Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1899
- Issue
- Heft 16 (8.5.1899)
- Date
- 1899-05-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 16. Seite 8. Die Wahrheit. Reciiiren der Lection schon zuwider wäre. Deshalb ersuchte ich den Präsidenten, er wöge an den Zeugen die Frage richten, ob er seine Aussage nicht auch eventuell in — Versen vortragen könnte. Es umtobte mich darob die Wuth der „öffentlichen Meinung". Aber durch dieses Wuthgeheul hindurch hörte ich nur zu gut das Gelächter, das die ehrlichen Seelen in allen Theilen der Welt anstimmten. Ihre Schaar war damals winzig, heute ist sie groß. Ich kann's nicht wissen, wieviel Leute es gibt, die den Tod des kleinen Moriz betrauern. Aber dass ihn sein Vater beweint, das weiß ich bestimmt. Gemeinde- und Vereinsdote. Wien. In der Sonntag, den 30. April 1899, abgehaltenen Plenarsitzung des Vorstandes der Wiener israelitischen Cultusgemeinde, in welcher in Abwesenheit des durch Unwohlsein verhinderten Präsidenten der I. Vicepräsident Dr. Alfred Stern den Vorsitz führte, wurden die Baumeisterarbeiten des neu zu erbauenden Siechenhauses auf Grund der durchgeführten Offertverhandlung vergeben. — Dem Tempelvereine für Wieden und Margarethen wird eine Subvention für die Adaptirung seines Bethauses bewilligt. — An Spenden sind eingelaufen: von Frau Philippine Samson für Arme fl. 20'—; von den Erben nach Frau Fanny Fröhlich zur Vertheilung an verschiedene Wohlthätigkeitsanstalten fl. 1000'—; zur Errichtung einer Fanny Fröhlich'schen Seelenheil-Stiftung fl. 2000 —; zur Errichtung einer Jonas und Fanny Fröhlich'schen Grufterhaltungs - Stiftung Kronen 2000-—; zur Errichtung einer Alexander und Mathilde Goldstein'schen Graberhaltungs-Stiftung fl. 600'—. Wie«. Vom Vorstande der israelitischen Cultusgemeinde Wien wurden in diesem Monate folgende Stiftungen ausgeschrieben: die „Benedict Karplus-Stiftung" für Gewerbeschüler, 2 Plätze a fl. 25'—; die „L. G. Goldstein'sche Stiftung" für Heirats-Ausstattungen, 2 Plätze a fl. 140'—; die „Albert Gansl'sche Widmung" für Arme, zusammen fl. 190'—; die „Milde Stiftung des Michael Cohen da Silva" für Handwerker, 1 Platz a fl. 400*—. Sämmtliche mit dem Einreichungstermine bis 31. Mai 1899. Ferner die „Salomon Altmann'sche Stiftung" für Waisen (Verwandte des Stifters und aus Oesterreichisch- Schlesien Stammende bevorzugt), 2 Plätze a fl. 29*— mit dem Einreichungstermine bis 15. Juni 1899. Wie«. („Oesterreichisch-Jsraelitische Union".) Bei der am 27. April stattgefundenen constituirenden Sitzung des neugewählten Vorstandes wurden, nachdem Herr Sigmund Mayer wegen Geschäftsüberbürdung eine Wiederwahl zum Vicepräsidenten abgelehnt hatte, Herr Universttätsdocent Dr. Ehrmann zum ersten, Herr Dr. Jacob Kohn zum zweiten Vicepräsidenten, Herr I. Jaiteles zum Cassier, die Herren Dr. S. Elias und Dr. S. Zins zu Schriftführern und Herr B. Kanitz zum Controlor gewählt. Der Vorstand berief ferner zu Beiräthen die Herren: Dr. I. S. Bloch, Gemeinderath Lucian Brunner, S. Heit, Baurath Theodor Ritter v. Goldschmidt, Universttäts-Docent Dr. Josef Grünfeld, Ignaz Kantor, Landesschulrath Dr. Gustav Kohn, Sigmund Neustadtl, Theodor Neitlinger, Ignaz Simon, Dr. Markus Spitzer, Albert Winterberg und Commercialrath Ignaz Zucker. — Mit der Leitung des Rechtsschutz- und Abwehrbureaus im Einvernehmen mit dem Präsidium wurde Herr Sigmund Mayer betraut. Wie«. Im Sitzungssaale der israelischen Cultusgemeinde fand vor einigen Tagen die Gründung und Conftituirung eines „Vereines für unentgeltlichen Arbeitsnachweis" statt, der mit Rücksicht auf die von den Antisemiten angestrebte Boycottirung jüdischer Handwerker und Gewerbetreibenden als eine dringende Nothwendigkeit erscheint. Nachdem der Vorsitzende Dr. Alois Klemperer die Ziele des Vereines auseinandergesetzt hatte, sicherten die anwesenden Vertreter des Cultus-Vorstandes und verschiedener jüdischer Vereine demselben ihre vollste Unterstützung zu. Bei der hierauf vorgenommenen Wahl des Vorstandes wurden folgende Herren in denselben entsendet: Dr. Klemperer, Dr. Längstem, Baurath Stiaßny, Oberbaurath Taußig, Dr. Bela Taußig. Bankier Rosenfeld, Fabikant Teltscher, Fabrikant Julius Wolf, Albert Winterberg, Ad. Frankl, S. Engel, Emil Horner, kaiserlicher Rath I. Lichtenstadt. Wien. Am 25. April a. c. hielt der humanitäre Geselligkeits- Verein „ R u d o l f s b u n d " eine Trauerfeier für weiland Baronin Clara Hirsch-Gereuth ab. In zu Herzen gehender schlichter Weise schilderte der Obmann, Herrr Armenrath Josef Pollak, das Wirken der Verblichenen. Viele Millionen von Gulden widmete sie humanitären Stiftungen, Witwen und Waisen fanden bei ihr die thatkräftigste Unterstützung, für kleine Gewerbetreibende gab sie mit vollen Händen zur Linderung ihrer Nothlage. Betrauert und beweint wird sie so wie ihr im Tode vorangegangener Gemahl in der ganzen Welt. Ihr Wohlthun kannte nicht Unterschiede in der Confession und Nationalität. Auch den Verein habe sie alljährlich durch große Spenden in die Lage versetzt, arme Schulkinder zum Winter vollständig zu bekleiden. Ewig werde deren Namen im goldenen Ehrenbuche glänzen. — Der Verein sandte ein Beileidstelegramm und -Schreiben an die Hinterbliebenen. Wien. Am 29. v. M. hielt in der „Jüdisch-akademischen Lesehalle" Herr Dr. Leo Sofer einen Vortrag: „Eine neue Hamleterklärung". Das Zahlreich versammelte Publicum folgte mit Aufmerksamkeit den zahlreichen Ausführungen des Vortragenden, dessen Erklärungen in Folgendem gipfelten: Shakespeare wollte schildern wie die Vorsehung einen Brudermörder zielbewusst und siegreich über alle Hindernisse hinwegführt. Als ihr großes Werkzeug benützt sie Hamlet. Hamlet selbst schildert der Vortragende als einen von innigstem, religiösem Geiste beseelten Menschen, der sich in allen seinen Handlungen und Unterlassungen, in den kleinsten, wie in den größten, von den Vorschriften einer Religion leiten lässt. Daraus erfolgt auch das Motiv der Verzögerung seiner That, was der Vortragende durch zahlreiche Citate aus dem Stücke bewies. Prag. Der israelitische Fortbildungsverein in Prag hielt am 24. April d. I. seine 28. Generalversammlung ab. Der Präses, Herr Rabbiner Dr. N. Grün, beleuchtete in seinem Jahresberichte die mächtige Bedeutung und ersprießliche Thätigkeit des Vereines. In den Ausschuss wurden gewählt: Präses Herr Dr. N. Grün, Vicepräses und Schriftführer Herr S. Lieben, Cassier Herr G. Lieben, Rechnungsführer Herr L. Schnürdreher, Oekonom Herr H. Zuwald. Bei den Ergänzungswahlen in den Ausschuss wurden die Herren Rabbiner Dr. S. Knöpfelmacher, L. Schnürdreher, H. Tausstg und M. Wien wiedergewählt. Morva-Szl.-Jänos. Anlässlich des Ablebens der gewesenen Szt. Johanner Gutsherrin, Baronin Hirsch s. A., veranstaltete die hiesige jüdische Gemeinde, deren Wohlthäterin die edle Verblichene^ gewesen, eine imposante Trauerkundgebung. Es halten sich zu derselben im trauergeschmückten Gotteshause eingefunden: Deputationen der Nagy Lsvürder, Malaczkaer, Kuttier, Bür-Szt. Györgyer, Bür-Szt. Mikloser, Zavoder und Egbeler israelitischen Gemeinden, die gewesenen Beamten der Verstorbenen einstigen Szt. Johanner Herrin, die Beamten der nunmehrigen Prinz- Hohenlohe'schen Gutsherrschaft mit dem gewesenen Baron Hirsch'schen und dem jetzigen Hohenlohe'schen Rechtsvertreter, die Szt. Johanner und Szekuler politische Gemeindevertretung unter Führung der Bürgermeister. Die Feier begann mit dem Mincha-Gebete und einem Psalm, vom Cantor Böhm in erhebender Weise vorgetrageu. Nachher bestieg der zur Abhaltung einer Trauerrede berufene Rabbiner Dr. L e w i n aus Malaczka die schwarzdrapirte Kanzel. In seiner herzgewinnenden Weise schilderte er, von den Worten Jeremias 8,18—19 ausgehend, den Schmerz Israels und die Größe des Verlustes unserer Gemeinde, deren gnädige Herrin die große Dahingeschiedene gewesen. Gewaltig war der Eindruck, den die Worte des Redners auf alle Anwesenden, insbesondere ’ auf die nichtjüdischen Zuhörer hervorgerufen hatte. Mit dem .,E1 molo rnolmmiw"-Gebete fand diese würdige Feier ihren Abschluss. 86h.