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Die Wahrheit · 1899-06-11 · Heft 20 (11.6.1899) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 20 (11.6.1899)
Date
1899-06-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 20 Die Wahrheit. Seite 5. Lage des ungarischen Judenthums hin, dessen Flügel trotz der erlangten Freiheiten lahmgelegt sind, weil man infolge der Zerfahrenheit von den Freiheiten keinen Gebrauch machen kann. Keine der Parteien ist zur Nachgiebigkeit geneigt, keine will zum Frieden die Hand reichen, und die traurigen Folgen dieser Verhältnisse treten im Gemeindeleben überall zu Tage. Das Ziel eines jeden ehrlichen Juden, so führte der Redner aus, und somit auch das unselige, ist: die Einheit des ungarischen Judenthums herbeizuführen. Es ist das keine kleine Aufgabe, auch kann dies Werk nicht über Tag und Nacht zustande gebracht werden, doch dürfen wir kein Mittel ungebraucht lassen, um die Wege zu bahnen, auf denen man zu diesem Ziele gelangt. Die 8tatu8-ciuo-Gemeiuden wollen keine separate Organisirung anstreben, sondern eine Vereinigung auf Grundlage des 8 oll ule Iran- Aiuich. Rabbiner K r au 8 z aus Debreczin vertrat den orthodoxen Standpunkt, ihm sind die Seminar-Rabbiner ein Dorn im Auge, und darum beantragte er die Ausschließung derselben aus dem Verbände. Umso freudiger würde er die Orthodoxen an die Brust drücken, trotzdem den 8t,ntu8-W0-Rabbinern bei den Orthodoxen der Zugang verrammelt ist. Vielleicht gelingt es — so hat es Herr Rabbiner Krausz herausgetüftelt — durch ein Hintertürchen dahin zu gelangen. Es sollte eine Deputation an die orthodoxe Kanzlei entsendet und ihr die unwandelbare Treue für das althergebrachte Judenthum versichert werden, mit einem Worte: Die 8 t at u s - q u o sollen s i ch mit den Orthodoxen f u s i oni r en. Dass dieser Antrag eine nicht geringe Aufregung hervorrief, ist selbstverständlich. Es dauerte eine geraume Weile, bis die Gemüther zur Ruhe gelangten. Hiezu hätte es ja keiner Consereuz bedurft. Wer an der Orthodoxie Gefallen findet, konnte sich ja schon früher ihr mit Haut und Haaren verschreiben. Wenn es sich nicht um unverrückbare Principien handelte, die man nicht so leicht aufgeben kann, die Unification der ungarischen Juden wäre schon längst zu Stande gekommen. Der Schulchan-Aracli war immer und immer das Streitobject: Die Einen geben vor, ihn getreu zu befolgen, S die Anderen wollten ihn dem Zeitgeiste anpafien, ohne den Kern desselben zu verwerfen, und weil die gegentheiligen Meinungen nicht in einen Korb geworfen werden konnten, entstand der gewaltige Riss im Judenthum. Ob diese neue Vereinigung, der nebenhin bemerkt, nicht alle Ltatus-guo-Gemeinden beigetreten sind, das angestrebte Ziel erreichen wird, ob auf diesem Wege die Unification zu erlangen ist, wir bezweifeln es sehr. Denn die Orthodoxie will unter solchen I Bedingungen ihre Macht nicht aufgeben, sie fürchtet vielmehr die Schwächung derselben und wird, wie vorauszusehen ist, kein Mittel unversucht lassen, diesen Verband in Misscredit zu bringen. Die Eongresspartei hinwieder ist dem Verbände abhold, weil sie I die bittere Erfahrung gemacht, dass die Losreißung der einzelnen Glieder dem ganzen Körper unheilbare Wunden schlägt. Außerdem weiß sie wohl, dass den 8tatu8-guo-Gemeinden nicht so sehr die Einheit des Judenthums am Herzen liegt, als vielmehr das Verlangen, zu besonderen Rechten zu gelangen, die man nur auf diesem Wege 3 u finden mein t. D u u a f ö ld v a r (Ungarn). Rabbiner Dr. Samuel P art 0 s. Ins dem Wiener Üabbinerleminar. Wir haben in der vorletzten Nummer der „Wahrheit" sine ira et studio, in streng sachlicher und objectiver Weise die Aftaire am Wiener Rabbinerseminare besprochen und für Jedermann, der sich die Aufgabe und den Zweck dieser theologischen Lehranstalt vor Augen hält, klar nachgewiesen, dass der Lehrkörper sich bei der Bestrafung der beiden pflichtvergessenen Hörer von einer übel angebrachten Milde leiten ließ. Die öffentliche Meinung — die Hörer des Seminars nicht ausgenommen — geht allgemein dahin, dass Entweihung des Sabbaths und besondere Fertigkeit und Ausdauer im „Tarockspielen" noch keine Anwartschaft auf einen Rabbiuatsposten verleihen, und dass es im Interesse des Seminars geboten gewesen wäre, die jungen Leute, welche sich über Religion, Thora und sittlichen Ernst hinwegsetzten, aus der Anstalt zu entlassen. Aber der Lehrkörper denkt anders und glaubt sich über die öffentliche Meinung hinwegsetzen zu können. Wie mau uns nämlich aus competenter Quelle mittheilt, wird er in der Angelegenheit nichts Weiteres veranlassen, es bleibt vielmehr Alles beim Alten. Für uns ist die Sache keineswegs abgeschlossen. Wir werden in nächster Zeit wieder auf dieselbe zurückkommeu und bei dieser Gelegenheit auch Veranlassung nehmen, die Zustände am Wiener Rabbinerseminar, wie sie durch frühere Erscheinungen und das jüngste Ereignis illustrirt wurden, eingehend zu besprechen. Eines müssen wir aber schon heute bemerken: Der Lehrkörper verkennt offenbar die Bestimmung der theologischen Lehranstalt und es scheint ihm nicht darum zu thun zu sein, jüdische Rabbiner heranzubilden, fonbem die jungen Leute in die Wissenschaft des Judenthums einzuführen. Ob bas Seminar zu diesem Zweck gegründet wurde und mit so großen Opfern erhalten wird, ist wohl mehr als fraglich, aber jedenfalls wäre es gut, wenn wenigstens dieser Zweck ordentlich erfüllt würde. Zur Geschichte -er indische» Tradition. Bon tzector I. H. Weist. Frei aus dein Hebräischen bearbeitet von Dr. I. Kahan. (Fortsetzung.) IV. Abschnitt. Seitdem das Reich in zwei Hälften zerfallen war, ist der allgemeine Verfall eingetreten. Kaum drei Geschlechter nach David füllte sich das Land Juda mit Götzen und heidnischen Gebräuchen, und dieser traurige Zustand hielt an, bis König A s a zur Regierung kam. Er war nicht nur selber fromm, sondern hielt auch sein Volk an, den Gott ihrer Väter aufzusuchen und die Thora und die Gebote zu üben. Er säuberte das Land von den Götzen, und selbst seine Mutter hat er verstoßen, weil sie dem Götzendienste gehuldigt hatte. Alle kostbaren Gerüche, welche den Götzen geweiht waren, ließ er in das Heiligthum Gottes bringen. Nach späterer talmudischer Auffassung wäre es nicht erlaubt, aber, wie wir schon bei Gideon gesehen, waren sie in der älteren Zeit anderer Nleinung. Sie mochten im Gegentheile geglaubt haben, dass sie um so nachdrücklicher ihre Anhänglichkeit an Gott beweisen, wenn sie die götzendienerischen Heiligthümer ihm weihten. Der König Josaphat ging noch weiter und sorgte dafür, dass nach allen judäischen Städten Lehrer geschickt wurden, um dem Volke die Thora zu lehren. Er setzte Richter ein in allen Städten und einen obersten Gerichtshof in Jerusalem, an dessen Spitze zwei Männer standen, und schärfte ihnen ein, nach strengem Recht

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