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Die Wahrheit · 1899-05-08 · Heft 16 (8.5.1899) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 16 (8.5.1899)
Date
1899-05-08
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Nr. 16. „ Gesterreichisch-ungarische Canto ren-Aeitung." von hier, dieser Zeitung hinzugefügt worden, mit einem kleinen Beitrag: „Verschiedene Melodien zum Moaus Zur J'schnossi" beschicken. Möchten durch beides wenigstens Andere angeregt werden, meine Ideen zu prüfen und, wenn dieselben für annehmbar befunden werden sollten, sie für die weitere Forschung nutzbar zu machen! Es grüßt Sie Ihr in herzlicher Freundschaft ergebener William Wolf. Berlin, 27. April 1899. Verschiedene Nachrichten. Wien. Der Cultusvorsteher Universitäts-Docent Dr. Josef Grünfeld feiert am 17. Mai mit seiner Gattin Frau Sofie Grünfeld, Präsidentin des „Ferienheims", das Fest der silbernen Hochzeit. Wien. Den Herren Cantoren Moritz Blatt und Zsak Schiller wurde vom Vorstande der israelitischen Cultusgemeinde der Titel I. Cantor verliehen. Wien. Das 25jährige Jubiläum des Directors der türkisch-israelitischen Schule, Herrn Emanuel Groag, wurde Montag, den 1. Mai mit einer solennen Schulfeier begangen. In einem geschmackvoll decorirten Schulzimmer versammelten sich der Lehrkörper, bestehend aus den Herren Chachain Alkalay, D. Moskona, I. Löwit, Jndustrielehrerin Fräulein Keßler, sämmtliche Schüler und Schülerinnen der Anstalt und mehrere Gäste, darunter Rabbiner Papo, Obercantor Bauer rc. Der jubilirende Direktor wurde bei seinem Erscheinen mit begeisterten Hochrufen empfangen und ein Knabe und zwei Mädchen gratulirten in sinnigen Worten und überreichten Blumen und ein Geschenk der Schuljugend. Hierauf hielt Chacham M. Alkalay eine schwungvolle hebräische Ansprache an den Jubilar und überreichte im Namen des Lehrkörpers einen silbernen Pokal. Tief bewegt dankte Direktor Groag für die ihm dargebrachten Ovationen. Im Laufe des Tages erschienen in der Wohnung des Jubilars viele Gratulanten und ehemalige Schüler, unter Letzteren Rabbiner Dr. Groß aus Lundenburg mit Gemalin, der Chefredakteur der „Wahrheit" Dr. Löwy rc. Die zahlreich eingelangten schriftlichen Gratulaftonen und Telegramme gaben Zeugnis von der außerordentlichen Achtung und Anerkennung, deren sich dieser wohlverdiente Schulmann in den weitesten Kreisen erfreut. Wien. Montag, den 1. Mai ist der emeritirte Direktor des israelitischen Toubstummen-Jnstitutes, kais. Rath Joel Deutsch, im Atter von 86 Jahren gestorben. Der Verstorbene, welcher durch volle 40 Jahre das Wiener Institut und vorher das Nicolsburger Taubstummen-Jnstitut leitete, war ein Reformator auf dem Gebiete des Taubstummen-Unterrichtes, und seine ausgezeichnete Thäftgkeit, die geradezu einen Weltruf genoß, wurde auch von Sr. Majestät dein Kaiser durch Verleihung des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone und des Titels eines kais. Rathes anerkannt. Das Leichenbegängnis fand Donnerstag, den 4. d. M. unter zahlreicher Theilnahme statt. Unter den Trauergästen bemerkte man die Vorstandsdamen Frau Karoline Gomperz-Bettelheim, Frau Josephine Schiff, geb. Königswarter, Frau Aurelie Weiß, den I. Vicepräsidenten der Cultusgemeinde Dr. Stern, die Cultusvorsteher Ritter v. Goldschmidt und Salo Kohn, Ministerialrath Dr. Kuranda, Vorsteher König vom Vereine „Chanen Dalim", den gegenwärtigen Direktor des Taubstuminen - Institutes Dr. Brunner, Direktor Heller vom Blinden-Jnstitute, Lector Friedmann, Dr. Bloch, Obercantor Bauer, Cantor D. L. Rotter rc. Oberrabbiner Dr. Güdemann würdigte in einem Nachrufe die vielfachen Verdienste des verstorbenen Pädagogen. Die cantorale Function versah Obercantor Goldstein. Prag. Sonntag, am 30. Mai, veranstaltete der Obercantor der Meiselsynagoge Herr M. Wallerstein, der sich hier als Gesangslehrer großer Beliebtheit erfteut, im großen Saale der Productenbörse eine Production seiner Schüler und Schülerinnen. Der Saal war von über tausend Personen besetzt. Die Productton fiel glänzend aus und machte den Schülern und dem Lehrer große Ehre. Prag. Herr S. Angel, Geschöstsleiter des israelitischen Freitisch- Vereines in Prag, feierte dieser Tage seinen siebzigsten Geburtstag. Aus diesem Anlasse erschien bei ihni eine Deputation unter Führung des Herr" Dr. Fischer und überreichte ihm im Namen der Speiseinspection des Vereines eine elegant ausgeftthrte Adreffe; zahlreiche Glückwünsche kamen ihm zu. Neubidschow, 3'1 April. (Ein Bubenstück.) Heute gegen zwei Uhr Nachts wurden die Fensterscheiben der im israelitischen Gemeindehause nntergebrachten Schule durch faustgroße Schottersteine zertrümmert. Unterhalb der zerbrochenen Fensterscheiben gewahrte man die mit schwarzem Kohlenstifte in schönen formvollendeten Schristzügen angebrachten Worte: „Odveta za Clieb!•* (Vergeltung für Eger!) Die Ausdrucksweise wie die Schrift weisen darauf hin, dass man es hier mit intelligenten Thätern zu thun habe, die sich in der jetzt so populären nationalen Kleinarbeit gefallen, nur forscht man vergebens nach den Gründen, die den Zusammenhang der hiesigen Judenfchaft mit den Vorgängen in Eger rechtfertigen könnten. Seit dem 1. Decernber 1897, wo in sämmtlichen Judenhäusern die Fenster eingeschlagen wurden, haben sich solche Vorfälle hier schon öfters wiederholt, ohne dass die connnnnale, oder auch die politische Behörde auch nur eines Thäters habhaft geworden wäre, und doch ist es allgemein hier bekannt, dass an den damaligen Excessen Leute aus den besten Kreisen der Stadt die Schuld tragen, ja sich daran selbst betheiligten. Da ihnen nichts geschieht, so wächst diesen Herren der Appetit mit dem Essen. Die beschädigten Parteien führen mit der Stadtverwaltung einen Entschädigungs-Process, der seit ungefähr einem Jahre bei der Statthalterei erliegt, die zu dessen Entscheidung trotz des langen Zeitraumes noch immer nicht geschritten ist, trotzdem ein Präcedenzfall, nämlich Saaz vorliegt. Die Judenfchaft lebt denn hier auch unter einem ftirchtbaren moralischen Drucke der Unsicherheit. Budapest. Trauer-Gottesdienste für die verewigte Frau Baronin Clara von Hirsch haben stattgefunden: Mittwoch, den 26. April, im schwarzdrapirten Prunksaale des Pester israelitischen Mädchenwaisenhauses im Beisein eines überaus zahlreichen, zumeist aus Damen bestehenden, höchst vornehmen Trauerpublicums. Der Trauerfeier wohnten an: das Präsidium mld die Damen des leitenden Ausschusses des Pester israelitischen Frauenvereines mit der Präsidentin Frau Marie Herzl und der Viceprästdentin Frau Jda Pfeifer an der Spitze, Hofrath Or. Armin Neumann, königl. Rath Dr. Weinmann, der Präsident der israelitischen Religionsgemeinde Sigmund Kohner, die Gemeindevorsteher Samuel Deutsch und Louis Baumgarten, Director Abraham Lederer, Oberinspector Gabriel Forrai u. A.; ferner die Waisenmädchen, die Halbwaisen aus dem Baron Hirsch'schen Waisenasyl, die männlichen und die weiblichen Insassen des israelitischen Altersversorgungshauses und der Lehrkörper der obengenannten Waisenhäuser. Obercantor Professor Adolf Lazarus eröffnete die Trauet feier mit einem ungarischen Choral, wobei er die Solis herrlich zur Geltung brachte. Rabbiner Dr. Samuel Kohn hielt sodann eine mächtig ergreifende Gedenkrede und verrichtete das Kadischgebet der Rabbiner. Mit einem hebräischen Psalm endete der liturgische Theil der Feier. Zum Schlüsse sprach noch ein kleines putziges Waisenmädchen ein äußerst rühriges Gebet für die Heimgegangene große Wohlthäterin. — Montag, den 1. Mai, fand ein solenner Trauer-Gottesdienst im großen Tempel in der Tabakgasse statt. Zu dem Behufe hatte das monumentale Gotteshaus Trauerschmuck angelegt und war in allen seinen Räumen hell beleuchtet. Wir sahen daselbst außer den Persönlichkeiten, die wir im Waisenhause fanden, noch die Rabbiner Pollak, Dr. Kaiserling und Dr. Weiszburg, die Gemeindevorsteher Ludwig Adler und Max Grünbaum, den Präsidenten der Chewrä Kadischa Moses Ehrlich, die Vorsteher des Heiligen Vereines Breitner, Fleischmann, Keppich und Münz, die Professoren der Landes-Rabbinerschule Dr. Bacher, Dr. Blau und Dr. Kaufmann, Universitätsprofessor Dr. Ignaz Goldziher, Stadtpräsident Paul Tencer, die Tempelvorsteher Adler, Bloch, Boschan und Herzmann u. A.; ferner die israelitischen Waisenknaben, die israelitische Schuljugend, den Lehrkörper der israelitischen Bürgerschule, Professor Reif und Schuldirector Nathan Haläsz. Obercantor Professor Adolf Lazarus versah den cantoralen Theil der Trauerceremonie, wobei ihm der gutgeschulte Tempelchor unter Szegfi's Leitung wacker assistirte. Die Trauerrede besorgte Rabbiner Dr. Samuel Kohn. Mit einem Kadischgebete sämmtlicher Waisenknaben schloß die ergreifende Feier. 8—r. Budapest. Das Leichenbegängnis der Frau Joseph v. Hatvany- Deutsch fand kürzlich unter überaus großer Betheiligung statt. Es waren unter Anderen erschienen: die Abgeordneten Alexius György, Leo Lüncy, Chorin, Nernenyi, Berthold Weiß, Georg Szerb, der Präsident der

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