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Die Wahrheit · 1899-05-24 · Heft 18 (24.5.1899) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 18 (24.5.1899)
Date
1899-05-24
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. „Gesterreichisch-ungarifche Lantoren-Aeitung." Nr. 18. Wien. Samstag, den 13. Mai, fand die feierliche Einweihung des vom Vereine „Marpeh Lanefesch" neu eingerichteten Bethaufes, II., Glockengasse 4, statt. Zu dem Festgottesdienste hatte sich ein zahlreiches Publicum eingefunden. Unter den Ehrengästen bemerkten wir Cultus-Vorsteher Dr. Marcus Spitzer, die Herren Marcus Bondi, Bernh. Hofbauer, Ad. Schramek als Vertreter der Tempelvorstände, die Vertreter der jüdischen Presse vr. Bloch („Oesterreichische Wochenschrift"), Obercantor Bauer („Die Wahrheit"), Morgenstern („Wiener Jüdische Presse"), ferner Obercantor Schorr und viele Andere. Nach der Absingung der Volkshymne wurden die L'->2v eingehoben und der Obmann des Vereines, Herr I. Stern, begrüßte die Festversammlung und die erschienenen Ehrengäste, worauf vr. Ascher das Wirken des noch jungen Vereines eingehend würdigte. Die Festreden hielten der Vereinsrabbiner Friedmann und Rabbiner Weiß von der Fugbach- Synagoge. Budapest. Das Spital der Pester israelitischen Cultusgemeinde, eines der größten und am besten geleiteten Spitäler der Hauptstadt, veröffentlicht soeben seinen Bericht über das Jahr 1898. In diesem Jahre wurden 1792 (im Vorjahre 1530) bettlägerige Kranke — davon 332 Christen — verpflegt, und zwar auf der internen Abtheilung 971, auf der chirurgischen 592, auf der ophthalmologischen 229. Unentgeltliche Verpflegung genossen 506 Patienten. Die Zahl der ambulanten Kranken betrug 16.500, die der ambulanten Ordinationen 58.980; 59 Percent der ambulanten Patienten waren Christen. Die Gesammtzahl der Kranken betrug 21.217 (gegen 18.618 im Vorjahre). Die Armenärzte haben insgesammt 6459 Patienten behandelt. Die Gesammtausgaben des Spitals betrugen fl. 72.928. Das Spital wurde um ein Röntgen-Laboratorium bereichert, welches vr. Bela Schwarz leitet. Der bewährte ärztliche Stab des Spitals steht unter der Leitung des dirigirenden Primarius Professor vr. Berihold Stiller und der Primarii und Ordinarii Docent vr. Jonas Baron, Professor vr. Adolf Szilli, vr. Emerich Berczeller, Professor vr. Adolf Onodi und vr. Sigmund Szenes. In administrativer Hinsicht wird das Spital vom verdienstvollen Präsidenten der Spitalscommission Leopold Keppich und den Spitalsökonomen Julius Adler und I. I. Mandl in mustergiltiger Weise geleitet. Berlin. Ueberall macht die Freimaurerei, die eine Verbrüderung der Menschheit ohne Rücksicht auf Stand, Rang, Reichthum, Staatsangehörigkeit anstrebt, vernünftigerweise bei der Aufnahme in die Loge keinen Unterschied nach dem Glaubensbekenntnis. Einzig und allein in den skandinavischen Ländern und in Altpreußen verstößt die Freimaurerei, oder was sich hier so nennt, gegen den Hauptgrundsatz des reinen Menschenthums und der Gleichberechtigung aller Bekenntnisse. Vor etwa einem Vierteljahrhundert gelangte allerdings auch in einer der drei altpreußischen Großlogen vornehmlich unter der Einwirkung des damaligen Kronprinzen das Humanitätsprincip zum Sieg. Im Jahre 1872 gab die Großloge Royal Jork, genannt zur „Freundschaft", das sogenannte christliche Princip auf, das in Wirklichkeit höchst unchristlich ehrenwerthe Männer nur wegen ihres Glaubens von der Mitgliedschaft der Loge ausschloss. Die Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln" und die „Große Landesloge" blieben jedoch bei jener Ausschließlichkeit und wussten alle Reformbestrebungen, theilweise unter gröblicher Verletzung von Recht und Wahrheit, wie beispielsweise in dem Kampf gegen Schiffmanu, zu Hintertreiben. Aber auch in der Großloge Royal Jork machten sich bald wieder, besonders seit dem Auftreten des Herrn Stöcker, antisemitische Bestrebungen mit Erfolg geltend. Viele Jahre hindurch wurde zwar von dem Mann, der die Aufnahme in die Loge nachsuchte, das Bekenntuis zum christlichen Glauben nicht verlangt, er wurde aber, wenn er nicht getauft war, in den Berliner Logen rundweg abgewiesen. Alle Versuche, diesem Antisemitismus zu steuern, sind vergeblich geblieben. Es kommen sogar in den Logen gar nicht selten ausgeprägt antisemitische Reden vor. Jetzt steht obeuein, wie die „Latomia" mittheilt, auf der Tagesordnung der nächsten Großlogensitzung der Großloge Royal Jork der Antrag, in die Verfassung einen Zusatz einzufügen, wonach der Suchende sich zu „christlichen Grundsätzen" bekennen müsse. Es wird also das im Jahre 1872 eingeführte Humanitätsprincip von dieser Loge wieder abgeschafft. Vermuthlich sah Kaiser Friedrich eine solche reactionäre Unduldsamkeit voraus, als er der ganzen altpreußischen Freimaurerei eine sehr trübe Zukunft prophezeite. Der Großmeister der Großloge Royal Jork, der Reichstagsabgeordnete Prinz Heinrich zu Schönaich-Carolath, ebenso wie der zugeordnete Großmeister Professor vr. Flohr, haben eine Wiederwahl abgelehnt. Es ist begreiflich, dass sich alle Männer, die einen Funken von Liberalismus in sich fühlen, mehr und mehr von altpreußischen Großlogen zurückziehen und sie ihrer geistigen Verödung überlassen. Es wird vielfach erwartet, dass infolge dieser Strömungen die übrigen Großlogen ihre Verbindungen mit den drei altpreußischen Großlogen aufgeben, insbesondere auch die humanistischen Großlogen Deutschlands ihren Austritt aus dem Großlogenbund erklären. Verschiedene Nachrichten. Wien. Dienstag, den 23. d. M. begingen der Herausgeber unseres Blaltes, Obercantor Jacob Bauer und seine Gattin R o s a l i e, geb. L ö w y, im engsten Familienkreise das Fest der silbernen Hochzeit. Zn den herzlichen Ovationen der nächsten Verwandten gesellten sich zahlreiche Glückwünsche aus Freundes- und Collegenkreisen, trotzdem das Jubelpaar irr lobenswerther Bescheidenheit die Veröffentlichung des Familienfestes abgelehnt hatte. Wien. Fräulein Regine Werther, Tochter des Obmannes des Tempel- und Talmud-Thora-Vereiues, VI., Stumpergasse, Herrn Leopold Werther, hat sich niit dem Fabrikanten Herrn I. Klausner verlobt. Wien. Sonntag, den 21. d. M. fand im türkischen Tempel die Trauung des Herrn Josef Arditti mit Fräulein Linda Russo, Tochter des Herrn Jaques S. Russo, und Montag, den 22. Mai die Trauung des Herrn Peruz aus Prag mit Fräulein Jda Elias, Tochter des Herrn Heinrich M. Elias, statt. Zu beiden Trauungen hatte sich ein zahlreiches distiuguirtes Publicum eingefunden. Die Functionen versahen Rabbiner Papo und Obercantor Bauer. Wien. Montag, den 22. d. M. fand im Leopoldstädter Tempel die Trauung des Herrn Simon Tonnenberg, Obercantor in Ratibor, Preuß - Schlesien, mit Fräulein Adele Schuster, Tochter des bekannten Redacteurs Ignaz Schuster, statt. Unter den Hochzeitsgästen bemerkte man die Vertreterzahlreicher Vereine, der Presse, Director Tintner vom „Gresham" rc. Die Trauungsfunction versahen Rabbiner vr. Schmiedl und Obercantor Goldstein. Wien. Der bekannte Kalligraph für hebräische Schriften, Herr Mayer- Brunner, wohnt von jetzt ab Wien, II., Othmargasse Nr. 14. Troppau. Fräulein Therese Blatt, Tochter des hiesigen Oberlehrers M. Blatt, hat sich mit Herrn Cantor H. Goldenberg aus Marienbad verlobt. Brandeis a. d. Elbe. Der Nestor unserer Gemeinde, Herr Eduard Schulhof, eine der beliebtesten und populärsten Persönlichkeiten, wurde uns nach kurzein Krankenlager durch den Tod entrissen. — Mehr denn 40 Jahre gehörte er dem israelitischen Vorstande an und mehr denn 30 Jahre versah er tu aufopferungsvoller Weise das Amt des Cultusvorstehers der hiesigen Gemeinde. Mit hohem Ernst und voller Hingebung widmete er der Gemeinde und ihren Institutionen seine Kraft, seine Zeit und sein Wissen mit Hintansetzung seiner eigenen Interessen. Ec war eine fromme gläubige Seele voll innigen Gottvertrauens, ein Mann, der trotz der Strömung der Neuzeit unentwegt seine fromme Bahn wandelte und mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln Schule und Gottesdienst förderte. Den Stadtvertretungen zu Altbunzlau und Brandeis — in letzterer Stadt auch dem Ortsschulrathe — gehörte er 30 Jahre an, und seiner einflussreichen und weisen Wirksamkeit in diesen Körperschaften verdankte unsere Gemeinde mancherlei Erfolge. Die Leichenfeier des Verewigten gestaltete sich denn auch zu einer wahrhaft großartigen Kundgebung der Bevölkerung. Gleich nachdem die Trauerkunde vom Tode des verehrten Mannes bekannt worden war, trat der Cultusvorstand zur Berathung zusammen. Es war rührend anzuhören, wie sich sämmtliche Vorstandsmitglieder in Liebe und Verehrung ihres theuern Führers überboten. Am Tage der Beerdigung versammelte sich der gesammte Vorstand in schwarzer Kleidung und Trauerabzeichcn um den Arni im Gemeindehause zu Brandeis. Zur festgesetzten Stnnde fuhren alle Vorstandsmitglieder, mit dem Rabbiner und denr Vorsteher der Beerdigungsbriiverschaft an der Spitze, in einer langen Wagenreihe nach dem Trauerhause in Altbunzlau. Hier hatten bereits

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