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Die Wahrheit · 1899-05-16 · Heft 17 (16.5.1899) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 17 (16.5.1899)
Date
1899-05-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 17. Die Wahrheit. Seite 7. schweigen bis zur Zeit Usia's, wo Amos zuerst von einem messianischen Reiche spricht, und das nur in allgemeinen Ausdrücken. Er nennt keinen Messias, sagt auch nicht, aus welchem Stamm und Geschlecht er sein wird. — Die eingefallene Hütte David's werde wieder aufgerichtet werden. Israel werde den Rest E d o m s und alle Völker in Besitz nehmen. Die Verbannten kehren zurück, Gott Pflanzt sie auf ihren Boden und sie werden nicht wieder ausgerissen werden von ihrem Boden, den ihnen Gott gegeben (Amos 9, Ende). Eine alte Prophezeiung, vielleicht noch älter als die des Amos', ist, obwohl sie das Davidische Reich nicht erwähnt, von der größten Wichtigkeit, weil sie das letzte Ziel, welches allen Völkern gesteckt ist, deutlich ausspricht. Diese Prophezeiung findet sich bei Jesaja und M i ch a und gehört höchstwahrscheinlich einem älteren, ungenannten Propheten an. Sie lautet bei Jesaja (2., 2—4) und bei Micha (4., 1—3) mit unwesentlichen Veränderungen wie folgt: „Und geschehen wird am Ende der Tage, da wird aufgerichtet sein der Berg des Hauses des Ewigen an der Spitze der Berge und er überragt die'Hügel und' es strömen zu ihm all' die Völker. Und viele Nationen werden hingehen und sprechen: Auf, lasset uns hinausgehen zum Berge des Ewigen, zum Hause des Gottes Jncob's, dass er uns lehre von seinen Wegen, und wir wandeln auf seinen Pfaden; denn von Zion gehet aus die Lehre und das Wort des Ewigen von Jerusalem. Und er wird richten zwischen den Völkern und entscheiden vielen Nationen. Und sie werden umschmieden ihre Schwerter p Sicheln und ihre Lanzen zu Nebenmessern. Nicht wird erheben Volk gegen Volk das Schwert, und nicht lernen sie mehr den Krieg." — Auf Grund dieser Prophezeiungen entrollt nun Jesaja von dem Messias ein unvergleichliches, erhabenes Gemälde: „Und es keimt ein Reis aus dem Stamme Jsai, und ein Sprössling aus seinen Wurzeln bricht hervor. Und es ruht auf ihm der Geist des Ewigen, der der Geist der Weisheit und Einsicht, der Geist des Rathes und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und Furcht des Ewigen. — Er wird Recht und Treue schützen, Unrecht und Schlechtigkeit aus der Welt schaffen. Allgemeiner Friede wird herrschen — selbst unter den Naubthieren, und voll wird die Erde der Erkenntnis des Ewigen, wie Wasser die Meerestiefe, bedecken" (Jes., 11., 1-9). Als Jesaja dieses herrliche Bild entrollte, schweiften seine Augen nicht in die weite Ferne, „auf das Ende der Tage", sondern er hatte einen Mann im Sinne, der bereits unter den Lebenden wandelte und bestimmt war, den Thron seiner Väter zu besteigen — dieser Mann war Chiskija. Auf ihn setzte' der Prophet seine Hoffnung, dass er das alte Reich David's wiederherstellen, die nach Assyrien Versprengten Israels sammeln und die Eifersucht zwischen Ephrajim (Zehnstämmereich) und Juda beseitigen werde (16., 12, 13). Die Quelle dieser Vorstellungen ist offenbar die Regierung David's, wie sie in der Erinnerung des Volkes fortlebte. Auch H o s e a spricht von der glücklichen Zukunft Israels, dem er ewigen Bestand und zeitliches Wohlergehen unter einem Haupte aus dem Geschlechte David's prophezeit. Ja sogar der ältere Secharja, ein Zeitgenosse Jesaja's, bedient sich bei der Schilderung der messianischen Zeit derselben Worte, mit welchen die Zeitgenossen David's dessen Regierung geschildert haben (vergleiche Secharja 9, 10 mit Psalm 72, 8). — Zephanja stellt als das Hauptmerkmal der messianischen Zeit die Thatsache hin. dass alle Völker gemeinschaftlich zur Erkenntnis des wahren Gottes kommen werden, ohne eines Königs aus dem Hause David's zu gedenken. — Derselbe Geist und derselbe Gedanke lebt in allen Reden der Propheten zur Zeit der Könige. Da kein einziger der zeitgenössischen Könige geeignet schien, das Ideal der Propheten zu verwirklichen, so verlegten sie ihre Hoffnungen in die' späte Zukunft, aber allen schwebte dasselbe Bild des erhofften Königs vor. Solange nun die Kraft des judüischen Staates nicht gebrochen war, konnte die Hoffnung platzgreifen, dass ein edler, thatkräftiger König, der die Macht besäße, sein Volk auf die Bahn der wahren Religion und Sittlichkeit zu bringen, auch im Stande wäre, das Reich Gottes auf Erden zu gründen, ohne dass Gott eingreifen müsste. Die ersten Propheten haben auch für die messianische Zeit keine Zeichen und Wunder verkündet. Das wurde aber später anders. Zur Zeit Jeremias war die Kraft des Volkes vollständig gebrochen. Religion und Sittlichkeit waren geschwunden, so dass die Propheten es wagten, im Namen des Götzen Baal zu sprechen, und selbst die Priester den wahren Gott nicht kannten. Seit dieser Zeit verloren die wahren Propheten ihren Glauben an die Gegenwart und erwarteten nicht mehr das messianische Reich für die nächste Zukunft. Der Sturz des Reiches Juda stand für Jeremias fest und nur von einem Wunder, durch directes Eingreifen Gottes, erhoffte er die Wiederaufrichtung des Davidischen Reiches. Im babylonischen Exil war die Lage des Volkes so traurig, dass jede Hoffnung ausgeschlossen schien. Aber I e ch e s k e l (Ezechiel) verkündete, dass Gott die vertrockneten Gebeine des Volkes wieder beleben und sie aus ihren Gräbern auferstehen lassen werde. Gottes Namen werde durch außerordentliche Wunder, die er G o g und M a g o g und vielen Völkern üben werde, verherrlicht und geheiligt werden, und dann werde ein König aus dem Hause David über ganz Israel herrschen — für immer! Außerordentliche Wunder im Himmel und auf Erden werden von Joel für den Tag des Herrn verkündet, ebenso von Sacharin und Nt n l e a ch i. Sie alle weichen in ihren Schilderimgen des messianischen Reiches sehr wesentlich ab von den Schilderungen der ersten Propheten, aber das Ziel bleibt dasselbe: Vervollkommnung der Welt unter einem gerechten König aus dem Hause Davids. Eine von allen Propheten abweichende Schilderung gibt der zweite Jesaia (40—66). Da ist keine Spur von der Gründung eines Reiches unter einem Nachkommen Davids. Wohl wird Gott mit Israel nach den Gnadenverheißungen Davids einen ewigen Bund schließen (55,3), aber diese Verheißungen wird der Perserkönig Cyrus zur Ausführung bringen! Er wird auch der Hirt, der Messias Gottes genannt (44,28.45,1). Diese Worte des Propheten scheinen auf Cyrus ihren Eindruck nicht verfehlt zu haben, denn er fühlte sich wirklich von Gott beauftragt, den Judäern ihr Vaterland wiederzugeben und den Tempel in Jerusalem aufzubauen (Esra 1, 2—3). So sehen wir denn, wie der Glaube an das messianische Reich auf Ueberlieferung gegründet in der Zeit der ersten Könige seinen Anfang nahm und in den verschiedenen Zeiten eine verschiedene Gestalt angenommen hat. (Fortsetzung folgt.'

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