein Gedenkblatt. — Zur Geschichte der jüdischen Tradition. (Fortsetzung.) — Gemeinde- und Vereinsbote. — Verschiedene Nachrichten. — Literatur. — Feuilleton: Heiniweh. (7. Fortsetzung.) — Josef Goldstein- (Biographie.) — Der letzte Lcbenstag Goldstein's. — Das Leichenbegängnis. — Feuilleton: Der Nihilist. (15. Fortsetzung.) Die Illstltlltiüuen -er Wiener Cnltnsgemeinde. Als treffende Illustration des in unseren letzten Betrachtungen geschilderten Verhältnißes zwischen der Cultusgemeinde und den einzelnen Vereinen dient auch eine Thatsache, die wir wohl bei früherer Gelegenheit schon einmal flüchtig gestreift, jedoch noch immer nicht mit genügender Deutlichkeit der Oeffentlichkeit vorgeführt haben. Der letzte Jahresbericht des „israelitischen Synagogen-Vereines Beth-Jsrael nach polnischem Ritus" enthält folgenden bemerkenswerthen Passus: „Bei der Rückschau auf die Geschichte unseres Vereines in dem verflossenen Jahre können wir mit Genugthuung constatiren, dass sein Ansehen und sein Einfluss nach außenhin eine erhebliche Steigerung erfahren hat. Es ist dies vornehmlich eine Folge der intensiven osficiellen Betheiligung unserer Vereinsleitung all den Vorarbeiten für die in dem Berichtsjahre vollzogenen Wahlen der Wiener israelitischen Cultusgemeinde. Unser Präses hat in den verschiedenen Wahlcommissionen zwischen den mannigfachen, dort propagirten Tendenzen glücklich vermittelt und eine einigende Wirkung auszuüben vermocht. Der geehrte Präses der Cultusgemeinde hat auch dem Obmanne unseres Vereines ein Schreiben zugefertigt, worin dem letzteren der Dank für die erfolgreiche Intervention in der vorjährigen Wahlcampagne in besonders anszeichnender Weise ausgedrückt wurde." Es ist wohl ganz natürlich, dass die Vereine und namentlich die Bethausvereine, die ja eine größere Anzahl von gleiche cultuelle Ziele anstrebenden Gemeindemitgliedern repräsentiren, auf den Ausfall der Wahlen Einfluss zu nehmen und die Männer ihres Vertrauens in den Cultusvorstand zu bringen suchen, aber auf die Reinheit der Wahlen wirft es kein besonders gutes Licht, wenn der Vorstand oder der Präses der Cultusgemeinde sich veranlasst sieht, nach dnrchgeführter Wahlcampagne den einzelnen Vereinen den Dank für die gethane Arbeit abzustatten. Es wird dadurch eil« gewisses Abhüngigkeitsverhältnis des Vorstandes von den Vereinen zugestanden, welches das Ansehen des Vorstandes schädigt und mitunter auch dem Säckel der Gemeinde gefährlich werden kann. Jedem Unbefangenen müssen sich derartige Conclnfionen aufdrängen, natürlich vorausgesetzt, dass das erwähnte Dankschreiben überhaupt existirt. Aber wie uns von maßgebender Seite mitgetheilt wurde, soll der Präses der Wiener Cultusgemeinde gar nicht ein derartiges Dankschreiben an den genannten Synagogenverein gerichtet, sondern nur diesem und auch anderen Bethausvereinen für die Ueberlassnng der Localitäten zur Vornahme der Wahlen den Dank des Cultusvorstandes ausgedrückt haben. Freilich wird man dabei sofort die Frage stellen, warum der Präses der Cultusgemeinde einen derartigen öffentlichen Missbrauch seines Namens bis heute ruhig hingenommen hat, und die Antwort auf diese Frage nur in der Schwäche finden, die der Cultusvorstand in den meisten Angelegenheiten den Vereinen gegenüber bekundet. Wir sind gewiss die Letzten, die die Bedeutung der Bethansvereine unterschätzen, ja wir sind vollkommen überzeugt, dass ein gedeihliches Zusammenwirken derselben mit dem Cultusvorstande den Interessen der Cultusgemeinde höchst förderlich sein könnte, namentlich in jenen Agenden, bei welchen in Folge der immer zunehmenden territorialen Ausdehnung der Cultusgemeinde eine gewisse Decentralisatiou unbedingt nothwendig sein wird. Dies wäre z. B. auch der Fall bei der Regelung der Koscherfleischfrage, resp. bei der Aufficht über den Verkauf des Koscherfleisches. Dass von dem Wiener Rabbinate in seiner gegenwärtigen Zusammensetzung über das ganze große Gebiet der Wiener Gemeinde eine nur halbwegs erfolgreiche Beaufsichtigung des Koscherfleisches durchgeführt wird, ist eine absolute Unmöglichkeit, und es wäre darum höchst angezeigt, dass den Rabbinern der einzelnen Bezirke ein Theil dieser Agenden übertragen würde.

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