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Die Wahrheit · 1899-05-24 · Heft 18 (24.5.1899) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 18 (24.5.1899)
Date
1899-05-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Die Wahrheit. deren Interesse wir die Angelegenheit publizistisch erörtern, den Fall neuerdings berathen und die beschuldigten Zöglinge, die sich für den Beruf eines Rabbiners unwürdig gezeigt haben, aus der Anstalt entlassen werden. Wehanischorim jisch’men wejirou, welau jesidun and. Ein Hilferuf für Koryslaw. I Vor einigen Wochen haben wir in unserem Blatte die schreckliche Nothlage der jüdischen Arbeiter in Boryslaw geschildert und auf die Hilfsaction der Wiener Israelitischen Allianz hingewiesen. Nun hat sich auch in Galizien ein Hilfscomite gebildet, das nachstehenden Aufruf versendet: „Die sich jetzt vollziehende Umwandlung des primitiven Betriebes der Erdwachsgewinnung in Boryslaw (bei Drohobycz in Galizien) in den Großbetrieb mit maschinellen Einrichtungen hat dort viele Händearbeit überflüssig gemacht. Dazu kam eine ganze Reihe von Vorschriften und Maßregeln seitens der Bergbehörde, welche vom Standpunkte eines S rationellen Betriebes und der Sicherheit aller dabei Beiheiligten zum großen Theile wohl berechtigt erscheinen, zum Theile aber, und besonders durch die Rücksichtslosigkeit der Durchführung und der damit verbundenen Nothwendigkeit großer Investitionen viele kleine Bergbauunternehmer zur Einstellung des Betriebes schon gezwungen haben und noch weitere Einstellungen verursachen müssen. Aus diesem Grunde sind dort in der letzten Zeit Tausende jüdischer Bergwerksarbeiter brotlos geworden, von denen ein Theil, welcher noch nicht aller Mittel bar war, das Weite gesucht hat, während ungefähr fünftausend Personen unbeschreiblicher Roth ausgesetzt sind und mit dem Hunger ringen. Sie, die durch den Schweiß ihrer mühevollen Arbeit den lebendigen Protest gegen jene Anschuldigungen boten, als ob die Juden die schwere physische Arbeit mieden — sie, die zeitlebens an die schwerste und gefahrvollste unterirdische Arbeit gegen kärglichen Lohn gewohnt waren, sind zu derselben auch weiters bereit; doch sie finden in Boryslaw keine Arbeitsgelegenheit, und so irren sie in Verzweiflung umher, und schon beginnen Krankheiten und der Tod ihre traurige Ernte. Die einfachste Humanität gebietet rasche Hilfe, welche vorderhand den Hunger stillen und die Verzweiflung bannen, welche aber hauptsächlich der Arbeitslosigkeit steuern müsste. Dieses Hilfswerk bedarf größerer Summen, und so wenden wir uns vertrauensvoll an die Mildthätigkeit aller Menschenfreunde, ganz besonders aber an unsere besitzenden jüdischen Glaubensgenossen mit der wärmsten und dringendsten Bitte, ihre geneigten Beiträge dem gefertigten Hilfscomito zu Händen des israelitischen Cultusgemeinde-Vorstandes in Lemberg oder der geehrten Redactionen, welche diesen Aufruf veröffentlichen werden, schleunigst zukommen lassen zu wollen. — Außerdem sind uns aber alle Vorschläge wegen dauernder Arbeitsverschaffung besonders erwünscht. Lemberg, im Mai 1899. Für das Hilfscomitö zu Gunsten der erwerblosen jüdischen Bergwerksarbeiter in Boryslaw: Die Reichsraths- und Landtags-Abgeordneten Dr. Emil Byk, Dr. Philipp Furchtmann, Di-. Bernhard Goldman, Dr. Heinrich Kolischer, Dr. Nathan Löwenstein, Jacob Piepes-Poratynski, Dr. Arnold Rapoport, Dr. Moriz Ros enstock, Dr. Maximilian Trachtenberg. Zur Organisation des Ärmemvefens. Ein nachahmenswerthes Beispiel, in welch' zielbewusster und Praktischer Weise freiwillige Armenpfleger auf dem Gebiete des Armenwesens thätig sind, gibt der Board of guardians for the relief of the jewish poor, einer der bedeutendsten jüdischen Wohlthätigkeitsvereine, der in London seinen Sitz hat. Wenn man den 40. Jahresbericht, ein 119 Seiten starkes Buch, das ein genaues Studium all' der eingehenden Details erfordert, aus der Hand legt, so hat man auch dann erst einen schwachen Begriff von dieser größten jüdischen Organisation des Armenwesens, die von Hunderten liebevoller und opferwilliger Menschen geleitet nnd überwacht wird, bei der trotzdem Alles klappt und die ganz durchdrungen ist von dem modernen socialpolitischen Gedanken: nicht Schnorrer zu züchten, sondern zur Selbsthilfe anzuregen und neue wirthschaftliche Existenzen zu schaffen. Zahllose Herren- und Damen-Comitos, die collegial berathen und beschließen, freiwillige Armenpfleger und Pflegerinnen, die die Noth an ihrer Quelle aufsuchen, „freiwillige Mitarbeiter", die für Lehrlinge Stellen ausfindig machen und sie dann beaufsichtigen, Sanitäts- Jnspectoren, die dafür sorgen, dass die Wohnhäuser der Armen allen hygienischen und sanitären Anordnungen entsprechen, und dazu ein ganzer Stab von tüchtigen Beamten, das ist der Apparat, mit dem dieser Verein arbeitet. Es ist nur ein Verein. Alle seine Mittel fließen lediglich aus Beiträgen, Spenden und Legaten. Wenn man die Zahl der genannten und anonymen „subseribers“ überblickt, so staunt man über diesen großen Wohlthätigkeitssinn. Beiträge von 50 oder 100 Pfund Sterling sind nichts Seltenes, wie wäre denn sonst der Verein im Stande, ein Jahresbudget von 44.091 Pf. St. (ungefähr 120.000 fl.) zu decken! Die Thütigkeit des Vereins erstreckt sich auf mannigfaltige Gebiete: I. Gewährung von Unterstützungen. Diese Unterstützungen sind verschiedener Art. Greise, Witwen, Waisen erhalten dauernd oder zeitweise Zuschüsse in Geld oder Naturalien, Kranke bekommen Heilmittel, zahlreichen Familien, die in London keinen Erwerb mehr finden, werden die Mittel verschafft zur Emigration oder zur Repatriirung. 4462 Familien mit 16.241 Köpfen wurden im letzten Jahre diese Wohlthaten zu Theil. Dieser Posten allein machte 15.248 Pf. St. aus. Hiervon erhielten 367 Familien dauernde Unterstützungen mit dem wöchentlichen Durchschnittsbetrage von 6 8h. 1*4 ü. (circa 3^ fl.), 688 Familien wurden in ihre Heimat zurückgeschickt, 26 emigrirten nach den englischen Provinzstädten, 219 nach Amerika, Australien und Südafrika. Darauf wurde 2461 Pf. St. verwendet. II. Gewährung von Darlehen. Die Darlehen werden nicht aus den einlaufenden Spenden, sondern aus besonders von Privaten gestifteten Darlehens-Fonds gewährt. Im letzten Jahre erhielten 1676 Gesuchssteller Darlehen im Betrage von 7348 Pf. St. Die Bewerber müssen jedoch eine gewisse Sicherstellung bieten. Nur der Eteazar-Fond im Betrage von über 3000 Pf. St. diente für solche Gesuchssteller, die keine genügende Garantie aufweisen und darum auf Darlehen aus den anderen keinen Anspruch erheben können. Die Erfahrungen, die mit der Rückzahlung dieser Darlehen gemacht wurden, sind ebenso günstig, wie in den anderen Fällen. Es wurden nämlich aus diesem Fond seit seiner Begründung im Jahre 1866 3099 Pf. St. entlehnt; bis heute wurden davon 2436 L. rückgezahlt. Im Ganzen wurden von den im Jahre 1898 entlehnten 7348 Pf. St. im Laufe desselben Jahres 3263 Pf. St., d. h. 44*4 Percent, zurückerstattet. Die Darlehen sind keineswegs alle gleich. Sie betragen von 1—25 Pf.St. Es überwiegen jedoch die Darlehen von 5 Pf. St. nnd wir finden sie in 681 Füllen. Die Leitung der Darlehens-Casse liegt in den Händen eines besonderen Darlehens-Comitd's. III. Ausbildung von Handwerkern. Das Industrie-Counts hat die Aufgabe, jüdische Knaben bei Handwerkern unterzubringen, ihre Ausbildung zu überwachen und ihnen, sobald diese vollendet ist, durch Anschaffung von Werkzeugen zur Selbstständigkeit zu verhelfen. Nicht weniger als 150 freiwillige Beschützer (visiting guardians) stehen diesem Counts zur .Seite. Ihre Aufgabe ist es, die Lehrlinge zu besuchen, deren Fortschritte zu controliren, Streitigkeiten mit den Meistern bei- A

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