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Die Wahrheit · 1899-06-01 · Heft 19 (1.6.1899) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 19 (1.6.1899)
Date
1899-06-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Die Wahrheit Redaktion u. Administration: Wien, 11/j, Novaragasse 27. Anabhängige Abschrift für Mische Bezugspreis: Ganzjährig.fl. 6.— Halbjährig.fl. 3.— K. k. österr. Postsparcassa Chcck-Conto dir. 816.251. Interessen. Für Lnltusbeamte: Ganzjährig.fl. 5.— Inserate 10 Kreuzer per Nonpareille-Zeile. Erscheint jeden achten Tag. Für Ausland: Abonnements- und Jnsertions- Ganzjährig.12 Mark betrage sind in Wien zahlbar. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!" 0 Rubel oder 16 Frcs. Nr. 19. Wien, 1. Juni 1899. Inhalt: „Lesterr. Wochenschrift" und „Welt". — Die jüdische Nationalität. — Die Friedens-Conserenz. — Zum Anträge Di-. Lueger's. — Aus Bulgarien. — Napoleon I. und die Juden. (Fortsetzung.) — Gemeindebote. — Die isr. Cultusbeamten nach dem Jubiläumsjahre. — Bereinsbote. — Berschiedene Nachrichten. — Feuilleton: Heimweh. (5. Fortsetzung.) Jene geehrten Abonnenten, welche Sommerfrischen oder Kurplätze anfsuchen, werden vehnfs regelmäßiger Zusendung des Mattes um MeKanntgaöe der Adresse gebeten. Gleichzeitig ersuchen wir um freundliche Zusendung der Abonnementsbeträge, da uns die Anhebung derselben in entfernten Bezirken große Kosten und Mühe verursacht. Wost-Khecks stehen zur Werfngnng. Die Administration. „Oesterr. Wochenschrift" und „Welt". Der Antisemitismus hat dem Judenthum nicht so viel genützt, als die erbitterte Fehde zwischen der „Welt" und der „Oesterr. Wochenschrift" demselben geschadet. Der von dem famosen Di-. Lueger und seinen Gesellen colportirte, von verwilderten Schichten gierig aufgenommene Antisemitismus kam gerade reckt, den Jndifferentismus der Juden, der wie schwerer, zersetzender Nebel über dem Volke lag, zu zertheilen, die Gleichgiltigen aufzurütteln, die Schwerfälligen zu beleben, das spekulative Renegatenhum einzudämmen, und die Einzelnen zu einer haltbaren Solidarität zusammenzuschweißen. Vereine zur Abwehr und gemeinsamen Vertheidigung, sowie zum Schutz der Verfolgten entstanden in Orten, wo früher niemals das jüdische Interesse einen Anwalt fand, und wir waren auf dem besten Wege, eine compacte und imposante Macht im Staate zu werden, denn welches Motto die verschiedenen Associationen auch führen mögen, ihre löbliche Tendenz war dieselbe: den depossedirten Juden zu helfen! Milten in diese Einheitsbestrebungen, in die»Hilfsaction, fiel der Streit der beiden Blätter, sagen wir's offen, der Concurrenzstreit zwischen Di-. Herzl und Dr. Bloch, wie Reif auf keimende Saat. Ich will nicht untersuchen, wer angegriffen und wer abwehrt; ich kann nicht richten, welcher im Unrechte und welcher in nothgedrungener Defensive — ich will blos mein Bedauern aussprechen, dass ihr Zank eine Sache schädigt, die durch ihr Einvernehmen außerordentlich gefördert werden könnte. Die deutsche Bevölkerung Oesterreichs, welche den slavischen Theil leicht beherrschen könnte, unterliegt wegen der Spaltungen und des Unfriedens der Parteien. Da gibt's Feudale, Clericale, Sociale, Nationale, Liberale und die Einen beschimpfen und bekämpfen die Andern zum Gaudium der Gegner. Dies Beispiel sollte uns warnen und doch fallen wir in denselben Fehler, bekriegen sich zum Nachtheil der armen, nothleidenden Masse die Zionisten und die Antizionisten, die Unioniften, die Coloniften; der Chor von Herz! und von Bloch. Fragt man sich, wo der Differenzialpunkt liege, der die Geg er trennt und erbittert, so kommt man wieder nur auf das persönliche Gebiet. Einig sind doch Alle, dass etwas für die bedrängten Juden geschehen, dass man ihnen eine Rückzugslinie aus dem verseuchten Europa öffnen, eine Zufluchtsstätte schaffen, eine Scholle zuweisen müsse, die sie zum eigenen Fortkommen bebauen sollen? Man ist doch einig darüber, dass man den Händen, denen man hier das Stück Brot entwindet, irgendwo in einem entfernten Winkel der Erde Arbeit geben müsse? lieber das Wie und Wo darf der Streit nicht so heftig entbrennen! Ob die aus der Misere flüchtenden Juden in Argentinien, am Missisippi, am Miffour' ober am Jordan ihre Pflugschar ziehen sollen, ist von sekundärer Bedeutung, wenn ihnen nur geholfen, die Möglichkeit des Erwerbes gegeben wird. Freilich empfiehlt sich Palästina am besten, weil die Israeliten am liebsten hingehen, wo die Wiege ihres Volkes, die Throne ihrer Könige, der Tempel ihres Gottes standen; wo jeder Berg, jede Höhle, jeder Fluß von den glanzvollen Tagen erzählen, die ihre Ahnen dort lebten, und wo fromme Legenden ihre Zauber über das Land weben. Um hier ausgedehnte, dauernde /Niederlassungen zu schaffen, die nicht jede Laune des Herrschers, die Willkür orientalischer Satrapen über den Haufen werfw soll, muß mit großer Umsicht und Vorsicht vorgegmrgen werden. Darin stimme ich mit Dr. Herzl überein. Nicht um die Schaffung eines Judenstaates handelt sich's, sondern um einen Komplex von jüdischen Colonien, der mit einem Wall staatlicher Garantie umgeben, gegen despotische Acre gesichert werden /' j }

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