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Die Wahrheit · 1899-05-24 · Heft 18 (24.5.1899) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 18 (24.5.1899)
Date
1899-05-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 18. Die Wahrheit. Seite 7, Eine Reise im Heiligen Lande. (Reisebilder von vr. Heinrich Sachse.) Das Wohlwollen des Kaisers gegen die Juden wurde übrigens in höherem Maße durch die oben erwähnten zwölf Antworten gefördert, die gleich nach ihrer Feststellung dem Monarchen mitgetheilt wurden und seinen vollen Beifall fanden. Er bewies den Juden seine Gunst zunächst dadurch, dass er den jüdischen Cult ns gesetzlich regeln ließ. Eine Commission aus der Mitte der Versammlung wurde beauftragt, im Einvernehmen mit den kaiserlichen Commissarien ein Statut des jüdischen Cultus zu entwerfen. Durch dieses Reglement, das von dem Plenum der Versammlung unverändert angenommen wurde, trat der jüdische Cultus aus dem Jncognito heraus, in dem er sich so viele Jahrhunderte hindurch der christlichen Welt gegenüber befunden hatte, und er erhielt zum ersten Mal eine öffentliche, gesetzlich geregelte Existenz. Die Beamten des jüdischen Cultus, deren stille, wenig bekannte Wirksamkeit man vorher mit dem größten Misstrauen betrachtet hatte, wurden fortan von der Staatsgewalt anerkannt, die Functionen der Rabbiner: und die von ihnen zu fordernde Vorbildung genau bestimmt und die Gehaltsverhältnisse staatlich geregelt. Die einzelnen Gemeinden eines oder mehrerer Departements wurden zu Verwaltungsbezirken vereinigt, und als Verwaltungsbehörden derselben die sogenannten C o n s i st o r i e n errichtet, die aus einem Großrabbiner und mehreren angesehenen Laien bestanden. Die Oberaufsicht über alle Consistorien erhielt ein Central- Consistorium zu Paris. Es ist dies die Gemeindeverfassung, wie sie im Wesentlichen noch im heutigen Frankreich besteht. Worauf es aber der Regierung bei der ersten Organisation hauptsächlich ankam, das waren die gewissermaßen politischen Functionen, die den Consistorien übertragen wurden. Außer 'der Verwaltung der Synagogen und der Cultuscassen fiel ihnen nämlich die Aufgabe zu, darüber zu wachen, dass die amtlichen Entscheidungen und Gesetzeserklärungen der Rabbiner: nicht mit den Staatsgesetzen oder den Synhedrial-Verordnurrgen in Widerspruch gerietherr. Ferner hatten sie die Mitglieder ihres Sprengels zur Ausübung nützlicher Gewerbe anzuhalten, und Diejenigen, die keinen ehrlichen Lebensunterhalt Nachweisen konnten, den Staatsbehörden zur Anzeige zu bringen, endlich über die zum Militärdienst ausgehobenen Juden des Bezirkes jährliche Listen zu führen. Trotzdem das Kränkende und Entehrende dieser letzteren Bestimmungen von einigen Deputirten wohl erkannt und bei der Plenar-Berathnng gebührend hervorgehoben wurde, so wagte die Versammlung doch nicht, an dem Entwürfe ihrer Commission, wie er mit den Regierungsvertretern vereinbart worden war, irgend welche Veränderungen vorzunehmen?) Die Versammlung votirte noch dem Kaiser ihren unterthänigsten Dank für seine Gnade und erlaubte sich nur die bescheidene Bitte: Der Kaiser möchte seinem Wohlwollen dadurch die Krone aufsetzen, dass er zu dem Gehalte der Rabbinen eine staatliche Subvention gewähre?) (Fortsetzung folgt.) *) Die Commission hatte schon in ihrem einleitenden Bericht daraus hingewiesen, dass Alles in diesem aus kaiserlicher Huld hervorgegangenen Statut „Wohlwollen und Gerechtigkeit athme", und dass sie eine viel zu hohe Meinung von der Weisheit der Versammlung hätte, um nicht auf eine unveränderte Annahme des vorgelegten Entwurfes mit Sicherheit zu zählen. 2) Diese letztere Bitte wurde erst im Anfang der Regierung Louis Philipp's, 1831, erfüllt, indem die Besoldung der jüdischen Cultusbeamten auf die Staatscasse übernommen wurde. I. Z>crs Zeitige Lcrnd. Um Mitternacht haben wir auf dem „Poseidon" den Karmel umfahren und sind die feuchten Pfade südwärts geglitten, ohne von dem hohen Waldgebirge oder der blühenden Saaronebene etwas zu sehen. Aber die drückende Gluth des Chamsinwindes, die den Aufenthalt in den unteren Schiffsräumen unmöglich macht, ist es nicht, die uns nicht schlafen lässt. Wir ahnen, dass die Natur dieses Landes, dessen Küstensaum in unsichtbarer Nähe liegt, etwas gemein hat mit dem unendlich klaren Zauberhimmel, der sich endlos über uns dehnt. Die funkelnde Pracht leuchtender Sterne, wie sie unser Auge früher niemals gesehen, in unendlicher Menge und strahlendem Glanze, spiegelt sich in der ruhigen See, und aus dem Kielwasser erblitzen unendliche Funken, deren stille Schönheit an die Sterne gemahnt. Stundenlang stehen wir an Bord, hocken wir vorn am Bugspriet, um nur ja nicht den Augenblick zu versäumen, wo vor unfern sehnsüchtigen Blicken der Schleier sich löst, der auf dem Lande dunkel lagert. So gleiten wir gen Süden und harren dem Morgen in banger und fröhlicher Erwartung entgegen. llnd eben erhebt sich der Sonnenball im Osten über dem Horizonte, als der Reisende fern gegen Sonnenaufgang die flache Seeküste erblickt, aus der sich der schroffe Fels erhebt, den die Stadt Jaffa krönt. Lang hingestreckt am Meeresgestade hebt sich die aus hellen Steinen gebaute Stadt in ihrem mittleren Theil steil empor über der grünen See, wo mit ewigem Wogenbrande das Mittellärrdische Meer gegen den Klippenkamm brandet und tost, der allein einen kleinen natürlichen Hafen bildet. Sei mir gegrüßt, Du Felsenriff, An dem gelandet unser Schiff, Sei jede Welle mir gegrüßt, Die Deine Ufer brausend küsst. Es steigt aus grünem Meeresflor Die hohe, weiße Stadt empor, Ob Woge braust und Sturmwind schnaubt. Hebt sie ihr stolzes Felsenhaupt! Der kleine phönizische Stamm, der vor mehr als vier Jahrtausenden sich zuerst auf dem schroffen Uferfelsen ansiedelte und zuerst die örtliche Sicherheit der Lage erkannte, hat wohl kaum je daran gedacht, dass er von der Vorsehung dazu bestimmt sei, das Eingangsthor eines der Menschheit heiligen Landes zu schaffen. Das stolze Schiff, das seine Reisenden und Pilger hier an's Land setzen will, mutz fernab vom Ufer seine Anker werfen, und kleine Boote vermitteln die Verbindung mit dem Strande, indem sie vorsichtig durch die schmale Lücke zwischen den weißumbrandeten Klippen und grünbemoosten Felsen hindnrchschlüpfen. Es ist ein eigener, eigenartiger Anblick, diese schmale Eingangspforte, durch die der Weg in des Orients Wunderland führt. Unser Bootsmann Ali ist aus Tripolis gebürtig und hat es in den zwanzig Jahren seines Aufenthaltes in Jaffa zu einer Stellung gebracht, die ihn als den Scheikh elbahrijiu, als den Fürsten der Bootsleute erscheinen lässt. Er allein vermag die Course der Einwanderungsbörse erheblich steigen und fallen zu lassen. Seine gewaltige braune Gestalt erhebt sich selbstbewusst, während seine klangvolle Stimme die tiefen Gurgel- und Kehllaute tönen lässt, welche die arabische Sprache auszeichnen. Es ist eine Ehrensache für ihn, dass er stets einige Secunden vor der: Uebrigen mit seinem Boote von dem Schiffe abstößt und einige Minuten früher am Quai landet. Aber bis wir an den Quai anlangen, wo noch die Reste der Landungsbrücke stehen, die für den Deutschen Kaiser gebaut war, verfolgt uns der eintönige und lärmende Gesang, mit dem sich die Bootsleute

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