Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1899
- Issue
- Heft 20 (11.6.1899)
- Date
- 1899-06-11
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10. Die Wahrheit. Nr. 20. Handelskammerrath. Beide waren sie Biedermänner und erfreuten sich unbegrenzter Hochachtung. In zwei mächtig ergreifenden, monumentalen Leichenreden würdigten Seine Ehrwürden, Herr Oberrabiner Dr. Moritz Schwarz vor einer überaus großen Anzahl von Trauergästen das thatenreiche Leben dieser Heimgegangenen. Glänzend und herzerhebend, von passenden hebräischen Citaten durchwoben, schilderte Seine Ehrwürden begeistert ihre Religiösität und Gottergebenheit, ihren Wohlthätigkeitssinn und ihr ersprießliches Wirken in der Gemeinde. Ergreifend fungirte auch bei beiden Leichenbegängnissen Herr Obercantor Adolf Szünto. Friede ihrer Asche! — Szögyi. gambutQ. Die is raelitische höhere Töchterschule, die hier seit beinahe sechs Jahren, dank der Initiative unseres Herrn Oberrabbiners Hirsch, besteht, ist mit Beginn des Sommerhalbjahres in ein neues Heim übersiedelt. Ein sehr hübsches Haus mit Vor- und Hintergarten, in schönster Stadtgegend gelegen, ist durch die Fürsorge des Curatoriums besonders schön und zweckmäßig ausgestattet und zu einem behaglichen Aufenthalt für Lehrende und Lernende eingerichtet worden. Kürzlich fand die feierliche Einweihung der neuen Räume statt, zu der sich außer der ganzen Schule, die Eltern der Schülerinnen, sowie eine Anzahl geladener Gäste, insbesondere Mitglieder des Gemeindevorstandes, das Curatorium der Töchterschule der israelitischen Gemeinde, Herr Realschuldirector Dr. Goldschmidt, Herr Prediger Dr. Leimdörfer und andere angesehene Persönlichkeiten eingefunden hatten. Die Vorsteherin der Anstalt sprach der Schulverwaltung ihren Dank für die neuen, der Schule zugewiesenen Räume aus. Darauf hielt Herr Oberrabbiner Hirsch als Vorsitzender des Curatoriums die Weiherede und constatirte mit Befriedigung, dass die Schule in der kurzen Zeit ihres Bestehens sich bereits das Vertrauen weiter Kreise der Gemeinde erworben habe und jetzt über 100 Schülerinnen in acht Classen unterrichte. (Im nächsten Jahre wird mit Hinzufügung der obersten Classe die Organisation vollendet sein). Der Redner hob ferner die Wichtigkeit des Mädchenunterrichtes hervor, dessen Bedeutung früher gerade in jüdischen Kreisen oft unterschätzt worden sei, und wies auf die Nothwendigkeit hin, auch die weibliche jüdische Jugend zu dem Urquell religiöser Erkenntnis, dem heiligen Texte unserer biblischen Schriften selbst hinzuführen. Schließlich erflehte er Gottes Segen für das neue Haus und für die, die in ihm weilen. Declamationen der Schülerinnen in deutscher, französischer und englischer Sprache belebten die Feier, die durch Chorgesang eingeleitet und geschlossen wurde. An den Festact schloss sich eine Besichtigung der neuen Schulräume, an der sich unter Führung der Lehrerinnen viele der Anwesenden betheiligten. Dr. A. F. Verschiedene Nachrichten. Wien. (Personal-Nachrichten.) Sonntag, den 11. Juni, halb drei Uhr Nachmittags, findet im israelitischen Tempel, II. Bezirk, Tempelgasse, die Trauung des Fräulein Luise Frankl mit Herrn Ferdinand Beck statt. — Im Tempel nach polnischem Ritus in der Leopoldsgasse findet Sonntag, den 11. Juni, 2 Uhr Nachmittags, die Trauung des Herrn Obercantor Mayer Seifert aus Olesczyce (Galizien) mit Fräulein Trieger statt. — Am 18. Juni, 3 Uhr Nachmittags, findet im Tempel, IX. Bezirk, Müllnergasse, die Trauung des Herrn Obercantor D. Weiß aus Jglau mit Fräulein Cäcilie Lauer statt. Wieu. Am 31. v. M. ist hier Herr Ignaz von Ephrussi, Chef der Firma Ephrussi & Comp., gestorben. Die Firma Ephrussi stammt aus Odeffa, wo sie bis zum Jahre 1883 ein ausgedehntes Bank- und Waarengeschäft betrieb. Bekannt sind die großen Getreide-Lieferungen, welche die Firma Ephrussi an die französische Regierung im Kriege des Jahres 1870 vollzogen hat. Das Stammhaus in Odessa ist im Jahre 1883 in Liquidation zetteten. Die Wiener Firma Ephrussi & Comp, betreibt ausschließlich das Bankgeschäft. Ihr Chef, Herr Ignaz von Ephrussi, gehörte auch bis zu seinem Tode dem BerwaltungSrathe der Oesterreichischen Creditanstalt an. Das Leichenbegängnis, bei welchem Oberrabbiner Dr Güdemann und Obercantor Singer fungirten, gestaltete sich zu einer allgemeinen großen Trauer-Kundgebung, da der Verstorbene von Hoch und Nieder gleich verehrt wurde. Ec war ein Mensch, welcher es verstand, von seinem Vermögen den richtige» Gebrauch zu machen, indem er bemüht war, das Elend seiner Mitmenschen zu bekämpfen und mit segensreicher Hand zu helfen. Er war jedoch ein Mann, der bei seinem Wohlthun die Oeffentlichkeit mied und es ängstlich vermied, als Wohlthäter öffentlich genannt zu werden. Seine Hinterbliebenen mögen in der allgemeinen Theilnahme Linderung in ihrem namenlosen Schmerz finden. Er ruhe sanft! Schaff«. Am l. Juni l. I. wurde Herr Bernhard Kollmann, ehedem Bürgermeister und Cultusvorsteher daselbst, in ein besseres Jenseits abberufen. Kollmann war ein Biedermann in des Wortes reinster Bedeutung. Anknüpfend an den Text des Wochenabschnittes bemerkte daher unser Rabbiner Herr A. Diamant mit Recht: „Auch uns wurde eine saftteiche Traube, die durch Anmuth und Fülle entzückte, entrissen, utk 12 ein Mann, der alle Tugenden in sich vereinigte. Ueberzeugungstreue, Frömmigkeit, Friedfertigkeit, stilles Wohlthun, das waren die Grundzüge seines Charakters. Die Werthschätzung des hochverdienten Dahingeschiedenen kam auch beim Leichenbegängnisse zum Ausdrucke. Die Betheiligung aus Nah und Fern war eine massenhafte. Jeder hatte tiefes Weh im Herzen, und man gewann die Ueberzeugung, dass ein Edler zu Grabe getragen wird. — Das Andenlen dieses Gerechten wird zum Segen gereichen, weil er zur Nacheiferung anspornt und als Vorbild dienen kann. R. Prag. Donnerstag, den 1. d. Dt., Nachmittags, fand vom Tempel in Smichow aus das Begräbnis des dortigen Rabbiners Dr. Samuel Back statt. Im Tempel stand der einfache, aus einfachen Brettern gezimmerte Sarg. Um 2 Uhr erschienen, vom Cultuspräses Herrn Rudolf Grab und dem Bruderschafts-Obmann geführt, die Rabbiner im Ornate, die Herren Oberrabbiner Dr. N. Ehrenfeld, Dr. I. Fischer, Feldprediger Dr. Kisch, Dr. Knöpfelmacher, Dr. Deutsch, D,. Grün, Dr. Hirsch, Dr. Weiner, Kohn aus Königgrätz, Dr. Posnansky aus Pilsen, Dr. Schwarz, Eger, Dr. Neumark, Rakonitz und Schwarz aus Kladno. Im Tempel war ein sehr zahlreiches, distinguirtes Publicum versammelt, auch viele nichtjüdische Honoratioren. Die Cultusgemeinde-Repräsentanz war durch Präses Dr. Rosenbacher, Dr. Bendiener und Schriftsteller S. Kohn vertreten, die Landesjudenschrfts-Repräsentanz durch Dr. Li chtenstern x. rc. Nach den üblichen Trauergesängen hielt Herr Dr. Ehrenfeld im Tempel eine ergreifende Trauerrede, worauf Herr Dr. Weiner (Weinberge) einen czechischen Nachruf hielt. Sodann sprach Herr Präses R. Grab warmempfundene Abschiedsworte. Sodann begab sich der Conduct nach dem Friedhofe Malvazinka, wo noch die Herren Dr. Hirsch und Dr. Posnansky kurze Nachrufe hielten. Herr Dr. Kisch beschloss mit einem hebräischen Abschiedsgebet die würdige Leichenfeier. Baja. Am 21. v. M. war es ein Jahr, dass der allgemein beliebte Cantor Jeremias Mandel heimgegangen ist, und am Jahrzeitstage wurde ihm in würdiger Weise ein Grabstein gestellt.. Schon zeitlich Morgens pilgerten die jüdischen Gemeindemitglieder zum Friedhof hinaus, um ihni den Zoll der letzten Pietät zu bringen, und nach Schachriß begaben sich der Vorstand, der Rabbiner und die Cultusbeamten zum Grabe. Nach Absingung der Schochne Lothe cliomer von Sulzer ergriff Dr. Adler das Wort, um die großen Verdienste und den seltenen Charakter des Verewigten zu schildern, der als ein würdiger Priester seines Aintes waltete und seine Stimme nicht nur im Tempel, sondern auch im Heiligthume der Humanität und Wohl- > thätigkeit erklingen ließ. Nach dem DI male raehamim nahm unser zweiter; Cantor, Herr Braunfeld, in ergreifender Weise Abschied in seinem Namen, I sowie im Namen der Amtscollegen, der Chorknaben und so vieler Witwen und Waisen und Hilfsbedürftigen, deren Wohlthäter und Fürsorger der Verewigte gewesen ist. Cantor Braunfeld sagte unter Anderem: „Du scheidest wohl aus unserer Mitte, doch Dein Andenken wird in unserer Mitte fortleben, Du wirst uns und allen Deinen Amtscollegen auch fernerhin voran leuchten als Musterbild für Tugend und Cantorwürde. Mögest Du auch im Jenseits nnser Meliz josclier sein und dort vor dem heiligen Thron! beten für Deine Amtscollegen, für Deine Angehörigen und für die ganze Gemeinde, so wie Du es hinieden gethan hast. Möge Dein edles Wirken vor dem gerechten Vergelter alles Guten seinen Lohn finden, so wie wir Dir ein ehrendes dankbares Andenkeil unvergesslich auf Erden bewahren werden. Amen!" Die Anwesenden sprachen hierauf das Nenueholl neohLunoL und hiemit war die Feier zu Ende. A. S.