Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1899
- Issue
- Heft 19 (1.6.1899)
- Date
- 1899-06-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8. Nr. 19. Die Wahrheit. begrüßen, indem er erwähnt, dass sowohl dieser, als auch seine Frau sich in der Gemeinde mit Recht der größten Sympathien erfreuen. Herr Dr. Grünfeld dankt für diese freundlichen Worte. Der Präsident bringt zur Kenntnis, dass der Vorstand der israelitischen Allianz eine besondere schriftliche Einladung zur Theilnahme an der General-Versammlung an das Präsidium, beziehungsweise an den Vorstand, gerichtet habe, und ersucht die Herren, wenn irgend möglich, bei dieser General-Versammlung zu erscheinen. Zur Frage der Herabsetzung des Steuerminimums bemerkt der Präsident, dass dieselbe in einer jüngst abgehaltenen verstärkten Vertreter-Sitzung eingehend neuerlich berathen wurde. Er habe in dieser Sitzung der Ansicht Ausdruck gegeben, dass es sich empfehlen würde, mit Vertrauensmännern der Gemeinde in Fühlung zu treten, bevor der Vorstand in eine Beschlussfassung über diese, einschneidende Aenderungen des Statutes zur Folge habende Angelegenheit eingehe. Zu diesem Behufe würde sich die Einberufung einer Enquöte empfehlen, an welcher m erster Linie jene Männer theilzunehmen hätten, welche seinerzeit zur Berathung des Statuten-Entwurfes von der Regierung bestellt wurden, weiters eine entsprechende Vertretung der Tempelvereine, sowie anderer hervorragender jüdischer Corporationen. Er habe die Absicht, diese Enquete noch im Monate Juni einzuberufen; sollte dies aber nicht möglich sein, würde dieselbe im September stattfinden. Nach längerer Debatte wird der Anregung des Präsidenten zugestimmt und die Durchführung der Angelegenheit dem Präsidenten überlassen. Herr Dr. Steiner referirt Namens der III. Section über die vorbereitenden Schritte betreffend eine Hilfsaction zu Gunsten armer jüdischer Wöchnerinnen. In Folge der seinerzeit in der Armen-Enquöle gegebenen Anregungen ist der Vorstand dieser Angelegenheit nähergetreten; Referent entwirft ein Bild der bisherigen, dringende Abhilfe erheischenden Zustände aus dem Gebiete der Wöchnerinnen-Pflege. Diese Abhilfe kann nur durch eine gemeinsame Action unter Betheiligung sämmtlicher Frauenvereine erreicht werden. Referent beantragt Namens der III. Section: 1. Den auf Grund des von Herrn kaiserlichen Rath, Äleä.-Dr. S. Kohn, vorgelegten Memorandums ausgearbeiteten Entwurf eines Regulatives für die Action als Grundlage der von dem Actions-Comittz festzustellenden Detail-Bestimmungen zur Kenntnis zu nehmen. 2. Der Cultusvorstand erkläre sich bereit, die im Einvernehmen mit den in erster Linie hiezu berufenen Frauenvereinen in's Leben zu rufende Action nachdrücklichst zu fördern und zu diesem Zwecke die Leitung desselben zu übernehmen. 3. Der Cultusvorstand votire für diese Zwecke einen Jahresbeitrag von fl. 2000, beziehungsweise für das zweite Semester 1899 einen Betrag von fl. 1000, sorge für die Beistellung eines Amtslocales und für die Besorgung der Kanzlei-Arbeiten. Nach eingehender Debatte, während welcher nachdrücklichst, insbesondere Seitens des Präsidiums hervorgehoben wurde, dass die Actton nur dann zweckentsprechend sei und zu einem gedeihlichen Resultate führen könne, wenn in dieser wichttgen Sache im vollen Einvernehmen mit den Frauenvereinen vorgegangen werde und wenn diese sich thatkräfttgst für die Action einsetzen, gelangt der Referenten-Antrag zur Annahme. * Herr Dr. Berger referirt über die Otto Cohn'sche Stiftung für Realschüler und beantragt die Verleihung entsprechend dem Vorschläge des von dem Stifter nominirten Präsentanten, Herrn Moriz Renner, an drei würdige Realschüler. Der Antrag wird angenommen. Aus der vorletzten Sitzung ist nachzutragen, dass über Vorschlag des Vorstandes der Chewra-Kadischa die Herren Moriz Karpeles und Jakob Moor nach abgelaufener Functionsdauer einstimmig zu Vorstandsmitgliedern dieses Vereines wieder nominirt wurden. In derselben Sitzung wurde das AufsichtS- Damen-Comite für das Alterversorgungshaus durch die Damen Linda Sternlicht und Regine Epstein verstärkt. Wien. Der jüdische Schulverein für den X. Gemeindebezirk Wien hat am 23. v. M. seine constituirende General-Versammlung abgehalten. Dieselbe wurde vom Einberufer, Herrn I. S. Strassberg, der für die gute Sache kein Opfer scheut, mit begeisterten und begeisternden Worten eingeleitet. Herr S. Knöpfelmacher schilderte in markanten Zügen die Nothwendigkeit einer Stätte zur Pflege der jüdischen Geschichte und Literatur. Die Begeisterung, mit der sein Referat ausgenommen wurde, lässt für die Zukunft das Beste hoffen. In den Vereinsausschuss wurden gewählt die Herren Moritz Faltitschek, Samuel Knöpflmacher, Dr. Moritz Kraus, Johann Lampl,Salomon Pisk,Dr. Max Rosenthal, Carl Seligmann, Dr. Josef Steiner, Jacob S. Strassberg und David Weiß. Der Ausschuss hat sich, wie folgt, constituirt: Zum Obmanne wurde Herr Strassberg, zum Obmann-Stellvertreter Herr Dr. Rosenthal, zum Schriftführer Herr S. Knöpflmacher und zum kassier Herr Dr. Josef Steiner gewählt. Der Verein, der schon vom Beginne des nächsten Schuljahres im X. Bezirke eine jüdische Schule in's Leben ruft, verdient von Allen begrüßt und auf's Wärmste unterstützt zu werden. Bisenz, 29. Mai 1899. Der gestrige Tag gestaltete sich für unsere Gemeinde zu einem wahren Freudentage. Denn zum erstenmale in unserer Mitte wurde in äußerst feierlicher und würdevoller Weise die „Mädchen-Confirmation" begangen. Schon lange vor der festgesetzten Stunde war der in allen seinen Theilen festlich beleuchtete, mit Pflanzen gezierte Tempel von einem distinguirten Publikum bis auf das letzte Plätzchen gefüllt. Wir bemerkten unter den Anwesenden den Gesammtvorstand, den Lehrkörper mit der Schuljugend, einige Herren Officiere der hiesigen Garnison, sowie viele nichtjüdische Gäste. Kurz vor 4 Uhr Nachmittags erschienen die in Weiß gekleideten Confirmandinnen — 16 an der Zahl. Die Feier wurde mit einem Präludium eingeleitet, worauf nach Absingung des „Nu Towu“ das Confirmationslied von dem verstärkten Damenchore, unter der bewährten Leitung und umsichtigen Führung unseres Cantors und Secretärs Herrn Schulz exact und wirkungsvoll vorgetragen wurde. Die Festpredigt hielt unser allverehrter Rabbiner Dr. Josef Hoff. In schwungvoll begeisternden Worten ermahnte er die Confirmandinnen, nur Gott zu fürchten, seine Gebote zu halten und legte ihnen liebreiche und beherzigenswerthe Ermahnungen für ihr künftiges Leben in solch' warmen Worten an's Herz, dass alle Anwesenden sichtlich einen tiefen Eindruck gewannen und mächttg ergriffen wurden. Vor offener Bundeslade legte nun die Confirmandin Laura Fürst im Namen Aller das Glaubensbekenntnis ab, worauf dann jede Einzelne ihren Wahlspruch vortrug. Nach Einsegnung der Confirmandinnen und Absingung von Choralgesängen hatte die erhebende Feier ihren würdigen Abschluss gefunden. Weisteuburg. In der Gemeinde Jgaz im Weißenburger Comitat wohnen insgesammt drei jüdische Familien; diese besitzen weder ein Beihaus, noch eine Schule, da die Mittel der kleinen Gemeinde hiezu nicht ausreichen, noch aber auch einen Friedhof, da ein solcher bisher noch gar nicht nothwendig war. Vor einigen Tagen starb jedoch das Oberhaupt der einen Familie, und die armen trauernden Angehörigen kamen in nicht geringe Verlegenheit, da der Leichnam in eine Ortschaft mit einem jüdischen Friedhof hätte transportirt werden müssen. Die Vorstehung der Gemeinde machte aber bald diesen Sorgen ein Ende, indem sie vom Grundbesitz der Gemeinde ein kleines Gebiet den jüdischen Familien zur Benützung als Friedhof anwies. Erwühnenswerth ist auch, dass bei der ersten Bestattung in diesem Friedhof der Pfarrer der reformirten Gemeinde die Grabrede hielt. Zur Beachtung. Hauslehrer (Correpelitoren, Jnstructoren), Hofmeister (Erzieher), Vorleser, Schreiber (Stenographen), Zeichner, Musiker, durchwegs israelitische Studirende an Wiener Hochschulen, empfiehlt bereitwillig und unentgeltlich auf schriftliche Anfragen hin Dr. Friedrich S. Krauss, Wien, 1, Weihburggasse 10. I. Stock.